Das Geld war schmutzig

Erschienen: Januar 2009

Bibliographische Angaben

  • New York: Grand Central, 2008, Titel: 'Dirty Money', Seiten: 276, Originalsprache
  • Hamburg: Jumbo, 2009, Seiten: 4, Übersetzt: Dietmar Wunder
  • München: dtv, 2011, Seiten: 256

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Michael Drewniok
Ein Profi im Auge des entfesselten Sturms

Buch-Rezension von Michael Drewniok Mai 2009

Nach einem nur teilweise gelungenen Überfall in der Provinz des US-Staates Massachusetts mussten die Gangster Parker, McWhitney und Dalesia 2,2 Mio. Dollar in einer verlassenen Kirche verstecken und flüchten (s. Keiner rennt für immer und Fragen Sie den Papagei). Dalesia wurde zunächst gefasst, konnte aber der Polizei entkommen, wobei er einen Beamten erschoss. Die Fahndung läuft deshalb auf Hochtouren. Doch Parker steckt finanziell in der Klemme. Er will die Beute auf jeden Fall bergen, und Partner McWhitney ist bereit mitzutun.

Mit seiner Lebensgefährtin Claire kehrt Parker zurück nach Massachusetts, wo die Dinge umgehend außer Kontrolle geraten: Sandra Loscalzo, eine Kopfgeldjägerin, deren Partner Parker mit tödlichen Folgen in die Quere gekommen war und die Parker und McWhitney identifizieren könnte, drängt in die Bande und verlangt einen Beuteanteil. Detective Gwen Reversa von der Staatspolizei, die Parkers Gesicht ebenfalls kennt, ist wider Erwarten immer noch vor Ort im Dienst. Terry Mulcany, ein Journalist, dem Parker zufällig in die Arme lief, hat ihn auf einem Fahndungsplakat gesehen. Die Polizei beginnt, alle leerstehenden Gebäude der Region nach der Beute zu durchsuchen. Und immer noch frei aber zunehmend verzweifelt sucht Dalesia nach einer Chance zu entkommen.

Der ursprünglich einfache Plan, der den Abtransport des Geldes praktisch unter den Augen der Gesetzeshüter vorsah, muss ständig modifiziert werden. Trotzdem kommt es immer wieder zu nicht kalkulierten Zwischenfällen, die mit Einfallsreichtum oder Gewalt gemeistert werden müssen. Dass die Seriennummern des Beutegeldes bekannt sind, die Scheine damit "schmutzig" und zu "waschen" sind, ist ein weiteres Hindernis, hinter dem neue Nutznießer lauern, die scharf auf die Millionen sind. Doch sie haben alle ihre Rechnung ohne Parker gemacht, den man besser nicht aufs Kreuz legt ...

Von Löwen und Hyänen

Als Abschluss gibt es eine Trilogie - oder ein Triptychon, wie Autor Stark die letzten drei Parker-Romane lieber bezeichnet sehen möchte, denn wie der deutschsprachige Leser dank des Zsolnay-Verlags, der den 23. vor dem 22. (aber beide immerhin vor dem 24.) Band herausgab, unfreiwillig feststellen durfte, folgen die Parker-Abenteuer 22 bis 24 zwar einem zentralen Handlungsstrang, sind aber in sich abgeschlossen. Trotzdem ist das Lektürevergnügen eindeutig größer, wenn die Reihenfolge gewahrt bleibt.

Ein letztes Mal vor seinem überraschenden Tod am Silvestertag des Jahres 2008 entwirft Richard Stark ebenso routiniert wie gelungen eine Gaunergeschichte, die ihre Spannung aus einer endlosen Kette unerwarteter Ereignisse bezieht. Schon die Ausgangssituation ist verfahren, und das wird sich keineswegs ändern. Sobald Parker eine Hürde genommen hat, tauchen mindestens zwei neue Hindernisse vor ihm auf.

Parker bleibt Profi. Er behält die Ruhe, die zusammen mit seiner Erfahrung die Lösung bringt. Notfalls aktiviert er sein drittes Talent und tötet - nüchtern, ohne Freude, ohne Bedauern. Es wird getan, was zu tun ist. Genau deshalb obsiegt Parker dort, wo seine in der Regel weniger disziplinierten Kumpane auf der Strecke bleiben.

