Kritik der mörderischen Vernunft

Erschienen: Januar 2009

Bibliographische Angaben

  • Berlin: Ullstein, 2009, Seiten: 544, Originalsprache

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Jochen König
Hirnforschung und Wissenschaftskritik

Buch-Rezension von Jochen König Dez 2008

Ein Killer, der sich "Kant" nennt, hat es auf Deutschlands führende Hirnforscher abgesehen. Als Kronzeugen für seine mörderischen Taten hat er sich den Wirtschafts-Journalisten Richard Troller auserkoren, der neben seiner Tätigkeit für das Magazin "Fazit" ein wenig erfolgreiches Buch mit dem Titel "Der Terror der Wissenschaft" veröffentlicht hat. Kant erkennt in ihm den scheinbar Gleichgesinnten und weiht ihn mit kryptischen Andeutungen in seine Pläne ein. Als Troller eine Mail erhält, in der Kant ankündigt "mit unserer praktischen Kritik" zu beginnen, ist er sich nicht sicher, was er davon halten soll. Doch als am nächsten Tag der anerkannte Hirnforscher Prof. Dr. Herbert Ritter ermordet und auf erniedrigende Art zur Schau gestellt wird, weiß Troller, dass Kant es ernst meint. Und Kant hat mit seiner mörderischen "Kritik" gerade erst angefangen.

Also ermittelt Troller in eigener Sache. Zuerst allein, später gemeinsam mit Lebensgefährtin und Kollegin Jane Anderson. Die weilt zu Beginn der Mordserie in London, um über den Fall des "Erlösers" Frederick McKinnock zu berichten, einen Altenpfleger, der der vielfachen aktiven Sterbehilfe angeklagt ist. Glücklicherweise fällt McKinnock nach einem missglückten Selbstmordversuch ins Koma, sodass Anderson Kapazitäten frei hat, um sich Trollers Jagd anzuschließen und gleichzeitig ein Auge auf den attraktiven Sun-Reporter Frank Teschemacher zu werfen. Kabale und Liebe in reinster Form. Denn Troller seinerseits liebäugelt mit der attraktiven Kommissarin Rita Graf. Im Gegensatz zu Jane bleiben seine Bemühungen platonisch. Wobei die vielfältigen Liebeshändel unsere findigen Journalisten nicht davon abhalten, auf die Spur der mysteriösen Firma Braintech zu stoßen. Die fungiert als Sponsor eines elitären Clubs, der sich nicht nur die Erforschung des menschlichen Gehirns zur Aufgabe gemacht hat, sondern nach manipulativen Möglichkeiten sucht, um per Gehirnkontrolle eine bessere Menschheit bauen zu können. Sollte zwischen der Verneinung des freien Willens und der Unterjochung des denkenden, aber unvollkommenen Menschen nur noch ein Killer stehen, der den altehrwürdigen Immanuel Kant nach seinem Gusto auslegt?

Hirnforschung und Wissenschaftskritik, ein seltenes Sujet im weiten Feld der Kriminalliteratur. Jens Johler wirft einen genauen Blick darauf, wirft Schlaglichter auf die Schattenseiten einer Ethik, die keinen moralischen Impetus mehr kennt. Nur das Mögliche zählt. Wenn es der guten Sache dient. Einer guten Sache, deren Inhalte von Geheimdiensten und multinationalen Konzernen diktiert werden. Erfüllungsgehilfe ist der "Club" genannte Verbund führender Wissenschaftler, williger Philosophen und Geldgeber, die so uneigennützigen Bereichen wie Softwareentwicklung und repressiven Regierungsabteilungen angehören. Im Schatten des 11. September 2001 scheint ein derartiges Schreckensszenario kein Ding der Unmöglichkeit mehr. Das düstere Bild einer entfesselten Wissenschaft, die sich alleine am Machbaren orientiert, für die die Manipulation des Gehirns nur eine Möglichkeit von vielen ist; die in vorauseilendem Gehorsam bereits intensiv testet, bevor die Frage nach Sinn, Verantwortung und Folgen gestellt werden, ist Jens Johler einprägsam und nachhaltig, trotz eines Hangs zum ausschweifenden Dozieren, gelungen.

Leider reicht ihm das nicht. Johler will mehr. Er möchte herkömmlicher Spannungsdramaturgie genügen, deshalb tritt der wenig glaubwürdige und meist im Hintergrund agierende Serienkiller Kant auf den Plan; er will Human Interest, und so darf Troller immer mal wieder mit seiner Tochter Sarah über Problemchen parlieren, ohne dass es auch nur ansatzweise in die Tiefe geht. Vor allem darf sich Herzchen Jane schier zerreißen zwischen ihrem bärbeißigen Troller und dem Sonnyboy Teschemacher, dessen Vorhandensein mit der literarischen Brechstange erzwungen wird. Die Geschichte des "Erlösers" McKinnock dient als bloße Klammer, um Jane und ihren kickboxenden Tarzanersatz Frank zusammenzuführen. Wie Janes Entscheidung am Ende aussehen wird, ist ziemlich schnell klar; immerhin gelingt es Johler dies lakonisch und mit grimmigen Witz aufzulösen.

Wobei nicht nur hier auffällt, dass ihm Troller als Figur wesentlich anschaulicher gelungen ist, als sein weibliches Pendant Jane Anderson. Selbst, wenn Johler den Standards mehr schlecht als recht gehorcht, behält der alte Grantler Troller seine Bodenhaftung. Wie er mit seiner Verhaftung und dem anschließenden Verhör als möglicher Tatverdächtiger umgeht, besitzt eigenwilligen Humor und Charme. Da ist sogar der naheliegende, aber recht platte Spiegelzellen-Kalauer in der Untersuchungshaft verzeihlich.

Man wird das Gefühl nicht los, dass Johler der Kraft seiner Ideen nicht traut und den Roman deshalb unnötig aufbläht. Da müssen die ach so beliebten Verschwörungstheorien her, die mit der Involvierung der CIA, russischen Schlagetots und Geheimgesellschaften beginnen, aber bei weitem nicht enden. Fast jeder vergebene Name ist doppeldeutig und von Fiktion oder Realität geprägt; seien es Laurenz Block, Pit Kern oder Piet von Dijk. Damit auch der unbedarfteste Leser erfährt, dass Letzterer sich von Peter Sloterdijk ableitet, wird im Nachwort extra darauf hingewiesen. Dieser Hang zur Besserwisserei und kalkulierter Raffinesse nimmt der Kritik der mörderischen Vernunft einiges von ihrer möglichen Wirkung.

