Der Yakuza

Erschienen: Januar 1987

Bibliographische Angaben

  • London: Futura, 1975, Titel: 'Yazuka', Originalsprache
  • Bergisch Gladbach: Bastei Lübbe, 1987, Seiten: 287, Übersetzt: Jürgen Bürger
  • Berlin: Alexander-Verlag, 2008, Seiten: 341, Übersetzt: Jürgen Bürger, Bemerkung: Mit einem Nachwort von Norbert Grob

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Thomas Kürten
Ein glänzender Action-Thriller

Buch-Rezension von Thomas Kürten Mär 2009

George Tanner ist ein erfolgreicher Reeder, der den transpazifischen Handel zwischen den USA und Japan abwickelt. Als jedoch seine Tochter in die Klauen eines japanischen Yakuza-Clans gelangt und er innerhalb von drei Tagen zu Gesprächen in Yokohama erscheinen soll, scheinen sich die Vorzeichen für seinen kommerziellen Erfolg jäh zu wenden. Yakuza ist eine japanische Bezeichnung für Gangster. Da Tanner nicht an ernsthafte Verhandlungsabsichten auf Seiten der Japaner glaubt, sucht er eine Möglichkeit, seine Tochter auf anderem Wege zu befreien.

Sein alter Weggefährte Harry Kilmer, den er vor über zwanzig Jahren in Japan kennen gelernt hat und der inzwischen sehr erfolgreich als Privatdetektiv in Los Angeles arbeitet, scheint für die Aufgabe prädestiniert. Harry kennt nicht nur Japan und seine Kultur, sondern auch Tanaka Ken, den Bruder seiner damals großen Liebe Eko und zufälligerweise auch ein Yakuza. Tanaka Ken fühlt sich tief in der Schuld von Harry und begleitet ihn bei der Befreiung von Stephanie Tanner. Doch erst jetzt, viel zu spät, stellt sich Kilmer die Frage, warum Stephanie eigentlich entführt wurde und auf welcher Seite er überhaupt kämpft. Nicht nur sich selbst, sondern auch Tanaka Ken und seine immer noch geliebte Tanaka Eko hat er somit in akute Lebensgefahr gebracht.

Das Buch zum Film zum Buch

Yakuza hat als Roman eine spannende Entstehungsgeschichte. Leonard Schrader ging bereits Mitte der 1960er Jahre als Englischlehrer nach Japan und lernte dort die Kultur des Landes kennen. Als er Anfang der 1970er Jahre die Idee zu Yakuza hatte, sorgte sein damals noch unbekannter Bruder Paul, der heute als Hollywood-Regisseur berühmt ist, für die erste Umsetzung in ein Drehbuch. Dieses Skript wurde von Robert Towne, einem Warner-Bros-Autor zur Filmreife gebracht. Regisseur Sydney Pollack und Robert Mitchum in der Rolle des Harry Kilmer setzten dem "Yakuza" dann noch ihren ganz eigenen Stempel auf. Der Roman erschien erst nach dem Film und so profitierte Leonard Schrader bei seinem Debüt von einer Vielzahl von Impulsen.

Seitenlange Schwertkampfszenen machen Yakuza zu einem herausragenden Action-Thriller. Die Kämpfe sind brutalst-blutig, die Toten unzählbar. Doch der Roman ist mehr als das. Schrader taucht tief in die Kultur und insbesondere das Verständnis von Ehre und Schuld in Japan ein. Mit Tanaka Ken schafft er das Ideal eines rechtschaffenen Samurai in der modernen Welt, der alte Traditionen achtet und Werte aufrecht hält. Vor historischem Hintergrund (alte Kampfkünste, Verbot der Samurai, Verdrängung der Waffenschmiede durch Industrie) baut der Autor so ein romantisches Bild eines Ehrenkodex auf, das in der Gegenwart wohl nur noch in japanischen Kinofilmen existiert. Bemerkenswert, dass Tanner und Kilmer auf ihrem Flug nach Japan genau einen solchen Film zu sehen bekommen.

Ost und West, „kommen" und „gehen", Ying und Yang

Auch der Widerspruch zu den amerikanischen Umgangsformen wird zwischen den beiden Protagonisten sauber heraus gearbeitet und es ist interessant zu beobachten, wie bei Kilmer die Schuldgefühle wachsen. Je weiter die Situation eskaliert, umso mehr wird ihm bewusst, welche Zumutungen er von Tanaka Ken verlangt hat. Dem ist stets daran gelegen, sein Gesicht zu wahren und jede Handlung ehrenvoll zu begehen. Doch im Gegensatz zu dem ehrenvollen Tanaka Ken kennen die modernen Yakuza-Clans wenig Rechtschaffenheit und beherrschen die japanische Unterwelt. In ihren Händen sind Drogenhandel, Schmuggel, Prostitution, Glücksspiel - die organisierte Bandenkriminalität, die vor Entführung, Mord und Totschlag nicht zurückschreckt. Handelsspielräume der einzelnen Clans sind genau abgesteckt und jede Störung kann das empfindliche Gleichgewicht zerstören, das so zwischen den Clans besteht. Die Befreiung Stephanies schreit nur so nach Vergeltung. Will Tanner also deshalb, dass Kilmer so schnell wie möglich Japan wieder verlässt?

Trotz der immer wieder deutlich erkennbaren Drehbuchspuren ist Der Yakuza ein Roman, der die Gegensätze zwischen den Kulturen bemerkenswert erfasst. Sei es beim Kampfstil (der Hieb des Amerikaners führt nach außen, der des Japaners nach innen), Aggression (Amok vs. Harakiri) oder beim Orgasmus (Amerikaner „kommen", Japaner „gehen"): Schrader kennt reihenweise Beispiele dafür, dass die Gedankenwelt, Emotionen und letztlich auch die Logik in beiden Kulturen unterschiedlich laufen. Und genau hier hebt sich Der Yakuza von anderen Action-Thrillern sehr positiv ab.

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