Pacific Paradise

Erschienen: Januar 2010

Bibliographische Angaben

  • London: William Heinemann, 2009, Titel: 'The gentlemen's hour', Seiten: 327, Originalsprache
  • Berlin: Suhrkamp, 2010, Seiten: 385, Übersetzt: Conny Lösch
  • Berlin: Suhrkamp, 2012, Seiten: 385

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Wolfgang Franßen
So I can walk again, like a white man!

Buch-Rezension von Wolfgang Franßen Dez 2009

Paradiese sind so angelegt, dass, wenn man nicht nur von ihnen träumt, zumeist aus Ihnen vertrieben wird. Zumal, wenn sie immer mehr für sich beanspruchen. Boone Daniels ist Surfer. Eigentlich nur Surfer. Damit kann man sein Leben allerdings nicht unterhalten, selbst wenn man umringt von der Dawn Patrol ist - von Dave the Love God, High Tide, Jonny Banzai und Hang Twelve - und selbst zur Legende geworden ist. Boone sitzt am liebsten auf einem Brett und passt die Wellen ab, die ihn über das ganze Leben hinweg tragen.

Doch das Wasser ist voll. Mit Sonnenhungrigen, mit Wellenjunkies, mit Anfängern, die den Einheimischen die Brandung streitig machen. Was liegt da näher, als sie zu vertreiben. Es kommt zu Spannungen, bei denen ausgerechnet Kelly Kuhio - ein um den Ausgleich zwischen rivalisierenden Gangs bemühter surfender Gentleman - totgeschlagen wird. Der Fall scheint klar zu sein: Corey Blasingame, Mitglied der Rockpile Crew, hat ein Geständnis abgelegt. Er will K2, Kelly Kuhio, durch einen Superman-Punch ermordet haben. Die wahren Surfer hassen den Jungen.

Love, Peace and Happiness sind unter der Sonne Kaliforniens ausgetrocknet. Was zuvor eine Lebensphilosophie war, dient nun dem Gig, der Selbstdarstellung, der Hackordnung. Ausgerechnet Boone Daniels, dem ehemaligen Cop, der sich als Private mehr schlecht als recht durchschlägt, wird von der Rechtsanwältin Petra Hall in den Fall hineingezogen, weil sie ihm unterstellt, vor lauter romantischer Verklärung die Veränderungen im Paradies nicht mitbekommen zu haben. Widerstrebend beginnt er entlastendes Material zu suchen, um Corey die Giftspritze zu ersparen.

Boone trifft auf einen allerziehenden Vater, der den Sohn beim Baseball bloßstellt, auf rechtsradikale Surfer, die sich zur Gang der 14 Worte zusammenrotten um ihren Strand sauber zu halten; er begegnet einem Angeklagten, der vorgibt, stolz auf seine Tat zu sein, weil er gedacht hat, bei Kuhio handele es sich um einen Schwarzen. Während die Dawn Patrol Boones Eintreten für den mutmaßlichen Mörder von K2 ablehnt, und sich in ihrer Surferseele gekränkt abwendet.

Dem nicht genug sitzt Red Eddie, den Boone ins Gefängnis gebracht hat und der dem surfenden Private etwas schuldig zu sein glaubt, weil der wiederum Red Eddies Sohn gerettet hat, statt in einem Hochsicherheitsgefängnis, von einer Fußfessel bewacht, in einer Luxusvilla und schwört Rache für den Mord an dem gebürtigen Hawaiianer K2. Um Corey Blasingames Leben steht es nicht gut.

Viel Feind, viel Ehr. Der Private ist auch diesmal allein auf sich gestellt, gerät unter Mordverdacht und in die Fänge eines Drogenkartells, das ihn gleich mal im Meer boarded. Hinzu kommt ein angeblich fataler Seitensprung, ein Bauskandal und eine Anwältin, die dem Helden den Kopf verdreht.

Das ist voller Drive, vermag mit drei, vier Sätzen Atmosphäre anzureißen, und ist in viele kleine Szenen geschnitten. So entsteht ein Bild von Kaliforniens Küste, das der Vertreibung aus dem Paradies gleichkommt. "Localism" heißt das Zauberwort, das sich die Anwohner an die Brust heften. Was nichts anderes heißt: Wenn du nicht hier wohnst, hau ab, such dir eine andere Welle.

Der Autor erzählt von Rissen, die nicht nur die Erde zu brechen vermögen, die auch Söhne auf die ewige Suche nach Menschen schicken, zu denen sie gehören wollen. Das kann nicht gut gehen.

So kommt es nicht von ungefähr, dass Don Winslow seine Geschichte wie bei der Schießerei am O.K. Corral beschließt, bei dem es zum finalen Countdown kommt. Paradiese lassen sich nicht beschützen. In der Verklärung überleben sie. Am besten in den Geschichten von früher. Wie die von der Dawn Patrol in der Schlacht vor Rockpile.

Die Wellen an Boone Daniels Strand tragen die Welt in sich. Und die lässt sich oft genug nicht bewahren.

Pacific Paradise

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Letzte Kommentare:
25.09.2010 07:38:35
FrankDef

Die Geschichte
Ein Privatdetektiv nimmt einen Fall an, bei dem er die Unschuld eines jugendlichen Straftäters untermauern soll. Dieser soll "die" Surf-Legende von San Diego getötet haben. Er beginnt zu ermitteln. Ferner soll er parallel die "Un"-Treue der Frau eines Surf-Kollegen beweisen
Man kann sich denken, das beide Fälle nicht unbedingt bei seinen Surferfreunden zu Freudensprüngen führen. Zumal sich auch die Wege einiger seiner Freunde bei den beiden Fällen kreuzen. Zum letzte Drittel des Buches sieht der Leser, das manches mit manchem zusammenhängt und das alles mit Löchern zu tun hat.

