Winter in Maine

Erschienen: Januar 2009

Bibliographische Angaben

  • Woodstock, NY: Overlook Press, 2006, Titel: 'Julius Winsome', Seiten: 224, Originalsprache
  • München: Luchterhand, 2009, Seiten: 206, Übersetzt: Thomas Gunkel

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Jochen König
Love Will Tear Us Apart – oder die Poesie der Stille

Buch-Rezension von Jochen König Okt 2009

Julius Winsome lebt alleine in einer Hütte in den Wäldern Maines. Alleine, aber nicht einsam, denn er ist umgeben von 3282 Büchern und seinem besten Freund, dem Pitbullterrier Hobbes.

Eines Tages kehrt Hobbes nicht von einem seiner kleinen Ausflüge in die menschenleere Gegend zurück. Julius, der glaubt einen Schuss in der Nähe seines Hauses gehört zu haben, begibt sich auf die Suche. Und behält leider recht: der Schuss, den er mehr in seiner Vorstellung, als in der Realität vernommen hat, hat seinen Hund tödlich verletzt. Julius Winsome begräbt seinen Gefährten und bleibt erschüttert zurück. Mit seinen Erinnerungen und seinen Büchern. Die vielleicht wichtigsten darunter werden ihn die nächsten Tage begleiten. Shakespeares gesammelte Werke, deren antiquierte und doch so innovative Sprachphantasie er in sein kommendes tägliches Leben einbaut, das aus der beharrlichen Suche nach Hobbes Mörder besteht.

Was mit verspotteten Plakataktionen beginnt, endet mit dem Tod einiger Jäger, die zu weit in Julius Revier vorgedrungen sind. Potenzielle Killer, die mit der kalten Ruhe eines wahrhaft leistungsfähigen Scharfschützen eliminiert werden. Unbeeindruckt fällt während dessen der Schnee in den Wäldern von Maine. Weihnachten ist nicht mehr weit.

Wir können es kurz machen: Winter in Maine ist großartig. Selten waren sich Feuilleton und Hobbyrezensenten so einig, wie bei Gerard Donovans knapp zweihundertseitigem Werk. Noch seltener: beide Parteien haben vollkommen Recht.

Und das bei einem Roman, der auf seinen Protagonisten (und Titelgeber des Originals) fokussiert ist, einen (leicht) verschrobenen Einzelgänger, der sich zwischen elisabethanischem Genius und einer heimeligen Abschottung von der Außenwelt scheinbar behaglich eingerichtet hat. Bis eines Tages Claire auftaucht, aus dem Nichts in seine einsame Hütte und in sein hauptsächlich aus Büchern und familiären Erinnerungen bestehendes Leben schneit, und Julius zu neuen Blickwinkeln und Erfahrungen verhilft. Sie ist es, dank der er sich Hobbes anschafft, bevor sie sich so klammheimlich aus seinem Leben schleicht, wie sie aufgetaucht ist; und Julius, selbst als er bereits zum Mörder geworden ist, das Gefühl verleiht, ein liebenswerter Mensch zu sein.

Dabei singt Gerard Donovan kein Loblied auf die Selbstjustiz. Sein Roman ist ein Buch über Verluste und die damit zusammenhängenden Ängste, vor allem der Größten: sich selbst zu verlieren. Julius Winsome hat Ankerpunkte in seinem Leben, seinen Kumpel Hobbes, die flüchtige Claire, seine Erinnerungen an Eltern und Großeltern und vor allem sein Beheimatet sein in der Welt der Bücher. Er birst über vor Wissen und Geschichten, die er hinaustragen möchte in die Welt. Doch niemand hört zu. Bis auf Claire, in jenen seltenen Momenten, in denen sie Julius gehörte, bevor sie sang- und klanglos zu ihrem Mann zurückkehrte.  Hobbes, in den Julius seine Sehnsüchte projiziert und die verschwiegenen Winterwälder Maines. Nicht zu vergessen: die sterbenden Jäger, die Julius mit seinen William Shakespeare geschuldeten Wortschöpfungen bedenkt, welche die Sterbenden verzweifelt und ratlos zurück lassen.

Winter in Maine ist ein exzellent geschriebener Roman (auch in der Übersetzung, die gerade bei Winsomes Sprachkreationen vor einigen Herausforderungen gestanden haben dürfte), in dem die Sprache fließt und sich dem Sujet anpasst, ohne selbstverliebt in den Vordergrund zu treten. Hier sitzt jedes Wort und überträgt in poetischer Gelassenheit die Geschichte eines Mannes, der eigentlich im Einklang mit sich und der Natur existiert. Bis er feststellt, das zwischen purer Existenz und bewusstem (Er)leben etwas wichtiges fehlt: das Gefühl irgendwohin und zu jemandem zu gehören; und nicht nur in einen Raum gezwängt zu sein, der zwar angefüllt ist mit Erzähltem, Gewesenem und Ausgedachtem, dem aber ein Gegenüber fehlt. Doch wo Liebe und Zusammengehörigkeit wachsen, sind auch die Schattenseiten Verlust, Hass und Tod nah. Und jene Ambivalenz lässt Julius Winsome irgendwann innehalten; in der Erkenntnis, dass gewesene Liebe eine aktuelle für jemand anderes ist, dass der Verlust eines Einzelnen nicht gleichbedeutend damit ist, dass die Welt verschwindet.

