Die Memoiren des Sherlock Holmes

Erschienen: Januar 2000

Bibliographische Angaben

Adventures of Sherlock HolmesDiese erste Sammlung klassischer Sherlock Holmes-Kurzgeschichten gilt der Literaturkritik und vielen Lesern als die mit Abstand beste. Das kommt nicht von ungefähr: Arthur Conan Doyle hatte seinen Helden, den er mit Studie in Scharlachrot (1888) und Das Zeichen der Vier (1890) vorzüglich eingeführt hatte, erstens voll im Griff und zweitens noch nicht über, sondern seinen Spaß daran, diese Figur mit ihren bemerkenswerten Fähigkeiten und Marotten auszuloten. Dazu kam - für Doyle stets wichtig - die Verlockung einer guten Entlohnung, die das "Strand Magazine" ihm dafür bot, das allmählich sehr beliebt werdende Duo Holmes & Watson in einer Serie von zwölf Stories auftreten zu lassen, von denen in jedem Monat eine erscheinen würde.

Also gab Doyle sein Bestes, und da er als Unterhaltungs-Schriftsteller ein absoluter Profi war, konnte sich das Ergebnis sehen lassen. Der wahre Sherlockist kennt natürlich sämtliche 56 Kurzgeschichten (und vier Romane) in- und auswendig, aber selbst der Gelegenheitsleser erkennt, dass die "Abenteuer des Sherlock Holmes" sämtlich Klassiker sind. So ist es vermutlich einfacher, die Sammlungen älterer Detektivgeschichten aufzulisten, in denen "Das gesprenkelte Band" oder "Der blaue Karfunkel" n i c h t auftauchen. Dies ist der wahre, der unverfälschte (und noch Kokain fixende) Sherlock Holmes, noch nicht verwässert durch die späten Stories, die von Doyle in weitem zeitlichen Abstand zum nostalgisch vernebelten London Queen Victorias und vor allem um des Geldes geschrieben wurden.

Liest man die 56 Holmes-Geschichten nicht in der (ihnen nachträglich aufgepfropften) chronologischen Reihenfolge, sondern so, wie Doyle sie verfasste, lassen sich einige interessante Entdeckungen machen. So erstaunt sehr der Anteil der Fälle, die man gar nicht als "kriminalistisch" definieren könnte. "Ein Skandal in Böhmen", "Eine Frage der Identität", "Der Mann mit der entstellten Lippe", "Der blaue Karfunkel" oder "Der adlige Junggeselle" beschäftigen sich mit Verbrechen höchstens am Rande. Sherlock Holmes erscheint hier weniger als Detektiv denn als letzte Instanz in allgemein rätselhaften Angelegenheiten. Meist wird im Finale nicht einmal ein Schurke gestellt, und falls doch, lässt ihn Holmes womöglich wieder laufen bzw. liefert ihn einer höheren Gerechtigkeit aus. Ihm geht es eben nicht primär um den Sieg der (offiziellen) Gerechtigkeit oder gar Geld und Ruhm (obwohl er ersteres nicht ausschlägt und letzteren durchaus schätzt), sondern um sein ureigenes Steckenpferd, die "Deduktion". Damit meint er die durch ihn zur Kunst erhobene Fähigkeit, viele Spuren und Indizien zu einem Gesamtbild zusammenzusetzen, das eine Geschichte erzählt, die ansonsten verborgen bliebe.

Unter diesen Umständen ist es für Holmes, aber auch für Watson und stellvertretend durch ihn für die Leserschaft nebensächlich, ob der Detektiv einem Monarchen aus der Patsche hilft oder "nur" einem verarmten, vom Leben gebeutelten Jedermann wieder zu seiner Weihnachtsgans verhilft. Gerade die letzte Episode brachte ihm unverhofft genau den Kitzel, nach dem Holmes süchtig ist: Überraschungen sind der Stoff, aus dem seine Träume sind. Dr. Watsons Lesern geht es ebenso, und Arthur Conan Doyle gibt ihnen, was sie sich wünschen. Aus heutiger Sicht mögen einige Wendungen nicht mehr verblüffen, aber die Welt hat sich halt weitergedreht und trägt nun eine dank des Fernsehens deutlich abgebrühtere Generation.

