Nachtmarkt

Erschienen: Januar 2008

Bibliographische Angaben

  • Melbourne: Text Publishing, 2006, Titel: 'Behind the night bazaar', Seiten: 292, Originalsprache
  • München: Blanvalet, 2008, Seiten: 383, Übersetzt: Leo Strohm

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Jörg Kijanski
Auf ins Rotlichtmilieu von Chiang Mai!

Buch-Rezension von Jörg Kijanski Feb 2009

Die gebürtige Australierin Jayne Keeney lebt seit mittlerweile drei Jahren in Bangkok, wo sie als Privatdetektivin arbeitet. Nachdem sie bei einer Obduktion durch eine Messerattacke schwer verletzt wird, entscheidet sie sich kurzerhand für einen Urlaub in Chiang Mai, wo ihr Freund Didier wohnt. Dieser wohnt mit seinem Lebensgefährten Nou zusammen und möchte Jayne an ihrem ersten Abend noch in das Amüsierviertel der Stadt mitnehmen. Hier versucht Didier schon seit langer Zeit in der Schwulenszene vor dem HIV-Virus zu warnen. Als sie Nou begegnen, nachdem dieser wegen seiner Spielschulden einmal mehr seinen Körper für käufliche Liebe angeboten hatte, kommt es zu einem großen Streit zwischen Didier und Nou.

Wenige Stunden später steht die Polizei vor Didiers Tür, da Nou brutal ermordet wurde. Der ermittelnde Oberstleutnant Ratratarn Rattakul verfolgt bei der Aufklärung des Falles jedoch primär seine eigenen Interessen und erschießt Didier. Am nächsten Tag erfährt Jayne aus der Zeitung von Nous Ermordung und das Didier, der als Hauptverdächtiger befragt werden sollte, bei einem Fluchtversuch versehentlich getötet wurde. Doch nicht nur Jayne hat Zweifel an dieser Darstellung, auch Wachtmeister Komet, der die Version seines Chefs Ratratarn in einem Bericht bestätigen soll, ist irritiert. Einen Warnschuss, wie behauptet, hat es nie gegeben und die Mordwaffe muss Didier ebenfalls nachträglich untergeschoben worden sein. Jayne versucht die wahren Ereignisse aufzudecken, um Didier von dem Mordvorwurf zu entlasten. Dabei muss sie einmal mehr feststellen, dass die Grenzen zwischen Gut und Böse in Thailand sehr eng beieinander liegen...

Ein beachtliches Debüt, das nicht nur Asienfans erfreuen wird

Angela Savages Debütroman Nachtmarkt führt ihre Leserschaft mitten hinein in das Rotlichtmilieu von Chiang Mai, Thailands zweitgrößter Stadt. Dieses bietet alles, was die Kundschaft begehrt. Schwulenbars, Transvestitenkneipen bis hin zum "Kitten Club", in dem auch schon mal unter zehnjährige Mädchen bei einer Auktion versteigert werden. Vielfach müssen die nicht immer volljährigen Frauen bis zu zwanzig Männer täglich bedienen und dies für gerade einmal umgerechnet zwei Euro. Da nur die wenigsten Kunden Kondome benutzen liegt die HIV-Quote hier bei über 70 Prozent.

Didier wollte aufklären und vor den Ansteckungsgefahren warnen. Dass er dabei den Bossen der mächtigen Sexindustrie zwangsläufig auf die Füße treten musste, nahm er bewusst in Kauf. Womöglich übersah er jedoch den erschreckend hohen Grad der Korruption bei der Polizei, wo ohne Bestechung (auch "Direkt-Steuer" genannt) gar nichts läuft. Der Autorin gelingt der schwierige Spagat, einerseits die offenen Probleme in der thailändischen Gesellschaft, die maßgeblich vom Sextourismus lebt, aufzuzeigen, ohne dabei der Versuchung zu erliegen, das Elend (insbesondere der minderjährigen Kinder) in seinen ganzen brutalen Einzelheiten auszubreiten.

Reichlich Atmosphäre und ein ordentlicher Plot. Was will man mehr?

Der Plot ist in sich schlüssig, bietet viel Atmosphäre und wer jemals in Thailand war, merkt, dass auch die Autorin das Land sehr gut kennt. Viele thailändische Formulierungen und Redensarten (die meisten werden übersetzt) und die allgegenwärtigen Tuktuks, um nur zwei Beispiele zu nennen, sorgen für das nötige Lokalkolorit. Die Handlung ist durchgehend spannend und flüssig zu lesen. Dass der Leser Jayne immer ein paar Schritte voraus ist stört nur wenig, denn die häufig wechselnden Szenarios treiben die Handlung zügig voran.

So ist Nachtmarkt ein weiterer Roman, der (nicht nur) Asien-Fans empfohlen werden kann. Man darf gespannt sein, ob Angela Savage bei weiteren Werken das Niveau halten oder womöglich gar noch steigern kann.

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Letzte Kommentare:
28.05.2012 11:36:41
Khampha

Ist ganz nett zu lesen, die Eindrücke vom innerseelischen Erleben der Thais, insbesondere der in Bangkok oder Chiang Mai oder sonst wo arbeitenden Isaan Frauen sind zwar deutlch komplexer als hier dargestellt, jedoch insgesamt Ok.
Dichte Atmosphäre , flüssige Handlung
insgesamt lesenswert, aber kein muss.

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