Ein Morgen wie jeder andere

Erschienen: Januar 2009

Bibliographische Angaben

  • Paris: Albin Michel, 2006, Titel: 'Un matin de juin comme les autres', Seiten: 231, Originalsprache
  • München: dtv, 2009, Seiten: 216, Übersetzt: Nathalie Mälzer-Semlinger
  • München: dtv, 2011, Seiten: 216

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Thomas Kürten
Blutbad in der Nachbarschaft

Buch-Rezension von Thomas Kürten Aug 2009

Ein Titel ohne Aussagekraft, das Cover todlangweilig. Ein verrostetes Auto auf einem Feld - das hat man schon anderswo zuhauf gesehen. Nicht die besten Voraussetzungen, um auf einem umkämpften Buchmarkt das Interesse von Lesern zu wecken. Doch wer sich dann darauf einlässt und in die Welt des Tierarztes Belouard eintaucht, wird schon nach wenigen Seiten von der Atmosphäre und dem sanften Erzählstil des Autors in diesem Roman begeistert sein.

Belouard erfährt beim Mittagstisch, dass im Nachbarort eine ganze Familie niedergemetzelt wurde. Die zunehmende Präsenz von Polizei und Pressevertretern kann er ebenfalls nicht ignorieren. Als Tierarzt ist er einer der wenigen Ansässigen, die sich schnell wieder ungehindert von Polizeisperren bewegen können. Später am Nachmittag trifft er auf einer Straße durch den Wald auf eine junge Frau, die vor ihrem gewalttätigen Mann davon gelaufen ist. Er bietet ihr an, sie vorübergehend bei sich unterzubringen. Je länger sie bleibt, desto mehr reifen die Gefühle, die Belouard für die Frau entwickelt.

Tiefgründige Charaktere

Die Rolle, die Belouard einnimmt, wirkt für den Leser eingangs mitunter verwirrend. Soll dieser Tierarzt als Ermittler aufgebaut werden oder was ist seine Rolle? Sein Verhalten ist teilweise verwirrend, seine Reaktion auch die Nachricht von der Bluttat befremdend kalt. Weiß dieser Mann irgendetwas? Belouard wird als ehemaliger Alkoholiker vorgestellt, dessen Akzeptanz in der Landbevölkerung durch die Krankheit gelitten hat. Ist dieser Mann wirklich trocken oder weshalb kann er seiner Besucherin eine Flasche Wein zum Essen anbieten? Hat er gar selber etwas mit den Morden zu tun und es im Rausch vergessen oder verdrängt?

Diesen Tiefgang schafft Autor Christian Pernath durch die Schilderung eines stringenten Verhaltens seines Protagonisten. Sogar noch mysteriöser beschreibt er Claire, die verstört und in ihrem Innersten verletzt ist. Wie behutsam sich der dickliche Tierarzt sich dieser Frau annähert, das beschreibt großes Einfühlungsvermögen und eine hoffnungslos romantische Ader.

Ermittlungen laufen so nebenbei

Niemals stehen hier ein Kommissar und sein Team im Mittelpunkt. Von den Ermittlungen und Spekulationen bekommt man genauso viel mit wie der Tierarzt oder andere Dorfbewohner auch. Ebenso drängt sich Belouard nicht als Hobbydetektiv auf, der den Tratsch und die Beziehungen der Menschen in den umliegenden Dörfern sowieso besser kennt als jeder Kommissar aus der Stadt. Nur an einer Stelle schnappt er eine beiläufige Bemerkung auf, die ihn stutzen lässt, und genau hier braucht der Mann Gewissheit, bevor er seinen Verdacht der Polizei schildern kann.

Pernath schafft es, ein Tragödie zu erzählen, die einen Kriminalfall braucht um zu funktionieren. Es ist wundervoll zu beobachten, wie sich die Stimmungen im Dorf entwickeln, welche Kraft Nachrichten haben und welche Dynamik Ermittlungen beziehen. Gekrönt von einem offenen Ende ist Ein Morgen wie jeder andere eines der Highlights im Krimijahr 2009.

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Letzte Kommentare:
09.09.2013 15:11:05
Darix

Pernaths Hauptdarsteller, der dickliche, unglückliche Landtierarzt beeindruckt durch sein doch so normales Verhalten, beinahe wie im wirklichen Leben. Der sanft-melancholische Nanter Tierarzt lebt eher langweilig, ohne Antrieb vor sich hin. Der grausame Mord an einer Bauernfamilie berührt in vordergründig nicht, dass verändert sich erst mit der "Aufnahme" einer Frau in seinem Haus.
Durch sie gewinnt er einen Zugewinn an menschlicher Interaktion und positiven Lebensinhalt. Die Veränderungen zwischen den "Beiden" werden liebevoll poetisch beschrieben. Das gilt ebenso für die aufmerksame, menschliche Beschreibung des dorfes und deren Bewohner. Spannung wird erzeugt durch den ermittlenden Kommissar. Es ist weniger die Frage wer der Täter war, das ist relativ frühzeitig zu erkennen. Sondern das der Krimi das Geschehen bis zur Tat interessant ausgestaltet. Der Plot wird angenehm freundlich und nicht reiserisch geschrieben. Ein wenig wie im realen Leben. Eine leichte Spätsommerlektüre.

04.06.2010 20:55:26
heikki-hexi

Eine außergewöhnlich gute Geschichte - Alltagspoesie und Spannung, voller Empathie für den Anti-Helden ... Ein Buch für alle, die sich gern in Geschichen "einspinnen" lassen. Ich habe es an einem freien Tag gelesen - konnte mich nicht lösen ... Danke an die Humboldt-Bibliothek Berlin-Tegel :-) , ohne die ich nie auf dieses Buch aufmerksam geworden wäre.

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