Größter Schwachpunkt ist jedoch die Figur des Kant. Während der Ermittlungen kaum präsent, in der Auflösung wenig überzeugend (Freunde flinker Zauberei zünden jetzt eine Kerze für Hut und Kaninchen an), hat er seinen Namensgeber entweder nicht genau gelesen, oder Kants Schriften sind ihm ziemlich egal. Den kategorischen Imperativ lässt er aufgrund seiner mörderischen Taten jedenfalls geflissentlich unter den Tisch fallen. Dass es die kleine Tochter des eigentlichen Opfers zerfetzt, wird als Kollateralschaden abgehakt. Am Ende steht die schlichte These, dass auch der Gerechte manchmal Ungerechtigkeiten begehen muss, um der Wahrheit, Moral oder was auch immer zum Sieg zu verhelfen. Keine Spur von: "Handle nur nach derjenigen Maxime, durch die du zugleich wollen kannst, dass sie ein allgemeines Gesetz werde." Das ist dann doch etwas zu simpel für eine Geschichte, die sich vorher ausufernd darum bemüht hat, einen philosophischen Unterbau zu schaffen, der eben nicht nach der einfachsten Lösung strebt.

Johler hat sich auf glattes Parkett begeben, und er kommt nicht nur ins Rutschen, teilweise schlittert er Besorgnis erregend darüber, verliert mitunter den Überblick und gerät mächtig in Schieflage. Dass er nicht endgültig fällt, verdankt er seinem Geschick, einem äußerst spannenden Thema eigene und nachdenkenswerte Einsichten abzugewinnen. So bleibt die Kritik der mörderischen Vernunft trotz vorhandener Schwächen eine lesenwerte Kopfreise.

Doch was wäre wohl drin gewesen, wenn sich der freie Wille nicht populistisch ausgerichtet, sondern auf das Wesentliche konzentriert hätte ?

Kritik der mörderischen Vernunft

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Letzte Kommentare:
18.12.2010 21:51:17
Frank

Hat mir hervorragend gefallen.
Das Thema an sich war so interessant, dass ich die Stellen mit dem Mörder auch hätte überspringen können ;-).
Aber - auch der Kriminalfall an sich war nicht nur schmückendes Beiwerk. Wenn auch die Motivation des Täters mir etwas zu belanglos erschien. Da wäre etwas mehr Ausgewogenheit schön gewesen.
"Troller" ist auf alle Fälle eine Figur mit Potential - da werde ich auch eventuelle folgende Romane lesen.
85%.

10.12.2010 15:21:40
Chrisu

Wissenschaftler, die sich mit dem menschlichen Gehirn beschäftigen werden ermordet. Aber wer steckt dahinter? Der Mörder steht in Kontakt mit Troller, einem Wissenschaftsjournalisten, dem es wirklich gelingt, Licht in das ganze Geschen zu bringen. Ein Thriller, der in die Tiefe des freien Willens eines Menschen führt. Wie weit sind Menschen manipulierbar bzw. wirklich frei in ihrem Denken? Der wissenschaftliche Bereich des Denkens wird ziemlich starkt hervorgehoben, was für mich nicht immer verständlich war und dadurch eher dazu führte, einige Passagen zu überspringen. Ein guter Thriller für mich, aber kein Highlight.

19.07.2010 01:37:49
Marv

Jens Johler gelingt es mit seinem Roman ‚Kritik der mörderischen Vernunft‘ anders als bspw. mit ‚Gottes Gehirn‘ einen glaubwürdigen, spannenden „Wissenschaftsthriller“ zu schaffen. Grundsätzlich bin ich immer etwas skeptisch, wenn zwei unterschiedliche Bereiche (hier Hirnforschung/Ethik und Thriller) miteinander vermischt werden, da in der Regel entweder das eine oder das andere zu kurz kommt oder die Mischung gänzlich versagt. Johler gelingt es jedoch einen durchaus spannenden Thriller (mit einigen kleinen Schwächen) zu schreiben und diesen mit dem gegenwärtigen wieder aktuellen Wissenschaftsthema über Hirnforschung und die daraus entstehende Veränderung des Menschenbildes zu verbinden. Die wissenschaftlichen Passagen über Aspekte der Hirnforschung und die daraus entstehenden ethisch-moralischen Implikationen bleiben auch für Laien verständlich und sind im Umfang angemessen. Ein Buch, dass sich gut und flüssig lesen lässt und auch nach Abschluss der Lektüre noch lange einen Nachhall hinterlässt. Lediglich die Beziehungsgeschichte hätte man sich sparen können, da sie zur eigentlichen Story nichts oder nur sehr wenig beiträgt und somit in Summe überflüssig ist.
Dennoch ein empfehlenswertes und lesenswertes Buch.

27.08.2009 18:48:19
ESTRELLA

In das Buch wird gleich mit einem brutalen Mord an einem Wissenschaftler eingestiegen. Der Journalist Troller wird von dem Mörder, der sich selbst Kant nennt, kontaktiert. Während Troller mit einer anderen Journalistin versucht Kant zu stoppen, begeht dieser weiterhin bestialische Morde.Immer wieder wird Fachwissen zu Hirnforschungen und dem Philosophen Kant, von dem der Mörder seinen Decknamen hat, eingestreut. Dabei merkt man auch, dass der Autor ein gewisses Hintergrundwissen besitzt. Doch niemals werden die Informationen langweilig oder gar überflüssig.Die Spannung steigt durch das ständige Handeln von Kant, der mit dem Morden nie eine Pause macht, kontinuierlich und reißt nie ab. Die Erzählperspektiven wechseln sich ab, doch nach einiger Zeit greifen sie immer mehr ineinander über und der Leser begreift, dass hier alles miteinander zusammenhängt.Das Thema Moral in der Wissenschaft wird öfter aufgegriffen und einige interessante Denkanstöße werden gegeben.\'Kritik der mörderischen Vernunft\' ist ein anspruchsvoller, beängstigend realistischer Thriller, der sowohl Philosophie- als auch Wissenschaftselemente enthält.

13.08.2009 08:33:12
mase

Dieser eindrückliche Thriller hatte mich von der ersten Seite weg beeindruckt. Ich mag diese Art Schreibstil, bei dem der Leser in die stille Beobachterrolle schlüpft und alles nüchtern beobachten kann, ohne in die „Ich-Erzählperspektive“ schlüpfen zu müssen. Ist ein entspanntes lesen.

Die Themen Gehirnforschung und Philosophie sind schon sehr dominant, doch Johler gestaltet sie meist verständlich und interessant. Auch der Laie kann sehr gut folgen. Allerdings gibt es schon auch Passagen, die zu ausführlich und vor allem über zu viele Seiten am Stück ins Detail gehen. Auch die privaten Geplänkel fand ich (wie in jedem Thriller) nur störend. Es sollte verboten werden, dass Protagonisten liiert sein dürfen. Dazu noch die Vater-Tochter-Geschichte und die Seitensprung oder Nicht-Seitensprung-Affäre – das ist mir alles zuviel.

