Verflucht sei dein Name

Erschienen: Januar 2009

Bibliographische Angaben

  • Paris: Lafon, 2007, Titel: 'L'Ordre Noir', Originalsprache
  • München: Blanvalet, 2009, Seiten: 544, Übersetzt: Michaela Meßner

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Wolfgang Weninger
Lara Croft und Indiana Jones

Buch-Rezension von Wolfgang Weninger Dez 2008

Vorschusslorbeeren aus der Marketingmaschine der Buchverlage sind in den seltensten Fällen ein Anhaltspunkt für die Qualität eines Buches und das muss man auch bei dem im blanvalet-Verlag erschienenen Roman von Olivier Descosse L´ordre noir erkennen. In der Übersetzung aus dem Französischen von Michaela Meßner wird aus dem schwarzen Auftrag Verflucht sei dein Name, wobei ich auch nach 542 Seiten nicht klar erkennen kann, wessen Name in dieser unglaublichen Geschichte wirklich gemeint war.

Einer, der diesen Fluch verdient, ist Charles Vernon, der Vater unseres Romanhelden Luc Vernon. Erfolgreicher Anwalt mit Geld wie Heu hat er allerdings nie Zeit für seinen Sohn gehabt, der nun ebenfalls als Anwalt in der väterlichen Kanzlei arbeitet. Dass er dabei nicht unbedingt eine männliche Intelligenzbestie ist, beweist er gleich zu Beginn, als er auf einer Party von einer Hübschen aufgerissen wird, sie mit nach Hause nimmt und dort kriegt er nicht nur K.O.-Tropfen ab, sondern muss sich auch noch kunstfertig die halbe Haut vom Körper ziehen lassen. Was wie eine blutige Sado-Maso-Nummer endet, wird erst im Verlauf der Handlung klarer.

Zur gleichen Zeit liegt der Herr Papa inkognito in einer Klinik, weil er wegen eines unbekannten Erregers ins Koma gefallen ist. Aber er wacht zumindest noch so weit auf, dass er seinem Sprössling ein paar Geheimnisse mit auf den Weg geben kann. Den Rest muss der Sohnemann dann unter Einsatz seines Lebens herausfinden. Da wären zuerst einmal grauenhafte Kunstwerke von Folterungen, an denen sich schon der alte Adolf ergötzt hat. Kunstsammler von zweifelhaftem Rang sind hinter diesem Marterzyklus her und Luc muss erkennen, dass sein Vater für jemanden als Mittelsmann gearbeitet hat und in illegale Machenschaften verwickelt war.

Luc reist durch halb Europa und sammelt ein Puzzlestück nach dem Anderen, bis er auch wieder seine schnittsichere Nachtbekanntschaft trifft und sich mit ihr arrangiert, zur Klärung des Mysteriums gemeinsame Sache zu machen. Das Geheimnis liegt irgendwo im brasilianischen Dschungel, wo ein paar alte Nazis ihr eigenes Süppchen kochen und Luc mit Partnerin soll darin die Einlage werden ...

Mehr will ich von der unglaubwürdigen Handlung nicht verraten, damit eventuellen Lesern eine Spur Spannung erhalten bleibt, denn allzu viel davon kommt in der Geschichte ohnehin nicht auf. Während der Anfang noch auf eine tolle Story mit reichlich Action hinweist, verflacht die Erzählung zusehends in platte Artikulation und sinkt auf Indiana-Jones-Niveau ab. Hätte dieser Luc Vernon nicht so viel Kohle, könnte er seine dusseligen Manöver, bei denen immer wieder Leichen seinen Weg pflastern, längst nicht so akkurat ausführen. Besonders die Schilderungen, die in der Schweiz und im Benelux-Raum spielen, wirken stellenweise als hätte man sie aus dem Reiseprospekt abgeschrieben.

Dabei hätten Vernon und seine dschungelerprobte Security-Biene durchaus das Zeug, in einer Liga mit Clark Kent und Lara Croft zu spielen, aber das ideenlose Aneinanderreihen von Vater-Sohn-Klischees und Szenen aus der Sex and Crime-Ecke, gepaart mit Kunstdiebstählen, Mord und alten Nazibonzen, macht noch lange keinen guten Thriller. So wird die Handlung verschleppt und von Schauplatz zu Schauplatz wünscht man sich eine Straffung der Geschichte, damit die Tortur endlich ein Ende hat. Wenn der Autor beschreibt "Die Augen blickten leer, vom Alkohol abgestumpft, wie zwei erloschene Planeten" (S. 502), dann sind solche Plattitüden leider kein Einzelfall.

Verflucht sei dein Name hat in dieser Übersetzung den Charme eines Groschenromans, liest sich leicht und anspruchslos, und kann den amerikanischen Hau-Ruck-Autoren von der Klasse eines Douglas Preston oder Clive Cussler in keiner Weise das Wasser reichen. Wie ein Kritiker (laut Rückseite) dieses Machwerk als "genial!" bezeichnen kann, wird wohl jedem deutschsprachigen Leser unverständlich bleiben. Mehr als seichte Unterhaltungslektüre wird in diesem Roman von Olivier Descosse nicht geboten.

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