Wenn Parker ein Löwe in seinem Milieu ist, muss er auf die Hyänen in seinem Rücken achten. Sie wagen sich wohl nicht an möglicherweise gefährliche Beute, haben aber keine Skrupel, sie dem Jäger nachträglich abspenstig zu machen. Da kein Geheimnis schlechter gewahrt bleibt als eine scheinbar herrenlose Beute, bereiten die lieben Kollegen Parker schnell größeren Verdruss als die Polizei.

Kleine Ursache, große Wirkung

Das beste Versteck präsentiert seinen Inhalt offen, sodass alle suchenden Blicke quasi daran abgleiten. Parker ist ein Meister dieses Prinzips. Er tüftelt nicht nur einen Plan aus, die Beute unter den Augen einer allgegenwärtigen Polizei zu bergen, sondern ist flexibel genug umzudisponieren, wenn dies notwendig wird. Diese Fähigkeit muss er dieses Mal besonders häufig unter Beweis stellen.

Wie der Coup trotz der widrigen Umstände gelingt, MUSS man einfach lesend verfolgen. Obwohl Stark den Handlungsfaden in viele Stränge zerfasern lässt, behält er immer die Kontrolle. Da wirkt es nicht einmal unrealistisch, wenn er den Zufall nicht nur bemüht, sondern ihn zeitweise regieren lässt - und dies betrifft alle Beteiligten. Wieso sollte immer nur Parker alles schiefgehen? Also stellt sich die Polizei manchmal selbst kalt, lässt sich ausspielen oder erscheint ahnungslos nur Minuten zu spät auf der Bildfläche.

Dennoch würde Parker ohne Rückendeckung scheitern. Dauerfreundin Claire will zwar nicht über Details informiert werden, leistet aber ihren Beitrag beim Austricksen diverser Gegner sowie des Gesetzes. Eher unsichere Kandidaten sind dagegen Bandenkumpel McWhitney und die undurchsichtige Kopfgeldjägerin Loscalzo. Parker kann sich nie sicher sein, ob sie ihm nicht in den Rücken fallen. Allerdings richtet er sich danach, denn dieses Arbeitsklima ist er gewöhnt.

Ist das eine Problem gelöst ...

Mit der ebenso unauffälligen wie spektakulären Bergung der Beute beginnt ein völlig neuer Handlungsstrang. Der Ort des Geschehens wechselt von Massachusetts nach New York City. Gaunerarbeit ist - Stark lässt daran keinen Zweifel aufkommen - vor allem Arbeit. Der Profit ist meist gering, und immer musst du teilen; zwar nicht mit der Steuer, aber in diesem Fall mit den Geldwäschern, denn die so mühsam geretteten Millionen sind "heiß". Nur ein Zehntel wird Parker und seinen Spießgesellen bleiben. Sie nehmen es gelassen hin, denn auch das gehört zum kriminellen Arbeitsalltag.

Die Suche nach einem Geldwäscher rührt den kriminellen Bodensatz in Parkers Umfeld noch einmal gewaltig auf. Erneut tauchen Hyänen auf, und dieses Mal gehören sie zu denen, die Parker offen verachtet: Schießwütige Anfänger und Dilettanten, die ihm, dem Profi, nicht wirklich etwas entgegenzusetzen haben. Mit brutaler Eleganz bringt Parker den Spagat zwischen Geldwäsche und der Abwehr der Konkurrenz zu einem (für ihn) guten Ende.

Abgang mit Stil

Ein Happy-End gibt es nicht. Parker wird weitermachen wie bisher, aber kann können wir nur annehmen. Das Geld war schmutzig wird Parkers Abschiedsvorstellung bleiben. Auf den letzten Seiten setzt er einen Möchtegern-Räuber außer Gefecht, der McWhitney gefoltert hat. Er überlässt ihn gefesselt dem befreiten Kumpanen. Als der Gauner ängstlich anmerkt, dass der wütende McWhitney ihn am nächsten Morgen umbringen werde, lautet Parkers lakonische Antwort: "Dann hast du ja noch die ganze Nacht." Das werden seine letzten Worte bleiben - aber könnte es einen besseren Abgang geben?

