Das Geld war schmutzig

Erschienen: Januar 2009

Bibliographische Angaben

  • New York: Grand Central, 2008, Titel: 'Dirty Money', Seiten: 276, Originalsprache
  • Hamburg: Jumbo, 2009, Seiten: 4, Übersetzt: Dietmar Wunder
  • München: dtv, 2011, Seiten: 256

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Michael Drewniok
Ein Profi im Auge des entfesselten Sturms

Buch-Rezension von Michael Drewniok Mai 2009

Nach einem nur teilweise gelungenen Überfall in der Provinz des US-Staates Massachusetts mussten die Gangster Parker, McWhitney und Dalesia 2,2 Mio. Dollar in einer verlassenen Kirche verstecken und flüchten (s. Keiner rennt für immer und Fragen Sie den Papagei). Dalesia wurde zunächst gefasst, konnte aber der Polizei entkommen, wobei er einen Beamten erschoss. Die Fahndung läuft deshalb auf Hochtouren. Doch Parker steckt finanziell in der Klemme. Er will die Beute auf jeden Fall bergen, und Partner McWhitney ist bereit mitzutun.

Mit seiner Lebensgefährtin Claire kehrt Parker zurück nach Massachusetts, wo die Dinge umgehend außer Kontrolle geraten: Sandra Loscalzo, eine Kopfgeldjägerin, deren Partner Parker mit tödlichen Folgen in die Quere gekommen war und die Parker und McWhitney identifizieren könnte, drängt in die Bande und verlangt einen Beuteanteil. Detective Gwen Reversa von der Staatspolizei, die Parkers Gesicht ebenfalls kennt, ist wider Erwarten immer noch vor Ort im Dienst. Terry Mulcany, ein Journalist, dem Parker zufällig in die Arme lief, hat ihn auf einem Fahndungsplakat gesehen. Die Polizei beginnt, alle leerstehenden Gebäude der Region nach der Beute zu durchsuchen. Und immer noch frei aber zunehmend verzweifelt sucht Dalesia nach einer Chance zu entkommen.

Der ursprünglich einfache Plan, der den Abtransport des Geldes praktisch unter den Augen der Gesetzeshüter vorsah, muss ständig modifiziert werden. Trotzdem kommt es immer wieder zu nicht kalkulierten Zwischenfällen, die mit Einfallsreichtum oder Gewalt gemeistert werden müssen. Dass die Seriennummern des Beutegeldes bekannt sind, die Scheine damit "schmutzig" und zu "waschen" sind, ist ein weiteres Hindernis, hinter dem neue Nutznießer lauern, die scharf auf die Millionen sind. Doch sie haben alle ihre Rechnung ohne Parker gemacht, den man besser nicht aufs Kreuz legt ...

Von Löwen und Hyänen

Als Abschluss gibt es eine Trilogie - oder ein Triptychon, wie Autor Stark die letzten drei Parker-Romane lieber bezeichnet sehen möchte, denn wie der deutschsprachige Leser dank des Zsolnay-Verlags, der den 23. vor dem 22. (aber beide immerhin vor dem 24.) Band herausgab, unfreiwillig feststellen durfte, folgen die Parker-Abenteuer 22 bis 24 zwar einem zentralen Handlungsstrang, sind aber in sich abgeschlossen. Trotzdem ist das Lektürevergnügen eindeutig größer, wenn die Reihenfolge gewahrt bleibt.

Ein letztes Mal vor seinem überraschenden Tod am Silvestertag des Jahres 2008 entwirft Richard Stark ebenso routiniert wie gelungen eine Gaunergeschichte, die ihre Spannung aus einer endlosen Kette unerwarteter Ereignisse bezieht. Schon die Ausgangssituation ist verfahren, und das wird sich keineswegs ändern. Sobald Parker eine Hürde genommen hat, tauchen mindestens zwei neue Hindernisse vor ihm auf.

Parker bleibt Profi. Er behält die Ruhe, die zusammen mit seiner Erfahrung die Lösung bringt. Notfalls aktiviert er sein drittes Talent und tötet - nüchtern, ohne Freude, ohne Bedauern. Es wird getan, was zu tun ist. Genau deshalb obsiegt Parker dort, wo seine in der Regel weniger disziplinierten Kumpane auf der Strecke bleiben.

