Hotel Excelsior

Erschienen: Januar 2008

Bibliographische Angaben

  • Saarbrücken: Conte, 2008, Seiten: 231, Originalsprache

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55°
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Jörg Kijanski
Gute Idee, aber Deppen als Ermittler

Rezension von Jörg Kijanski Mär 2009

November 1934: In Saarbrückens erstem Haus am Platz, dem mondänen Hotel Excelsior, herrscht ausgelassene Stimmung. Es wird bis tief in die Nacht zum Tanz aufgespielt und noch mischen sich Deutsche, Franzosen und Engländer munter durcheinander. Dies wird sich schon bald ändern, denn die Abstimmung darüber, ob das Saarland wieder heim ins Reich soll, steht kurz bevor. August Kaiser, eifriger Hitleranhänger und Leiter der Abteilung I der Kriminalpolizei, feiert mit seiner Frau ebenfalls im Excelsior bis die Feier mitten in der Nacht jäh unterbrochen werden muss. Oberkellner Heiner Lawall wurde mit einer Eisenstange erschlagen im Hof des Hotels aufgefunden. Da Lawall ein Sozialdemokrat war, der aus seiner Abneigung gegen Hitler nie einen Hehl gemacht hat, stellt Kaiser die Ermittlungen schnell wieder ein, zumal er einen Parteifreund als Täter verdächtigt.

Juli 2007: Über zweiundsiebzig Jahre sind vergangen, da erhält Justus Lawall, der Sohn des ermordeten Oberkellners, einen Brief von Louise Winterbach. Diese arbeitete damals in dem Hotel Excelsior als Zimmermädchen und will kurz vor ihrem eigenen Ableben Justus den Namen des Mörders seines Vaters mitteilen. Doch zu dem angebotenen Treffen kommt es nicht mehr, da Winterbach nur zwei Tage später durch einen Treppensturz tödlich verunglückt. In die so frei werdende Wohnung seiner Großtante zieht Kommissar Sebastian Keller ein, der dort pünktlich zum Beginn seines Urlaubs ein Foto aus dem Jahr 1934 findet, dass sein Interesse weckt. Als er kurz darauf erfährt, dass das Detektivpaar Laura und Udo Cappel von Justus Lawall beauftragt wurde, den damaligen Mord aufzuklären, bietet er den beiden kurzerhand seine Hilfe an. Nicht zuletzt, weil er sich in Laura auf der Stelle verliebt...


„Unseren ersten Fall haben wir ja ganz schön in den Sand gesetzt. Vielleicht wäre alles anders gekommen, wenn wir uns professioneller verhalten hätten. Findest du nicht, dass wir mit etwas anderem unser Geld verdienen sollten?" (S. 225)

Die Frage, die Udo seiner Schwester Laura stellt, muss leider eindeutig mit „Ja" beantwortet werden. Selten hat man ein derart stümperhaftes Ermittlungsteam agieren sehen. Dabei fängt alles ganz hoffnungsvoll an. Die ersten 55 Seiten spielen im Jahr 1934 und geben die damalige Atmosphäre sehr gelungen wieder. Die zunehmend aufkommende Begeisterung für Hitler und die damit einhergehenden Karriereplanungen seiner Anhänger, wenn erst einmal wieder das Saarland zum Reich gehört, wird am Beispiel des Kriminalbeamten Kaiser glaubhaft in Szene gesetzt. Auch die Stimmung im Hotel, wo seit Kurzem die Lieder der Comedian Harmonists verpönt sind, wird authentisch eingefangen.

Waren hier womöglich zwei Autoren/innen am Werk?

Doch dann folgt der Sprung in die Gegenwart und damit ändert sich die Geschichte grundlegend. Verstört liest man die folgenden Seiten und fragt sich, ob hier wirklich nur eine Person den Text geschrieben hat. Völlig unverständlich flacht der eingangs mehr als sympathische Schreibstil der Autorin drastisch ab, wobei einem insbesondere das Geschwisterpaar Cappel schwer verdaulich im Magen liegt. Dilettantisches Vorgehen und dämliche Kommentare - vor allem von Udo - schlagen aufs Gemüt und dass Laura nicht selten das Verhalten ihres Bruders als nervig bezeichnet, macht die Sache auch nicht besser. Im Gegenteil, sie hat ja Recht. Was sich die Autorin dabei gedacht hat, diesen Deppen ermitteln zu lassen, bleibt ihr Geheimnis, wobei Laura selbst auch keine allzu große Leuchte ist.

„Ist das nicht toll! Das ist ein echter Profi. Von ihm kannst Du noch was lernen!"

Genau so gruselig wie der Schreibstil wird dann teilweise der Plot, dies allerdings im positiven Sinne. Denn die geplante Aufklärung des Jahrzehnte zurückliegenden Verbrechens wird durch die aktuellen Geschehnisse in den Hintergrund gedrängt. Es kommt zu weiteren tödlich endenden Vorfällen und einer Reihe von Missverständnissen, wobei es Kerstin Rech sehr gut versteht, die ursprüngliche Geschichte immer mehr zu verlassen. Schleichend verändert sich die Handlung, deren Wendung man zunächst kaum wahrnimmt. Allein dafür lohnt sich die Lektüre. Ein gelungener Roman, wäre da nicht der schon angesprochene zentrale Schwachpunkt.

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