So ist jener Winter in Maine ein Neubeginn für Julius Winsome. Indem er (fast) alles verliert, findet er sich selbst. Das macht ihn nicht stärker, besser oder klüger. Es gibt ihm aber die Ruhe und die Kraft, sein eigenes Leben zu akzeptieren. Unbeeindruckt fällt der Schnee. Bedeckt die Wälder, Hütten, Leichen. Innen prasselt das Kaminfeuer. 3282 Bücher warten darauf gelebt zu werden.

Ein großartiger Roman. Auch wenn es latent absolutistisch klingt: Pflichtlektüre!

Winter in Maine

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Letzte Kommentare:
09.11.2016 15:09:50
shessfra

Dieses Roman ist in der Tat verstörend und wird wohl auch nicht von allen Lesern verstanden werden da sich nur die Wenigsten in einen solchen Charakter hineinversetzen können. In diesem Roman geht es um selbstgewählte Einsamkeit, die jedoch nur so lange erträglich ist, bis sie zur totalen Leere und Beziehungslosigkeit verkommt. Der Tod des Hundes kappt die letzte Beziehung des Protagonisten zum realen Leben. Zudem geht es um Treue. Treue bis über den Tod hinaus, die Winsome zuerst von seinem Vater vorgelebt bekommt, welcher nach dem Tod seiner Frau nicht erneut heiratet, dann die Treue des Hundes und zuletzt die Treue Winsomes, denn der gesammte Rachefeldzug ist auch ein Zeichen der Treue. Die Figur der Claire, also der Frau, die eine Beziehung zu Winsome eingeht, bricht jedoch die Treue, was von diesem nicht verstanden wird, da er so n vollkommen anders ist. Ich kann mich gut in Claire hineinversetzen, die sich in Winsome verliebt, aber nicht in der Lage und willens ist, auch so ein Leben. außerhalb jeglichen Eingebundenseins in menschliche Gemeinschaft zu führen. Der Verlust seines Vaters, der Verlust Claires und final der Verlust des Hundes können von Winsome nicht ertragen werden und führen zu den Morden. Bis dahin ist für mich alles nachvollziehbar, was ich nicht begreife, ist die Wahllosigkeit des Mordens. Dass er jeden Jäger erschiesst und nicht wartet bis er sich sicher sein kann, den wirklichen Mörder seines Hundes gefunden zu haben. Insgesamt ein Roman, der mich traurig stimmt, da Winsome im Grunde ein ehrbarer Charakter ist, der intelligent, belesen, ehrlich und sensibel ist, dann jedoch zum brutalen Mörder wird, da er jeglichen Halt verliert.

22.03.2014 21:55:43
elis

Da ich ein Freunde von einsamen Wölfen als Protaginist bin, und von Winter und Wald obendrein, kam ich an diesem Buch nicht vorbei. Kritiken habe ich vorher keine gelesen.
Der Schreibstil ist angenehm, intelligent. Auch die Erinnerungen an seine Verwandten und seine Geliebte, Dinge also, die nicht unmittelbar zum Hauptstrang der Handlung beitragen (Hund erschossen - wer war es), habe ich einigermassen gespannt gelesen. Normalerweile überspringe ich solches manchmal.

Es ist mehr eine Schilderung. Kein Kriminalroman. Es beschreibt einen Menschen, der zu auf den ersten Blick zur Selbstjustiz greift. AUfgrund seiner literarischen Vorbildung ist dies nicht unmittelbar glaubhaft. Auf den zweiten Blick mag das Argument der Slebstjustiz vorgezogen sein, sondern eher tiefe Verzweflung und Ratlosigkeit der Antrieb sein, schliesslich wählt er die Opfer eher wahhlos.

Was ich aber vermisse in den meisten Kritiken - natürlich habe ich nicht alle gelesen: Julius Wintersome ist krank. Er neigt zu wahnhaften Denkstörungen, schizophrene Tendenz. Die Wortneuschöpfungen passen da auch sehr gut dazu. Diesen Aspekt habe ich in den Kritiken bisher vermisst.

Insofern lässt das Buch die ein oder andere Frage offen, es hätte auch noch gut 50 Seiten länger sein können, es ist meiner Meinung nach nicht ganz "rund".
Ein der besseren Bücher, aber von Kult oder Meisterwerk meiner Meinung nach doch noch entfernt. 89 Punkte.

