Der silberne Schwan

Erschienen: Januar 2009

Bibliographische Angaben

  • Bergisch Gladbach: Lübbe Audio, 2009, Seiten: 6, Übersetzt: Dietmar Bär
  • London: Picador, 2007, Titel: 'The Silver Swan', Originalsprache
  • Reinbek bei Hamburg: Rowohlt, 2010, Seiten: 415

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Jochen König
Gepflegter Schmöker, verschwendetes Potenzial

Buch-Rezension von Jochen König Dez 2008

Damit auch jeder zufällige Betrachter des Buchdeckels genau weiß, um wen es sich bei Benjamin Black handelt, prangt auf dem Cover des zweiten Romans um den Pathologen Gerriet Quirke ein verschämtes "John Banville alias...". So erledigt sich das Pseudonym, das Banville für seine Ausflüge in die Genre-Literatur wählte, von selbst.

Der Silberne Schwan spielt zwei Jahre nach den Ereignissen um Christine Falls (Nicht frei von Sünde). Quirkes Schwägerin und große Liebe Sarah ist gestorben, sein Stiefvater, der patriarchalische Ex-Richter Garret Griffin dämmert nach einem Schlaganfall seinem Tod entgegen. Das Verhältnis zu seiner Tochter Phoebe, zu der er sich viel zu spät bekannte, ist gespannt und komplexbeladen. Dass Quirke versucht vom Alkohol loszukommen, hebt seine Stimmung auch nicht gerade. So ist er voller schlechter Vorahnungen, als ein ehemaliger Mitschüler ihn um eine berufliche Gefälligkeit bittet. Billy Hunt möchte, dass sich Quirke der Leiche seiner Frau Deirdre annimmt, die augenscheinlich Selbstmord begangen hat. Den Gedanken an eine Autopsie kann Hunt nicht ertragen und Quirke soll Deirdre die Obduktion ersparen. Trotz eines mulmigen Gefühls verspricht Quirke zu helfen. Obduziert natürlich trotzdem, als ihm an den Todesumständen Deirdre Hunts Zweifel kommen.

Dabei findet er heraus, dass sie keineswegs ertrunken ist, sondern höchstwahrscheinlich ermordet wurde. Anstatt dieses Ergebnis seinem alten Weggenossen Inspektor Hackett mitzuteilen, ermittelt Quirke selbst und stößt auf den Schönheitssalon Silver Swan, den Deirdre unter dem Namen Laura Swan mit ihrem Kompagnon Leslie White betrieb. Zu allem Ungemach bandelt Phoebe gerade mit jenem windigen Leslie an, getrieben von Neugier und der Sehnsucht endlich ein eigenes Leben führen zu können. Quirke selbst lässt sich mit Whites Ehefrau ein und glaubt, bald dem Geheimnis um Deirdre Hunts Tod auf die Spur gekommen zu sein. Am Ende wird es weitere Tote geben und Quirke wird Inspektor Hackett seine schlüssigen Theorien unterbreiten. Doch er hat seine Rechnung ohne Benjamin Black gemacht, der noch einen bösen Clou in petto hat.

Auch in seinem zweiten Roman unter Pseudonym gelingt John Banville wieder eine stilistisch überzeugende Darstellung der miefigen 50er. So lässt er Quirke durch die Straßen eines wolkenverhangenen Dublins streifen, wirft Blicke in verräucherte Pubs, unpersönliche Wohnräume und Hinterzimmer, in denen geistiger und sexueller Missbrauch betrieben wird. Er konfrontiert seine Protagonisten mit den dunklen Seiten der Erotik, und widmet dem Tod als ständigem Begleiter eine depressive Elegie.

Leider zeigt Der silberne Schwan in fast allen anderen Belangen unübersehbare Schwächen. Während der Anfang mit dem hadernden Quirke und einer stringenten Einführung der Charaktere neugierig macht, bietet das Ende einen wirklich überraschenden Kniff, der Quirkes gewonnene Erkenntnisse in denkbar ungünstigem Licht dastehen lässt.

Doch die abgeschmackte Handlung um Liebeswirren, verhuschten Sado-Maso Sex, Erpressung und der ständigen Doppelung der Eskapaden Phoebes und Gerriet Quirkes, ist ein zähes Hin und Her, das weder einen besonderen Spannungsbogen aufweist, noch mit Konventionen des Genres geistreich spielt.

Erster großer Lapsus ist die Weigerung Quirkes seine Autopsieergebnisse und den daraus resultierenden Mordverdacht Inspektor Hackett und vor Gericht darzulegen. Die vermeintliche Rücksichtnahme einem Mann gegenüber, den er kaum kennt und mit dem ihn nichts verbindet, ist nicht besonders glaubwürdig, alleine, da Quirke sich zu diesem Zeitpunkt über Hunts Wunsch keine Autopsie vorzunehmen bereits hinweggesetzt hat. Genau so wenig überzeugt die geäußerte Begründung, dass Quirke sich sehnlich wünscht, die Dinge würden ohne Zutun ein gutes Ende nehmen. Dabei ist allzu offensichtlich, dass es sich bei diesem naiven Wunsch, um ein stilles Wunschgebet handelt, das Quirkes Unfähigkeit persönliche Beziehungen und Bindungen unbelastet eingehen zu können, betrifft.

Die Hintergründe der Geschichte Deirdre Hunts, ihre Begegnung mit der Welt des Sadomasochismus, die Entwicklung ihrer Beziehung zu dem seltsamen Geistheiler Dr. Kreutz ("den nur Frauen konsultieren") erfährt der Leser aus zahlreichen Rückblenden, während Quirke eher zufällig von einer Einsicht zur nächsten tapert.

So erhält man letztlich zwei Bücher: eines, das Deirdres Biographie beleuchtet und am Ende den wahren Täter offenbart, und eines, das Gerriet Quirke auf all seinen Irrwegen und dem Durchleben familiärer Dramen begleitet.

Black baut zu sehr auf seine sprachlichen Fähigkeiten und vernachlässigt darüber eine erzählenswerte Geschichte. Hier geschieht das, was Kritiker dem besseren Vorgänger bereits vorgeworfen haben: er nimmt das Genre Kriminalroman zu sehr auf die leichte Schulter, seine altbackene Story ist, neben dem stimmungsvollen Erzeugen von Zeitkolorit, ein Spiel mit Zufällen, das zwar kunstvoll betrieben wird, aber als Konstrukt auf wackeligen Beinen steht. Zu schematisch entwickelt sich die Handlung, zu blass bleiben vor allem die Nebenfiguren. Von denen besonders der fulminante Inspektor Hackett Potenzial für eine weiter gehende Beschäftigung besäße, doch meist zum bloßen Stichwortgeber degradiert wird.

Während der Beginn mit seiner geschickten Einführung der Figuren überzeugt, hängt der schleppende Mittelteil mit seinen selbstmitleidigen Protagonisten Quirke und Tochter Phoebe ziemlich durch. Erst der hinterlistige Schluss lässt auch die langwierigen Begebnisse um Deirdre Hunt/ Laura Swan, Dr. Kreutz, Leslie White, seiner Frau Kate und die sinnsuchenden Quirkes in anderem Licht erscheinen. Hätte Black diese Raffinesse dem kompletten Roman zugute kommen lassen, Der silberne Schwan wäre großartige (Kriminal)literatur geworden. So reicht es nur zu einem gepflegten Schmöker, dessen tiefgründige Ansätze allzu häufig im Morast egozentrischen Trübsinn-Blasens stecken bleiben.

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