Castello Cristo

  • Autor: Arno Strobel
  • Verlag: TechniSat Digital, Radioropa Hörbuch

Erschienen: Januar 2009

Bibliographische Angaben

  • Daun: TechniSat Digital, Radioropa Hörbuch, 2009, Seiten: 7, Übersetzt: Bernd Hölscher

Couch-Wertung:

70°
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Wolfgang Weninger
Gut geschriebener, aber inhaltlich durchschnittlicher Vatikanthriller

Buch-Rezension von Wolfgang Weninger Okt 2009

Vatikanthriller gibt es mittlerweile wie Sand am Meer, seit Dan Brown damit die Kassen gefüllt hat.  Und dennoch hat sich der deutsche Autor Arno Strobel bemüßigt gefühlt, im Deutschen Taschenbuchverlag auf über 300 Seiten einen weiteren Verschwörungskrimi rund um Papst und Kirche zu veröffentlichen. Castello Cristo geht von der Idee aus, das einer oder mehrere Mörder die Leiden Christi auf dem Kreuzweg bildlich darstellen und dazu die Leichen junger Männer entsprechend drapieren, bis am Ende die Kreuzigung steht und natürlich auch der Tod des herrschenden Papstes. Wie originell diese Ausgangsidee ist, kann der Leser selbst beurteilen.

 Die Ermittlungen laufen bei Commissario Daniele Varotto zusammen, aber da der mit seinem Bibelwissen nicht up to date ist, wird aus einem sizilianischen Kloster der ehemalige Papstattentäter Matthias beordert, ihn zu unterstützen. Konflikte sind in diesem Rahmen vorprogrammiert, Geheimniskrämerei an der Tagesordnung. Und als wäre es nicht schon schlimm genug, dass eine Zivilperson der Polizei bei der Aufklärung unter die Arme greifen muss, klinkt sich auch noch eine hartnäckige Journalistin in die Geschehnisse ein und komplettiert das Team, auf der Suche nach den Urhebern der grausigen Mordserie, die natürlich auch von der Presse ausgeschlachtet wird.

 Wer noch keinen Vatikanthriller gelesen hat, der kann bei Castello Cristo mit einem Vertreter der besseren Sorte beginnen. Arno Strobel versteht es geschickt, in die Buchidee hinein zu führen und die Handlung ohne große Rückblenden linear laufen zu lassen, so dass der Lesefluss und der Spannungsbogen nie unterbrochen werden und konstant ansteigend bis zum Showdown durchgezogen wird.

 Wenig sympathisch wirken der Commissario und sein Kumpan aus dem Kloster. Strobel verzichtet zu Gunsten der Handlung auf eine komplexe Zeichnung der Personen und beschränkt sich auf eine kurze Charakterisierung, gerade so weit, wie es die Geschichte benötigt. Unnötige psychologische Exkurse aus dem Privatleben seiner Helden lässt der Autor bleiben, lediglich dort, wo der Täter gelegentlich zu Wort kommt, sind notwendige Erklärungen über Warum und Weshalb eingefügt. Ansonsten wird die Geschichte durchgezogen, ohne den Leser mit Fakten und Tatsachen zu überfrachten. Arno Strobel bemüht sich erst gar nicht, seine Geschichte als Halbwahrheit im Kirchenleben zu präsentieren und tritt somit auch nicht in die Fußstapfen eines Dan Brown.

 Und obwohl all das eigentlich sehr positiv aufgenommen wird, hat man dennoch während des Lesens mehr als einmal das Gefühl, dass dies alles schon mal dagewesen ist. Von Jörg Kastner bis Philipp Vandenberg haben alle Kirchenromane in etwa das gleiche Schema, weswegen Arno Strobel mit seiner Thematik wohl um zehn Jahre zu spät kommt. Das Thema ist aufgebraucht und Castello Cristo ist nicht originell genug, um aus der Masse der Vatikanverschwörungen hervor zu heben.

Da nützt auch der gute Schreibstil nichts.

Castello Cristo

Castello Cristo

  • Autor: Arno Strobel
  • Verlag: TechniSat Digital, Radioropa Hörbuch

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