02.09.2012 14:55:34
Stefan83

Erstaunlich wieviel Kraft und Können in knapp 200 Seiten Buch stecken können. "Winter in Maine" ist ein literarisches Kleinod, das mit den Erwartungen des Lesers spielt und auch über das Ende hinaus mehr Fragen offen lässt, als es Antworten gibt. Die Geschichte über den Einsiedler Julius Winsome, der gemeinsam mit 3282 Büchern in den tiefen Wäldern Maines lebt, ist, dank Donovans poetischem Stil, von atemberaubender Schönheit. Eine trügerische Schönheit jedoch, denn Winsomes Handlungen sind wie der vor Kälte klirrende Winter in diesen Breiten - eiskalt und unerbittlich rächt Winsome den Mord an seinem treuen Hund. Das Donovans Roman trotzdem nicht zu einem Lobgesang auf die Selbstjustiz verkommt, macht diese Lektüre so empfehlenswert und besonders. Ein feinfühliges, melancholisches und gnadenloses kleines Meisterwerk, das Potenzial zum Klassiker hat und ohne Wenn und Aber in das Regal jedes Bibliophilen gehört.

31.05.2012 19:49:34
sualk

Das Buch ist insoweit gut, dass man es nicht weglegen möchte. Die Beschreibungen sind sprachlich anspruchsvoll, teils poetisch.
Aber es ist auch ein Buch, dass man am Ende weglegt und dabei verstört ist, ja fast unzufrieden. Warum? Mir entgeht der Sinn des Buches und es reicht m.E. nicht aus ein solches Werk über den Klee zu loben nur weil die Sprachkunst hoch ist. Was erinnert denn später an das Buch ausser dem Lob für die gute gesetzten Worte?

18.11.2011 10:16:59
Stefan Frigger

Dieses Buch ist kein Krimi. Es ist keine Kriminalgeschichte, es ist nicht weniger als ganz große Literatur. Gute Literatur befasst sich mit den Grundfragen, die jeden einzelnen Menschen betreffen. Wer ein Buch sucht, das ihn beim Lesen im tiefsten Inneren anpackt, wird bei "Winter in Maine" fündig werden. Eines der ganz alten Literatur-Themen: Was den Menschen ausmacht, wird dann deutlich, wenn alles Geliebte wegbricht. Dann bleibt dem Ich-Erzähler dieser Geschichte, die irgendjemand sehr treffend als "Novelle" bezeichnet hat, nichts als die Modelle von Welt und Leben, die ihm andere erzählt haben. Er muss verstörend asozial wirken, da sein Modell der Realität zwischen der Sprache Shakespeares und den Kriegserzählungen seines Großvaters angesiedelt sind. Wie zwangsläufig seine Reaktion auf die Umwelt dann ausfällt, wird hier brilliant, unbestechlich, gnadenlos konsequent und in einer Sprache geschildert, die den Leser in einem unwiderstehlichen Sog in die Geschichte zieht. Nein, hier geht es überhaupt nicht um die Oberfläche der Handlung, hier geht es um die Tiefe der menschlchen Seele und die ewige Frage, was uns so macht, wie wir sind und wie unsere Verluste das aufdecken können.
SENSATIONELL!Ein Plfichtbuch für den Kanon der 100 Bücher, die man vor seinem Tod gelesen haben sollte!

18.11.2011 10:15:29
Stefan Frigger

Dieses Buch ist kein Krimi. Es ist keine Kriminalgeschichte, es ist nicht weniger als ganz große Literatur. Gute Literatur befasst sich mit den Grundfragen, die jeden einzelnen Menschen betreffen. Wer ein Buch sucht, das ihn beim Lesen im tiefsten Inneren anpackt, wird bei "Winter in Maine" fündig werden. Eines der ganz alten Literatur-Themen: Was den Menschen ausmacht, wird dann deutlich, wenn alles Geliebte wegbricht. Dann bleibt dem Ich-Erzähler dieser Geschichte, die irgendjemand sehr treffend als "Novelle" bezeichnet hat, nichts als die Modelle von Welt und Leben, die ihm andere erzählt haben. Er muss verstörend asozial wirken, da sein Modell der Realität zwischen der Sprache Shakespeares und den Kriegserzählungen seines Großvaters angesiedelt sind. Wie zwangsläufig seine Reaktion auf die Umwelt dann ausfällt, wird hier brilliant, unbestechlich, gnadenlos konsequent und in einer Sprache geschildert, die den Leser in einem unwiderstehlichen Sog in die Geschichte zieht. Nein, hier geht es überhaupt nicht um die Oberfläche der Handlung, hier geht es um die Tiefe der menschlchen Seele und die ewige Frage, was uns so macht, wie wir sind und wie unsere Verluste das aufdecken können.
SENSATIONELL!
Ein Plfichtbuch für den Kanon der 100 Bücher, die man vor seinem Tod gelesen haben sollte!