Wenn man Doyle indes unbedingt einen Vorwurf manchen möchte, dann lässt sich dieser ausgerechnet an den kriminalistischen Plots festmachen, die doch eigentlich das A und O einer Detektivgeschichte sein müssten. Bei näherer Betrachtung stellt sich rasch heraus, dass wohl keine der komplizierten Intrigen und Todesfallen funktionieren dürften, die zu klären sich Holmes solche Mühe gibt. Nur ein Beispiel: Wie realistisch ist es wohl, eine bekanntlich recht hohlköpfige, vor allem aber stocktaube Schlange mit Flötentönen und Milchgenuss zur unfehlbaren Mordmaschine zu dressieren ("Das gesprenkelte Band")?

Der Punkt ist aber, dass Pedanten und Ketzer nichts in der Welt des Sherlock Holmes verloren haben. Arthur Conan Doyle selbst vertrat in diesem Zusammenhang eine sehr gesunde Meinung: "Aber was Details betrifft, bin ich nie ängstlich gewesen, und manchmal muss man einfach gebieterisch sein." (aus "Memories und Adventures", 1924, zitiert nach der "editorischen Notiz" in Die Memoiren des Sherlock Holmes, Haffmans- Verlag 1985, S. 297) So gewinnt man sicher keinen Literatur-Nobelpreis, aber viele treue Leser, die ein flottes Garn über angeblichen Realismus stellen. Für allzu intensive Recherchen blieb dem überaus produktiven Doyle ohnehin nur begrenzte Zeit, denn er musste regelmäßig liefern! Unter diesen Voraussetzungen leistete er fabelhafte Arbeit, und so lesen sich alle in diesem Band versammelten Geschichten mehr als ein Jahrhundert nach ihrer Entstehung mit demselben Genuss, den die Käufer des "Strand" einst verspürt haben müssen.

Bei seinem dritten Auftritt hat sich der Welt erster "Beratender Detektiv" endgültig in seinem selbst gewählten Metier etabliert. Holmes' überragende Fähigkeiten haben sich "auf drei Kontinenten" herumgesprochen, wie Watson rühmt - bemerkenswert eigentlich für einen Kriminalisten, der sich besser ein wenig abseits der Öffentlichkeit halten sollte. Aber da ist eben Holmes' Eitelkeit, die Watson keineswegs verschweigt. In diesem Zusammenhang muss auch seine Selbstherrlichkeit gesehen werden: Holmes behält sich durchaus vor, aus eigenem Ermessen zu richten. Einen Schurken lässt er laufen, wenn er es für richtig hält, statt ihn der Polizei zu übergeben, und einmal (in "Das gesprenkelte Band") nimmt er den Tod des Täters sogar wissentlich in Kauf: "Auf diese Weise bin ich zweifellos indirekt für Dr. Grimesby Roylotts Tod verantwortlich geworden, aber in kann nicht behaupten, dass dies mein Gewissen sehr bedrücken wird." (S. 234)

Aufsehen vermeiden - die Tugend des viktorianischen Herrn, der sich aber auch die wahre Lady verpflichtet fühlt. Immer wieder erleben wir, dass Holmes zu Rate gezogen wird, wenn es gilt, die schon damals unerwünschte Aufmerksamkeit der Presse zu vermeiden. Das akzeptiert er, weil er in beruhigend hoher Position in der zeitgenössischen Gesellschaft verankert ist. Aber Holmes steht nicht über den Konventionen, und er ist nicht darüber erhaben, erbost zu sein, wenn ihn ein adliger Laffe oder sogar ein eingebildeter König kaum verhohlen als besseren Dienstboten behandeln. In solchen Momenten mag ihm schmerzlich zu Bewusstsein kommen, dass er eben nicht dem Idealbild des müßiggängerischen, feingeistigen Gentleman entspricht, den primär der Sportsgeist zu seinem Tun treibt.

Als Ermittler ist er längst nicht so unfehlbar wie ihm dies die Literaturkritik gern vorhält. In "Die fünf Orangenkerne" oder "Der Daumen des Ingenieurs" bleibt Holmes sogar ausgesprochen erfolglos. Das nimmt er allerdings mit Humor und der Gelassenheit des Profis: Es werden wieder andere Fälle kommen - und Holmes ist lernfähig: "Er pflegte sich einstmals über weibliche Schauheit lustig zu machen, aber seither habe ich derlei nicht mehr bei ihm gehört." ("Ein Skandal in Böhmen", S. 36).