Wenn Parker ein Löwe in seinem Milieu ist, muss er auf die Hyänen in seinem Rücken achten. Sie wagen sich wohl nicht an möglicherweise gefährliche Beute, haben aber keine Skrupel, sie dem Jäger nachträglich abspenstig zu machen. Da kein Geheimnis schlechter gewahrt bleibt als eine scheinbar herrenlose Beute, bereiten die lieben Kollegen Parker schnell größeren Verdruss als die Polizei.

Kleine Ursache, große Wirkung

Das beste Versteck präsentiert seinen Inhalt offen, sodass alle suchenden Blicke quasi daran abgleiten. Parker ist ein Meister dieses Prinzips. Er tüftelt nicht nur einen Plan aus, die Beute unter den Augen einer allgegenwärtigen Polizei zu bergen, sondern ist flexibel genug umzudisponieren, wenn dies notwendig wird. Diese Fähigkeit muss er dieses Mal besonders häufig unter Beweis stellen.

Wie der Coup trotz der widrigen Umstände gelingt, MUSS man einfach lesend verfolgen. Obwohl Stark den Handlungsfaden in viele Stränge zerfasern lässt, behält er immer die Kontrolle. Da wirkt es nicht einmal unrealistisch, wenn er den Zufall nicht nur bemüht, sondern ihn zeitweise regieren lässt - und dies betrifft alle Beteiligten. Wieso sollte immer nur Parker alles schiefgehen? Also stellt sich die Polizei manchmal selbst kalt, lässt sich ausspielen oder erscheint ahnungslos nur Minuten zu spät auf der Bildfläche.

Dennoch würde Parker ohne Rückendeckung scheitern. Dauerfreundin Claire will zwar nicht über Details informiert werden, leistet aber ihren Beitrag beim Austricksen diverser Gegner sowie des Gesetzes. Eher unsichere Kandidaten sind dagegen Bandenkumpel McWhitney und die undurchsichtige Kopfgeldjägerin Loscalzo. Parker kann sich nie sicher sein, ob sie ihm nicht in den Rücken fallen. Allerdings richtet er sich danach, denn dieses Arbeitsklima ist er gewöhnt.

Ist das eine Problem gelöst ...

Mit der ebenso unauffälligen wie spektakulären Bergung der Beute beginnt ein völlig neuer Handlungsstrang. Der Ort des Geschehens wechselt von Massachusetts nach New York City. Gaunerarbeit ist - Stark lässt daran keinen Zweifel aufkommen - vor allem Arbeit. Der Profit ist meist gering, und immer musst du teilen; zwar nicht mit der Steuer, aber in diesem Fall mit den Geldwäschern, denn die so mühsam geretteten Millionen sind "heiß". Nur ein Zehntel wird Parker und seinen Spießgesellen bleiben. Sie nehmen es gelassen hin, denn auch das gehört zum kriminellen Arbeitsalltag.

Die Suche nach einem Geldwäscher rührt den kriminellen Bodensatz in Parkers Umfeld noch einmal gewaltig auf. Erneut tauchen Hyänen auf, und dieses Mal gehören sie zu denen, die Parker offen verachtet: Schießwütige Anfänger und Dilettanten, die ihm, dem Profi, nicht wirklich etwas entgegenzusetzen haben. Mit brutaler Eleganz bringt Parker den Spagat zwischen Geldwäsche und der Abwehr der Konkurrenz zu einem (für ihn) guten Ende.

Abgang mit Stil

Ein Happy-End gibt es nicht. Parker wird weitermachen wie bisher, aber kann können wir nur annehmen. Das Geld war schmutzig wird Parkers Abschiedsvorstellung bleiben. Auf den letzten Seiten setzt er einen Möchtegern-Räuber außer Gefecht, der McWhitney gefoltert hat. Er überlässt ihn gefesselt dem befreiten Kumpanen. Als der Gauner ängstlich anmerkt, dass der wütende McWhitney ihn am nächsten Morgen umbringen werde, lautet Parkers lakonische Antwort: "Dann hast du ja noch die ganze Nacht." Das werden seine letzten Worte bleiben - aber könnte es einen besseren Abgang geben?

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