Der Gesang des Blutes

  • Neuer Europa Verlag
  • Erschienen: Januar 2007
  • Leipzig: Neuer Europa Verlag, 2007, Titel: 'Der Gesang des Scherenschleifers', Seiten: 272, Originalsprache
  • Berlin: Audible, 2013, Übersetzt: Simon Jäger, Bemerkung: ungekürzte Ausgabe, Hörbuch-Download
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Andreas Kurth
75°

Krimi-Couch Rezension von Andreas Kurth Dez 2009

Alpträume in einem kleinen Häuschen

Tom muss Kristin ein wenig überzeugen, denn ihr ist das Haus irgendwie unheimlich, vor allem der merkwürdige Keller. Doch dann geht der lang gehegte Traum vom eigenen Häuschen auf dem Lande endlich in Erfüllung. Kurz nach dem Einzug passiert jedoch ein Unglück, Tom gerät zufällig in einen Banküberfall und wird dabei getötet. Für Kristin bricht daraufhin ihre heile Welt zusammen – und eine schwierige Zeit beginnt. Sie hat scheinbar unüberwindliche Probleme, ohne Tom in der Realität zurecht zu kommen. Und wird zudem auch von Alpträumen gequält, in denen sie immer wieder ein Lied hört. In dem bekannten Reim geht es um einen Scherenschleifer, der einst über Land zog. Von den freundlichen Dorfbewohnern bekommt sie viel Unterstützung, und auch ihre Mutter zieht vorübergehend zu ihr aufs Land. Doch immer wieder hört sie das gleiche Lied. Hanna, die Besitzerin eines kleinen Dorfladens, erzählt Kristin dann auch noch, dass es in dem Haus einst eine schreckliche Tragödie gab. Niemand ahnt, dass es auch für Kristin in diesem Haus  bald um Leben und Tod geht.

Visionen und Rätsel

"Der Gesang des Blutes" ist eine Neuauflage des bereits vergriffenen Debut-Romans von Andreas Winkelmann, "Der Gesang des Scherenschleifers" von 2007. Es war für mich die erste Lektüre eines Buches von Andreas Winkelmann, der schon bei diesem Debut gezeigt hat, dass er ein guter Geschichtenerzähler ist. Allerdings muss man zunächst feststellen, dass dieses Buch kein klassischer Kriminalroman ist, sondern auch durchaus als Mystery-Thriller eingestuft werden könnte. Wenn man das nicht mag, sollte man gleich die Finger von dem Buch lassen, denn hier geht es nicht nur um Alpträume, sondern auch um Visionen, Rätsel und handfeste Phantastik. Das Leben der Protagonistin wird in weiten Teilen von diesen Dingen bestimmt, was für die enorme Spannung allerdings sehr förderlich ist. Wer sich also auf dieses Buch einlässt, wird mit guter und wirklich spannender Unterhaltung belohnt.

Eine geschickte Mischung

Es gibt dann nämlich noch einen zweiten Handlungsstrang, in dem es um den Verbrecher Robert Stolz geht. Die beiden Erzähl-Ebenen laufen lange nebeneinander her, und man fragt sich, wie der Autor das verknüpfen will. Kristin und Robert treffen sich dann zu einem späten Zeitpunkt, und bis dahin ist bei dem Klein-Kriminellen einiges an Brutalität und Action angesagt. Eine geschickte Mischung, die der Autor hier angerührt hat – und keine wirklich passende Lektüre zum Einschlafen. Das Zusammentreffen von Kristin und Robert wird geschickt arrangiert, und wirkt völlig glaubwürdig – was man als Leser allerdings auch erst zu diesem Zeitpunkt versteht. Mehr wird hier nicht verraten, aber der Plot insgesamt ist gelungen, und wenn man bedenkt, dass es sich um den Debut-Roman von Winkelmann handelt, finde ich das durchaus bemerkenswert.

Pluspunkte für die Nebenfiguren

Um das dörfliche Leben und die dortigen Figuren geht es auch in diesem Roman, und auch dieser Aspekt wird von Winkelmann geschickt eingebaut und angemessen geschildert. Beim Blick in die Vergangenheit, den die Dorfbewohner erst spät und überaus zögerlich gewähren, macht sich allerdings einiges an Fassungslosigkeit breit. Der Autor sammelt mit den interessanten Nebenfiguren einige Pluspunkte. Sie tragen nämlich zur stückweisen Auflösung der ganzen Rätsel bei. Das Haus und seine Geschichte,  das Drama um den Scherenschleifer und seine Folgen – hier wird Spannung aufgebaut, die den Leser ungemein fesselt. Man muss allerdings die Mystik-Anteile in diesem Thriller mögen, wer streng wissenschaftliche Beweisführung mit DNA-Analysen bevorzugt, wird sich doch eher abwenden. Am Ende wird es dann wieder hochdramatisch, Andreas Winkelmann trägt hier richtig dick auf – aber mir hat es ausgezeichnet gefallen.

Der Gesang des Blutes

Andreas Winkelmann, Neuer Europa Verlag

Der Gesang des Blutes

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