CSI Las Vegas. Tod in der Wüste

Erschienen: Januar 2008

Bibliographische Angaben

  • Köln: vgs Egmont, 2008, Seiten: 257, Übersetzt: Frauke Meier

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Michael Drewniok
Mord-Mysterien für pathologische Spurenforscher

Buch-Rezension von Michael Drewniok Jun 2009

In ihrem Haus im vornehmen Vorort Mariah Valley wird nackt, an ihr Bett gefesselt und erstickt die schöne Rose Demille gefunden. Die High-Society und die Medien kannten und liebten sie als „Nevada Rose". Regelmäßig lieferte ihr mondäner und lockerer Lebensstil Schlagzeilen. Die Zahl der Verdächtigen bleibt dennoch überschaubar, nachdem Catherine Willows und Warrick Brown, zwei erfahrene Beamte des Kriminaltechnischen Labors Las Vegas (CSI), die Ermittlung übernehmen.

Am Tatort finden sie Spuren, die auf die nächtliche Anwesenheit des Baseball-Starspielers Mark Baker hindeuten, der als Demilles aktueller Liebhaber und sogar Verlobter galt. Darüber hinaus unterhielt die verstorbene „Nevada Rose" aber auch ein Verhältnis mit dem berühmten - und verheirateten - Schönheitschirurgen Layton Samuels ...

CSI-Chef Gil Grissom und seine Kollegen Sara Sidle und Greg Sanders plagen sich derweil mit dem Fall des ‚grünen Manns‘: Aus einem künstlichen See am Rand der Wüste zog man die Leiche des Edelstein-Schürfers Arthur Belcher, die nach Wochen des Treibens im trüben Wasser weder einen erfreulichen Anblick bietet noch die Umstände ihres Ende preisgibt.

Mit seinem Bruder Charles und seiner Mutter Gloria bildete Arthur zu Lebzeiten ein erfolgreiches aber notorisch zerstrittenes Trio. Vor einigen Monaten gelang den Belchers in ihrer Mine der Fund ihres Lebens: ein gigantischer roter Smaragd, den sie „Nevada Rose" tauften. Über den Verkauf war man uneins, was in Grissom die Frage weckt, ob sich die Familie des lästigen Arthurs nicht heimlich entledigt hat ...

Das Bekannte neu und aufregend wirken lassen

„Exklusiver, bisher unveröffentlichter Originalfall", liest man lockend auf dem Cover der deutschen Ausgabe. Normalerweise darf das Adjektiv „exklusiv" in Verbindung mit einem Roman, der offensichtlich ein „tie-in"-Produkt ist, nicht als Empfehlung gelten: Moderne Franchises decken alle potenziell einträglichen Bereiche mit entsprechenden Angeboten ab; das „Buch zum Film" oder in diesem Fall zur TV-Serie ist da nur ein Posten auf der Liste.

Das „CSI"-Franchise bildet indes seit jeher eine rühmliche Ausnahme. Die Qualität der Serie (bzw. der Serien, denn ermittelt wird ja nicht nur in Las Vegas, sondern auch in Miami und New York City) spiegelt sich in Romanen wider, die trotz verschiedener Autoren erstaunlich lesenswert geraten. Es dürfte primär daran liegen, dass zwar Schriftsteller angeheuert werden, die vor allem schnell die gewünschte ‚Ware‘ liefern, dabei jedoch darauf geachtet wird, nicht den Bodensatz der Branche aufzurühren; „tie-in"-Romane können schrecklich sein, und meist sind sie es auch, weil in der Materie kundige aber ansonsten unerfahrene und/oder untalentierte Schreiberlinge, oft deutlich erkennbar mehr Fans als Autoren, auf die Leser losgelassen werden.

Jerome Preisler ist ein Profi mit langer Veröffentlichungsliste. Wie geschmeidig er sich den jeweiligen Auftraggebern anzupassen weiß, zeigt die Qualität dieses seines ersten „CSI"-Romans. Wobei „Qualität" in diesem Fall einer näheren Erläuterung bedarf: „Tod in der Wüste" kann als eigenständiger, solide geplotteter und angenehm lesbarer Krimi überzeugen, wirkt aber im „CSI"-Umfeld deutlich besser. Im Verlauf der Lektüre tauchen vor dem inneren Auge immer wieder Szenen, Dialoge und Kulissen aus der TV-Serie auf. Das geschieht natürlich nicht von ungefähr, sondern wird vom Verfasser forciert, der sich auf diese Weise seinen Job erleichtern kann.