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Letzte Kommentare:
06.02.2015 16:14:37
oldman

Dies ist der Nachfolger von " Fragen Sie den Papagei " und der Abschluß einer Trilogie, bei welcher ich den alten Vielschreiber Westlake alias Stark nach Jahren wiederentdeckt habe. Sein " Held " Parker ist das Gegenteil vieler Weltenretter aus diversen Büchern, er ist nicht moralisch, ganz im Gegenteil, er ist ein kaltblütiger Gangster, dem es nur um seine Interessen geht. Die Geschichte wird ungeheuer lakonisch und sprachlich einwandfrei erzählt, das Ende ist schlüssig und eigentlich zu kurz, man kann schon sagen minimalistisch. Aber der Autor weiß genau worauf es hier ankommt, nämlich nur auf das Geld, und dessen Handlungsfaden ist zu Ende, die Figuren verabschieden sich und einiges, was noch geschehen könnte, bleibt der Leserfantasie überlassen. Ist das nun genial, oder hatte der Autor für die Entwicklung von weiteren 20 oder 30 Seiten keine Lust mehr. Keine Ahnung ! Jedenfalls ist dies das letzte Parker-Buch, weitere konnte der Autor nicht mehr schreiben. Schade; R I P

19.02.2013 15:18:02
Eglfinger

Das beim letzten Überfall erbeutete Geld, gut versteckt in einer verlassenen Kirche, muss schleunigst gewaschen werden. Parker holt seine alten Partner und eine ehemalige Kopfgeldjägerin mit ins Boot, damit ihn die Geldwäscher nicht über den Tisch ziehen. Noch dazu wimmelt es an jeder Straßenecke von Polizisten…

Es handelt sich hier um den dritten Teil nach „Keiner rennt für immer“ und „Fragen Sie den Papagei“. Nachdem Parker und seine Kumpanen im ersten Teil einen Geldtransport überfielen und das Geld in einer Kirche versteckten und Parker im zweiten Teil die Flucht gelang, will er in diesem Teil zusammen mit seinem Partner McWhitney das Geld aus der Kirche holen. Sie können nicht länger warten, weil der dritte Partner, Nick Dalesia, nach seiner Verhaftung fliehen konnte, und nun droht die Gefahr, dass er auf seiner Flucht versucht an das Geld zu kommen, oder falls er doch geschnappt wird, das Versteck verraten könnte, damit er mit der Staatsanwaltschaft einen Deal aushandeln kann. Da das Geld nicht sauber ist, weil die Seriennummern bekannt sind, muss das Geld gewaschen werden. Die Geldwäscher ihrerseits versuchen aber Parker über den Tisch zu ziehen und zusätzlich kommt noch die Kopfgeldjägerin, die auch einen Anteil an der Beute haben möchte. Außerdem wimmelt es immer noch vor Polizei und auch Nick Dalesia ist immer noch irgendwo unterwegs.

Wie immer schreibt Richard Stark kurze schnelle Kapitel und kommt schnell mit der Story voran und dadurch liest es sich sehr flüssig. Leider leidet die Spannung ein wenig darunter, da einige Geschehnisse voraussehbar sind und es nur selten zu Überraschungen in den Wendungen der Story kommt. Ich vergebe für dieses Buch 73 von 100 Punkten.

16.12.2010 22:05:36
mylo

Der letzte Roman der 3er Reihe und auch leider der letzte Parker überhaupt. Hier wurde ein Romanfigur geschaffen die von der Improvisation lebt und somit alle Schwierigkeiten überwindet, das Verbrechen erfolgreich beendet. Und da liegt die Kunst von Donald E. Westlake alias R.Stark. Er beschreibt die schlimmsten Verbrechen mit einer Sprache und Art, dass man mit fiebert, der Coup möge gelingen. Super kurzweiliges Lesen, wieder auf fast jeder Seite eine neue Wendung ein Spannungselement - ein Buch, eine Reihe die man verschlingt.

Das sind 90 Punkte.