Ein wirklich interessantes Buch, aber für mich einfach im Ganzen zu trocken und zu ausschweifend. Etwas mehr „Thriller“ und dafür weniger Wissenschaft und Johler hätte mich mit seinem Schreibstil gewonnen. Würde man alles wissenschaftliche in diesem Buch auf ein Mindestmass reduzieren, dann befürchte ich, wäre es ein erbärmlicher Thriller geworden.

23.04.2009 17:09:18
koepper

Jens Johler hat mit seinem Wissenschaftskrimi ein sehr spannendes und innovatives Werk geschaffen.
Seine ausführlichen Exkurse in die Wissenschaft der Hirnforschung sind sehr informativ und beiten reichhaltige Ansatzpunkte für weitere Recherchen. Gut dass Johler im Nachspann des Buches Auskunft übder die Frage Fiktion und Realität gibt. Zu phantastisch und unglaubwürdig erscheint das Geschilderte. Erschreckend jedoch, wie weit die Wissenschaft inzwischen fortgeschritten ist und welche Möglichkeiten der Manipulation des menschlichen Hirns bereits genutzt werden.
Zwangsläufig schließen sich der wissenschaftlichen Betrachtung philosohische Fragen an. Was darf die Wissenschaft? Wie ist das mit dem freien Willen? Sind die geschilderten Eingriffe in den freien Willen des Menschen moralisch vertretbar?
Jens Johler gelingt es diese Exkursionen spannend zu führen und es gelingt ihm, dies mit einem spannenden Krimi zu verbinden. Das ist sehr ausgewogen. Auch das Private von Troller und Jane finden den richtigen Platz in der Geschichte.
Trotz der z.T. schwierigen Thematik gelingt es Johler durch seine sprachliche Fähigkeit, den Leser durch das Buch zu führen, ohne das an irgend einem Punkt zu Langeweile kommt. Er hat einen klaren, schnörkellosen guten Sprachstil.
"Kritik der mörderischen Vernunft" ist eines der besten Bücher, die ich in letzter Zeit gelesen habe. Bedingungslose Empfehlung!

18.04.2009 14:43:54
Sabine1980

Die äußerst anregende, wissensrelevante
Verknüpfung von aktueller Hirnforschung und den daraus resultierenden philoso-
phischen Gedanken und Fragestellungen
- ungemein spannend beschrieben am gruseligen Treiben eines Serienmörders -
ist ein absolut empfehelenswerter Thriller, nicht nur für Krimifans. Unbedingt lesen, im Bekannten- und Freundeskreis
diskutieren und weiterempfehlen!

04.04.2009 13:42:01
Scooter

Kritikder mörderischen Vernunft ist ein rasend spannender Thriller auf höchstem Niveau. Ich konnte das Buch kaum aus der Hand legen, nachdem ich einmal damit begonnen hatte. Die Figuren sind glaubhaft und sympathisch geschildert. Die Schauplätze stimmen. Und dass der Mörder sich "Kant" nennt und glaubt, im Sinne des Philosophen zu handeln, finde ich genial. Philosophie kämpft gegen Wissenschaft, das ist mal was Neues. Raffinierte Konstruktion, lebendige Figuren,eine immer wieder überraschende Handlung und ein gelungener Schluss! - 95*

30.03.2009 09:30:43
MightyJoe

Mal gibt es thematisch interessante Krimis, die in der Gestaltung der Figuren, im Aufbau und in puncto Glaubwürdigkeit zu wünschen übrig lassen, mal spannende Krimis, die man gleich wieder vergisst.
"Kritik der mörderischen Vernunft" jedoch vereint ein mehr als spannendes Thema mit Charakteren, die man gern kennenlernen würde, und Spannung bis zum intelligenten Finale, das Lust auf mehr macht.
Und dabei haut dieses Buch in Zeiten, in denen auf der Suche nach einfachen Lösungen der Biologismus um sich greift, mit harter Faust auf den Tisch – das aber mit klarem Kopf und offenem Herzen.

27.03.2009 14:36:01
Thomas T. Tompson

Johler hat es geschafft: Er hat mit "Kritik der mörderischen Vernunft" das Genre Wissenschaftsthriller zurück nach Deutschland geholt. Endlich ein Original mit allem Sprachwitz, Können und Eigenheiten der deutschen Sprache und keine Übersetzung. Ein Krimi der absoluten Spitzenklasse, der wohl bald ins Amerikanische übersetzt wird (eigene Prognose). Das allein wäre schon ein phantastischer Thriller.

Johler hat sich mit seinem Solo frei geschrieben, das tut dem schon aus Gottes Gehirn lieb gewonnenen Krimi-Duo Troller und Jane Anderson sehr gut: sie werden zu Personen aus Fleisch und Blut. Das macht Spaß. Die philosophischen Exkurse stören nicht, sie sind wohl gesetzte kurze Ruhe-Inseln im ansonsten den Leser um den Atem bringenden Spannungsfeuerwerk. Klare 99 Grad!

Die 100 halten wir uns offen, für die zu erwartenden weiteren Meisterwerke aus Johlers Geist und Feder.

25.03.2009 12:12:30
11mg

Ich bin ein Vielleser und finde es zunehmend schwierig einen guten Krimi/Thriller aus dem riesigen Angebot an Büchern zu finden. Aber als ich mir den Buchrücken durchlas, da dachte ich sofort: das Buch hat was einzigartiges!

Ergebnis: Weltklasse Buch!!

Das Buch sticht hervor durch eine sehr guten Mischung aus:

- spannende Grundhandlung
- sehr abwechslungsreich- persönliche Konflikte (Vater-Tochter-und Jane´sLiebesbeziehung)- interessante und bes. lehrreiche Rahmenhandlung (Hirnforschung/Philosophie/Medizin)
- faktenreich
- regt zum Nachdenken an
- trotz Fiktion sehr realitätsnah

Diese vielseitige Mischung an Handlungen/Themen zieht sich von der ersten Seite an durch das ganze Buch hinweg durch. Super!! "Double J" sollte man sich merken... :-)

24.03.2009 15:39:41
Sabine333

Ich bin durch einen Freund auf das Buch aufmerksam geworden, der Biologie studiert. Nach seiner Meinung ist es hundertpro korrekt recherchiert. Ich selber kann das allerdings nicht beurteilen. Soviel aber steht fest: Es ist spannend von der ersten bis zur letzten Seite. Und ich muss sagen, es ist erschreckend, was für Perspektiven sich aus der Hirnforschung ergeben. Hoffentlich kommt es nicht so weit.
Ich habe inzwischen auch Gottes Gehirn gelesen und bin jetzt von dem Autor vollkommen überzeugt.
Absolut empfehlenswert!

