Trugbild

Erschienen: Januar 2009

Bibliographische Angaben

  • München: Knaur-Taschenbuch, 2009, Seiten: 346, Übersetzt: Christine Gaspard
  • Orlando: Harcourt, 2007, Titel: 'The cloud of unknowing', Seiten: 310, Originalsprache

Couch-Wertung:

35°

Leser-Wertung

-
Zum Bewerten, einfach Säule klicken.
 50° 100°

Zum Bewerten, einfach Säule klicken.

Bitte bestätige - als Deine Wertung.

Gebe bitte nur eine Bewertung pro Buch ab, um die Ergebnisse nicht zu verfälschen. Danke!

0 x 91°-100°
0 x 81°-90°
0 x 71°-80°
1 x 61°-70°
0 x 51°-60°
0 x 41°-50°
0 x 31°-40°
0 x 21°-30°
0 x 11°-20°
0 x 1°-10°
B:64
V:0
W:{"1":0,"2":0,"3":0,"4":0,"5":0,"6":0,"7":0,"8":0,"9":0,"10":0,"11":0,"12":0,"13":0,"14":0,"15":0,"16":0,"17":0,"18":0,"19":0,"20":0,"21":0,"22":0,"23":0,"24":0,"25":0,"26":0,"27":0,"28":0,"29":0,"30":0,"31":0,"32":0,"33":0,"34":0,"35":0,"36":0,"37":0,"38":0,"39":0,"40":0,"41":0,"42":0,"43":0,"44":0,"45":0,"46":0,"47":0,"48":0,"49":0,"50":0,"51":0,"52":0,"53":0,"54":0,"55":0,"56":0,"57":0,"58":0,"59":0,"60":0,"61":0,"62":0,"63":0,"64":1,"65":0,"66":0,"67":0,"68":0,"69":0,"70":0,"71":0,"72":0,"73":0,"74":0,"75":0,"76":0,"77":0,"78":0,"79":0,"80":0,"81":0,"82":0,"83":0,"84":0,"85":0,"86":0,"87":0,"88":0,"89":0,"90":0,"91":0,"92":0,"93":0,"94":0,"95":0,"96":0,"97":0,"98":0,"99":0,"100":0}
Wolfgang Weninger
Maximal verstörend

Buch-Rezension von Wolfgang Weninger Aug 2009

Wie weit sich die Marketing-Strategen bei Buchtiteln aus dem Fenster lehnen, um den Leser zu verwirren, beweist sich wieder ein Mal bei dem 2009 im Knaur Taschenbuchverlag erschienenen Trugbild von Thomas H. Cook, das 2007 bei Harcourt als The Cloud of Unknowing erstmals veröffentlicht wurde. Tatsache ist jedoch, dass der gleiche Text bereits 2006 in Großbritannien als The Murmur of Stones an den Leser gebracht wurde.

Wobei "die Wolke der Unwissenheit" als Titel zu diesem Stoff wohl am besten passt, denn "das Murmeln der Steine" ist ebenso nichtssagend, wie das "Trugbild", wenn es darum geht, das verkorkste Leben der Geschwister Diana und David zu beschreiben. Die beiden sind ohne Mutter nur mit einem paranoiden Vater aufgewachsen und zumindest Diana zeigt deutliche Symptome der Krankheit. Als ihr psychisch gestörter Sohn Jason unter mysteriösen Umständen sein Leben im See aushaucht, obwohl er schwer wasserscheu war, ist für Diana klar, dass ihr Mann dabei die Finger im Spiel hatte. Da es aber keinerlei Beweise für dessen Schuld gibt, versucht sie auf allen möglichen Wegen solche zu finden bzw. zu konstruieren.

Bruder David ist Scheidungsanwalt, verheiratet, Vater einer Tochter. Die vererbbare Geisteskrankheit scheint auch vor ihm nicht Halt zu machen, denn er glaubt zwar den Verschwörungstheorien seiner Schwester nur im Entfernten, aber er bemerkt, dass Diana seine Tochter immer tiefer in ein Komplott zur Aufklärung des zweifelhaften Todesfalles verstrickt, um ihrem Ex-Mann eines auszuwischen. David kann wohl nur dann Gewissheit bekommen, wenn er sich selbst in die Ermittlungen einschaltet ...

Publishers Weekly bezeichnet diesen Roman als "Völlig unaufgeregt und gerade deshalb maximal verstörend" und gipfelt in seinem Urteil mit einem "Bravourös!"

"Völlig unaufgeregt" ist eine tolle Umschreibung für eine Geschichte, die so langatmig und geschwollen daher kommt, dass man das Buch am liebsten in die nächste Ecke pfeffern möchte. So viele paranoide Spinner sind mir literarisch noch nicht vor die Brille gekommen, und "maximal verstörend" war für mich höchstens die Tatsache, dass der ermittelnde Detective Petrie nicht sämtliche Beteiligten schon auf den ersten hundert Seiten in die nächste Anstalt für geistig abnorme Protagonisten unter Sonderbewachung eingesperrt hat.