20.01.2010 12:48:13
kleinfriedelchen

Einfach nur Parker nennt sich der Hauptcharakter in diesem Buch. Nachdem er und seine Kollegen im Vorgängerband „Keiner rennt für immer“ den großen Coup gelandet haben und einen Geldtransporter mit mehreren Millionen gestohlen haben, ist er zurück, um die versteckte Beute zu holen, die sie in einer alten Kirche zurücklassen mussten.

Um die Lage unauffällig zu sichten, mietet er sich mit seiner Freundin Claire in einer Pension ein. Doch die Wiederbeschaffung der Beute ist gar nicht so leicht: einer seiner Kumpanen wurde von der Polizei gefasst und hat bei seiner Flucht einen Polizisten erschossen, wodurch die Suche nach den Dieben nur noch verschärft wurde. Straßensperren und Fahndungsposter machen Parker das Leben schwer. Zusammen mit seinem anderen Kumpel McWhitney und einer Kopfgeldjägerin gelingt es ihnen schließlich, das Geld aus der Kirche zu holen. Aber auch einige andere zwielichte Gestalten wollen das Geld für sich haben.

Die Schlinge um Parker beginnt sich weiter zuzuziehen, als auch noch ein übereifriger Journalist meint, ihn gesehen zu haben und auch die Vermieterin ihn auf den Fahndungspostern wiedererkennt.

Gegen Ende hin kam es mir so vor, als wäre die Geschichte mit diesem Band noch nicht abgeschlossen. Gut, sie haben das Geld, aber was passiert nun?

Was von der Handlung her eigentlich recht spannend ist, kam irgendwie nicht ganz in die Gänge. Der Schreibstil ist recht einfach gehalten, weshalb man sich oft einiges dazu denken muss. Auch waren manche Gedankenzüge der Charaktere für mich nicht nachvollziehbar.

Es ist zwar nicht zwingend notwendig, die Vorgänger der Trilogie gelesen zu haben, aber hilfreich wäre es schon. Ich hatte oft das Gefühl, nicht genau zu verstehen, worüber die Buchcharaktere gerade reden. Man erfährt aber trotzdem in groben Zügen von dem Raub.

Schön an dieser Ausgabe war die Einleitung am Anfang, die einen Überblick über die Parker-Romane gibt.

23.12.2009 22:04:42
Schrodo

Was bisher geschah: Unser Held Parker überfällt mit zwei weiteren Gangstern einen Geldtransport in Massachusetts. Sie wollen sich einen Tag in einer alten Kirche verstecken und dann mit den 2 Millionen verduften. Aber ein riesiges Aufgebot an Polizei und unzählige Straßensperren machen ihren Plan zunichte. Sie verstecken das Geld und retten ihre Haut.
Soviel zur Vorgeschichte. An dieser Stelle endet der zweite Band der Trilogie, "Keiner rennt für immer"
Wie Parker an die Kohle kommt und in welche Schwierigkeiten er gerät, erzählt dieses Buch.
Aber zurück zu Parker! Ein Parker Roman von Richard Stark ist immer unblutig. Zwar müssen einige ins Gras beißen, das ist aber eher beiläufig beschrieben, so dass ich einige Stellen nachlesen musste um festzustellen...Parker hat das Problem erledigt. Parker ist emotionslos, nutzt die Schwächen der anderen gnadenlos aus, bleibt in jeder Situation cool und Herr der Lage. Schuldgefühle sind ihm fremd und Probleme gibt es bei Parker nicht...allenfalls Lösungen.
So ist Parker...ziemlich unspektakulär und alles kein wenig unglaubwürdig.
Der Roman ist trotzdem hart, sehr spannend und voller Action.
Ach ja ein Super - Zuckerschnäuzelchen Namens Sandra darf natürlich auch noch mitmachen. Sie erinnerte mich ein wenig an Lisbeth Salander aus den Romanen von Stig Larsson.

