Das Gebeinhaus

  • Knaur
  • Erschienen: Januar 2008
  • München: Knaur, 2008, Seiten: 570, Übersetzt: Charlotte Breuer & Norbert Möllemann
Das Gebeinhaus
Das Gebeinhaus
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Eva Bergschneider
81°

Krimi-Couch Rezension von Eva Bergschneider Sep 2009

Dieses Debüt hat etwas

Wieder ist es ein Autorenduo, hier zwei Schwestern, die uns einen Krimi aus dem amerikanischen Norden, genauer aus Michigan, bescheren. Sein Titel Das Gebeinhaus (orig.: "A Thousand Bones") klingt nach einem Kathy Reichs Thriller. Dieser hat jedoch eher wenig mit der Ermittlungsarbeit in der forensischen Pathologie zu tun.

Erinnerungen schmerzen nach 13 Jahren

Die Geschichte der Polizistin Joe Frye beginnt 1988 in Captive Island, Florida. Sie berichtet ihrem Lebenspartner von einem Trauma, dass sie 13 Jahre zuvor ereilt hat.

 

Ich habe etwa so Schlimmes getan, das ich meine, ich sollte eigentlich keine Polizistin mehr sein.

 

Joes Erzählung führt zurück in das Jahr 1975, nach Echo Bay in Michigan, wo sie ihre Laufbahn als Polizistin begann.

Im Wald finden zwei Jungen einen Beckenknochen. bald stellt sich heraus, dass er von einer jungen Frau stammt. Die frisch gebackene Polizistin Joe gräbt zudem ein Armband aus dem Waldboden und glaubt, eine wichtige Spur entdeckt zu haben, die bei der Identifizierung der Toten helfen kann. Doch für Ermittlungsleiter Mack ist der Fall bereits klar. Er ist überzeugt, dass die sieben Jahre zuvor verschwundene Annabelle Chapel, in Echo Bay getötet, und ihre Überreste nun entdeckt wurden. Joe wird von den Ermittlungen ausgeschlossen, doch sie stellt mit Billigung des Sheriffs Leach heimlich weitere Erkundigungen an. Ein Kieferknochen ist der erste Hinweis darauf, dass man auf ein Massengrab mit toten Mädchen gestoßen ist. Und dieses scheint jemand mit indianischen Symbolen markiert zu haben. Eine Eiche am Fundort ziert das Zeichen des "Hungermondes", das für den Monat Februar steht. Nach einer indianischen Sage, soll zu dieser Zeit der "Windigo", ein mythischer Menschenfresser, auf der Suche nach Fleisch durch die Lande streichen.

Ein ganz normaler Serientäter-Krimi?

Das Gebeinhaus ist die Geschichte der Polizistin Joe Fry, die eines Serienkillers , sowie die seiner Opfer. Sie wird überwiegend aus der Sicht der jungen Ermittlerin erzählt, wechselt aber zuweilen zur Perspektive des Killers.

Mit dem ersten Knochenfund wird zunächst die etwas naive, aber hartnäckige Joe dem Leser vorgestellt, wie sie mühsam um die berufliche Anerkennung der Kollegen und nicht zuletzt ihres Lebensgefährten kämpft und verbissen Spuren verfolgt, die der Ermittlungsleiter gar nicht erst beachtet. Der erste Blick in die Gedanken des Mörders, der gerade eines seiner Opfer tötet, offenbart einen Killer, der grausam vorgeht und unbefriedigt zurück bleibt. Bis hierher ist Das Gebeinhaus ein spannender Krimi mit einer Sympathieträgerin und einem zwanghaften Triebtäter in den Hauptrollen, nicht mehr und nicht weniger. Etwas indianische Mystik kommt durch geheimnisvolle Baumschnitzereien und dem Indianer Ahanu hinzu. Der Mann fürchtet offenbar diese Zeichen, doch zunächst scheint diese Spur ins Leere zu führen.

Gelungen sind die Beschreibungen der Schauplätze und die Einbettung der Story ins Zeitgeschehen der 70er Jahre. Geschickt gewähren die Autorinnen dem Leser immer wieder kleine Einblicke in die Hintergründe des Verbrechens, um dann doch wieder einen ganz anderen Weg einzuschlagen.

P.J. Parrish erzählen von den trauernden Müttern und personalisieren so die Opfer. Der Leser hat Mädchen, die an der Schwelle zum Erwachsensein standen, als sie umgebracht wurden, vor Augen; "Jemandes Tochter" geht unter die Haut.

Joe Fry gewinnt vor allem in der Zusammenarbeit mit Detective Rafsky persönlich und beruflich an Profil. Leider bleibt der Täter, trotz der Einblicke in seine Gefühlswelt, irgendwie blass. Was nun der entscheidende Punkt war, der ihn zu den Gräueltaten getrieben hat, wird nicht ganz klar.

Da kommt noch etwas

Was sich P. J. Parrish für ihr deutsches Krimi-Debüt als Finale ausgedacht haben, steht in punkto Dramatik und Nervenkitzel einem Deaver- oder McDermid-Roman in nichts nach. Hier wenden die Autorinnen die Geschichte ein letztes Mal und stellen die Frage nach Recht, Gerechtigkeit und moralischer Verpflichtung. Und spätestens hier entpuppt sich Das Gebeinhaus, als ein nicht beiläufig konsumierbarer, sondern nachhaltiger und zugleich unterhaltsamer Roman.

Das Gebeinhaus

P. J. Parrish, Knaur

Das Gebeinhaus

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