18.03.2009 17:21:48
sapkowski

Ich kannte Jens Johler bis jetzt noch nicht. Durch eine Leseprobe habe ich dann zum ersten Mal von diesem tollen Autor erfahren.

Das Thema des Buches ist sehr gut gewählt und top aktuell! Ich war sofort gefangen in diesem hochspannenden und sehr brisantem Buch.
Der Schreibstil ist sehr gut und detailiert. Die Worte sind passend gewählt. Durch Johlers fabelhaften Schreibstil wird die ganze Geschichte erst richtig lebendig.

Gut gefallen hat mir auch der Wechsel von der Perspektive Trollers in die Perspektive und Sicht des Mörders und wieder zurück.
Das Buch ist durchwegs spannend. Man merkt kaum wie die Zeit vergeht, so gefangen ist man in der Handlung.
Das Ende war sehr überraschend und unvorhergesehen.

Das Buch hat teilweise philosophische Züge und regt den Leser sehr zum Nachdenken an.
Ich kann dieses Buch nur jedem wärmstens ans Herz legen und werde auch alle weiteren Bücher von diesem wunderbaren Autor lesen.

13.03.2009 13:28:39
Bio-Fan

Man könnte sich jetzt seitenlang über diesen Roman auslassen, denn Jens Johler hat viel reingepackt, wissenswertes und sehr viel nachdenkenswertes, aber er hat auch darauf geachtet, die Krimispannung nicht zu vernachlässigen.
Die Reporter Anderson und Troller sind wieder im Einsatz, diesmal auf der Suche nach dem mysteriösen "Kant", der sich anschickt, bestimmte Wissenschaftler zu ermorden. Diese Koryphäen verbindet ein gemeinsames, tradiertes Weltbild, nämlich der Glaube, daß alles wissenschaftlich erforschbar und erklärbar ist, sogar die Denkprozesse des Menschen. Gefallen findet dieses Weltbild schon seit Jahrhunderten auch beim Grosskapital, denn die Linie - Wissen - Macht - Herrschaft - Kontrolle - Sicherheit - kommt ihren Bedürfnissen entgegen. Am Ende steht der kontrollierte, manipulierte, der "gläserne" Mensch.
Ich muß gestehen, daß ich die vielen Feinheiten, mit denen Jens Johler seine Figuren und seine Handlung ausstattet hat, glatt überlesen hätte, wenn ich nicht durch die Leserunde, die wir im KC-Forum zu diesem Buch durchgeführt haben, darauf aufmerksam gemacht worden wäre.
Das Ende der Geschichte hätte für meinen Geschmack ruhig etwas radikaler sein dürfen - so mit Knalleffekt!

85 Grad

12.03.2009 15:53:59
Marius

Johlers Roman besticht primär nicht durch seine Spannungsbögen sondern durch sein Fachwissen. Das Gehirn und die Gehirnforschung stellen den Mittelpunkt der spannenden Geschichte um den Journalisten Troller und seine Kollegin Jane dar. Diese beiden jagen einen Mörder mit dem promiskuitiven Namen "'Kant", der teils skrupellose Hirnforscher zu seinen Opfern auserkoren hat.
Hierbei ist der Schreibstil Jens Johlers in manchen Bereichen wunderbar humorvoll, in anderen anstrengend sachlich und faktenreich. So unterbrechen lange Ausführungen über das Gehirn leider die Suche nach dem Serienmörder, dessen Identität mir leider auch zu früh aufgedeckt wurde. So nimmt Johler dem Roman voel Spannung, deren Ende und Showdown leider auch nicht meinen Erwartungen entsprach. Trotzdem handelt es sich um ein spannendes Thema, welches der Autor in den Fokus seines Werkes gestellt hat!

18.02.2009 14:04:41
villawiebke

Angst kann einem schon überkommen, wenn man das zweite Buch um das Journalistenduo Troller und Jane Anderson liest. Bereits in seinem ersten Buch, übrigens da noch in Zusammenarbeit mit dem Sachbuchautor und Pädagogikprofessor Olaf-Axel Burow, beschäftigte sich der Autor Jens Johler mit der Forschung rund um das Gehirn des Menschen und der kritischen Rolle der Moral in Wissenschaft und Forschung. Ein Thema, dessen Vielfältigkeit wohl auch den Autor nicht zur Ruhe kommen lässt.

Ein Mörder treibt sein Unwesen unter den Hirnforschern. Sein selbstgewählter Name ist Kant, frei nach dem Philosophen Immanuel Kant. Aber nicht nur diesen hinterlässt er auf den Botschaften, die an den Tatorten gefunden werden, sondern auch Auszüge aus einem Buch, welches der Wissenschaftsjournalist Troller minder erfolgreich veröffentlicht hat. Aber das ist bei weitem noch nicht alles. Bereits nach dem ersten Mord an einem bekannten Professor, der sich mit der Erforschung der Spiegelzellen im Gehirn beschäftigt, nimmt er via E-Mail Kontakt zu Troller auf. Doch die Zeit wird knapp. Kant ist nicht zu stoppen und es geschehen weitere Morde.

Bei dem Versuch Kant zu finden und damit die Top-Story zu schreiben, finden Troller und die Kriminalreporterin Jane, immer neue Ansatzpunkte. Zunächst nehmen sie radikale Tierschützer ins Visier, die sich gegen Affenversuche stellen. Aber auch ehemalige Probanden, Gewaltverbrecher und Soziopathen, die von der Hirnforschung ins Unglück getrieben wurden sowie enttäuschte Kollegen, bleiben nicht verschont. Zuletzt wird sogar Troller selbst verhaftet. Doch der Mörder ist jemand ganz anderes und Troller ahnt nicht, dass er ihn schon lange kennt.

Nach der Lektüre des Buches war ich geschockt. Der Autor vollzieht in seinem Buch gekonnt eine Gratwanderung zwischen wissenschaftlicher Betrachtung und schriftstellerischer Fiktion, die erschreckend realistisch klingt. Obwohl ich bei weitem nicht alles verstanden habe, haben mir Wörter wie Gedankenkontrolle, Persönlichkeitsveränderung, Bewußtseinskontrolle oder auch Verhaltenssteuerung immer wieder einen Schauer über den Rücken gejagt und mich nachdenklich werden lassen.