21.04.2011 14:30:49
Pela

Dass dieses Buch so kontrovers diskutiert wird, ist völlig berechtigt! An irgendeiner Stelle des Buches ist mal entweder mal zu Tränen gerührt, mal erbost, mal mitfühlend und mal richtig zornig. Am Ende bleiben viele Fragen. Ist dieses Buch nun eine Allegorie auf einen sehr intelligenten Menschen, der in einer zu rasant beschleunigten Welt nicht mehr zurecht kommt? Oder ist es einfach ein Buch über einen homophoben Einzelgänger, der seinen einzigen Bezug zur realen Welt mit dem Tod seines Hundes verliert und ab diesem Zeitpunkt -Shakespeare-Zitate auf den Lippen, mordet? Das gute daran: Jeder muss es für sich selbst ergründen. Und am Ende steht nur eine Sache mit einem klaren Ausrufezeichen: Wir alle finden uns an irgendeiner Stelle des Romans selbst wieder. Daher mein Fazit: Ein Meisterwerk!

03.01.2011 12:50:21
tedesca

Ein frustrierendes Buch! Was mich so gestört hat, war, dass der Ich-Erzähler so garnichts über seine Motivation berichtet. Natürlich, jemand hat seinen Hund erschossen und er ist traurig, und irgendetwas "begleitet ihn in sein Haus", aber das rechtfertigt doch nicht, dass er einfach losgeht und völlig emotionslos in der Gegend herumballert. Das war für mich nicht nachvollziehbar. Auch diese Aussage, dass Julius erst jetzt begriff, was "tot" bedeutet, fand ich so nicht gerechtfertigt. Immerhin hatte er bereits Vater und Großvater verloren und gut 20 Jahre völlig allein in der Wildnis gelebt.

Gut geschrieben ist das Buch, das muss man unbedingt sagen. Sprachlich hat es mich sehr beeindruckt, und auch die Art, wie die Famlien- und Liebesgeschichte erzählt wird, ist ganz besonders. Trotzdem hat es nur eine Leere hinterlassen, nichts für mich Greifbares. Aber vielleicht ist auch gerade DAS die Abschicht des Autors, diese irgendwie wertfreie Betrachtung mit allen Konsequenzen, wobei ich mich dann frage, warum er ausgerechnet die Ich-Form für die Erzählung gewählt hat.

31.12.2010 12:57:56
Marv

Ich habe mir Gerard Donovans ‚Winter in Maine‘ aufgrund der überwiegend positiven Kritiken u.a. auf der Krimi - Couch gekauft. Nach der der kurzweiligen Lektüre bin ich jedoch etwas enttäuscht. In der Tat ist es gut geschrieben. Aufgrund der ‚Ich‘-Perspektive, des Buches, hatte ich jedoch ein störendes Gefühl. Julius Winsome wird im Roman als zwar belesener, nichtsdestotrotz einfacher und naiver Mensch beschrieben. Die Charakterisierung der Person passt hierdurch für mich nicht zum Stil und Sprache des Buches.
Ein weiteres Störgefühl entstand aus der Tatsache dass und mit welcher Wilkür Julius Winsome tötet. Zwar wird die Isolation, der Verlust und die Trauer durch die Ermordung seines Hundes nachvollziehbar, doch hätten seine literarische Erziehung und vor allem die Lebenswege seines Vaters und seines Großvaters ein anderes Handeln erwarten lassen.
In Summe ein gut geschriebenes Werk mit mehreren Störgefühlen, ein empfehlenswertes Buch, jedoch keine Pflichtlektüre oder gar ein Meisterwerk.

19.12.2010 18:13:03
Mimizu

Für dieses Buch habe ich kein Lesezeichen gebraucht...Die einfache mühelose Sprache ist mutig und überraschend-ganz ohne Verwirrungen und Komplotte. Mich hat die philosophische Einbeziehung der Natur sehr angesprochen, man wird danach die Wildnis mit anderen Augen sehen, aber das überlässt der Schriftsteller auch an vielen Stellen gerne dem Leser, was ich so wunderbar fand. Diese Präzision so gezielt und "scharf" zu schreiben wie Julius abdrückt ist herausragend und macht das Buch zu einem besonders gelungenen Bespiel dem Leser die Spannung nicht aufzwingen zu wollen und dennoch ist dieses Buch das spannendste was ich in den letzten Jahren gelesen habe. Dieses Buch wirkt und wirkt und wirkt tagelang nachdem man es zugeschlagen hat und dies ist für mich die wahre Kunst des Schreibens.

07.10.2010 14:19:56
Zitrone

Eines der besten Bücher, die ich je gelesen habe. Es ist besonders etwas für Tierfreunde. Ich konnte mich sehr gut in die Rolle des Protagonisten hineinversetzen. Jeder, der ein geliebtes Haustier auf so eine Art verliert, hat doch Rachegedanken. Oder man ist kein Tierfreund.
Ich hätte das Buch noch tagelang weiterlesen können, und fand es schade, daß es nur so wenige Seiten hat. Leider hatte ich es schon nach 2 Tagen durch, gute Leser schaffen es wohl an einem Tag.
Nur das Ende fand ich etwas unrealistisch, vielleicht aber auch nur deshalb, weil ich mir einen anderen Schluss gewünscht hätte.

