Schwarzer Regen

Erschienen: Januar 2009

Bibliographische Angaben

  • München: audio media verlag, 2009, Seiten: 6, Übersetzt: Florian Fischer

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Wolfgang Weninger
Intensiv

Buch-Rezension von Wolfgang Weninger Aug 2009

In seinem Vorwort zu Schwarzer Regen bezieht sich der Autor Karl Olsberg auf einen 1964 erschienen Roman des Japaners Masuji Ibuse, der unter dem gleichlautenden Titel veröffentlicht wurde und sich mit dem Schrecken des Lebens nach den Atombombenabwürfen über Hiroshima und Nagasaki auseinandersetzte. Demgemäß hat sich der Bielefelder Autor für seinen im Aufbau-Verlag erschienenen Thriller die Latte ordentlich hoch gelegt, um auf knapp über 400 Seiten seinerseits eine gestörte Welt in Deutschland zu zeichnen.

Die Atombombe explodiert in Karlsruhe. Wovor sich die gesamte "zivilisierte" Welt insgeheim fürchtet, wird zur traurigen Wirklichkeit. Lennard Pauly überlebt. Er arbeitet für einen privaten Sicherheitsdienst und spioniert Menschen aus. Nachdem auch sein Sohn dem feigen Anschlag zum Opfer gefallen ist, macht sich Pauly wieder an die Arbeit und dabei gelangt er zu Erkenntnissen, dass vielleicht doch nicht eine extremistische Splittergruppe aus dem Nahen Osten für den Tod von Tausenden Menschen verantwortlich war ...

Aber im Endeffekt kann man die Handlung in diesem Buch getrost vergessen, so simpel gestrickt ist der Fall. Vorhersehbar und platt bewegen sich die Figuren in der Geschichte und wo sich nur ein Funken an Sympathie auf den Leser überträgt, wird sie mit radikalen Schnitten abgewürgt.

Wo dieses Buch wirklich punktet, ist die Beschreibung dessen, was über Karlsruhe ohne Vorwarnung herein bricht. Die Schilderung des Grauens, das die wenigen Überlebenden und Rettungskräfte erleben, gehören zum Intensivsten, das ich seit Langem gelesen habe. Diese wenigen Seiten schriftstellerischer Fähigkeit sind es alleine schon wert, diesen Thriller zu lesen, in dem die vermeintliche Realität den Leser erschüttern kann.

Dazu kommt ein Gegenwartsbericht zur rechten Szene, die sich in schlechten Zeiten über beträchtlichen Zulauf erfreuen kann und hätte ich nicht selbst, während ich diesen Roman las, die erschreckende Wirklichkeit in Brandenburg erlebt, so wären mir diese Passagen im Buch übertrieben vorgekommen. Wie der Hass die Menschen regiert, ist ein Thema, das Olsberg zwar immer wieder in Schwarzer Regen aufgreift, aber letztendlich nicht genügend vertieft und genau wie die Schilderung der Schicksale der Opfer zu Gunsten der müden Story schlichtweg abwürgt.

Die Handlung rund um Lennard Pauly und seine neue Flamme hat Groschenromanniveau. Das Treffen mit seiner Ex, deren Mann und dessen dienstbaren Geistern ist zwar bemüht konstruiert, aber in seiner ganzen Einfachheit so unglaubwürdig, dass man den Roman enttäuscht zu Ende liest. Hier hat sich der Autor selbst um die Früchte seiner Arbeit gebracht, weil er den Spannungsbogen bereits zu Beginn grandios in die Höhe treibt und dann nicht mehr genügend nachlegen kann. Er verzettelt sich im kleinkarierten Schreibstil eines Fortsetzungsromans eines Boulevardmagazins.

Wirklich schade, denn die guten Aspekte dieser Lektüre hätten sich eine Top-Wertung auf der Krimi-Couch verdient. Aber auch wenn die zweite Hälfte des Buches die Erwartungen nicht erfüllen kann, sollte man sich nicht davon abhalten lassen und in Schwarzer Regen hinein lesen. Insgesamt ist dieser Thriller noch immer besser, als so mancher marktschreierisch in die Lesecharts katapultierte Stoff. Ich halte dieses Buch auch für geeignet, im Rahmen eines Projektes im Unterricht für Schüler ab der 9. Schulstufe gelesen zu werden, denn mit dem Dauerbrenner aus dem Deutschunterricht von Hakan Nesser kann es allemal mithalten.

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Letzte Kommentare:
08.03.2014 12:23:23
Sarajlic

Ich möchte - streng genommen: muss - den bisherigen Rezensenten ein wenig widersprechen. Ich hab „Schwarzer Regen” gelesen und fand das Buch im Wesentlichen enttäuschend.

Nach den Zusammenfassungen hier oder z.B. auf Amazon sowie dem Klappentext hoffte ich auf einen spannenden (Polit-)Thriller, der Recherche und Hintergründe zu einem (im Wortsinne) explosiven Thema bietet.