Alles in allem ist "Kritik mörderischen Vernunft" ein hochinteressantes und sehr temporeich geschriebenes Buch über ein aktuelles Thema, das der Autor mit viel Liebe zum Detail recherchiert hat. Mit einer an Perfektion grenzenden Leichtigkeit gelingt es ihm, Spannung mit wissenschaftlicher Aufklärung und Philosophie zu verbinden. Ich kann dieses Buch nur jedem empfehlen, möchte aber die Leser unter uns warnen, die etwas zartbesaiteter sind.

13.02.2009 10:56:14
Weeth

Grandios

Jens Johler hat mit diesem Thriller ein wirklich lesenswertes und interessantes Buch geschrieben.

Der Wissenschaftsjournalist Troller, aus einem Alptraum aufgeschreckt, beschließt seine E-Mails zu lesen und findet eine mysteriöse Mail in seinem Postfach. Bald darauf folgen weitere Mails eines Mannes, der sich selbst Kant nennt, und bald schon seinen ersten Mord an einem Hirnforscher begeht. Die Jagd nach dem Mörder beginnt...

Jens Johler schafft es von Beginn an Spannung zu erzeugen und das Interesse des Lesers zu wecken. Die philosophischen und wissenschaftlichen Themen wurden verständlich übertragen und passen bestens in die heutige Zeit. Die Sprache ist rasant und mitreissend, die Figuren glaubhauft gestaltet.
Die Handlung ist übersichtlich und glaubwürdig, der Schauplatz gut gewählt.
Auch Covergestaltung und Titel können überzeugen und passen bestens zum gewählten Thema.

Ein wirklich toller Thriller, der nicht nur durch die Spannung, sondern auch durch die gut übertragenen, zeitnahen Themen überzeugen und gesseln kann

10.02.2009 09:59:10
subechto

Fantastisch! Das Buch ist genau nach meinem Geschmack.
Vom Grundgedanken her einer der spannendsten und interessantesten Thriller, die ich jemals gelesen habe: Wissenschaftsthriller gepaart mit ein bisschen Philosophie. Fiktion gemischt mit Fakten... klasse!

Wenn, ja wenn… wenn der Autor nicht unbedingt noch diesen Extra-Schuss Dramatik dazugefügt hätte. Die Gespräche der Journalisten mit den Forschern sind so interessant, dass man sich ständig fragt: gibt es das? Ist das alles wirklich schon möglich? Und dann kommt der nächste Hammer… und erinnert einen daran, dass es sich hier um keinen Tatsachenreport handelt, sondern um einen Roman.
Nebenbei habe ich auch sehr viel gelernt: über den Aufbau und die Funktionsweise des Gehirns, inklusive der medizinischen Fachausdrücke... sehr interessant!

Mit der Philosophie hab ichs allerdings nicht so... ist mir zu theoretisch, da ich eher ein praktisch denkender Mensch bin. Für mich wäre hier weniger entschieden mehr gewesen- aber ohne Zweifel ein sehr spannender Thriller. Und ein Autor, den ich im Auge behalten werde.

08.02.2009 12:40:35
HelgaR

Ein außergewöhnliches Buch, welches einiges bewirkt. Man ist sofort davon gefesselt, weil es eben keine 08/15 Geschichte ist und man fragt sich die ganze Zeit, wer wohl dahintersteckt. Es ist ziemlich erschreckend über die diversen Versuche zu lesen, außerdem macht es sehr nachdenklich, da es ja leider auch Realität ist.

Die fachlichen Abhandlungen über die Hirnforschung sind teilweise sehr langatmig, aber teilweise auch äußerst interessant, so dass man stellenweise sogar die Geschichte kurzfristig vergisst. Obwohl man ja einiges mitbekommt, was in der Forschung so alles vor sich geht, ist man dann doch von manchen Dingen sehr überrascht, weil man nicht vermutet hätte, dass sie schon so weit fortgeschritten sind, also doch sehr erschreckend.

Die Geschichte ist sehr gut aufgebaut, auch die Spannung kommt nicht zu kurz, der Mörder ist immer einen Schritt voraus. Die einzelnen Personen haben mir ausgezeichnet gefallen, nicht überkandidelt, sie haben zwar familiäre Probleme, aber nicht so extrem wie in manchen anderen Krimis. Obwohl es sich um ein schwieriges Thema handelt, hat sich Jens Johler sehr bemüht, es auch gut lesbar zu schreiben, bis auf ein paar Stellen, die mir etwas zu langatmig waren. Alles in allem aber ein gutes Buch, über welches man sich danach noch Gedanken macht, dazu trägt dann auch noch das Nachwort des Autors bei.

28.01.2009 12:58:15
Fiete

O Mann, dieses Buch hat mich umgehauen. Ein Wissenschaftsthriller, der intelligente Unterhaltung liefert - damit ist Johler völlig konkurrenzlos. Aber zugegeben, schon "Gottes Gehirn" und das "Rot der Rose" fand ich klasse. Alles ist bis ins Letzte recherchiert - und was mir wichtig ist, bei aller gnadenlosen Spannung: Man lernt viel bei der Lektüre.

19.01.2009 20:13:59
sunray

Sie haben sicher schon mal von Kant gehört und von Hirnforschung. Aber wer ist Kant und was tut sich in der Hirnforschung.
Wie sind die Zitate eines Journalisten an die Mordschauplätze gekommen? Wonach weden die Opfer ausgewählt? Spannung pur.
Ein Triller der Philosophische und Wissenschaftliche Aspekte herrlich vereinbart. Ein "Lehrreicher" und teilweise nachdenklich stimmender Roman der im Stil eines Dan Brown geschrieben wurde. Wer Dan Brown liebt sollte sich diesen Autor merken. Nur das erste Kapitel hätte man sich irgendwie sparen können.

18.01.2009 11:42:45
Sibylle Meyer

Es handelt sich um einen sehr gut recherchierten Thriller angereichert mit Philosophie, Hirnforschung und Ethik. Erst auf den letzten Seiten werden die Fäden zur Aufklärung zusammengeführt.
Stetig wird die Spannung weiter aufgebaut und dann auch gut gehalten. Immer wieder kommen neue Verdächtige hinzu, bei einigen ist nicht klar, auf welcher Seite sie stehen. Interessant sind auch die Hintergrundfakten zum Geflecht zwischen Forschung, Kapital und Macht.
Der Schreibstil ist flüssig, wissenschaftliche Fakten werden gut erläutert, so dass auch Laien diese nachvollziehen können.

Das Cover finde ich nicht so ansprechend. Im Regal wäre ich an diesem sehr guten Thriller vorbeigegangen.
Mir hat "Die Kritik der mörderischen Vernunft" sehr gut gefallen und ich kann das Buch guten Gewissens weiterempfehlen.