Und dann belauscht man die eigene Frau und Tochter in der Diskussion über dieses Buch und hört die Begeisterung über den gekonnten und schleichenden Spannungsaufbau und dass man gar nicht mehr aufhören kann zu lesen, wie subtil sich Diana an den Ex anpirscht und wie sie gezielt alle in ihrem Umfeld in die Paranoia drängt und mit Hilfe kleiner, gelber Zettel die Menschen und insbesondere ihren Bruder manipuliert.

Dieses Buch ist also eine absolute Geschmackssache. Wer sich an Psychothrillern und kranken Charakteren begeistern kann, der findet hier wohl ein Highlight mit nicht ganz eindeutigem Ende. Wer aber mit völlig unaufgeregter und maximal verstörender Lektüre nichts anfangen kann, der sollte besser die Finger davon lassen, denn allein vom guten Schreibstil und der gekonnten Übersetzung von Christine Gaspard wird man nicht glücklich. Ich habe mich über die 347 Seiten von Trugbild gequält und konnte an den anderen Lesezeichen im Buch feststellen, dass ich offensichtlich der Einzige war, dem dies so ging. Darum verkneife ich mir hier eine Wertung in der Blindgängerzone mangels Verständnis für dieses Buch.

Trugbild

Trugbild

Deine Meinung zu »Trugbild«

Hier kannst Du einen Kommentar zu diesem Buch schreiben. Wir freuen uns auf Deine Meinungen. Ein fairer, respektvoller Umgang sollte selbstverständlich sein. Danke!

Letzte Kommentare:
11.01.2010 20:55:12
JaneM.

Zunächst: ja das Buch ist Geschmacksache, wobei ich zu denjenigen gehöre, die sich -um W. Weninger zu zitieren- für Psychothriller und kranke Charaktere begeistern können.
Diana und David sind Geschwister und mit ihrem psychisch kranken Vater aufgewachsen. Dieser hielt sich für ein schriftstellerisches Genie, das nie anerkannt wurde. Diana musste als Kind ihren Vater durch das Zitieren von literarischen Werken beruhigen und hat ihn bis zum Tod gepflegt. Später führt sie eine scheinbar normale Ehe mit Mark dem Wissenschaftler. Als der gemeinsame- ebenfalls als Kind schon psychisch kranke- Sohn Jason im Teich hinter dem Haus ertrinkt, geht die Ehe kaputt. Diana sucht sich eine eigene Wohnung, wo sie sich zunehmend isoliert. Nach und nach verfestigt sich bei ihr die Meinung, dass Mark Jason umgebracht hat. Ihre Tage verbringt sie in der Bibliothek, um "Beweise" zu sammeln. Ihr Bruder David ist hin und her gerissen. Dreht seine Schwester langsam durch, so wie schon früher der Vater? Ist Diana nur eine verschrobene, esoterische Spinnerin, eine gefährliche kranke Frau oder eine trauernde Mutter, die über den Verlust nicht hinweg kommt? Oder ist vielleicht doch ein Funken Wahrheit an ihrem Verdacht? Mark, der Ex-Mann, ist nur am Fortschritt seiner wissenschaftlichen Arbeit interessiert. Die Erkrankung seines Sohnes schien ihm lästig zu sein. Zu lästig vielleicht? Oder hatte Diana beim Tod des Sohnes selbst die Finger im Spiel? Ist der alte Vater überhaupt eines natürlichen Todes gestorben? Ist David selbst noch bei Verstand? All diese Fragen stellen sich beim Lesen.
"Trugbild" besteht überwiegend aus Davids rückblickender Schilderung der Ereignisse gegenüber dem Polizisten Petrie. Dieser Rückblick wird immer kurz durch die gegenwärtige Situation des Verhörs durch Petrie unterbrochen. Natürlich stellt sich dem Leser die Frage, warum David überhaupt im Verhörraum sitzt.
Trugbild ist aus meiner Sicht eine spannende Geschichte über die Grenzen zwischen Normalität und Wahn. Über den schmalen Grad zwischen Exzentrik und Irresein. Und über die Frage, inwieweit die Betrachtung des Geisteszustandes durch Außenstehende immer auch durch deren Motive geprägt ist. Insoweit ist "maximal verstörend" eine ganz passende Beschreibung.
W. Weninger gebe an aber an einigen Punkten recht: oft ist die Pseudo- Lebensphilosophie zu dick auftragen. Insbesondere die Jetztzeitunterhaltung zwischen David und Petrie trieft vor Weisheiten, die wohl tiefgründig sein sollen. Dennoch: von mir 75°