Watson bleibt es einmal mehr überlassen, hinter den trügerischen Panzer der "Denkmaschine" zu schauen. Erneut stellt sich heraus, dass der bodenständige Doktor Holmes ein echter, nach seiner Heirat oft schmerzlich vermisster Freund ist. Dem Detektiv ist es menschlich nicht gegeben, dies in Worte zu fassen, aber seine Taten sprechen Bände: Wieso sonst ist er stets in einen Fall verwickelt, der die Unterstützung des Doktors unbedingt erforderlich macht, sobald diesen der Zufall über Holmes' Schwelle treibt? Watson scheint das durchaus zu wissen, und er sorgt sich um den Freund. In "Die Blutbuchen" versucht er ihn sogar mit einer Klientin zu verkuppeln und ist betrübt, als Holmes darauf nicht anspringen mag.

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Michael Drewniok
Elf weitere krimiklassische Holmes-Volltreffer

Buch-Rezension von Michael Drewniok Mai 2003

Diese zweite Sammlung klassischer Sherlock Holmes-Kurzgeschichten gilt der Literaturkritik und vielen Lesern noch einmal als Höhepunkt der Serie. Arthur Conan Doyle hat das Gleichgewicht zwischen Können und Routine gefunden, er kennt seine Helden Holmes und Watson inzwischen gut, und er weiß, wie er mit ihnen umzugehen hat. Sehr angenehm war für den allzu lange vom Wohlstand gemiedenen Doyle zudem das seit den "Abenteuern des Sherlock Holmes" noch einmal sprunghaft angestiegene Honorar, welches das "Strand Magazine" ihm für diese neuen Geschichten zahlte.

Freilich wurde sich Doyle bei der Niederschrift eines generellen Problems bewusst: Die Welt des Sherlock Holmes ist eigentlich eine recht eng begrenzte. Ohne gravierende Veränderungen des Charakters - was schon von den zeitgenössischen Lesern nur ungern gesehen wurde - mussten sich die Holmes-Geschichten inhaltlich zwangsläufig rasch wiederholen. Man merkt es u. a. an den zum Ritual erstarrtem Ratespielchen zwischen Holmes und Watson, die fast jeden neuen Fall einleiten oder ihn irgendwann begleiten.

Auswege aus dem Holmes-Getto

Doyle bemüht sich um behutsam um Auswege aus dem Holmes-Getto. In "Die ´Gloria Scott'" und "Das Musgrave-Ritual" lässt er Sherlock Holmes und nicht Dr. Watson berichten. Eine glückliche Lösung ist dies nicht; das ´Gloria Scott"-Rätsel ist höchstens interessant als freimütiges Geständnis eines von seiner späteren Form noch weit entfernten Jungkriminalisten, der oft irrt, aber schon geniale Züge entwickelt. "Das Musgrave-Ritual" ist im Grunde eine Schauergeschichte (wie übrigens auch "Das gelbe Gesicht"), die dem Verfasser freilich sehr unterhaltsam gelungen ist. Trotzdem vermisst man auch hier den treuen Watson an Holmes´ Seite.

"Silberstern" gehört zu den wenigen Ausnahmen und kann auf der ganzen Linie überzeugen. Die Idee ist originell (wenn auch heute kaum mehr überraschend) und wird schwungvoll entwickelt. "Der griechische Übersetzer" markiert einen weiteren Versuch, eingefahrene Geleise zu verlassen: Aus der Versenkung taucht plötzlich ein zuvor niemals erwähnter Bruder von Sherlock Holmes auf. Die Geschichte braucht ihn nicht, aber als Figur ist Mycroft sehr gut geraten und inzwischen ins Pantheon des Holmes-Universums eingezogen.

Witzige Hommage an Edgar Allan Poe

"Der Flottenvertrag" ist eine witzige Hommage an Edgar Allan Poes Story "The Purloined Letter" (1844, dt. "Der entwendete Brief"), die als ein Wurzelstrang der modernen Kriminalliteratur gilt und mit dem Deduktionsgenie Arsene Dupin einen echten Vorfahren von Sherlock Holmes präsentiert (obwohl dieser von Dupin nicht viel hält, wie Dr. Watson in "A Study in Scarlet" anmerkt).

