Trugbild

Erschienen: Januar 2009

Bibliographische Angaben

  • München: Knaur-Taschenbuch, 2009, Seiten: 346, Übersetzt: Christine Gaspard
  • Orlando: Harcourt, 2007, Titel: 'The cloud of unknowing', Seiten: 310, Originalsprache

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Wolfgang Weninger
Maximal verstörend

Buch-Rezension von Wolfgang Weninger Aug 2009

Wie weit sich die Marketing-Strategen bei Buchtiteln aus dem Fenster lehnen, um den Leser zu verwirren, beweist sich wieder ein Mal bei dem 2009 im Knaur Taschenbuchverlag erschienenen Trugbild von Thomas H. Cook, das 2007 bei Harcourt als The Cloud of Unknowing erstmals veröffentlicht wurde. Tatsache ist jedoch, dass der gleiche Text bereits 2006 in Großbritannien als The Murmur of Stones an den Leser gebracht wurde.

Wobei "die Wolke der Unwissenheit" als Titel zu diesem Stoff wohl am besten passt, denn "das Murmeln der Steine" ist ebenso nichtssagend, wie das "Trugbild", wenn es darum geht, das verkorkste Leben der Geschwister Diana und David zu beschreiben. Die beiden sind ohne Mutter nur mit einem paranoiden Vater aufgewachsen und zumindest Diana zeigt deutliche Symptome der Krankheit. Als ihr psychisch gestörter Sohn Jason unter mysteriösen Umständen sein Leben im See aushaucht, obwohl er schwer wasserscheu war, ist für Diana klar, dass ihr Mann dabei die Finger im Spiel hatte. Da es aber keinerlei Beweise für dessen Schuld gibt, versucht sie auf allen möglichen Wegen solche zu finden bzw. zu konstruieren.

Bruder David ist Scheidungsanwalt, verheiratet, Vater einer Tochter. Die vererbbare Geisteskrankheit scheint auch vor ihm nicht Halt zu machen, denn er glaubt zwar den Verschwörungstheorien seiner Schwester nur im Entfernten, aber er bemerkt, dass Diana seine Tochter immer tiefer in ein Komplott zur Aufklärung des zweifelhaften Todesfalles verstrickt, um ihrem Ex-Mann eines auszuwischen. David kann wohl nur dann Gewissheit bekommen, wenn er sich selbst in die Ermittlungen einschaltet ...

Publishers Weekly bezeichnet diesen Roman als "Völlig unaufgeregt und gerade deshalb maximal verstörend" und gipfelt in seinem Urteil mit einem "Bravourös!"

"Völlig unaufgeregt" ist eine tolle Umschreibung für eine Geschichte, die so langatmig und geschwollen daher kommt, dass man das Buch am liebsten in die nächste Ecke pfeffern möchte. So viele paranoide Spinner sind mir literarisch noch nicht vor die Brille gekommen, und "maximal verstörend" war für mich höchstens die Tatsache, dass der ermittelnde Detective Petrie nicht sämtliche Beteiligten schon auf den ersten hundert Seiten in die nächste Anstalt für geistig abnorme Protagonisten unter Sonderbewachung eingesperrt hat.

Und dann belauscht man die eigene Frau und Tochter in der Diskussion über dieses Buch und hört die Begeisterung über den gekonnten und schleichenden Spannungsaufbau und dass man gar nicht mehr aufhören kann zu lesen, wie subtil sich Diana an den Ex anpirscht und wie sie gezielt alle in ihrem Umfeld in die Paranoia drängt und mit Hilfe kleiner, gelber Zettel die Menschen und insbesondere ihren Bruder manipuliert.

Dieses Buch ist also eine absolute Geschmackssache. Wer sich an Psychothrillern und kranken Charakteren begeistern kann, der findet hier wohl ein Highlight mit nicht ganz eindeutigem Ende. Wer aber mit völlig unaufgeregter und maximal verstörender Lektüre nichts anfangen kann, der sollte besser die Finger davon lassen, denn allein vom guten Schreibstil und der gekonnten Übersetzung von Christine Gaspard wird man nicht glücklich. Ich habe mich über die 347 Seiten von Trugbild gequält und konnte an den anderen Lesezeichen im Buch feststellen, dass ich offensichtlich der Einzige war, dem dies so ging. Darum verkneife ich mir hier eine Wertung in der Blindgängerzone mangels Verständnis für dieses Buch.

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