08.12.2009 16:18:37
Stefan83

Mit "Das Geld war schmutzig" liegt beim Zsolnay-Verlag nun auch der letzte Parker-Roman aus der Feder des am Silvestertag 2008 an einem Herzinfakt verstorbenen Schriftstellers Donald E. Westlake vor. Unter dem Pseudonym Richard Stark verfasst, hat die Reihe um den eisenharten Berufskriminellen das Genre des Krimi-Noir seit dessen ersten Auftritt im Jahre 1962 stark und maßgeblich beeinflusst. Kein Wunder also, dass Westlake in seiner langjährigen Karriere gleich dreimal den renommierten Edgar Award entgegen nehmen durfte, die größte Auszeichnung in der Welt der Kriminalliteratur.

Vom deutschen Buchmarkt waren seine Werke jedoch trotz dieser hohen Weihen lange verschwunden, bis man bei Zsolnay mit "Fragen Sie den Papagei", dem mittlerweile 23. Band der Reihe, ein Comeback in Angriff genommen hat, das man durchaus als erfolgreich bezeichnen darf. Das Buch wurde sogleich mit dem Deutschen Krimipreis für den besten internationalen Titel gekürt, wenngleich die Wahl des veröffentlichten Titels im Nachhinein wohl ein wenig vorschnell erfolgt ist, handelt es sich bei ihm doch um den mittleren Teil einer Trilogie innerhalb der Serie. (1. "Keiner rennt für immer", 2. "Fragen Sie den Papagei", 3. "Das Geld war schmutzig") Alle drei folgen einem zentralen Handlungsstrang, dem Überfall auf einen Banktransport, sind aber in sich selbst abgeschlossen. Das dass Lektürevergnügen dennoch ein größeres ist, wenn man mit dem ersten Band anfängt, musste ich gleich zu Beginn dieses Buches erfahren. Obwohl "Das Geld war schmutzig" zeitlich direkt nach "Fragen Sie den Papagei" ansetzt, nimmt das Werk in hohem Maße Bezug auf den Beginn der Trilogie, was eine gewisse Verwirrung bei mir zur Folge hatte. Diese währte jedoch nur kurz, denn Stark hat, nach dem Vorbild der klassischen Samstagnachmittagserien, erneut eine knappe, aber packende Handlung auf Papier gebracht. Diese sei hier schnell angerissen:

Viel, sehr viel Geld hat Parker bei seinem letzten Überfall zurücklassen müssen, weil ihm die Polizei auf den Fersen war. Nun will er es holen. Als Touristen getarnt, die den herbstlichen Laubwald Neuenglands bewundern, logieren er und seine Freundin Claire in der Nähe der verlassenen Kirche, wo die Millionen versteckt sind. Aber in der Zwischenzeit ist Dalesia, einer von Parkers Komplizen, geschnappt worden und dann ausgebrochen, weshalb es in der Gegend von Polizisten wimmelt. Ein Phantombild Parkers hängt überall aus, und eine Kopfgeldjägerin möchte sich ihrerseits eine Prämie verdienen. Es bleibt Parker nichts anderes übrig, als sich ihrer Dienste zu bedienen. Keine schlechte Wahl, erweist sie sich als fast ebenso kaltblütig und gerissen wie er...

"Es ist der letzte Parker". Dieser Satz ging mir gleich mehrmals während der Lektüre dieser Buches durch den Kopf, das sich stilistisch kaum von den ersten Bänden aus den 60er Jahren zu unterscheiden scheint (Wer "Payback" gelesen oder gesehen hat, versteht was ich meine). Stark ist sich selbst treu geblieben und hat mit all seiner Routine eine gelungene Gaunergeschichte auf Papier gebracht, die aus unvorhersehbaren Wendungen ihre Spannung bezieht und trotz mehrerer Handlungsfäden gut zu überblicken ist. Immer wieder tauchen neue Hürden vor Parker auf, der diese geschickt zu umgehen versteht und Polizei sowie rivalisierenden Verbrechern stets aufs Neue ein Schnippchen schlägt. Seine Stärke ist die Improvisation, für die ihn der Leser bewundert und aufgrund derer man auch letztendlich hofft, er möge mit seinem Coup Erfolg haben. Sympathie dagegen kann man für diesen kalten, berechnenden Mensch nicht empfinden, denn er ist kein Held, will auch keiner sein. ("Bringen Sie niemanden um, wenn Sie nicht müssen"; "Ich glaube, ich muss")