15.08.2010 12:27:58
marieannette

Dies ist eine Geschichte, die einen unvermittelt und mit voller Wucht ins Herz trifft und in ihren Bann zieht! Sie ist ein wahres Juwel, ein Kleinod, in einer wunderschönen Sprache geschrieben, traurig und spannend zugleich. Selten habe ich ein Buch gelesen, das ich nicht mehr aus der Hand legen konnte! Es ist eine Geschichte über Liebe, Verlust und Einsamkeit, die Geschichte eines Mannes, der sich in seiner Vergangenheit verliert und für den die Gegenwart nur noch aus Verbitterung und Rachegefühlen besteht.Leser, die meinen, daß diese Geschichte nicht stimmig und realistisch ist und ihr Protagonist - nach ethisch-moralischen Aspekten betrachtet - eine humanere Lösung seiner Probleme hätte finden müssen, haben diese Geschichte einfach nicht verstanden!!

17.03.2010 22:06:20
Blue

Ein wundervolles Buch.
Julius Winsom ist eine eindrucksvolle Persönlichkeit. In jeglicher Hinsicht!
Man lebt die Geschichte eines Mörders, eines Scharfschützen - und kann nicht anders als voll und ganz auf seiner Seite zu sein!
Selten hat mich ein Buch so mitgerissen wie dieses!
Das absolut beste Buch, dass ich seit langem gelesen habe!

18.01.2010 12:27:19
Umarie

Nach der enthusiastischen Kritik von allen Seiten, war auch ich sehr neugierig und gespannt auf dieses Buch.
Die Sprache und Beschreibung wirklich grandios und ich war zu Anfang sehr beeindruckt.
Aber psychologisch finde ich das Buch nicht stimmig. Wahllos Menschen zu erschiessen, und das als Bibliophiler! Und nachdem Großvater und Vater nach den jeweiligen Kriegen keine Waffe mehr in die Hand genommen haben, erstaunt mich das waffentechnische Spitzentalent unseres Protagonisten.
Nein von mir kommt kein Lob, auch wenn ich dabei in der Minderheit bin.

12.01.2010 16:31:48
detno

"Winter in Maine" habe ich mit großer Erwartung begonnen, aber am Ende des Buches habe ich das Werk verunsichert aus der Hand gelegt.

Der sinnlose (und brutal herbeigeführte) Verlust seines einzigen Kameraden in der Einsamkeit von Maine macht aus dem Eigenbrödler Julius Winsome einen Racheengel. Das mag ja noch angehen, aber dass er dann nacheinander Menschen (Jäger und solche, die er dafür hält) einfach abknallt und erst danach die sterbenden bzw. toten Opfer fragt, ob sie seinen Hund erschossen hätten, ist sehr befremdlich.

Die Morde werden so emotionslos geschildert wie die Tötung des Jägers durch seine Frau in der Geschichte des großen Meisters Loriot. Über die Weitergabe der Leichenteile in Päckchenform an den Weihnachtsmann konnte ich damals lachen, in der Winterlandschaft von Maine ist mir jedes bißchen Verständnis für die sinnlosen Morde abgegangen. Ein armer, alter Mann, aus dem die Einsamkeit einen Irren gemacht hat.

Ein lesenswerter Roman, der gut geschrieben ist und sich flüssig liest, aber ein "literarisches Kleinod" konnte ich leider nicht entdecken.

77°

12.01.2010 15:32:48
Djamena

Im dünn besiedelten Staat Maine lebt Julius Winsome weitab von jeglichen Nachbarn in seiner Blockhütte mit seinem Hund Hobbes.
Die Wälder ringsum sind ein beliebtes Jagdgebiet und werden von zahlreichen Jägern durchstreift.
Eines Tages findet Winsome seinen Hund schwer verletzt im Blumenbeet liegend.
Jemand hat aus nächster Nähe eine Ladung Schrot auf den Hund geschossen. Obwohl Winsome sofort zum Tierarzt eilt, stirbt Hobbes.

Für den 50jährigen Einsiedler ein schwerer Verlust. Nur wenige Tage später greift Winsome zum Scharfschützen-Gewehr seines Großvaters, zieht in die umliegenden Wälder und beginnt wahllos Jäger, die ihm zufällig vor die Flinte kommen, zu erschießen.

Die Morde werden so sachlich geschildert, als handle es sich um eine alltägliche Tat wie Einkaufen in einem Supermarkt.