15.01.2009 15:17:33
stjerneskud

Philosophischer Krimi mit Hirn

Der Wissenschaftsjournalist Troller wacht aus einem Alptraum auf und ihm kommt in den Sinn, dass er seine E-Mails checken muss. Die eingegangene E-Mail will er schon als Spam abtun und löschen, aber dann ist er der Ansicht, dass niemand den Absendernamen „Kant“ ohne triftigen Grund verwendet. Außerdem spricht sie seine Neugierde an, weil er sich als Journalist mit Wissenschaft beschäftigt und sich für Philosophie interessiert. Als er die E-Mail öffnet, steht nur ein einziger Satz darin, aus dem er nicht so recht schlau wird. Nach einer zweiten E-Mail und nach einem Telefonat mit seiner Lebensgefährtin, der Kriminalreporterin Jane, beginnt er zu recherchieren. „Kant“ nannte den Namen eines Professors, der sich mit der Erforschung des menschlichen Gehirns beschäftigt und Versuche an Affen durchführte. Dieser Forscher wurde auf brutale Weise ermordet und dies ist erst der Anfang. Es geschehen weitere Morde und immer sind Wissenschaftler davon betroffen, die auf dem gleichen Gebiet forschen. Troller wird mehr und mehr in den Strudel der Ereignisse gezogen und gerät dabei sogar selber in Verdacht.

Das Buch sprach mich vom Thema her nicht sonderlich an und zunächst wollte ich es gar nicht lesen, aber dann wurde ich mehr und mehr in seinen Bann gezogen und las es innerhalb kürzester Zeit durch. Jens Johler war mir bis dato unbekannt und ich konnte nicht absehen, auf was ich mich einlassen würde. Auch hatte ich etwas andere Erwartungen. Ich war mir dessen nicht bewusst, dass der Wissenschaftsjournalist Troller und die Kriminalreporterin quasi dafür zuständig sind Licht ins Dunkel zu bringen. Stattdessen tritt die Ermittlerin der Polizei nur am Rande auf. In einer anderen Konstellation hätte mich der Thriller vermutlich noch mehr angesprochen. Mit meiner Vermutung wer hinter den Morden steckt lag ich falsch, aber es taucht eine Person auf, die etwas an sich hat, was einen aufhorchen lässt und mir verdächtig erschien. Für mich las es sich nicht so spannend, wie manch anderer Krimi, den ich gelesen und in einem verschlungen habe. Nichtsdestotrotz gefiel mir der mitreißende Schreibstil, der einen anhält weiter zu lesen und der einen das Buch nicht aus der Hand legen lässt, bis man zur Rätsels Lösung vorgedrungen ist. Außerdem erfährt man unsagbar viel, es ist ergreifend und regt zum Nachdenken an. Besonders gut gefiel mir die bildhafte Sprache, wie z.B. die Beschreibung der Wirklichkeit: „Sie gleicht oft einem Traum, der sich erst nach und nach zur Realität verfestigt wie Lavaschaum zu Bimsstein oder wie ein Schiff im Nebel, von dem du anfangs nur das dumpfe Tuten des Horns wahrnimmst, bevor die ersten schwachen Konturen sichtbar werden, die Positionslichter, das Steuerhaus, die Masten, der Bug. Aber ganz sicher, dass es kein Spuk ist, bist du erst, wenn das Schiff am Quai angelegt hat und du es betreten kannst“ (S. 20). Zum Schluss bleibt, meines Erachtens, die eine oder andere Frage offen, die leider nicht beantwortet wurde.

12.01.2009 16:26:31
Nicole W.

Der Titel von Jens Johler neuem Roman "Kritik der mörderischen Vernunft" ist eine Anspielung auf eines der Hauptwerke des Philosophen Immanuel Kant: "Kritik der reinen Vernunft".
Und um Philosophie geht es auch in diesem Kriminalroman. Aber nicht nur um Philosophie, sondern auch um Hirnforschung und generell um Wissenschaft und Ethik und Moral.

Ein Mörder, der sich selbst "Kant" nennt. Seine Opfer: Hirnforscher.
Das Motiv ist zunächst nicht klar. Geht es um die Tierversuche, die die Forscher im Rahmen ihrer Studien gemacht haben? Und wollen sich Tierschützer dafür rächen? Geht es um geheime Experimente am Menschen? Um wirtschaftliche Ziele? Oder geht es dem unbekannten Mörder doch um persönliche Ziele? Klar ist nur, dass er es wohl auf Wissenschaftler abgesehen hat und sich auf Werke und Aussagen des Wissenschaftsjournalisten Richard Troller bezieht, zu dem er auch Kontakt aufgenommen hat.
Troller und seine Freundin Jane geraten in eine interessante Geschichte aus diversen Verschwörungstherorien von Wissenschaftlern gegen die Menschheit.

Nach "Gottes Gehirn" ist "Kritik der mörderischen Vernunft" schon der zweite Fall des Journalisten-Duos Troller und Jane. Inhaltlich haben diese beiden Fälle jedoch nicht viel gemein und bauen nicht aufeinander auf, so dass man das zweite Buch auch problemlos ohne Kenntnis des ersten Buches versteht.
Sehr ausführlich sind die Beschreibungen der wissenschaftlichen Vorgänge und Ergebnisse aus der Hirnforschung, was ich persönlich sehr interessant fand. Und auch die eine oder andere kleine philosophische Auseinandersetzungen mit der Wissenschaft hat mir gut gefallen ([I]Darf Wissenschaft alles?[/I]). Allerdings mag das für den einen oder anderen, der nur eine spannende Geschichte lesen will, teils etwas störend und langatmig sein. Mich hat es jedenfalls nicht gestört. Im Gegenteil. An der einen oder anderen Stelle hätte es mich auch nicht gestört, wenn die Erklärungen noch ein wenig detailreicher gewesen wären, denn recherchiert hat Jens Johler auf jeden Fall sehr gut und ausführlich.
Auch die Charaktere konnten allesamt überzeugen und waren recht sympathisch. Ein wenig schade fand ich allerdings, dass man auf den Täter nicht von Anfang an selbst hätte kommen können, aber das tat der Geschichte an sich keinen Abbruch, dafür war es einfach insgesamt zu stimmig und spannend.

Ich würde "Kritik der mörderischen Vernunft" als einen gelungenen und vielleicht sogar etwas anspruchsvolleren Thriller bezeichnen und hoffe doch sehr, dass es noch einen dritten Fall für Troller und Jane geben wird.

29.12.2008 19:18:09
Manuela2205

Kritik der mörderischen Vernunft hinterlässt mich zweigeteilt.