Auf große Innenbetrachtungen der Figuren verzichtet Stark auch diesmal gänzlich. Sie wären in dieser Geschichte auch gänzlich überflüssig, lebt sie doch vom Minimalismus der Sprache, der den Leser zum Beobachter verdammt. Es ist halt ein Krimi-Noir reinsten Wassers, der mit knapper, kraftvoller und doch nie übermäßig brutaler Sprache zu fesseln weiß und uns am Schluss ohne wirkliche Lösung zurücklässt. Ein offenes Ende und wohl gerade deswegen ein passender Abgang für Parker.

Insgesamt ist "Das Geld war schmutzig" ein kurzweiliges Stück Literatur, das dank schnörkelloser, lakonisch-trockener Sprache gefällt und allen Freunden dieses Genres bedenkenlos ans Herz gelegt werden kann. Ein stilvolles Ende einer großartigen Reihe.

28.10.2009 16:14:14
Nati

Die Spur des Geldes
Claire und Parker geben sich als nichts ahnende Touristen aus, als sie Zimmer in einer kleinen Pension beziehen. So kann die Besitzerin, Mrs. Barlett, die aufregende Geschichte des Raubüberfalls, der letzte Woche in der Gegend geschah, erzählen. Und schnell wird dem Leser klar, dass Claire und Parker nicht so harmlos sind wie sie vorgeben, sondern mit dem Überfall zu tun hatten. Das erbeutete Geld wurde von Parker und seinen beiden Kumpels McWhitney und Dalesia in der Kirche versteckt, da die Gegend nach dem Raubüberfall nur so vor Polizisten wimmelte.
Nun versucht Parker unauffällig an die Beute heranzukommen, doch dann begegnet er einer alten Bekannten, der Kopfgeldjägerin Sandra. Da diese dringend Geld benötigt, will auch sie einen Teil der Beute bekommen. Die Probleme für Parker werden immer größer. Sein einer Kumpel versucht auf eigene Rechnung an die Millionen zu kommen und auch eine Gangsterbande ist auf der Spur des Geldes.
Es handelt sich hier um eine wieder neu entdeckte alte Krimireihe. „Das Geld war schmutzig“ ist der 3.Teil einer Trilogie über Parker. Aber Vorwissen ist nicht unbedingt nötig, da die Geschichte komplett eigenständig ist.
Richard Stark, Pseudonym des Schriftstellers Donald E. Westlake, schreibt in einem flüssigen Stil. Durch sehr kurze Kapitel, immer neuen Wendungen kommt keine Langeweile auf. Es gibt keine langatmigen Beschreibungen der Landschaft und Abschweifungen.
Die Geschichte wird einmal nicht aus Sicht der Polizei geschildert, sondern aus der Perspektive des Gangsters Parker, wobei dieser sehr anonym bleibt, kein Vorname, keine genaue Beschreibung seines Äußeren, sehr emotionslos und seiner Mit-Gangster.
Ein unterhaltsamer seichter Krimi für all diejenigen, die keine blutrünstigen Thriller mögen.

26.08.2009 13:02:38
anyways

Parker und Claire steigen in einem ländlichen Kaff Neuenglands als Tpuristen getarnt ab.Sie interressieren sich aber keinesfalls für die überaus gepriesenen herbstlichen Laubwäler, nein sie möchten Geld.Tage zuvor war der sonst so beschauliche Ort Schauplatz eines Überfalls auf 4 Geldtransporter.Da die Täter die Beute nicht mitnehmen konnten,mußten sie sie verstecken.Und jetzt kommen sie alle aus ihren Schlupflöchernund wollen das Geld- natürlich mit niemandem teilen.Aber was hat man von der Knete deren Nummern registriert sind, und die nach der Geldwäsche nur noch ein Zehntel beträgt?



Fazit: Ich war mehr als enttäuscht.Diese vielen losen Handlungsstränge sind mir ja schon beim Leseeindruck aufgefallen und ich nahm an, das das Buch den Lesestoff flüssiger rüberbringt. Aber weit gefehlt, es geht weiter holpernd und stolpernd durch die Story.Es werden viel zu viele Personen aufgeführt, die völlig nebensächlich für die Handlung sind.Und zwischenzeitlich hatte ich das Gefühl, einer Aufzählung statt eines Romans zu folgen. Schade!