Die Wüste lebt, aber sie tötet auch

Was die eigentliche Krimi-Handlung freilich nicht berührt. Hier gilt es einerseits den Ton zu treffen, in dem sattsam bekannte Figuren interagieren, während andererseits ein scheinbar unmögliches Verbrechen zu entwerfen und aufzuklären ist. Weil ein Roman mit recht eng bedruckten 250 Seiten gefüllt werden muss, sind es sogar zwei Fälle. Mit dieser Episodenstruktur darf sich Preisler auf der sicheren Seite sehen, da auch im Fernsehen oft zwei oder gar drei CSI-Teams Seite an Seite aber nicht gemeinsam ermitteln.

In Tod in der Wüste bildet die „Nevada Rose" eine lockere Klammer zwischen den Fällen. Sich des Zufalls bedienend aber ihn nicht in seinen Dienst zwingend, geht Preisler von der Existenz zweier Rosen aus. Die eine war eine Frau, die ihr Leben in der Stadt verbrachte, die andere ist ein Edelstein, der in der Wüste gefunden wurde. Auf diese Weise hat der Verfasser zwei räumlich voneinander isolierte Schauplätze geschaffen, was sich auf die polizeiliche bzw. kriminaltechnische Arbeit und damit auf die Handlung auswirkt: Stadtteam und Landteam ermitteln auf unterschiedliche Weisen.

Den gemeinsamen Schnittpunkt bildet das „CSI"-Labor mit seinem unerschöpflichen Fundus wundersamer Hightech-Instrumente, die sich unabhängig von jenem Sparzwang, der dem öffentlichen Dienst ansonsten weltweit gemein ist, in Las Vegas zu türmen scheinen. Preisler hat seine Hausaufgaben gemacht. In den Labor-Szenen spricht er geschickt in jener Zunge, deren Sprache man als „Technobabbel" bezeichnet: Unabhängig davon, ob technisch und wissenschaftlich tatsächlich möglich ist, was uns geschildert wird, klingt es auf jeden Fall realistisch und erfüllt damit seinen Unterhaltungszweck.

Und wenn sie nicht gestorben sind, ermitteln sie noch morgen ...

Tod in der Wüste ist chronologisch in die zweite Hälfte der 7. „CSI"-TV-Staffel einzuordnen. Warrick Brown lebt, Sara Sidle ist noch im Dienst, ihre Beziehung zu Gil Grissom nicht publik geworden (was erst geschah, als der Modellbau-Mörder sie entführte). Nick Stokes und Jim Brass müssen sich dieses Mal mit Gastauftritten begnügen.

Wie schon erwähnt vermag sich Preisler erfolgreich in die TV-Figuren hineinzuversetzen. Sie haben alle ihren eigenen Stil und ihre Eigenheiten, die der Verfasser geschickt an passender (oder passend gemachter) Stelle einfließen lässt. Preisler geht womöglich einen Schritt weiter als Max Allan Collins, der bisher für den Las-Vegas-Bereich des „CSI"-Franchises schrieb, wenn er beispielsweise Gil Grissom als bekannt tüchtigen Kriminologen darstellt, der sich jedoch gern im Stil eines ‚zerstreuten Professors‘ in ab- und weitschweifigen Vorträgen verliert und von seinen Kollegen zurück in die Ermittlungsspur gebracht werden muss.

Tod in der Wüste ist trotz seiner Qualitäten kein Krimi, der im Gedächtnis haften wird; dafür ist die Machart zu schematisch. Auf dem Niveau, das vorgelegt wurde und gehalten wird, entstehen jedoch unterhaltsame und gut lesbare Romane wie dieser, deren Reihe sich zweifellos um diverse Bände verlängern wird - und sollte!

CSI Las Vegas. Tod in der Wüste

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