Letzte Order

Erschienen: Januar 2009

Bibliographische Angaben

  • New York: St. Martin´s Minotaur, 2008, Titel: 'Severance Package', Originalsprache
  • München: Heyne, 2009, Seiten: 352, Übersetzt: Frank Dabrock

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Jörg Kijanski
Temporeicher Mix aus Thriller und Splatter

Buch-Rezension von Jörg Kijanski Feb 2009

Jamie De Broux ist in der Firma Murphy, Knox und Partner aus Philadelphia eigentlich nur für die Medienarbeit zuständig, wird aber zu seiner Überraschung zu einem Treffen der Führungskräfte eingeladen. Dieses findet im 36. Stock des Firmensitzes statt und wird von David Murphy eröffnet. Dieser teilt zunächst den sechs anwesenden Mitarbeitern mit, dass die Firma keineswegs ein reiner Finanzdienstleister sei, sondern vielmehr eine Tarnfirma des CI 6, einem Geheimdienst der Regierung. Murphy hat den Auftrag erhalten die Organisation aufzulösen, doch sollen die Mitarbeiter keineswegs entlassen werden. Sie sollen vielmehr vergifteten Champagner trinken, andernfalls müsse er sie erschießen. Eine Flucht sei ausgeschlossen, da die Aufzüge an der 36. Etage vorbeigeleitet werden und zudem die Zugänge zum Treppenhaus mit Sarinbomben präpariert sind. Da die Mitarbeiter ausschließlich (zwischenzeitlich lahm gelegte) Firmenhandys benutzen, ist der Kontakt zur Außenwelt abgebrochen, eine Flucht scheint unmöglich.

Während die Mitarbeiter fieberhaft überlegen, was sie von der Ansprache ihres Chefs halten sollen, ertönt ein Schrei aus dem Treppenhaus. Ethan Goins kommt zu spät zu der Besprechung, da er zunächst noch auf die im 37. Stock befindliche Toilette musste. Bei dem Versuch, die Treppenhaustür zu öffnen, löst er eine der Sarinbomben aus. Währenddessen trinkt Stuart McCrane ein Glas Champagner, da er das Ganze nur für eine Mutprobe hält. Weit gefehlt, denn kurz darauf ist er tot. Murphy fordert seine rechte Hand, Molly Lewis, auf, den Anderen ebenfalls vergiftete Drinks anzureichen, doch stattdessen zieht Molly eine Pistole und schießt Murphy in den Kopf. Daraufhin bricht unter den fünf übrig gebliebenen Personen Panik aus. Wie kann man aus dem 36. Stock fliehen, wo doch scheinbar alles perfekt abgeriegelt ist? Und noch wichtiger, wem kann man hier Trauen und wem nicht? Keiner scheint der zu sein, für den er sich ausgibt und so wird die Welle der Gewalt immer größer...

Sebastian Fitzek trifft Quentin Tarantino

Nach dem überraschenden Debüt (besser gesagt, dem ersten auf Deutsch übersetzten Roman von Duane Louis alias Swierczynski) Blondes Gift war die Erwartungshaltung naturgemäß sehr hoch, konnte jedoch leider nicht ganz erfüllt werden. Letzte Order ist ein reiner Page-Turner, dessen 350 Seiten man locker an einem Tag bewältigen kann. In gewohnt kurzen Abschnitten treibt Louis seine Leserschaft voran. Nicht denken, einfach weiter lesen, was bei diesem Mix aus Thriller und Splatterorgie nicht schwer fällt. Es scheint fast so als hätte sich der Thriller-Senkrechtstarter Sebastian Fitzek mit Kultregisseur Quentin Tarantino zusammen getan.

 

Sein Name ist Paul Lewis und er wusste nicht, dass er nur noch sieben Minuten zu leben hatte.

 

Molly Lewis, so erfahren wir bald, hat offensichtlich einen Auftrag zu erfüllen, nämlich die Agenten des CI 6 in einer bestimmten Reihenfolge umzubringen und dabei ihr Können unter Beweis zu stellen. Beobachtet wird sie dabei über Kameras von zwei Agenten im entfernten Schottland. Doch so recht will das mit dem Töten nicht gelingen. Ethan gelingt schwer verletzt der Abstieg im Treppenhaus, nachdem er sich selber mit einer Kugelschreiberhülle in seinem Hals einen künstlichen Atemweg geschaffen hat. Spätestens hier merkt man, dass die Story stark in den Splatterbereich abdriften wird. Warum sollte auch eine Frau nicht noch schnell jemanden mit einer Pistole erschießen, ohne dabei ihre Hände zur Hilfe nehmen zu können? Fast überflüssig zu erwähnen, dass Murphy trotz eines Kopfschusses noch am Leben ist. Und so weiter...

Jeder kann für die Gegenseite arbeiten

Der Splatterfaktor ist extrem hoch, aber mitunter durchaus witzig. Anders geht es ja auch nicht, denn wenn man hier die Sinnfrage stellen würde, müsste man diesen Roman schnellstens auf Seite legen. Da spielt es dann auch kaum noch eine Rolle, dass man ebenso wie die Romanfiguren schnell den Überblick verliert, wer eigentlich wohin gehört oder wer welche Ziele verfolgt. Sofern dies überhaupt erkennbar wird.

Die Story, es wurde bereits angedeutet, ist total durchgeknallt, was nach Blondes Gift nicht weiter verwunderlich ist. Wer sich darauf einlässt, wird erneut auf einen interessanten Autor stoßen, der auf seine Art das Thrillergenre bereichert. Wer hingegen auf eine Story wert legt, die wenigstens in Ansätzen realistische Züge aufweist, der macht um Duane Louis einen (ganz) großen Bogen. Am Ende (genauer, auf den letzten vier Zeilen) des Romans setzt Louis einmal mehr einen überraschenden Treffer, wenngleich die Auflösung insgesamt enttäuscht. Fans von Sebastian Fitzek und Co. sollten hier zugreifen, wenngleich Letzte Order nicht an das Tempo und die Klasse des Debütromans heran kommt.

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