Die Protagonisten
Wie beim ersten Roman sind auch hier die Protagonisten das klare Plus. Das kann der Autor... Leute beschreiben! Die Protagonisten sind die bekannten und werden wieder gut beschrieben.

Der Schreibstil
Wie auch beim ersten Mal kurz und knackig. In ziemlich vielen (kleinen) Kapiteln kommt die Geschichte gut in Schwung. Viel Dialog. Macht Spaß, das zu lesen.

Fazit:
So, jetzt kommt das schwierigste. Das Fazit! Die vorherigen Kritiksätze lassen eigentlich nur ein positives Fazit zu. Das ist für mich aber nicht so, denn das Buch hat etwas, was ich bei Krimi-Reihen nicht so gut finde. Es wiederholt das Schema des Vorgängers. Die gleichen Leute werden gleich gut beschrieben. Zwei Fälle werden in einem Buch angegangen und haben dann miteinander zu tun. Die Freundschaft wird arg auf eine Belastungsprobe gestellt und kommt gestärkt heraus. Viele Protagonisten sind am Ende um einige Illusionen ärmer.

Ich nenne ich das den Mankell-Effekt. Die Bücher sind gut, aber sie enthalten immer die gleichen Bestandteile. Das liest sich für mich wie "Jerry Cotton" auf hohem Niveau. Oder um ein Bild aus dem Surfer-Milieu zu bringen: "Wenn Du weißt wie Du eine Welle zu nehmen hast, mach es so. Keine Experimente."

Dennoch ist das ein ziemlich guter Krimi. Aber wenn es einen neuen "Boone Daniels" geben sollte, erwarte ich ein wenig mehr und mal was anderes. Apropos "Was anderes" - das Don Winslow auch anders kann hat er schon mit "Frankie Machine" gezeigt und was ich bisher von "Tage der Toten" (The power of dog") - einem knapp 700 Seiten dicken Krimi über die mexikanische Drogenmafia gehört habe, zeigt das er auch anders kann. Der soll "die Kirsche auf die Sahne" sein.

08.09.2010 20:16:46
mo

Ich verstehe gar nichts vom Surfen. Trotzdem lese ich die Bücher von Don Winslow gerne! Erstens versetzen sie einem durch die Szenerie in Sommerlaune und die Charaktere der Dawn Patrol sind sehr gut getroffen. Weniger gut kommen immer die Frauen an der Seite von Boone weg, sie sind durch die Bank alle etwas farblos geraten. Die Handlung ist spannend und flüssig obwohl der Aufbau des Spannungsbogens etwas auf sich warten lässt. Die Hintergründe werden genau und glaubwürdig beschrieben. Dann gewinnt die Story an Tempo und von den 171 Kapitel war keins zu viel. Warte schon auf das nächste Buch von Dan Winslow

31.07.2010 16:30:59
Schrodo

Pacific Beach, Kalifornien. Immer bei Sonnenaufgang treffen sich die Profis der Dawn Patrol, um die ersten Wellen zu reiten. Boone Daniels, unterforderter, fast arbeitsloser Privatdetektiv und passionierter Surfer, läßt keinen Morgen ausfallen. Während sie über das Wasser schippern bittet ein alter Freund Boone, seine Frau, die anscheinend eine Affäre hat, zu überwachen – ein Auftrag, den Boone lieber nicht annehmen würde. Kurz darauf wird der Profisurfer K2 aus Hawaii kaltblütig erschlagen. Es scheint, die Lokalmatadoren verteidigen ihren Strand mit brutaler Gewalt. Und mit einem Mal sieht sich Boone in zwei komplizierte Fälle verwickelt. Am Anfang des Buches sind doch erhebliche Längen drin, ich würde gar sagen, es ist ziemlich langweilig. Na ja, für nen passionierten Surfer natürlich nicht. Nachdem man aber dann die ersten 100 Seiten durch hat, steigt die Spannung und das Interesse an der Geschichte stetig an. Die Story entwickelt sich kontinuierlich bis zum Finale, bei dem die ganzen Hintergründe sehr gut aufgelöst werden. Eigentlich ist in dem Krimi alles drin. Ein komplizierter Fall, düstere Verwicklungen und sogar eine Liebesgeschichte…wenn nur der Start etwas mehr Pep hätte. Ich werd mir aber die folgenden Ergüsse des Herrn Winslow auch noch zu Gemüte führen.

29.07.2010 14:47:34
Michelle

Warum das Buch bisher 96% erhalten hat weiß ich nicht.

Zugegeben, es liest sich flüssig und leicht. Jedoch ist es über weite Strecken mehr eine Tourismusbroschüre für San Diego und Umgebung nund ein Ratgeber "Wie lerne ich Surfen" als ein Kriminalroman.

Die Spannung bleibt leider über weite Strecken nur ahnbar. Charakterzeichnung sind nun auch nicht unbedingt Winsolw\'s Stärken.

Der Kriminalfall an sich ist nur Mittelmaß. In dieser Form schon etliche Male gelesen.

Außerdem muss Winsolw bei Patterson abeschaut haben, denn er bringt es immerhin fertig, auf 386 Seiten 171 Kapitel unterzubringen.

Äußerst gewagt der Querverweis auf dem Buchrücken, dass es sich quasi um einen modernen Philip Marlow handelt.

Da lese ich lieber noch zehnmal "Die kleine Schwester" oder "Der tiefe Schlaf"

Schade darum, dass dafür ein Baum dran glauben musste. Reine Papier- und Zeitverschwendung.