05.08.2009 09:50:06
Moehrchen

Harte Kerle

Donald E. Westlake (geb. am 12. Juli 1933 in Brooklyn, New York - gest. am 31. Dezember 2008 in San Tancho, Mexiko) verfasste seine Parker-Reihe unter dem Pseudonym Richard Stark. Bereits 1953 verkauft er erste Kurzgeschichten an Science-Fiction- und Mystery-Magazine. Im Laufe seines Lebens, hat er über 100 Bücher unter verschiedenen Pseudonymen veröffentlicht. Der erste Parker Roman erschien 1962. Bei "Das Geld war Schmutzig" handelt es sich um den letzen Teil - nach "Keiner rennt für immer" und "Fragen sie den Papagei" - einer lose zusammengehörigen Trilogie innerhalb der Parker-Reihe.

Der Gangster Parker - den Lesern von Richard Stark schon bestens bekannt aus zahlreichen anderen Büchern - möchte das Geld holen, das er nach einem Bankraub zurücklassen musste. Aus diesem Grund begibt er sich mit seiner Freundin Claire, getarnt als Touristen, nach Massachusetts um sich ein Bild von der Lage zu machen. Er muss vorsichtig sein, denn nicht nur die Polizei ist hinter dem Geld her...

Die Helden - besser gesagt die Antihelden - in diesem Roman von Richard Stark sind harte Kerle, die quasi so nebenher töten und für die dies zum Alltag gehört. Trotzdem kommt das Buch ohne detailliert geschilderte blutige Szenen aus - wenn denn jemand getötet wird, passiert das immer im Vorbeigehen, was zwar moralisch verwerflich ist aber irgendwie passt es zur Atmosphäre des Buches.

Das Buch ist etwas für Nostalgiker, der ganze Schreibstil und auch die Verwendung von sehr wenig Technik - Parker benutzt z.B. kein Handy sondern geht zum Telefonieren zu einem Münztelefon - erinnert irgendwie an die Anfänge der Parker-Romane in den 60ern.

Der Plot wird in einem schnörkellosen Schreibstil vorangetrieben - manchmal wünscht man sich fast, dass der Autor etwas ausführlicher gewesen wäre, da durch diesen knappen Schreibstil es einem nicht so recht gelingen will, das "Kopfkino" anzuschalten.

Ein Buch für harte Jungs und Mädels, die alte Krimis lieben. Ich würde aber auf jeden Fall empfehlen mit dem ersten Teil "Keiner rennt für immer" anzufangen.

