Der dunkle Fluss

Erschienen: Januar 2009

Bibliographische Angaben

  • New York: St. Martin’s Press, 2007, Titel: 'Down River', Originalsprache
  • München: C. Bertelsmann, 2009, Seiten: 384, Übersetzt: Rainer Schmidt
  • München: btb, 2010, Seiten: 380

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Dieter Paul Rudolph
Achtung! Familiendrama! Literatur!

Buch-Rezension von Dieter Paul Rudolph Sep 2009

Was ist da bloß schiefgelaufen? Ein mit dem Edgar Award preisgekrönter Kriminalroman, auch hierzulande mit Vorschusslorbeeren bedacht – und dann Sätze wie diese:

 

"Du hast kein Recht, über mich zu urteilen, Robin. Wir haben beide unsere Entscheidungen getroffen. Ich musste mit deinen leben. Es ist nicht fair, dass du mich für meine verurteilst."

 

 

 

"Ich habe dich Adam genannt, weil ich nicht glaubte, dass ich irgend etwas mehr lieben könnte als dich. Weil ich am Tag deiner Geburt so stolz war, wie Gott der Herr es gewesen sein muss, als er auf Adam hinunterschaute. Du bist alles, was mir von deiner Mutter geblieben ist, und du bist mein Sohn. Du wirst immer mein Sohn sein."

 

Wo befinden wir uns hier? In einer besonders kitschigen Rosamunde-Pilcher-Schmonzette oder tatsächlich in Der dunkle Fluss von John Hart? In letzterem, leider.

Adam Chase ist nach Hause zurückgekehrt. Eine große Ranch in North-Carolina, von der ihn vor fünf Jahren der Vater vertrieb. Denn Adam war angeklagt, einen jungen Mann ermordet zu haben, seine Stiefmutter trat als Belastungszeugin auf. Adam wurde aus Mangel an Beweisen freigesprochen. Jetzt hat ihn sein Freund Danny dringend zurückgerufen, um was es geht, weiß Adam nicht. Doch Danny ist verschwunden, die Polizei ist hinter ihm her. Adam trifft seine frühere Geliebte, die Polizistin Robin, wieder, auch seine Stiefgeschwister Miriam und Jamie sowie den alten Vorarbeiter Dolf und dessen Enkelin Grace. Ein Mord geschieht, Adam gerät unter Verdacht. Hat das Verbrechen etwas mit der Vergangenheit zu tun? Oder doch damit, dass Adams Vater partout kein Land verkaufen möchte, auf dem ein Kraftwerk errichtet werden soll? Dann wird auch noch Grace, die in Adam verliebt ist, brutal zusammengeschlagen...

Kein Zweifel: Das sind die Zutaten für einen im besten Fall spannenden Kriminalroman, doch genau da offenbart sich das Problem. Denn einen Kriminalroman schreiben, das wollte Hart nicht. Ihm ging es um Größeres, um das Drama einer Familie. Wogegen sich eigentlich auch nichts sagen ließe. Was Hart jedoch inszeniert, ist Familie als antike klassische Tragödie mit den Mitteln einer durchschnittlichen soap opera. Man liest kaum eine Seite, auf der nicht in großen Lettern "Achtung! Familiendrama!" stünde, die Personen blasen sich mit großem Pathos auf und deklamieren – siehe die Eingangszitate – ihre flachen Dialoge. Und das wie gesagt in einer Sprache, die nur verkraftet, wem es beim Krimilesen generell nicht auf Sprache ankommt.

Niemand aus dem reichhaltigen Personal ist wirklich glaubwürdig, sondern lediglich Figur in einem durchsichtigen Spiel. Schon ein Blick auf die Familie Chase lässt einen schaudern. Die Mutter hat sich umgebracht, die Stiefschwester neigt zur Selbstverstümmelung und der Stiefbruder häuft Spielschulden an. Vom Herrn Papa gar nicht erst zu reden. Gröbster Keil jedoch ist Adam Chase, der Held, selbst, wie schon der Name aufdringlich verrät. Adam, den der Gott-Vater erschuf und später aus dem Paradies vertrieb, "Chase", gleichzeitig Jäger und Gejagter. Ein "sprechender Name" also, so ziemlich die lausigste Sünde eines Autors.  Passend taucht ein mythenumwaberter "weißer Hirsch" auf, lässt den guten Adam schwer philosophisch ins Grübeln kommen, und das alles quält sich wie ein träger Fluss aus sirupsüßem Kitsch durch eine auf Morbidität gestylte Landschaft.