Den Schmerz und die Trauer um den Verlust eines geliebten Tieres können sicherlich die meisten Menschen nachempfinden. Aber die anschließenden Morde erreichen eine Dimension, die jeglichem moralischem Empfinden zuwider läuft.

Aber Gerard Donovan gelingt die große schriftstellerische Leistung, die Verwandlung eines unauffälligen, harmlosen Eigenbrötlers zu einem kaltblütigen Serienkiller für mich nachvollziehbar, wenn auch nicht verzeihbar, werden zu lassen.

Und wie er das macht, ist einfach großartig zu lesen. Es gibt etliche Passagen oder Absätze, die dazu verführen, sie erneut zu lesen.
In Ich-Form erzählt, hat man direkt Anteil am Geschehen und an den Gedanken von Julius Winsome. Und so nach und nach entblättert sich das Drama eines unspektakulären Lebens.

Geprägt durch seinen Vater, einen wortkargen, freundlichen Menschen, aufgewachsen ohne eine Mutter, angefüllt mit Geschichten aus beiden Weltkriegen und Shakespeare-Zitaten, umschlossen von über 3000 Büchern, hat Julius kaum ein eigenes Leben gehabt.

Er hat nie gelernt, mit Gefühlen umzugehen, lässt einige Gefühle bei sich kaum zu.
In seinen ganzen Gedanken kommen Worte wie Hass, Wut oder Rachegelüste nicht vor.
Aber nichts anderes als ein Rachefeldzug ist es, wenn er den Spieß umgekehrt und die Jäger zu Gejagten werden lässt, zu wehrlosen Opfern wie das Wild.

Der Verlust von Hobbes ist existenziell für Julius Winsome, denn der Hund hat praktisch den Platz von Claire eingenommen. Erst nach dem Tod des Hundes beginnt Winsome sich mit dem Verschwinden der einzigen Frau in seinem Leben auseinanderzusetzen. Das ist einfach so gelungen, wie der Autor das dem Leser verständlich macht. Erst nur mit Andeutungen, dass es da eine Frau gegeben hat. Dann heißt es, eine Frau hätte ihm geraten, sich einen Hund anzuschaffen. Dann wird sie als Begleiterin im Tierheim bezeichnet und erst so nach und nach erfährt man mehr über Claire.

Da er nie gelernt hat, Konflikte mit anderen Menschen auf normale Weise auszutragen, greift Winsome auf die Dinge zurück, die ihm vertraut sind, als seine Welt aus den Fugen gerät. Ansonsten würde er sich selbst verlieren. Er ist ein starrer Mensch, der nicht so leicht von Abläufen abweichen mag. Ein Mann mit Prinzipien. Deswegen zieht er die Sache auch so gnadenlos durch.

Das Einzige, was mir unglaubwürdig erscheint, ist, dass jemand mit so wenig Übung im Schießen wie Julius Winsome, so treffsicher auf so große Distanz ist.
Aber das kann ich nicht richtig beurteilen, da ich mich damit nicht auskenne.

28.12.2009 00:21:21
jago

"...man hat vollstes Verständnis für Julius..."
Nein, liebe Vorschreiberin, bei aller Sympathie für die Wesensarten eines Einzelgängers - vollstes Verständnis für einen Serienmörder, und das ist Julius nun einmal, habe ich mitnichten!!! Es gäbe andere Möglichkeiten, angemessen auf das Geschehen zu reagieren. Ebenso wenig Verständnis habe ich natürlich auch für denjenigen, der den initialen Schuss zu Beginn des Romans abgibt.

25.12.2009 22:51:29
marianne

Ich hatte nach dem Lesen das gleiche Ge-
fühl wie nach der Lektüre von "Die Wand" von Haushofer.
Solche Bücher sind selten auf dem
überschwemmten Buchmarkt.
Wunderbar! Danke!
Das Lesen war ein Genuß, man hat vollstes Verständnis für Julius.
Man spürt den Schnee, die Kälte, die
Atmosphäre, spitze geschrieben.

04.12.2009 14:46:17
jago

Eine Sprache, die Atmosphäre aufbaut, dass man sie fast spüren kann. Das ist die Stärke dieses Buches. Aber - was dann? Die Motive des Julius Winesome lassen sich nur erahnen.
Vielleicht ist es bereits der merkwürdige Name des Hauptprotagonisten, hinter dem Donovan diese versteckt??? Ebenso wie Winesome\'s Name ist der des Hundes zumindest ungewöhnlich, ebenso wie die Rasse. Ist hier eine Übertragung auf eine ganz andere Ebene der Hintergrund, sind Julius und Hobbes ein einziges Wesen? Dieses Abdriften ins Fantastische wäre für mich zumindest ansatzweise eine Erklärung für den weiteren irrational scheinenden Verlauf.
Alles in allem kann ich Rezensions-Jubelarien über "Winter in Maine" dennoch nicht nachvollziehen.