22.07.2009 22:33:38
Cabriofahrerin

Ohne Geld läuft gar nichts!
Unter Führung des Protagonisten Parker überfällt eine kleine Gruppe Gangster einen Geldtransport in Massachusetts. Da die Polizei schnell vor Ort ist, müssen sie den größten Teil ihrer Beute verstecken und fliehen. Presse und Fernsehen berichten ausführlich von diesem Aufsehen erregenden Verbrechen.
Dann trennen sich die Wege der Männer - aber alle wollen sie nur möglichst rasch das Geld holen.
McWhitney arbeitet wieder in seiner Bar.
Nick Delesia wird von der Polizei verhaftet, als er mit einem "schmutzigen" Schein bezahlt (denn die Seriennummern aller Scheine waren registriert). Nachdem er einen Marshall erschießt, kann er aus dem Gefängnis entfliehen.
Parker plant mit seiner Freundin Claire, getarnt als Ehepaar Willis, einen Kurzurlaub in der Nähe des Tatortes. Hier möchte er die Situation auskundschaften.
Aber nicht nur die Gangster zieht es an den Tatort:
Die Polizei startet einen Großeinsatz und kontrolliert mit Straßensperren die Bevölkerung.
Auch Sandra Lozcalzo, eine Kopfgeldjägerin, ist zur Stelle. Sie gibt aber keineswegs der Polizei Hinweise, sondern verspricht sich größeren Profit, wenn sie sich an Parker hängt.
Zeitweise wird die urige Frühstückspension Bosky Rounds zum turbulenten Hauptschauplatz, denn bei der geschwätzigen Mrs. Bartlett findet sich der harte Kern der Akteure ein. Hier laufen Polizisten, Sandra Lozcalzo, das Ehepaar Willis und andere einander über den Weg, ohne sich zu begegnen - geschweige denn zu erkennen.
Dieser Krimi ist ein Lesegenuss. Er kommt ohne Blut und Folter aus. Das Plot-Konzept - Überfall auf einen Geldtransport - ist zwar nicht gerade neu, sondern schon oft literarisch und filmisch variiert worden. Aber Richard Stark gestaltet es auf originelle, den Leser fesselnde Weise. Im Vordergrund seines Erzählens stehen die Charaktere der Gangster: Keiner traut dem anderen, jeder möchte alleine "Kasse machen" - und dennoch kommen sie wieder zusammen. Dabei scharen sie immer mehr Personen um sich, die ihnen bei ihrem Coup helfen sollen. Sie schmieden Pläne - aber irgendwie kommt es immer anders als vorhergesehen. Und: Ohne Geld läuft gar nichts ... Das ist alles sehr reizvoll zu lesen.
Bei manchen Textpassagen hat man den Eindruck, dem Autor (und dem Übersetzer) sitze der Schalk im Nacken. So wird Mrs. Bartlett von ihren Gästen im Stillen liebevoll "Mrs. Apfelkuchen" und ihre Pension "Quartier für Hänsel und Gretel" genannt. "Laubgucker" heißen die Touristen ... und es gibt noch viele weitere solch witzige Einfälle zu beschmunzeln.

15.07.2009 22:39:33
anushka

Es ist ein bißchen undurchsichtig, der wievielte Band der Parker-Serie dieses Buch eigentlich ist. Dafür fand ich die beiden Vorworte zu Beginn des Buches jedoch sehr hilfreich, da sie dem Leser zum einen den Autor, zum anderen aber auch die Serie um Parker näher bringen. Somit ist der Leser schon etwas darüber aufgeklärt, was Parker für ein Charakter ist und wie die Geschichte, die dem Leser bevorsteht, zustande gekommen ist. Die vielen Namen und erwähnten Charaktere werden erklärt, sodass Leser, die erst mit diesem Band einsteigen, trotzdem die Zusammenhänge verstehen können. Die Handlung der Geschichte wirkt eher wie eine Episode in Parkers Leben. Zu diesem Zeitpunkt geht es nur darum, die Beute zu sichern. Es gibt kaum Andeutungen zum Danach, außer dass Parker die Gegend des Überfalls in näherer Zukunft meiden wird. Das Ende des Buches ist allerdings offen und ermöglicht somit weitere Parker-Episoden.
Parker als Protagonist ist sympathisch, abgebrüht und hat einen eher schwarzen Humor. Aber auch die anderen Charaktere des Buches werden lebendig und authentisch und die Handlungen konnte ich mir gut vorstellen. Die Erzählperspektive ist auch in der heutigen Krimilandschaft noch eher ungewöhnlich und es macht Spaß, mit Parker und Stark der Polizei ein Schnippchen zu schlagen. Auch Parkers Verhalten wird nachvollziehbar und man bangt mit, ob es ihm gelingen wird, das Geld sicher aus dem Versteck zu holen. Die Geschichte an sich erinnerte mich sehr an verschiedene Krimi-Komödien, in denen Gangster von noch böseren Gangstern gejagt werden und jeder jedem die Beute abspenstig machen will. Besonders gelungen fand ich die Details dazu, dass das Geld registriert ist und gewaschen werden muss. Welcher Leser denkt schon an dieses Problem?
Alles in allem war dieser "Krimi" grundsolide und sehr unterhaltsam, wenn die Handlung auch nicht extrem komplex war. Ich habe durch dieses Buch jedoch einen Serienprotagonisten kennengelernt, über den ich gern noch mehr lesen würde und auch die Covergestaltung der einzelnen Bände im Szolnay-Verlag wirken auf mich überzeugend.