Die Kriminalhandlung selbst bedient sich der bewährten Versatzstücke. Es wird geprügelt und gemordet, alle geraten irgendwann einmal in Verdacht und haben irgendwelche Leichen im Keller, jeder Satz ist sinngeschwängert und "wichtig". Der finale Showdown führt uns schließlich in die längst erahnten, ziemlich seichten "Abgründe", wo die aus gefühlten 10.000 Krimis wohlbekannten "düsteren Familiengeheimnisse" auf uns warten.

Noch einmal: Was ist hier schiefgelaufen? Schlecht übersetzt? Möglich. Aber die ganze Struktur des Buches ist von Anfang an labil. Hier sollte kein Kriminalroman geschrieben werden, sondern "hohe Literatur", womöglich in der Tradition von William Faulkner und Tennessee Williams, mit einem reanimierten James Dean in der Hauptrolle als Adam Chase. Das konnte nicht funktionieren. Es hat nicht funktioniert.

Der dunkle Fluss

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Letzte Kommentare:
23.07.2016 20:11:53
Y. Jäger

Ich habe das Buch auf englisch gelesen und muss sagen, dass es im Original deutlich besser ist. Die Story ist zwar arg konstruiert und wer Iron House und The Last Child gelesen hat, ist natürlich sehr verwöhnt in Bezug auf den Autor. Dennoch - zerreissen würde ich das Buch nicht. King of Lies war deutlich schlechter.

17.07.2016 20:50:14
Dr. Christof Buss

Sehr ungenehm zu lesen, weil praktisch nur böse Menschen mitspielen: Kalt, hart, brutal, impulsiv, unreif und ohne Einfühlungsvermögen in die Motive anderer Menschen. Am allerschlimmsten ist der Held, den man nur als seelischen Krüppel bezeichnen kann.

Trotz spannender Story ist es mir stets schwer gefallen, dieses Buch zum Weiterlesen zu öffnen. Es erzeugte bei mir einfach keine schönen Gefühle. Nach 200 Seiten habe ich es in den Müll geworfen, nicht einmal weiterverschenkt.

Wehe dieser Stadt des Romans, falls es sie wirklich geben sollte!

03.06.2013 13:39:43
Stefan Koch

Ein großartiger, spannender Thriller, der gleichzeitig eine Familiengeschichte ist. Freilich handelt es sich ganz und gar nicht um eine biedere Familiegeschichte, sondern um einen erschütternden Blick in menschliche Abgründe. Der Vergleich mit einer Pilcher-Schmonzette ist abwegig. Hart schreibt das Gegenteil, und er macht das gut. Die Charaktere sind packend, die Spannung groß, die Lösung einleuchtend. Natürlich übertreibt ein guter Thriller...

25.06.2012 22:45:30
iWulfi

Mir geht's ebenso wie Lilo: Ein spannender Krimi mit der gut geschilderten, schwülen Atmosphäre des US-amerikanischen Südostens - allemal besser als andere 08/15-Fließbandware. Für mich reicht das Buch fast an die Qualität eines Greg Iles heran - "fast" deshalb, weil manche Szenen tatsächlich überzeichnet erscheinen. Aber darüber lächelt man unwillkürlich, fiebert mit dem Helden mit und bedauert am Ende, dass mit der plausiblen Auflösung das Buch (fast) zu Ende ist. Natürlich reitet der Held am Ende in den Sonnenuntergang ;-) Also lautet meine Empfehlung: Lesen, Leute!

21.07.2011 16:17:46
Lilo Rohrbach

Ich fand diese Buch ganz einfach spannend und gut! Ich hinterfrage nicht, ob der Autor einen Familienroman oder einen Krimi schreiben wollte. Dies ist mir nicht wichtig. John Hart schreibt so, dass es fast unmöglich ist, mit dem Lesen aufzuhören. Für mich hat diese Story "funktioniert". Hoffentlich erscheint noch mehr von John Hart.