Die Haut, in der ich wohne

Erschienen: Januar 2008

Bibliographische Angaben

  • Paris: Gallimard, 1984, Titel: 'Mygale', Seiten: 182, Originalsprache
  • Hamburg: Hoffmann & Campe, 2008, Seiten: 140, Übersetzt: Holger Fock & Sabine Müller
  • Daun: TechniSat Digital, Radioropa Hörbuch, 2009, Seiten: 4, Übersetzt: Leon Boden

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Ines Dietzsch
Geht buchstäblich unter die Haut

Buch-Rezension von Ines Dietzsch Jan 2009

Mygale - so heißt in französischer Sprache die Vogelspinne. Mygale ist der Originaltitel des 1984 erschienenen Romans des Franzosen Thierry Jonquet. Das Buch des in seiner Heimat weit mehr als hierzulande bekannten Autors wurde von Pedro Almodóvar mit Penelope Cruz und Antonio Banderas in den Hauptrollen verfilmt und soll 2009 in die Kinos kommen.

Gefangen im Netz der Vogelspinne

Mygale nennt Vincent Moreau im Stillen seinen"Herrn". Von einem Unbekannten gehetzt und entführt erleidet der Abiturient jahrelang Höllenqualen. Der Fremde kettet Vincent nackt in einem Verließ an, verweigert ihm Essen, Trinken und Toilette und setzt ihn jeder erdenklichen Art sadistischer Folter aus und bricht ihn schließlich.

 

Zusammengekrümmt zu seinen Füßen, hast du dich erleichtert und warst glücklich, getrunken zu haben. Du warst ein Nichts, du warst nur noch ein durstiges, hungriges und gequältes Tier. Ein Tier, das einmal Vincent Moreau geheißen hatte. (S. 46)

 

In seiner Villa hält der berühmte plastische Chirurg Richard Lafargue seine Partnerin Ève gefangen. Die schöne junge Frau darf ihr luxuriöses Gefängnis nur verlassen, um mit Richard nach einer Patientin in der Nervenklinik zu sehen. Nach diesen Besuchen zwingt Richard Ève, sich in einem Appartement zu prostituieren und beobachtet die Demütigungen durch den Einwegspiegel.

Auch Alex Barney ist gefangen. Er hat bei einem Banküberfall einen Polizisten erschossen und versteckt sich mit seiner Beute in einem verlassenen Gehöft auf dem Land. Sein Konterfei prangt aus allen Gazetten und Alex fasst einen teuflischen Plan seiner Identität zu entkommen. Mit ungeahnten Folgen entführt er Ève aus ihrem Boudoir und erpresst den Schönheitschirurgen Lafargue, ihm ein neues Gesicht zu geben.

Ein beklemmendes Kammerspiel

Gleich einem Bühnenstück reduziert sich der Roman auf die Handlungen seiner Hauptakteure. Es gibt keine Nebenschauplätze und keine Ablenkung durch unwesentliche Nebenhandlungen. Die Perspektiven wechseln ständig zwischen dem eingekerkerten Vincent Moreau, Lafargue und Barney. Die drei Erzählstränge laufen parallel, führen zusammen und klären am Ende restlos die dunkle Verstrickung der Protagonisten auf. Dabei lässt die kalte, emotionslose Sprache Jonquets den Leser frösteln. Die Frage, wozu ein Mensch aus Liebe, Hass und Rachedurst fähig ist und welche Gefühle Opfer jahrelanger physischer und psychischer Folter ihren Peinigern entgegen bringen, beschäftigt noch lange nach dem Zuklappen des Buchdeckels.

Das ganze Büchlein ist nur 140 Seiten schmal, aber von solch einer Intensität! Unbedingt lesen!

Die Haut, in der ich wohne

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Letzte Kommentare:
19.01.2015 17:29:53
Janko

„Die Haut, in der ich wohne“ von Thierry Jonquet ist schon eine seltsame, gar ungeheuerliche Story. Übertriebene und unrealistische Handlungen eines perversen Schönheitschirurgen, der an seiner abartigen, masochistischen Herrschsucht psychische Befriedigung findet. So scheint es zunächst und er hat auch (mehr oder minder) allen Grund dazu, aber ich will an dieser Stelle nicht allzu viel vorwegnehmen. Einer eher ruhigen Erzählart mit relativ wenig Action, steht ein bizarres Pathos und eine ziemlich kranke Geschichte, die aus mehreren Handlungssträngen besteht gegenüber. Trotz der überschaubaren Anzahl von gerade mal 140 Seiten handelt es sich bei „Die Haut, in der ich wohne“ um eine relativ komplexe Geschichte, die skrupellos von Entführung, perversen Sexspielchen, Prostitution, Sexsklaverei, Vergewaltigung und diversen weiteren Abartigkeiten erzählt. Wem’s gefällt…Meine Wertung: 70/100.

10.12.2012 05:50:08
chris

ich bin durch zufall über dieses buch gestolppert und war bereits nach den ersten paar seiten begeistert. der einfache handlungsaufbau ohne schnörckel, die direckte erzählweise haben mir sehr gefallen. die spannung steigt kontinuierlich bei dem versuch sich die verbindung der protagonisten zu erdenken.umstände, karma und stockholmsyndrom sind die zutaten zu einer spannenden story die einfach nur gut erzählt ist. es war für mich ein sehr glücklicher "stolpperer"

29.06.2011 14:25:51
lilalu

Ein unglaubliches Buch! So etwas habe ich noch nie gelesen! Unfassbar! Ekelerregend, abstoßend, gleichzeitig kühl-sezierend, knapp und elegant erzählt. Man kann kaum beschreiben, was dieses Buch mit einem macht. Das ist eines der abgründigsten Bücher, die mir je untergekommen sind. Das Buch ist schmal, aber der Autor schafft es, die Story, diese im Prinzip so abstruse und zugleich so nachvollziehbare Geschichte, derart peitschend voranzutreiben, dass einem das Blut gefriert. Man bleibt fassungslos und verstört zurück. Eines der besten Bücher, die ich in der letzten Zeit gelesen habe.