21 ... entkommen wirst du nie

  • Ehrenwirth
  • Erschienen: Januar 2008
  • Paris: Lafon, 2006, Titel: 'Laura ou Le Secret des 22 lames', Originalsprache
  • Bergisch Gladbach: Ehrenwirth, 2008, Seiten: 426, Übersetzt: Christiane Landgrebe
21 ... entkommen wirst du nie
21 ... entkommen wirst du nie
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Thorsten Sauer
75°

Krimi-Couch Rezension vonJan 2009

Spannende Romeo-und-Julia-Variation

Wenn das keine viel versprechende Idee für einen Krimiplot ist: Man nehme die Mystik der großen Arkana des Marseille Tarot und kombiniere sie mit den Verstrickungen des klassischen Romeo-und-Julia-Motivs. Als Kulisse verwendet man natürlich nicht Verona, das wäre allzu offensichtlich, aber Nizza ist ja auch nicht schlecht und schon hat man alles, was man für einen fesselnden Krimi braucht. Tatsächlich?

Böse Omen

Die junge Rechtsanwältin Laura kommt in ihre alte Heimat Nizza, um zu heiraten. Eigentlich ein freudiges Ereignis, doch miesere Vorzeichen, als die, die den vermeintlich schönsten Tag im Leben der jungen Anwältin verdunkeln, wünschte man wohl selbst dem schlimmsten Feind nicht. Zunächst möchte Laura nicht irgendjemanden heiraten, sondern ihr Auserwählter ist ausgerechnet ein Sprössling der Bellair-Familie, die mit Lauras-Familie aufs tiefste verfeindet ist. Denkbar schlechte Voraussetzung für eine glückliche Zukunft, doch noch mehr beunruhigt Laura das Datum ihrer Rückkehr nach Nizza. Es ist der 31. Juli, genau drei Wochen vor dem 21. August. Ein Datum, das sich wie ein Fluch durch mehrere Generation von Lauras Familie zieht. Lauras Mutter und davor ihre Großmutter starben jeweils an einem 21. August. Beide wurden nicht älter als 33 Jahre, genau das Alter, in dem Laura nun ist. Der bösen Vorahnung nicht genug, findet Laura noch während der Fahrt eine Tarotkarte, der einen Tag später eine weitere folgt. „Der Magier" und „Die Welt" sind die erste und die letzte, die 21. Karte des großen Arkana. Täglich sollen nun weitere folgen. Ein makaberer Countdown ihrer letzten drei Wochen? Eine Warnung? Oder der Schlüssel zum tödlichen Geheimnis ihrer Familie?

Marseille Tarot

Der Roman des französischen Autorenduos ist streng nach den 22 Karten der großen Arkana des Marseille Tarot aufgebaut. Jede Karte hat dabei ihre feste Nummer, von Null bis 21, als eine von 22 Stufen des universellen Bewusstseins.

Jeden Tag taucht eine Karte auf und symbolisiert damit nicht nur einen unheimlichen Countdown, sondern führt Laura - ähnlich der spiritistischen Auslegung des Kartenspiels - täglich auf eine neue Erkenntnisstufe, tiefer in die Vergangenheit und bringt sie der Aufklärung der Todesumstände ihrer Mutter einen Schritt näher. Die akribisch entwickelte Story des Autorenduos funktioniert: Die Kapitel zählen die Tage bis zum vermeintlichen Finale am 21. August rückwärts. Damit schaffen die Autoren einen geradlinigen Plot mit ständig steigender Spannung. Glücklicherweise - soviel sei verraten - verzichten die Autoren, trotz des Tarot-Motivs, auf ein übersinnliches Finale, sondern präsentieren ganz weltliche Tatmotive.

Übersinnliches brauchen sie auch nicht, denn die zweite Ebene des Romans macht Anleihen bei einer der ganz großen Geschichten der Literatur: Romeo und Julia. Laura liebt Vincent, doch den beiden steht die Tradition im Weg. Genau wie die Montagues und die Capulets, hassen sich die Fontanes und die Bellairs aufs innigste. Doch die beiden Verliebten setzen sich wie seinerzeit Romeo und Julia über die Zwänge der innig geführten Familienfehde hinweg und heiraten in einer Mischung aus Trotz und naiver Hoffnung auf Befriedung des Zwistes.

Das Setting hält was es verspricht: Intrigen, Leidenschaften, jede Menge Leichen im Keller und - wie es sich für anständige Familiendynastien gehört - ist auch der Wahnsinn nicht weit. Das bietet reichlich Stoff für einen Krimi, ist aber leider nicht gerade besonders originell und lässt nur wenig Raum für vielschichtige Charakterzeichnungen. Damit sind wir beim größten Manko des Romans: Die Figuren verharren allzu stark in ihren von der Familientradition geprägten Rollen. Es bleibt kaum Raum für eine interessante Charakterentwicklung und daher wird die Auflösung des Rätsels um die Tarotkarten allzu leicht durchschaubar, auch wenn die finale Auflösung dann doch noch eine kleine Überraschung bereit hält.

Schade, denn mit einer weniger naiven Hauptfigur und sparsamer verwendeten Klischees, hätte aus der viel versprechenden Kombination von Tarot und Romeo-und-Julia mehr werden können, als nur ein recht unterhaltsamer, geradliniger Krimi.

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