Maxis Nächte

Erschienen: Januar 2009

Bibliographische Angaben

  • Berlin: berlin.krimi.verlag, 2009, Seiten: 345, Originalsprache

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Ines Dietzsch
Zu viele Zufälle auf Kosten der Glaubwürdigkeit

Buch-Rezension von Ines Dietzsch Dez 2009

Die kriminelle Heimat für den von Lienhard Wawrzyn ersonnenen Kommissar Max Talheim liegt in der Bundeshauptstadt. Im vorliegenden Roman ermittelt er zum zweiten Mal.

In Berlin grassiert die Sommergrippe und auch Max Talheim hat es erwischt. Nachts zwischen ein und zwei Uhr, der Kommissar nimmt gerade ein Erkältungsbad, wird er zum Fundort einer Leiche gerufen. Eine junge Frau, die augenscheinlich zunächst nach einem Gewaltverbrechen ihrem Peiniger entkomme konnte, wurde offensichtlich beim Fliehen vom Täter eingeholt und dann erstochen. Die angeordnete Obduktion bringt Erstaunliches zu Tage. Die massiven Stichverletzungen wurden dem Opfer postmortal beigebracht. Man diagnostiziert, dass die Krankenschwester an einem neuartigen Bakterium der Lungenpest verstarb und nur wenig später ist auch der Gerichtsmediziner tot, welcher die Obduktion der Frauenleiche vornahm. Seine sterblichen Überreste verschwinden aus der Pathologie. Bei Max Talheim schrillen die Alarmglocken. Um was für eine geheimnisvolle Krankheit handelt es sich und warum werden ihm Informationen vorenthalten? Warum wird der Katastrophenschutz nicht alarmiert und wieso steckt der BND in der Sache mit drin? Seine Ermittlungen werden behindert, doch Talheim verfolgt den Fall hartnäckig. Dabei stolpert er ständig über Maxi Schelling, eine junge allein erziehende Mutter und muss feststellen, dass auch Maxi Schelling bereits vom BND überwacht wird.

Meine ersten Gedanken gingen in Richtung "Tatort" und tatsächlich schrieb Lienhard Wawrzyn für einige Folgen der beliebten deutschen Sonntagabendunterhaltung das Drehbuch. Die Figur des Max Talheim hat das Zeug zum Serienkommissar. Seine Frau hat ihn wegen seines Vorgesetzten verlassen, steht aber bei Problemen gerne mal in angeschickertem Zustand zu nächtlicher Stunde beim Ex auf der Matte. Der Chef seinerseits ersucht bei Max um Beziehungsratschläge. Talheim stellt einen soliden Ermittler dar, der nachvollziehbare Wege geht und Hindernisse elegant umläuft. Auch der Kriminalfall präsentiert sich Tatort-like. Geplante Terroranschläge durch islamische Fundamentalisten sind ein brisantes Thema von Aktualität, nur stelle ich mir das Vorgehen deutscher Bundesbehörden wesentlich subtiler vor. Aber auch das kam beim "Tatort" schon vor, dass sich eine Behörde von ihrer Darstellung im Fernsehkrimi verunglimpft fühlte. Der niedersächsische Verfassungsschutz äußerte sich empört über die Folge 726 – "Das Gespenst".

"Maxis Nächte" beginnt rasant, doch schon nach wenigen Seiten nimmt der Autor das Tempo deutlich raus. Um seine Hauptprotagonistin in die kriminelle Geschichte zu verwickeln, muss ein Übermaß an Zufällen geschehen. Die Glaubwürdigkeit der Story leidet in mehreren Textpassagen, auf die ich an dieser Stelle aber leider nicht genauer eingehen kann, ohne zu viel vom Inhalt preiszugeben. Vielleicht hätte dem Stoff eine Verfilmung besser getan, den Zuschauern wären sexuelle Dienstmädchen-Fantasien eines alternden Rechtsanwaltes, Gedanken und Manipulationen seiner eifersüchtigen Ehefrau und weiteres belangloses Beiwerk erspart geblieben. 

Bewirken die abenteuerlichen Titelkreationen der Verlage bei übersetzten Romanen mit schöner Regelmäßigkeit ein verständnisloses Kopfschütteln, lässt mich das Geheimnis von Maxis Nächten in Sachen Titelgebung ebenso ahnungslos zurück.

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