Mord am See

Erschienen: Januar 2003

Bibliographische Angaben

  • Löhne: Cass, 2003, Seiten: 182, Übersetzt: Katja Busson
  • ?: ?, 2002, Titel: 'Reikusaido', Originalsprache

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Jörg Kijanski
Origineller, aber konstruierter Plot

Buch-Rezension von Jörg Kijanski Jun 2009

Für ein paar Tage treffen sich vier Ehepaare an einem kleinen See. Während sie selbst sich erholen wollen, müssen die Kinder in einem Nachbargebäude lernen, denn der Hauptgrund für das Treffen sind die Kleinen. Wer es zu etwas bringen will, der sollte schon an einer privaten Mittelschule lernen und genau hier hapert es beim Nachwuchs. Aus Angst, dass das eigene Kind die bevorstehende Aufnahmeprüfung womöglich nicht schaffen könnte, wurde eigens ein Privatlehrer engagiert.

Für Shunsuke Namiki geht es bei dem Treffen jedoch um etwas ganz anderes, denn mit seinem Stiefsohn versteht er sich nicht besonders und mit seiner Frau Minako läuft schon lange nichts mehr. Er will die Scheidung und dafür braucht er am besten einen Beweis, dass ihm seine Frau untreu wurde. Mit den Ermittlungen beauftragt er seine Mitarbeiterin und Geliebte Eriko Takashina, die plötzlich unerwartet und unter einem Vorwand auftaucht. Angeblich hat sie Beweise gefunden und so verabreden sich Shunsuke und Eriko in einem nahe gelegenen Hotel, doch Shunsuke wartet vergebens. Unverrichteter Dinge kehrt er also zu der kleinen Gruppe zurück, die plötzlich unter Schock zu stehen scheint. Minako gesteht ihrem Mann, dass sie Eriko ermordet habe, da diese Minako aufgefordert habe, sich von Shunsuke zu trennen.

Die anderen Paare wollen Minako helfen und die Leiche einfach verschwinden lassen. Widerwillig und nur um seinen Ruf bedacht erklärt sich Shunsuke einverstanden. Allerdings beginnt er sich recht bald zu fragen, warum die Anderen eigentlich so bereitwillig helfen und keiner auf die Idee kommt, die Polizei zu verständigen?

Empfehlenswert, wenn man mal keinen 08/15-Krimi lesen möchte

Es ist schon eine recht eigenartige Geschichte, die uns der japanische Autor Keigo Higashino hier auftischt. Einschließlich des Nachhilfelehrers wissen neun erwachsene Menschen von einem Mord und keiner ruft die Polizei. Selbst der Liebhaber der Ermordeten lässt sich in die Vertuschungsaktion relativ schnell einbinden, wenngleich ihm immerhin Zweifel an der Richtigkeit seines Handelns kommen. Mehr und mehr macht sich der Protagonist auf die Suche nach der Wahrheit, denn einen Grund muss es ja geben, warum alle so erpicht darauf sind, eine Mörderin zu decken. So führt Shunsuke zahlreiche Gespräche, hört den anderen bei ihren Unterhaltung genau zu und entdeckt zunehmend Ungereimtheiten. Offenbar verbindet seine Frau mit den drei Paaren eine besondere Beziehung, aber geht es dabei wirklich nur um die Verbesserung der schulischen Situation ihrer Kinder?

Warum nur ruft keiner die Polizei?

"Mord am See" ist ein sehr dialoglastiger Roman, der an ein Kammerspiel erinnert. Fast die gesamte Handlung spielt in der "Ferienanlage" statt und in erster Linie wird darüber geredet, wie man sich gegenüber der Polizei verhalten soll, wenn diese das Verschwinden der Toten eines Tages untersuchen wird. Soweit kommt es jedoch nie, denn außer den neun Erwachsenen und deren vier Kinder spielen keine weiteren Personen mit. Der Roman endet damit, dass Shunsuke herausfindet, was sich wie tatsächlich ereignet hat und weshalb die Betroffenen alle an einer Vertuschung des Mordes interessiert sind.

Der Plot ist ebenso originell wie gewöhnungsbedürftig, wenngleich in sich "schlüssig". Man muss jedoch mit etwas Wohlwollen an diese kurzweilige Lektüre herangehen, denn das Verhalten der Betroffenen und die hierfür gegebene Begründung sind doch arg konstruiert, eben weil nur so die Geschichte funktionieren kann. Dennoch, wer es gerne ruhig angehen lässt und mal einen "etwas anderen Krimi" lesen möchte, der darf hier zugreifen. Ebenso so originell wie der Plot ist dessen Auflösung.

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