Einerseits ist das Buch ein echter Pageturner, andererseits wird die Spannung immer wieder durchbrochen von philosophischen Haarspaltereien, die die Story nicht wirklich vorwärts bringen. Bestes Beispiel: Der philosophische Zirkel des Protagonisten Troller. Hier hatte ich immer das Gefühl in Langeweile zu ertrinken und war versucht, den Abschnitt einfach nur quer zu lesen.

Vom Thema ist dieser Thriller sehr eigenwillig und brisant:

Darf die Wissenschaft alles was sie kann? Was ist ethisch vertretbar? Inwieweit stößt die Wirtschaft/die Leute an der Macht die Forschung in die von ihnen gewollte Richtung und wer kontrolliert die Verwendung der Ergebnisse?

Eigentlich traurig, dass ein derart tiefgehendes und dramatisch aktuelles Thema in einen Krimi verpackt werden muss, damit sich der eine oder andere Gedanken darüber macht, was eigentlich in der Forschung passiert und welche Manipulationen am Menschen bereits machbar sind. Denn wenn die "Bild"-Zeitung solche Dinge in das Bewusstsein auch noch des letzten Menschen prügelt, ist das Kind bereits in den Brunnen gefallen!

Ein meiner Meinung nach gut recherchiertes Buch mit kleinen Durchhängern, aber absolut lesenswert.

29.12.2008 12:32:27
Helene

Gibt es gerechtfertigte Morde? Wo verläuft die Grenze der Wissenschaft/Medizin. Ist Wissenschaft wirklich bloß dazu da, das Leben des Menschen zu verbessern? Und welche Mittel darf man dazu einsetzen? Darf man für "einen guten Zweck" Stammzellenforschung betreiben? Hat der Mensch einen eigenen Willen? Das Buch bezieht sich auf teilweise sehr kritische und aktuelle, im Moment heiß debattierte Themen. Der Titel spielt meiner Meinung nach auf die Werke von Immanuel Kant an. Der Philsoph, der dem Mörder seinen Decknamen lieh, veröffentlichte im 18ten Jahrhundert "Kritik der praktischen Vernunft" und "Kritik der reinen Vernunft".

27.12.2008 17:28:43
Keksigirl

Philosophischer Wissenschaftsthriller vom Feinsten

Inhalt:
Der Wissenschaftsjournalist Troller wird ungewollt Teil eines mörderischen Plans, ein Mörder, der sich selbst Kant nennt, schickt ihm E-Mails und hinterlässt an den Tatorten Zitate aus Trollers Buch. Gemeinsam mit seiner Lebensgefährtin und Kriminaljournalistin Jane - die gerade einen eigenen Artikel über einen Mörder in London schreiben wollte - beginnt er Nachforschungen anzustellen. Schnell fällt der Verdacht auf eine Gruppierung von Tierschützern, da das Opfer ein bekannter Hirnforscher war und mit Affen experimentiert hatte. Doch als ein weiterer Hirnforscher, der keine Tierversuche durchgeführt hat, fast einem Anschlag zum Opfer fällt, kommen Zweifel an der Theorie auf. Troller und Jane sind sich aber sicher: Troller muss den Mörder kennen. Troller forscht weiter nach und kommt auf die Spur eines Clubs, der unfassbare Ziele verfolgt. Auch eine zwielichtige Firma die mit der CIA und dem Pentagon in Verbindung gebracht werden kann taucht immer wieder auf. Die beiden Journalisten geben nicht auf und bringen sich so bald selbst in große Gefahr...

Meine Meinung:
Die Covergestaltung des 533 Seiten unfassenden Romanes wirkt zunächst etwas langweilig, hat man dann aber das Buch gelesen ist sie absolut stimmig mit dem Inhalt. Wissenschaft und Philosophie verschwimmen in diesem Roman und bilden eine spannende Mischung, die Themen sind aktuell und interessant.
Der gut strukturierte Handlungsaufbau bewirkt eine gute Übersicht über das Geschehen. Der Schauplatz des Buches ist Berlin, aber aufgrund verschiedener Ereignisse führt einen das Buch auch nach London, Potsdam, Bremen und Frankfurt.
Geschildert ist das Buch in der 3. Person, aber man erhält Einblick in die Lebensweise aller Protagonisten und erlebt die Nachforschungen von seiten aller Beteiligter.
Die Sprache ist treibend und ansprechend, der Autor schafft es gleich von Beginn an den Leser zu fesseln und in den Sog des Buches zu ziehen. Die Stimmung wird zum Leser transportiert und die Spannung kontinuierlich aufgebaut, so dass am Ende aus einem Sog ein großer Strudel wird.
Ohne allzu viele Fachbegriffe wird dem Leser das Thema verständlich gemacht und durch persönliche Ereignisse der Protagonisten wirkt das Buch auch nie trocken oder langweilig.
Die gut recherchierten Hintergrundinformationen erzeugen ein schlüssiges und rundes Gesamtkomzept und lassen den Leser neue Seiten der Wissenschaft entdecken.
Die Protagonisten sind überzeugend dargestellt, Troller ist oft unzufrieden mit dem was er tut, ist aber trotzdem gewissenhaft und verantwortungsbewusst. Jane ist kess und liebt es Listen zu erstellen, um auch nichts zu vergessen. Die beiden ergänzen sich beruflich ideal und geben so ein sympathisches Ermittlerduo. Die privaten Probleme stehen zum Glück im Hintergrund und bilden nur einen Kontrast zum eigentlich Geschehen.

Fazit:
Ein wirklich gelungener Wissenschaftsthriller, der von viel Philosophie begleitet ist und in dem viele ethische Grundfragen wie Euthanasie und Hirnforschung aufgeworfen und besprochen werden. Das die Fakten - wie im Nachwort es Autors erwähnt - recheriert sind und somit fast alle der Wahrheit entsprechen, ist erschreckend und faszinierend zu gleich. Faszinierend, weil es unglaublich ist wie weit die Wissenschaft schon ist und erschreckend weil aufgezeigt wird, was damit alles angerichtet werden könnte.
Es handelt sich um ein Buch, das wirklich zum Nachdenken anregt und die Frage aufwirft, ob nun unser "Ich" oder unser Gehirn entschieden hat, dieses Buch zu lesen.

22.12.2008 12:47:31
sapkowski

Ich kannte Jens Johler bis jetzt noch nicht. Durch eine Leseprobe habe ich dann zum ersten Mal von diesem tollen Autor erfahren.

Das Thema des Buches ist sehr gut gewählt und top aktuell! Ich war sofort gefangen in diesem hochspannenden und sehr brisantem Buch.
Der Schreibstil ist sehr gut und detailiert. Die Worte sind passend gewählt. Durch Johlers fabelhaften Schreibstil wird die ganze Geschichte erst richtig lebendig.