04.12.2009 10:07:23
kauli

Ein Mann, ein toter Hund und Winter - ich war gespannt, welche Geschichte mich da erwarten würde. Zumal der Klappentext nur verriet, daß Julius nach dem Tode von Hobbes "einen unerhörten Entschluss" fasst.

"Winter in Maine" zu lesen, war ein Genuß. Die Übersetzung ist mehr als gelungen, das Buch hat keine unnötigen Längen und es ist spannend geschrieben. Ein Buch, das man gerne selbst vor dem Kamin sitzend lesen würde.

04.12.2009 09:20:30
klein_my

Ich möchte mich meinem Vorredner anschließen. Als Krimi geht dieser Roman nicht durch. Das der Autor den Protagonisten erzählen lässt, war für mich neu und anfangs ein wenig gewöhnungsbedürtig. Die Landschafts- und Naturbeschreibung, sowie der Einsamkeit, den Verlusten und der Literatur war wirklich gut. Jedoch musste ich auch feststellen, dass mir die Person des Julius Winsome ein wenig fremd blieb. So unnahbar wie er, blieb mir auch das Motiv der Morde. Kann ein Mensch soweit gehen? Oder ist es nur die Verdrängung von tieferen Belangen, die ihn unbewusst zusetzten...
Alles in allem war es wirklich ein gutes Buch und es hat mir gefallen.

30.11.2009 09:16:02
koepper

Als Krimi geht das Buch von Donovan nicht durch. Es sterben zwar Menschen, aber das ist nicht das Wesentliche an "Winter in Maine". Der Roman handelt von der Einsamkeit, von der Liebe und der Literatur. Donovan läßt den Hauptakteur Julius Winsome erzählen. Und das macht er gut. Sprachlich ist das Buch ein Genuss und ein lohnenswertes Leseerlebnis. Allerdings hat das Buch auch Schwächen. So werden die Motive des Handelns von Winsome nicht deutlich herausgearbeitet und sind letztendlich nicht nachvollziehbar für mich. Dennoch hab ich "Winter in Maine" gerne gelesen.

05.11.2009 08:32:46
mase

Julius Winsome lebt seit 30 Jahren in einer abgelegen Hütte in den Wäldern Maines. Sein einziger Freund ist sein Hund. Als dieser eines Tages aus nächster Nähe erschossen wird, startet er einen Rachefeldzug, um seinen besten Freund zu rächen.

Das Aussergewöhnliche an diesem Buch ist für mich auch der Schwachpunkt. Völlig emotionslos geschrieben, erzählt Donovan die Geschichte des Rächers. Das Wetter wird mit derselben Dynamik beschrieben, wie ein Mord. Zu Beginn fand ich das sehr innovativ, mit der Zeit wurde mir das jedoch zu monoton. Die Geschichte ist sehr gekonnt erzählt und der Höhepunkt ist sogar leicht spannend, aber insgesamt fehlte mir doch das Salz in der Suppe.

Es gibt Bücher, bei welchen die Logik im Plot oder die Motivation des Protagonisten zweitrangig ist. Diese Bücher gehören dann entweder zur „Hau-drauf-Fraktion“ oder es sind diese skurrilen Bücher, bei denen der Ermittler durch Zufall die Lösung findet. „Winter in Maine“ gehört jedenfalls bestimmt nicht in diese Kategorien und darum ist mir die psychologische Komponente schleierhaft. Ich kann die Beweggründe des Protagonisten nicht nachvollziehen. Vielleicht wurde er mir nicht genügend vorgestellt, denn sein Amoklauf nach dem tragischen Verlust kann ich in dieser Art und Weise nicht verstehen und ist für mich unlogisch. Auch mit dem Ende bin ich nicht einverstanden. Es ist zwar positiv, wenn es anders ausfällt als erwartet, aber ich finde es passt nicht zum Handlungsverlauf.

„Winter in Maine“ ist klasse erzählt, mehr aber auch nicht.

04.11.2009 14:08:15
transplant

Winter in Maine hat mich etwas ratlos zurückgelassen. Keine Frage: das Buch ist sprachlich hochstehend und die Geschichte interessant. Der verschrobene Protagonist Julius bleibt mir schliesslich aber fremd. Die Mischung aus sensiblem, gleichzeitig gefühlskaltem (gegenüber seinen Opfern) und belesenem Hinterwäldler mit autistischen Zügen hat durchaus ihren Reiz. Allerdings wirft auch diese Vielschichtigkeit seine Wesens kein klärendes Licht auf seinen Amoklauf durch die Wälder von Maine. Das Motiv seines Handelns war für mich nicht nachvollziehbar. Ich habe beim Lesen oft an Frischs "Der Mensch erscheint im Holozän" gedacht. Die Einsamkeit, die Erinnerungen, die Verwirrungen.

