Blutschrift

Erschienen: Januar 2009

Bibliographische Angaben

  • Oslo: Damm, 2007, Titel: 'Blodskrift', Seiten: 303, Originalsprache
  • Hamburg: Hoffmann & Campe, 2009, Seiten: 2, Übersetzt: Stephan Benson, Bemerkung: gekürzt

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Wolfgang Franßen
Wenn aus Fakten Fiktion wird

Buch-Rezension von Wolfgang Franßen Jan 2009

Dass Polizeiarbeit mitunter ein mühseliges Geschäft ist, dürfte dem versierten Krimileser nicht neu sein. Man wird in die abgelegensten Gegenden verschleppt, trifft auf Kommissare mitten in der Ehekrise und einem Hang zur klassischen Musik. Bei Charles Todd meldet sich sogar ein toter Kriegskamerad zu Wort. Jørgen Jægers Serienheld heißt Ole Vik bezeichnet sich selbst als Polizeichef und taucht in Blutschrift bereits in seinem vierten Fall auf, der sich diesmal an einer wahren Begebenheit orientiert, wie der Autor im Epilog einräumt. Seltsam unaufgeregt erzählt Jæger von der Arbeit der Polizei in Fjellberghavn an der norwegischen Westküste, die sich der Abhängigkeit von Arzt und Patient verschreibt. Zwar regnet es nicht dauernd und die Ermittler wirken auch nicht durchweg depressiv, doch fast wünscht man sich die Tristesse vieler skandinavischer Krimis herbei, damit sich zumindest etwas Atmosphäre verbreitet.

Der 1946 in Bergen geborene Jæger neigt zur sprachlichen Übertreibung, zur Trivialisierung. Flammen sind immer rasend schnell. In Dialogen werden Erklärungen nachgeschoben. Damit auch jeder versteht, worum es geht.

 

Vergessen sie nicht, dass die Kohlenmonoxidvergiftung und der Sauerstoffmangel jetzt in der ersten Phase die größte Gefahr darstellen.

 

Dass diese Worte einen von Flammen eingeschlossenen Menschen zu beruhigen vermögen, steht zu bezweifeln. Statt Spannung zu erzeugen, verliert sich die Beschreibung eines Brandes in Viks Polizeistation in der Prämisse, jeder soll bloß wissen, wie gefährlich so was ist.

Gedanken und Gefühlen spielen währenddessen verrückt, Gebäude sind nicht mehr zu retten, die Funken stieben und die Worte versetzen Stiche. Nachdem die Verantwortlichen sich entweder selbst gerichtet haben oder ihrer bloßstellenden Verhaftung entgegensehen, vermag sich Ole Vik die letzten Worte nicht zu verkneifen: "Und ich habe mein Zuhause verloren." Wie erschütternd. Wie herzzerreißend. Wie hart das Leben doch sein kann, wenn man in Fjellberghavn als Polizeichef über seiner eigenen Station wohnt.

Ein Panoptikum

Ein Mensch kommt ums Leben, fünfzehn weitere geraten in akute Lebensgefahr, Drohbriefe tauchen auf, eine beschauliche Kleinstadt soll in die Luft gesprengt werden und Schizophrene verweigern die Medikamente. Chaos in der Idylle. Jørgen Jæger schickt Ole Vik los, um die Sache in Ordnung zu bringen. Erst jedoch muss er nach dem Brand für sich und seine Crew eine neue Unterkunft finden. Dabei wird Hilde, seine Affäre, als wunderbar, Martha, die Pensionswirtin, als einzigartig beschrieben. Nicht nur deren Biographie wirkt flüchtig gegoogelt, um Fakten wie lebende Personen zu verschleiern. Tragisch für einen Autor, dessen persönliches Interesse an der Geschichte nachgereicht wird.

Jørgen Jæger ist zu wünschen, dass es an der Übersetzung liegt, dass einen die Sprache zeilenweise geradezu anschreit. Was ihn nicht davor in Schutz nimmt, dass die raffinierte Intrige, die der Einband verspricht, in dem faden Geflecht aus Tatort, Pressekonferenz und Verhör untergeht. Gute Menschen geraten in die Zwickmühle, böse Menschen verüben Verbrechen. So ist das in der Kleinstadt. Und immer wieder Plattitüden wie:

 

Achtung war etwas, worum man sich verdient machen musste.

 

Der Hund ist der Star

In einer schwachen Umgebung soll mitunter ein Tier sich zum heimlichen Helden aufschwingen können. Bei Jæger ist es ein Hund, und er heißt Birk und "er war so lange eingesperrt gewesen, dass er vor Arbeitseifer überschäumte".

Er ist ein braver Junge. Zum Schluss darf er als Belohnung für seinen Einsatz mit dem Absperrband spielen. Da fragt man sich als Leser gleich, welche Belohnung auf Ole Vik wartet, wenn er die Hintergründe erst aufgeklärt hat.

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Letzte Kommentare:
29.03.2010 18:29:25
alex schwitzky

Welch einseitige Kritik...!
Ich fand das Buch sehr sehr spannend und vor allem realitätsnah. Außerdem spart der Autor mit seitenlangen Beschreibungen einer Sonnenblume oder eines Gerstenfeldes a`la Steven King (so bekommt man natürlich auch schnell 600 Seiten voll). Der Mann kommt schnell zum Punkt und stellt die Arbeit der Polizei erschreckend realitätsnah dar, ohne irgendwelche Dinge auszuschmücken oder in das "Herumfantasieren" abzuschweifen. Die einzelnen Charaktere werden kurz und knackig dargestellt und der Leser versteht schnell, wie jeder Einzelne tickt. Kurzum, das Buch ist hervorragend! Und mich erschüttert eigentlich nicht so schnell etwas. (Ich bin männlich und 31 und lebe in einer Großstadt). Das war erschreckende Realität pur!!! Gerne mehr davon!!!