Kleine Aster

Erschienen: Januar 2009

Bibliographische Angaben

  • Berlin: Bloomsbury, 2009, Seiten: 263, Originalsprache
  • Berlin: Berliner Taschenbuchverlag, 2010, Seiten: 263, Originalsprache

Couch-Wertung:

70°
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Jörg Kijanski
Das Potential für eine erfolgreiche Serie ist vorhanden

Buch-Rezension von Jörg Kijanski Mär 2009

Früher galt Michael Dallingers große Leidenschaft der Musik, doch vom einstigen Traumjob als Musiker hat er sich schon länger verabschiedet. Mit Hilfe eines größeren Darlehens seines Onkels Peter Broock schlägt sich Dallinger als Privatdetektiv in Berlin über die Runden, was in der Praxis zumeist die Überwachung vermeintlich untreuer Ehefrauen mit sich bringt. So freut er sich denn eigentlich auch sehr über einen Anruf seiner Freundin Ina, mit der er eine nicht unkomplizierte Fernbeziehung hat, die ihn zu einem gemeinsamen Wochenende einlädt. Doch ausgerechnet zu einem Zeitpunkt als ihre Beziehung kriselt bittet Broock seinen Neffen um Hilfe. Der alte Friedhofswärter Richard Molinski fühlt sich von einem Mann verfolgt und hat große Angst. Dallinger soll dem Fall nachgehen und erhält im Erfolgsfall den Kredit seines Onkels erstattet.

Dallinger besucht Molinski in dessen Haus und erfährt, dass die Wahrnehmung des alten Mannes keineswegs auf einer Einbildung beruht. Das Haus wird beobachtet und als Dallinger über den Friedhof eilt, findet er gleich vier verdächtige Personen vor. Drei von ihnen kann er fotografieren und findet später bei Recherchen im Internet heraus, dass einer von ihnen der bekannte Nazijäger René Goldberg ist. Noch am selben Abend erhält Dallinger einen Anruf von Molinski und eilt diesem erneut zur Hilfe. Zwar kann Dallinger den Täter noch vor Ort überraschen, für Molinski kommt indes jede Hilfe zu spät. Dem Täter gelingt die Flucht und als nur wenige Minuten später die Polizei eintrifft, entscheidet sich Dallinger ebenfalls, das Weite zu suchen. Lediglich einen Karton mit alten Unterlagen kann er aus Molinskis Wohnung mitnehmen. Darin findet sich ein Foto, dass Dallinger zu einem berüchtigten Kinderheim sowie in die letzten Jahre des Zweiten Weltkrieges führt. Schon bald wird ihm klar, dass sein Onkel tiefer in den Fall verstrickt ist als dieser zugeben will...

Dallinger ermittelt so, wie man es beim "ersten Fall" erwarten darf. Mit Fehlern, die den Helden sympathisch machen.

"Dallingers erster Fall", so der Untertitel von Kleine Aster, könnte schon fast als eine Art Entschuldigung herhalten. Eine Entschuldigung dafür, dass bei dem ersten größeren Fall des Protagonisten noch nicht alles rund läuft. So erkundigt sich Michael Dallinger bei seinem Onkel nur sehr zaghaft, was er denn mit einem alten Friedhofswärter zu tun habe, ohne von diesem eine Antwort zu erhalten. Ein Detektiv der nicht weiter nachhakt, das kann ja heiter werden und ist wohl nur dadurch zu entschuldigen, dass Geld bekanntlich blind machen kann. Löst Dallinger den Fall, dann ist der Kredit des Onkels getilgt und die Zukunft wieder etwas rosiger. Da muss man es nicht immer so genau nehmen. Dies gilt auch für die Ermittlungen. Sobald Dallinger eine Spur hat wird dieser nachgegangen, ein klares Konzept sucht man hingegen vergeblich.

Die vermeintlichen Schwächen bilden jedoch mitunter auch die Stärke dieses gut lesbaren Romans, denn da es sich um seinen ersten Fall handelt, wäre ein perfekter Ermittler ohnehin völlig unglaubwürdig. So kommt die Charakterzeichnung Dallingers sehr gut an. Wer seiner Kaffeemaschine aus purem Leichtsinn zu einem Kurzschluss verhilft und dazu in permanentem Beziehungsstress lebt, weil er nicht weiß, was er eigentlich möchte, der darf schon mal bei seinen Ermittlungen etwas orientierungslos durch die Gegend ziehen. Dies nennt man konsequent. Dabei hat die Handlung selbst durchgehend einen roten Faden, ist leicht zu verfolgen und kann angesichts gleich vier verdächtiger Personen den Spannungsbogen durchgehend halten.

Kleinere Probleme mit Zahlen

Vier verdächtige Personen? Der Umgang mit Zahlen ist offenbar nicht Dallingers Stärke. "Ich habe gestern auf dem Friedhof Fotos von drei Leuten gemacht." Und wenig später: "In Frage kommt einer der vier, deren Fotos du für mich überprüft hast." Tja, so bleibt die Hoffnung, dass es beim zweiten Fall besser wird und der dann schon etwas erfahrene Ermittler, den Fall nicht mehr ganz so zufällig lösen wird.

Insgesamt hinterlässt Kleine Aster aber einen durchaus positiven Gesamteindruck. Nicht zuletzt dank des sympathisch-chaotischen Ermittlers mit Hang zum Wodka und des angenehmen Schreibstil des Autors freut man sich schon jetzt auf ein Wiedersehen mit Michael Dallinger. Und wer weiß, vielleicht kehrt dann ja auch ein bisschen Ruhe in sein Liebesleben ein.

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