Schweig, bis sie dich kriegen

Erschienen: Januar 2009

Bibliographische Angaben

  • Casale Monferrato: Piemme, 2007, Titel: 'L´ ultima estate di innocenza', Seiten: 572, Originalsprache
  • Berlin: Aufbau, 2009, Seiten: 645, Übersetzt: Verena von Koskull

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Thorsten Sauer
Drei Morde, eine Amnesie und ein Kind ohne Sprache

Buch-Rezension von Thorsten Sauer Okt 2009

Commissario Marra hatte sich die heißen Augusttage in Bologna sicher geruhsamer vorgestellt, doch daraus wird nichts für den Ermittler und sein knapp besetztes Kommissariat. Innerhalb weniger Tage tauchen drei Tote auf. Alles beginnt mit der zerstückelten Leiche eines kleinen Mädchens, dem der Unterleib fehlt und setzt sich fort mit den Morden an einer Prostituierten und einem Ladenbesitzer. Die Morde verbindet nichts, abgesehen von der kaltblütigen Perfektion mit der sie ausgeführt wurden. Und tatsächlich deuten bereits bald erste Indizien darauf hin, dass es eine Verbindung geben muss. Ein Pädophilen-Ring und eine in höchsten Kreisen operierende Erpresserbande scheint in die Fälle verwickelt zu sein. Marra macht sich daran, ein scheinbar unentwirrbares Geflecht aus Einzelschicksalen, verzweigten Verbrecherbanden und Korruption bis in die höchsten Polizeikreise zu entwirren. Er stellt fest, dass es eine Zeugin geben muss, die das Verbindungsglied aller Einzelstraftaten sein könnte und der Schlüssel zu dem Geheimnis, das hinter diesen Taten steckt. Doch er muss auch sehr bald feststellen, dass er nicht der Einzige ist, der auf der Suche ist und dass seine Gegner Einfluss in die höchsten Kreise der Polizei haben.

Vielstimmige Erzählung

In Rezensionen haben Zusammenfassungen fast grundsätzlich das Dilemma, die Story stark verkürzt darzustellen aber dennoch verständlich zu sein, dabei aber bloß nicht zu viel zu verraten, erst recht bei einem Krimi. Bei Foglis Roman gesellt sich noch ein weiteres Problem hinzu, die Zusammenfassung erweckt den Anschein einer linear aufgebauten Geschichte, die um die Hauptperson Commisario Marra aufgebaut ist. Dem ist bei weitem nicht so. Fogli hatte etwas wesentlich komplexeres im Sinn. Er drängt die typische Hauptfigur eines Krimis, den Kommissar, fast ein wenig an den Rand, indem er eine Vielzahl von Perspektiven wählt, aus denen die Geschichte erzählt wird. Er treibt dieses Spiel sogar auf die Spitze, indem er eine vermeintliche Nebenfigur zum Ich-Erzähler erhebt, so dass der arme Kommissar noch weiter an Bedeutung verliert. Nahzu jede Figur kommt bei Fogli zu Wort und das will schon etwas heißen, denn die Geschichte hat es in sich: Der Plot reicht von Morden über Kindesmissbrauch bis hin zu Pädophilenringen und spannt den Bogen sogar bis zu den Selbstmordanschlägen im Irak. Angesichts der Komplexität wundert es nicht, dass Fogli knapp 650 Seiten für die Erzählung seiner Geschichte braucht. Um die Spannung über eine derart weite Strecke zu halten, bedient er sich eines bewährten Mittels aus dem Action-Genre:

Short Cuts und Cliffhanger

Schnelle Schnitte mit kleinen offenen Enden, um die Neugierde des Lesers zu wecken und die Motivation zum Weiterlesen hoch zu halten. Das funktioniert bei Thrillern mit klarer Handlung und überschaubarem Ensemble bestens. Bei Fogli führt es jedoch dazu, dass das, was den Roman auszeichnet, gleichzeitig seine größte Schwäche ist. Die Story wird durch Handlungsfetzen, die teilweise kaum länger als eine halbe Seite sind, zerrissen und der Leser durch ständige Perspektivenwechsel verwirrt. Mal tritt Commissario Marra auf und der Roman beginnt sich zum klassischen Krimi zu entwickeln, mal ist es ein Ich-Erzähler oder es kommen Häppchen in denen "der Graue", "der Sheriff", ein Mann ohne Gedächtnis oder ein kleines Kind, das die Sprache verloren hat, die Hauptrolle spielen. Dem Leser fehlt dabei über weite Strecken des Romans der rote Faden, der aus den Einzelteilen ein Paket schnüren könnte. Gelegentlich interagieren die Personen sogar und die Erzählung springt in der Szene von einer Person zur anderen, um danach unvermittelt einen lange zurück liegenden Strang aufzugreifen. Glücklicherweise hat Fogli, auf dem Höhepunkt der Verwirrung, Mitleid mit dem Leser – vielleicht war es auch nicht Fogli, sondern ein leidgeprüfter Lektor – und er fügt nach knapp der Hälfte des Romans eine geschickte und aufschlussreiche Zusammenfassung der Ereignisse ein. Die Tatsache, dass derlei Hilfsmittel notwendig sind, zeigt jedoch auch überdeutlich, dass Erzählstil und Handlung nicht zusammenpassen. Zudem führen die schnellen Wechsel dazu, dass die Geschichte zwar aus vielen Perspektiven erzählt wird, die unzähligen Figuren aufgrund der kurzen Abschnitte jedoch seltsam blass bleiben. Das ist umso bedauerlicher, da die Geschichte mit ihren ungeheuren Verwicklungen und der Tatsache, dass Fogli nicht nur die Täter- und Ermittlerperspektive wählt, sondern auch aus der seltenen Opferperspektive erzählt, nicht nur einen faszinierenden Plot entwickelt hat, sondern auch sprachlich einen ausgesprochen angenehmen, sehr bildhaften Stil hat.

Leider sind die Einzelzutaten zwar hervorragend, passen jedoch nicht so recht zusammen, so dass dem Roman einiges verloren geht und die 650 Seiten mehr Arbeit als Unterhaltung werden. So bleibt das Buch – trotz Foglis unbestreitbarem Talent - nur für jene empfehlenswert, die komplexe Geschichten zu schätzen wissen und dafür auch die notwendige Ausdauer mitbringen. Schnell und atemlos, wie der Klappentext verspricht, ist Schweig, bis sie dich kriegen dagegen definitiv nicht.

Schweig, bis sie dich kriegen

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