24.10.2009 12:08:27
Anne

Ich wartete immer auf das große Ereignis, aber ich hatte fast das Gefühl dass der Autor auch im Winter von Maine war - eingefroren ist und nicht wusste was er schreiben sollte. Dazu immer die kurzen Kapitel (habe ich eigentlich nix dagegen), irgendwie musste wohl die Seitenanzahl aufgepeppt werden. Warum wird so ein Buch Volltreffer?? Nebulös, nebulös...

20.10.2009 08:43:26
Krimimieze

Julius Winesome lebt das Leben eines Einsiedlers in den Wäldern von Maine, kurz vor der kanadischen Grenze. Er lebt mit seinem Hund Hobbes in einer Hütte im Wald, ins nahe gelegene Dorf fährt er nur, wenn es sein muss.
Als Hobbes von einem Hobbyjäger erschossen wird, bricht die Einsamkeit über Julius herein.
Winter in Maine war eines der Bücher, die mich in diesem Jahr am meisten beeindruckt haben. Ein sprachliches und atmosphärisches Juwel.
Gerard Donovan lässt die Stille im Wald richtig laut werden, er schafft es, dass der Leser beim Knall eines Schusses zusammenzuckt.

19.10.2009 15:39:52
vargas

Seltsames Buch - die Atmosphäre, die erzeugt wird, ist durchaus gelungen, die Geschichte interessant, wenngleich natürlich der Hauptprotagonist völlig irrational handelt. Seine Kaltblütigkeit ist dann aber doch auch wieder gewissermaßen beeindruckend.

Jedenfalls hat man das Buch schnell durch und es ist schon lesenswert, wenngleich ich mich den Lobpreisungen des Rezensenten nicht ganz anschließen kann.

08.10.2009 21:07:34
endorfinchen

Julius Winsome lebt zurückgezogen in einer spartanischen Hütte in den Wäldern von Maine. Seine Mutter ist früh gestorben, sodass sein Vater ihn alleine großzog – vor allen mit den Kriegsgeschichten seines Großvaters.
Julius´ Leben besteht nur aus den schönen Dingen: er liebt seine Blumen im Garten, die Bücher seines Vaters, die Ruhe um ihn herum und den Winter in Maine.
Eines Tages liebt er auch Claire. Sie steht plötzlich vor der Türe seines Hauses, weil sie sich nach einem langen Spaziergang verlaufen hat. Und sie verläuft sich in der nächsten Zeit immer wieder zu Julius.
Aber dieser ist durch die lange Zeit, die er alleine lebte, ein Eigenbrödler geworden. Er freut sich zwar, wenn Claire da ist und vermisst sie, wenn sie nicht kommt – aber all das kann er ihr nicht sagen und vor allem auch nicht zeigen.
So plötzlich wie Claire in Julius´ Leben getreten ist, verschwindet sie auch wieder.
Aber vorher „versorgt“ sie Julius noch. Sie macht ihm klar, dass es nicht gut ist, wenn man über so lange Zeit alleine lebt und er Gesellschaft braucht.
Die zwei fahren zusammen ins Tierheim und da entdeckt Julius Hobbes, einen Pitbullterrier, der von nun an sein Gefährte sein soll. Sein Freund.
Doch eines Tages, als Julius mit einer Tasse Tee und Shakespeare am Kamin bei einem warmen Feuer sitzt, hört er einen Schuss aus dem naheliegenden Wald.
Und alle Rufe nach Hobbes, der zu diesem Zeitpunkt durch die Natur streunt, bleiben erfolglos.
Julius macht sich auf die Suche nach seinem Freund und findet ihn schwer blutend im Wald. Kurz darauf stirbt Hobbes.
Für Julius wird es danach ganz still. Sein Freund – der ihn begleitet hat, der ihm Trost und Mut gespendet hat – ist nicht mehr da.
Nachdem er Hobbes vor seinem Haus beerdigt hat, will er den Mann finden, der seinen Hund kaltblütig aus zu naher Entfernung erschossen hat.
Das ganze Buch ist in der Ich-Form und aus der Sicht von Julius Winsome geschrieben. Der Leser erhält somit Einblick in seine Gedankenwelt, die manchmal für mich nicht ganz nachvollziehbar war.
Gerard Donovan hat während der kompletten Geschichte auf die wörtliche Rede verzichtet, was das Lesen zeitweise mühsam gemacht hat - die Geschichte wirkt dadurch nicht lebendig.
Julius Winsome lebt und erzählt die meiste Zeit von der Vergangenheit. Kriegsgeschichten seines Großvaters, Anekdoten seines Vaters und zitiert sehr viel aus Shakespeare-Büchern. Sein gesamten Haus besteht aus mehreren tausend Büchern, die sein Vater alle gelesen und gesammelt hat und diese Leidenschaft spielt neben der Liebe zu Hobbes und Claire eine große Rolle.

Ich hatte oft das Gefühl, dass ich mit Julius Winsome durch die Wälder von Maine ziehe, den Schnee auf den Bäumen sehe und rieche und das Bellen von Hobbes höre ...