Was ich bekam, war ziemlich anders:
Im ersten Drittel des Buches passiert nichts anderes, als dass mobilé-artig eine viel zu große Menge von Handlungsträgern mit ihren jeweiligen Dilemmeta aufgebaut werden. Es ist absolut sinnlos, sich alle Namen merken zu wollen, die meisten sieht man eh nur als Randfigur wieder - wie z.B. den schwulen Schlagersänger. Dann, wenn der Spannungsbogen im Grunde bereits ausgereizt und überreizt ist, explodiert die Atombombe in Karlsruhe.

Die restlichen zwei Drittel enthalten im Wesentlichen Schilderungen, die man in Pausewangs „Die Wolke” und „Die letzten Kinder von Schewenborn” schon vor Jahrzehnten ähnlich gelesen hat, die Hauptstory plätschert neben den diversen Schilderungen, wie dumm und wie hysterisch und wie leicht verführbar die Deutschen doch sind, eher lieblos dahin.

Erst im allerletzten Drittel gibt es dann eine Szene, die mit ganz viel Liebe und Augenzudrücken den Titel „überraschende Wendung” verdient (auch wenn man sie durchaus kommen sehen konnte). Eine Auflösung existiert nicht.

Insgesamt also trotz der (überraschend) positiven Kritiken, trotz der hohen Gradzahl hier auf Krimi Couch eher KEIN Thriller, keine Spannung, kein Page-Turner. Vielmehr eine buchgewordene Variante von RTL 2 und BILD-Zeitung, bei möglichst verstörenden Bildern möglichst direkt draufzuhalten; die Story muss hintanstehen. Schade drum!

22.12.2010 15:49:35
Frank

Übrigens.
@Wolfgang Weninger

"Das Treffen mit seiner Ex, deren Mann und dessen dienstbaren Geistern ist zwar bemüht konstruiert, aber in seiner ganzen Einfachheit so unglaubwürdig, dass man den Roman enttäuscht zu Ende liest."

Aha.
Nur dass dieses Treffen im Roman gar nicht stattfindet. Weder mit seiner "EX" - noch mit deren Mann.

Zwar trifft Pauly tatsächlich eine Frau aus seiner Vergangenheit, seine "EX" war sie jedoch nie.
Da kann man glatt vermuten, dass der Roman gar nicht gelesen wurde vom Rezensenten ;-).

22.12.2010 15:44:14
Frank

Der Horror wird Wirklichkeit.
In Karlsruhe wird eine Atombombe gezündet. Hunderttausende sterben oder werden verstrahlt.
Schnell werden islamistische Hintergründe für die Tat genannt, ein Rechtsruck geht durch Deutschland, rechtsgerichtete Parteien gewinnen an Ansehen, Übergriffe auf Menschen anderer Hautfarbe und/oder mit Migrationshintergrund häufen sich.
Auch der Ex-Polizist und jetzige Privatdetektiv Lennard Pauly hat seinen Sohn bei dem Anschlag verloren.
Durch eine Verkettung von Zufällen wird ihm schnell klar, dass die Wahrheit nicht so offensichtlich ist, wie es von vielen dargestellt wird. Pauly macht sich auf die Suche nach den "wahren" Drahtziehern.
Olsen hat schon mit seinen beiden vorherigen Romanen bewiesen, dass er Spannungsliteratur auf internationalem Niveau beherrscht - und das ist bei "Schwarzer Regen" nicht anders.
Die Geschichte vermag den Leser zu fesseln, die Charaktere (allen voran L.Pauly) sind gelungen.
Manche/r mag mit der "Auflösung" der Story hadern, für meine Begriffe ist sie konsequent - weil nachvollziehbar.
90%

27.10.2009 22:30:20
Schrodo

Wer zündete die Atombombe in einer deutschen Großstadt? Das ist eine der Fragen in Olsbergs Thriller. Das zweite Thema ist die Auswirkungen auf die Menschen nach solch einem Super Gau. Der Autor beschreibt außerordentlich glaubwürdig, wie die Stimmung nach solch einem Anschlag sein könnte. Die Unfassbarkeit, die Ohnmacht und der Hass der Menschen auf die Täter. Die Schilderung der Atomexplosion sowie deren Folgen für die Menschen und die Gesellschaft ist sehr, sehr bedrückend beschrieben und regt stark zum Nachdenken an. Allein der Gedanke an solch eine Katastrophe kann einem schon mal den Schlaf rauben.
Der dritte Erzählstrang widmet sich der Geschichte des Lennard Pauly der seinen Sohn verliert und anschließend versucht das Verbrechen aufzuklären. Dass er dabei noch in eine zarte Liebesgeschichte mit der Alleinerziehenden Mutter Fabienne schlittert, macht die Story wieder etwas versöhnlicher.
Ein guter Plot, insgesamt eine sehr interessante Story bei der die hinterher hinkende Spannung keine entscheidende Rolle spielt. Ein lesenswertes Buch. Schon allein dadurch, dass man sich über das Ausmaß solch einer Katastrophe Gedanken macht. (Was machen wir denn nun mit unseren AKW`s?)
Dass es am Ende keine klare Aufklärung des Falles gibt, hat mir aber schon sehr gefehlt. Da ist deutlich zu viel Spielraum…die meines Erachtens nicht in einen Krimi oder Thriller gehört.

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