Böse Vögel lassen Federn

Erschienen: Januar 2009

Bibliographische Angaben

  • New York: Thomas Dunne Books, 2003, Titel: 'Crouching buzzard leaping loon', Seiten: 297, Originalsprache
  • Bergisch Gladbach: Bastei Lübbe, 2009, Seiten: 366, Übersetzt: Frauke Meier

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Thorsten Sauer
Holprige Krimikomödie

Buch-Rezension von Thorsten Sauer Jan 2009

Es ist erfrischend, wenn eine Krimiautorin sich selbst, ihr Schaffen und vor allem das Krimigenre nicht allzu ernst nimmt. Wenn daraus dann ein unverkrampfter Plot mit satirisch angehauchten Szenen herauskommt, sind eigentlich alle Voraussetzungen für amüsante Unterhaltung gegeben. Doch das alleine genügt nicht!

Mutierte Zauberer programmieren Höllenanwälte

Rob, Megs Bruder, leitet eine erfolgreiche Computerfirma, deren verkaufsträchtigstes Produkt die Höllenanwälte sind, bei dem der Spieler in der Rolle eines Anwalts diverse Fälle durchknobeln kann. Dass eine Firma, die Mutant Wizzards heißt und ein Spiel hervorbringt, das unter dem Namen Höllenanwälte auf den Markt kommt nicht gerade Durchschnittspersonal hat, liegt auf der Hand. Doch obwohl der Alltag der Firma bestimmt wird von den Computerfreaks, die neben regelmäßigen Entwicklungsständen des neuen Spiels Höllenanwälte II so gut wie keinen typischen Büroalltag zulassen, hat Mutant Wizzards mit ganz profanen Wettbewerbsproblemen zu tun. Rob hegt den Verdacht, dass ein neidischer Konkurrent seiner Firma schaden will, indem er einen Insider eingeschleust hat, der sich regelmäßig an den Firmendaten zu schaffen macht. Meg soll für Rob daher einige Zeit in der Firma die Augen offen halten. Allzu sehr braucht sie sich dabei jedoch nicht anzustrengen, denn schon nach kurzer Zeit taucht eine Leiche auf. Ted, ein Programmierer, der neben seinem Quellcode nur Unsinn im Kopf zu haben scheint, fährt, leblos auf einem elektrischen Postwagen liegend, durch die Büroräume.

Bürogeier und Bestätigungsbären

Donna Andrews ist eine leichte kleine Krimi-Komödie gelungen, die von ihren satirischen Übertreibungen lebt. So ist nicht nur der Fundort der Leiche – ein selbst fahrender Büro-Postwagen – skurril, sondern auch sämtlich Kreaturen, die den Roman bevölkern. Donna Andrews hat spürbar Freude daran, in Klischees über Computerfreaks zu schwelgen und die in der Realität schon ungewöhnlichen Maßnahmen moderner Dot-Net Unternehmen genüsslich zu überzeichnen. So bevölkern nicht nur durchgeknallte Programmierer die Büroräume von Mutant Wizzard, sondern auch die Haustiere der Angestellten. Da Haustier offensichtlich ein dehnbarer Begriff ist, zählt nicht nur ein Rudel Hunde zum Inventar, sondern auch der einflügelige Bürogeier, der griesgrämig in der Nähe des Empfangs sitzt.

Ein weiterer pfiffiger Einfall stellt, laut Danksagung der Autorin, offenbar sogar die Ausgangsidee des Romans dar: die Höllenanwälte programmierenden Mutant Wizzards und teilen sich die Büroräume mit einer handvoll Therapeuten, deren Marotten denen der Programmierer jedoch in nichts nachstehen. Daher gibt es neben dem Bürogeier auch noch einen Bestätigungsbären der für die eine oder andere Slapstick-Einlage verantwortlich zeichnet.

Alles in allem ein flotter Plot, der das Potential zu guter, leichter Unterhaltung hat und trotzdem zündet die Geschichte nicht. Das liegt zum Einen an der viel zu harmlos entwickelten Geschichte, die – trotz einiger Gefahrenmomente für Meg – nahezu jede Spannung im Keim erstickt und geradlinig auf die recht vorhersehbare Auflösung zu steuert. Das alleine wäre nicht weiter tragisch, würde "Böse Vögel lassen Federn" als Satire funktionieren. Donna Andrews witzige Einfälle und die gnadenlos aber sympathisch überzeichneten Figuren hätten das Zeug dazu, scheitern jedoch kläglich an den sprachlichen Unzulänglichkeiten. Beim flüchtigen Lesen, besonders viel Aufmerksamkeit verlangt die Geschichte auch nicht, fallen die sprachlichen Faux Pas nicht weiter auf. Bei genauerem Hinsehen entpuppen sich die verschachteln Sätze regelmäßig als holprig und leider häufig als haarsträubend falsch. Ich kann nicht beurteilen, ob die Autorin oder die deutsche Übersetzerin dafür verantwortlich ist, Fakt ist allerdings, dass die mangelhafte Sprache den Roman trotz guter Ansätze in den Abgrund ziehen, in die graue Masse der wenig lesenswerten Romane, die höchstens für eingefleischte Fans oder Germanisten von echtem Unterhaltungswert sind.

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