"Das letzte Problem" stellt innerhalb der "Memoiren" einen deutlichen Bruch dar. Einmal abgesehen vom Aufsehen erregenden Ende des Sherlock Holmes gibt es faktisch keinen Grund, ausgerechnet Professor Moriarty als dessen Nemesis glaubhaft zu finden. Seit vielen Jahren versuchen abgefeimte Schurken Holmes ins Jenseits zu befördert. Ausgerechnet Moriarty ist dies nun gelungen? Dass es dazu eines "Napoleons des Verbrechens" bedarf, will der Leser Doyle gern glauben, aber trotzdem erscheint dieser in seinem bösen Genie ein bisschen zu unvermittelt auf der Bildfläche. Aber Doyle hatte genug von Sherlock Holmes und wollte ihn loswerden - durchaus spektakulär, aber kurz und schmerzlos.

Selbstzensur wegen "allzu sexueller Ausrichtung"

Übrigens umfasste der Zyklus der "Memoiren" ursprünglich wie die "Abenteuer" aus den Jahren 1891/92 zwölf Geschichten, die über genau ein Jahr liefen. Doch Doyle ließ "The Cardboard Box" ("The Strand", Januarausgabe 1893) für die Buchausgabe entfernen, weil ihm die "allzu sexuelle Ausrichtung" nachträglich missfiel. Der Blick in diese dadurch natürlich um so interessantere Story verrät, welchem Wandel die Moralvorstellungen seit damals unterworfen waren ... (Wer dies selbst nachprüfen möchte, kann dies unter www.textfiles.com/etext/AUTHORS/DOYLE/cardbox.txt sogleich tun.)

Weiter oben wurde es bereits angedeutet, hier wird es bestätigt: Grundsätzlich Neues hat uns Arthur Conan Doyle über Holmes - auch den jungen - und Watson nicht mehr zu sagen. Die Variation inzwischen leidlich bekannter Szenen ist noch nicht zum Selbstzweck der späten Holmes-Geschichten (etwa ab 1910) verkommen, aber das Webmuster schimmert doch bedenklich durch.

Die alte Magie funktioniert immer noch

Trotzdem funktioniert die alte Magie immer noch. Holmes & Watson sind ein wunderbares, grundverschiedenes, aber einander durchaus ebenbürtiges Team. "Die Memoiren ..." zeigen einen Sherlock Holmes, der zugänglicher wird, zum ersten Mal von seiner gar nicht so glanzvollen Jugend erzählt und sogar Familie hat.

Natürlich ist Mycroft Holmes der eigentliche Star der "Memoiren". Er ist seinem Bruder Sherlock sehr fremd und doch wieder sehr ähnlich. Man könnte ihn als den "Verantwortungsvolleren" der beiden bezeichnen, denn auch er hat zwar sein Hobby zum Beruf gemacht, ist aber in Staatsdiensten tätig, und das offenbar in recht hoher Position.

Sherlock und Mycroft als Team agieren zu sehen, bereitet nicht nur Dr. Watson großes Vergnügen. Ungeachtet aller zur Schau gestellten Gleichmütigkeit herrscht offensichtliche Zuneigung zwischen den Brüdern. Gleichzeitig konkurrieren sie ständig spielerisch miteinander, und das auf einem intellektuellem Niveau, das ihr Publikum mit offenem Mund staunen lässt.

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Letzte Kommentare:
21.05.2014 17:50:26
benfi

'Die Memoiren des Sherlock Holmes' sollten einen Abschluss unter die Geschichten mit dem Detektiven bringen, denn der Autor Sir Arthur Conan Doyle war dessen überdrüssig geworden. So schade dies klingen mag, schuf Doyle somit die wohl besten Fälle seiner berühmten Charaktere. Aus der erzählerischen Sicht des Freundes Dr. Watson werden hier mysteriöse Fälle wie 'Der Flottenvertrag' oder 'Der niedergelassene Patient' erzählt, als auch dramatische Morde wie in 'Silberstern'. Die Geschichte 'Das Musgrave Ritual' kommt gar etwas schauerlich daher. Dazu blickt der Freund und Doktor zurück und erzählt in 'Die 'Gloria Scott'' von Sherlocks erstem Fall in seiner Zeit als Student. Überraschenderweise packt der Schriftsteller in der Geschichte 'Der griechische Dolmetscher' den noch intelligenteren Bruder Mycroft Holmes aus, welcher aber gleichzeitig im Gegensatz zu Sherlock weniger zielstrebig ist. Diese elf Kurzgeschichten bieten nicht nur wunderbaren Lesestoff zum Mitgrübeln, sondern sind zugleich ein außergewöhnlicher Überblick der beeindruckenden Art, wie geschickt Doyle mit seinen bei den Fans so lieb gewonnenen Charakteren spielt. Und es bestätigen sich Aussagen, dass hinter kleinen Problemen oftmals die interessantesten Fälle verbergen, wenn auch die Lösung manchmal schon fast erschreckend simpel erscheint. Leider bietet die letzte Story nicht nur eine mehr abenteuerliche Handlung mit schach-ähnlichen Strukturen, sondern bildet auch ein Ende zu den Fällen des berühmten Detektiven. So war es zumindest vom Autor angedacht - heute weiß man ja, dass Doyle seinen beliebten egozentrischen Helden zurück kommen ließ...
86°