Gut gefallen hat mir auch der Wechsel von der Perspektive Trollers in die Perspektive und Sicht des Mörders und wieder zurück.
Das Buch ist durchwegs spannend. Man merkt kaum wie die Zeit vergeht, so gefangen ist man in der Handlung.
Das Ende war sehr überraschend und unvorhergesehen.

Das Buch hat teilweise philosophische Züge und regt den Leser sehr zum Nachdenken an.
Ich kann dieses Buch nur jedem wärmstens ans Herz legen und werde auch alle weiteren Bücher von diesem wunderbaren Autor lesen

20.12.2008 17:03:49
Danai

Beängstigend realistisch


Ein Mörder, der sich selbst den Decknamen Kant gegeben hat, scheint es auf Wissenschaftler abgesehen zu haben, genauer: auf Hirnforscher. Durch die Hirnforschung sieht er den freien Willen des Menschen gefährdert und schreckt zu dessen Schutz auch vor brutalem Mord nicht zurück. Durch seine E-Mails an den Wissenschaftsjournalisten Troller macht Kant diesen zu einem ungewollten Teil der Mordserie. Troller bleibt nichts anderes übrig, als sich gemeinsam mit seiner Freundin Jane auf die Suche nach dem Täter zu machen.

Dieses Buch ist der zweite Roman um den Journalisten Troller und seine Freundin. Der erste Band erschien im Jahre 2001 unter dem Titel "Gottes Gehirn".

Jens Johler legt hier einen intelligenten und anspruchsvollen Thriller vor, der einem durchaus unter die Haut geht. Es ist nicht immer einfach Dichtung und Wahrheit auseinander zu halten. Und genau das macht den Reiz des Buches aus. Es scheint hervorragend recherchiert zu sein und ist nicht zuletzt auch deshalb beängstigend realistisch. Der Autor spielt virtuos mit den Ängsten seiner Leser. Wer würde sich nicht davor fürchten, durch und durch gläsern und manipulierbar zu sein? Gut, dass der Autor im Anhang noch einmal klarstellt, was Fiktion und was Wahrheit ist.

In diesem Roman wird ein sehr komplexes Thema verarbeitet und es ist kein Buch "für Zwischendurch". Es verdient, konzentriert gelesen zu werden, um auch tatsächlich alle Nuancen zu erfassen. Sozusagen gratis dazu bekommt man auch einen Einblick in die Welt der Philosophie.

Die Protagonisten sind glaubhaft und realistisch dargestellt. Sie handeln nachvollziehbar und wirken sehr sympathisch, weshalb ich hoffe, dass der Autor Troller und Jane noch weitere "Abenteuer" zugedacht hat. Die Handlung ist gut strukturiert und für mich gab es zu keinem Zeitpunkt einen Spannungsabfall.

Ich kann dieses Buch nur uneingeschränkt empfehlen.

19.12.2008 23:45:29
Stephi

„Der freie Wille ist eine Illusion.“ Dieser Meinung sind einige namhafte Neurowissenschaftler und Neuroethiker und planen die absolute Kontrolle des Menschen. Genau diese sind es auch, die in den Fokus des Mörders, der sich selbst den Namen Kant verleiht, rücken. Kant hinterlässt an den Tatorten Zitate aus einem Buch Richard Trollers, welcher als Wissenschaftsjournalist und Mitglied eines Philosophiezirkels mit den wissenschaftlichen und philosophischen Themen gleichermaßen vertraut ist. Außerdem scheint der Mörder unerklärlicherweise eine besondere Bindung zu Troller zu haben, da er sich ausschließlich mit ihm über E-Mails in Verbindung setzt und seine Taten zum Teil ankündigt.

Zusammen mit seiner Lebensgefährtin und Kollegin Jane Anderson geht Troller den Nachrichten ‚Kants’ auf den Grund und deckt nach und nach ein weit reichendes Netz von Korruption und Verschwörungstheorien auf. Dabei geraten sowohl Jane als auch Troller zunehmend in Gefahr...

Am Anfang des Buches stellte sich mir die Frage, ob philosophische Probleme und spannende Wissenschaftserkenntnisse eine gelungene Mischung und schließlich einen glaubhaften Thriller ergeben könnten. Nach dem Lesen bin ich nun davon überzeugt. Jens Johler schafft einen sehr gelungenen Spagat zwischen beidem und es gelingt im zusätzlich auch noch, die Spannung über das gesamte Buch hinweg aufrecht zu erhalten. Dies bewirken neben der interessanten und in meinen Augen sehr gut recherchierten Handlung vor allem die Kapiteleinteilungen. Johler wechselt immer wieder zwischen den Erlebnissen Janes und Trollers hin und her und „zwingt“ den Leser dadurch regelrecht zum Weiterlesen. Er nutzt die Spannung also optimal aus, um das Buch bestmöglich wirken zu lassen.

Das Verstehen der Sachverhalte ist nicht immer einfach, allerdings liefert Johler durch die einzelnen Charaktere des Buches immer Erklärungen zu genannten Begriffen oder Sachverhalten. Dies ist wichtig, da der philosophische Anteil des Buches, wie der Titel bereits vermuten lässt, natürlich recht hoch ist.

Bedingt durch die anspruchsvolle Thematik ist das Buch teilweise nicht ganz so flüssig zu lesen, wie es bei manch anderen Thrillern der Fall ist – aber man wird als Leser auf jeden Fall belohnt, denn man bekommt einen Einblick in die Welt der Wissenschaften, der einerseits zwar beängstigend, andererseits aber auch absolut faszinierend ist. Es zeigt sich einmal mehr, dass die Möglichkeiten schier grenzenlos sind – inwieweit man diese Möglichkeiten als Chance oder als Fluch ansieht, wird jeder Leser für sich selbst beantworten können und müssen. Tatsache ist aber, dass die Darstellungen Johlers, auch wenn das Buch an sich natürlich fiktiv ist, wissenschaftlich fundiert sind und auf verschiedenen wissenschaftlichen Vorträgen, Aufsätzen und Büchern basieren, wie er im Nachwort deutlich macht.

Negativ anzumerken ist an dem Buch für meine Begriffe nicht viel. Einzig die Beziehung Trollers zu Kant wirkte etwas unrealistisch auf mich – aber auch dies war nur im ersten Moment der Fall.

Insgesamt ist „Kritik der mörderischen Vernunft“ für mich ein sehr spannender Thriller mit einer hochinteressanten Thematik und einer absolut gelungenen Umsetzung. Es handelt sich definitiv nicht um ein Buch „für zwischendurch“, sondern ist anspruchsvoll und wird nach dem Lesen noch eine Weile in den Gedanken des Lesers verbleiben. Ich möchte das Buch ausdrücklich empfehlen.