19.02.2010 22:31:45
jiangyuli

Die jungen Holmes Stories.Seheer guttt1+und wie imer einfallsreich+hi hi i hi HAHAHA
dIE memoiren des sherlock homes Coan
keneen
sie auch dc
detektiv coan coanconanvhukhvlhlhles ist iiimer fesss elnd und sopannedn zu verfolgeb wie das so ist
ja und moriartyund
wenn ichden fall
gerst gelöstecht
tollwieimmer sherlockholmes

16.11.2009 11:46:10
Stefan83

Eine Rezension zu den Sherlock Holmes Geschichten von Sir Arthur Conan Doyle zu schreiben, ist für mich mehr als eine schlichte Aufgabe, sondern vielmehr eine echte Herzensangelegenheit, sind es doch diese Geschichten mit dem größten Detektiv der Literaturgeschichte, die meine Begeisterung fürs Lesen entfacht haben und bis zum heutigen Tage zu den Juwelen meiner Sammlung zählen.

Nach "Die Abenteuer des Sherlock Holmes" ist "Die Memoiren des Sherlock Holmes" nun die zweite Kurzgeschichtensammlung, welche noch einmal mit elf grandiosen Erzählungen zu begeistern weiß und mit welcher der Autor in einem großen Finale seinen ihm damals so verhassten Helden zu entledigen suchte. Wie wir mittlerweile wissen vergeblich, da Sherlock Holmes, und damit ich verrate ich nicht zuviel, den Sturz in den Reichenbach Fällen der Schweiz überlebt. Und obwohl er in "Das leere Haus" dann schließlich auch seine Rückkehr feiert, ist es insbesondere die Tragik dieser letzten Geschichte "Das letzte Problem", welche nachhaltig zu berühren weiß und uns den so unnahbaren, aber doch herzensguten Detektiv ans Herz wachsen lässt.

Neben dieser Geschichte enthält der Sammelband noch folgende zehn:

Silberstern
Das gelbe Gesicht
Der Angestellte des Börsenmaklers
Die "Gloria Scott"
Das Musgrave-Ritual
Die Junker von Reigate
Der Verwachsene
Der niedergelassene Patient
Der griechische Dolmetscher
Der Flottenvertrag

Für viele Holmesianer und Sherlockians gehört diese zweite Sammlung samt ihrem Vorgänger zum Höhepunkt der Serie, da Doyle in diesen frühen Geschichten uns den ursprünglichen, rauschgiftsüchtigen Holmes präsentiert und der Autor seine Figuren inzwischen gut genug kennt, um ihr Zusammenspiel aufs Beste herauszuarbeiten. Er hat nicht nur die Balance zwischen Können und Routine gefunden, sondern kann nun auch mit einer gewissen Gelassenheit sein literarisches Werk verrichten, da der reißende Absatz des "Strand Magazine", in welchem seine Geschichten damals erschienen, ihm ein beruhigendes finanzielles Auskommen sichert. Ein Grundproblem bleibt für ihn dennoch: Stets neue, komplizierte Fälle zu erdenken, um Holmes\' Deduktionsfähigkeiten herauszufordern und den Leser fürs Miträtseln begeistern zu können. Um sich dabei nicht stets selbst zu wiederholen, greift Doyle hier auf mehrere Tricks zurück:

Ohne gravierende Veränderungen bei seinen Figuren vornehmen zu müssen (und dabei seine Leserschaft zu vergraulen), verändert er unter anderem die Erzählperspektiven und löst zum Beispiel Watson in der Geschichte "Das Musgrave-Ritual" von Sherlock Holmes ab, der diesen frühen Fall aus seiner eigenen Erinnerung heraus zum Besten gibt. Auch neue Charaktere wie Holmes\' Bruder Mycroft (in "Der griechische Dolmetscher") werden eingeführt, der, zuvor niemals erwähnt, aus der Versenkung auftaucht und damit gleichzeitig einen Blick auf die familiäre Seite des Detektivs erlaubt. Obwohl die Geschichte um den Übersetzer Melas, der im elitären Club Diogenes um Hilfe bittet, die Figur Mycroft für den Fortlauf der Handlung nicht braucht, ist Doyle mit ihr ein guter Wurf gelungen, der bis heute seine Wiederkehr in vielen Pastichés feiert. Völlig zu Recht, ist doch das Zusammenspiel der intellektuell gleichwertigen Brüder immer äußerst amüsant zu verfolgen. Besonders hervorzuheben ist auch die Geschichte "Silberstern", die nicht nur aufgrund des sehr originellen Aufbaus überzeugt, sondern uns auch das erste Mal an den Ort führt, wo der Detektiv später sein wohl bekanntestes Abenteuer erleben soll: Die sumpfigen Wiesen von Dartmoor.

Dennoch wäre dieser Sammelband einer ohne großartigen Höhepunkt, hätte Doyle nicht eben jenes bereits oben erwähnte, Aufsehen erregende Ende gefunden. Das Kräftemessen zwischen dem genialen Meisterdetektiv und dem "Napoleon des Verbrechens", Professor Moriarty, gehört zweifelsohne zu den großen Momenten der Literaturgeschichte und ist wohl auch Grund für die spätere weltweite Berühmtheit des Autors. Eine Geschichte, bei der ich auch nach der x-ten Lektüre wieder schlucken muss, ob des traurigen Watson, der am Ende über Holmes konstatiert: "Der beste und weiseste Mensch, den ich je gekannt habe."

Insgesamt ist "Die Memoiren des Sherlock Holmes" eins der ganz großen Werke der Kriminalliteratur, das die Magie eines lange vergessenen Zeitalters stets auf Neue zu versprühen vermag und jedem Freund intelligenter Detektivgeschichten ans Herz gelegt sei. Für immer unter den Besten meiner Sammlung.

28.07.2005 16:58:09
Barbara .h

Bei dem letzten Problem (das habe ich als hörspiel) hab ich geweint.
Ich liebe ja man kan fast sagen das ich ohne sherlock Holmes bücher cd filme u.s.w nicht mehr leben könnte. Ich weiß eigendlich zimlich viel immoment gestalte ich eine eigene hompage in der sehr viel über sherlock Holmes und den autor Sir ather conan doyle stehen wird.
wenn die fertigst sag ich euch die adresse da kommt auch so was wie nen forum rein. ^^

06.04.2005 18:26:31
Maria Rechenberger

Bei dem letzten Problem hätte ich fast um Sherlock Holmes geweint. Aber ich finde, dass Watson sich immer selten blöd anstellt. Kann ja auch sein das es nur so wirkt, weil Holmes so intelligent ist. Ich hab jetzt alle Bücher gelesen und ohne komm ich gar nicht mehr aus. Aber ich will sie auch kein zweites Mal lesen. Ich find es auch voll süß, dass (jedenfalls in meinen Büchern) Holmes und Watson sich nach so vielen Jahren immer noch siezen. In den neuen Übersetzungen ja nicht mehr. Eigentlich schade. Ich mag vor allem "der griechische Dolmetscher". Ach was, ich liebe alle Holmes-Bücher.

Maria

02.07.2004 22:44:45
Patrick

Es ist immer wieder fesselnd zu verfolgen, wie Holmes Fälle löst, meiner Meinung nach toppt "Das letzte Problem" alles was an Holmesgeschichten je erschienen ist.

05.06.2004 16:56:23
Kristin Schomacher

Hallo!
Die besten Fälle aus dem Buch sind meiner Meinung nach: Die Junker von Reigate, Der Flottenvertrtrag und der griechische Dolmtscher. Gruss Shirley

17.10.2003 16:53:37
Torsten Janssen

Die jungen Holmes Stories. Sehr gut und wie immer einfallsreich.