Des Teufels Stimme

Erschienen: Januar 2008

Bibliographische Angaben

  • Syndey: Hodder Headline Australia, 2005, Titel: 'The devil´s companions', Seiten: 265, Originalsprache
  • Frankfurt am Main: Fischer, 2008, Seiten: 280, Übersetzt: Andrea Fischer

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Jochen König
In Ansätzen scharfsinnig

Buch-Rezension von Jochen König Nov 2008

Als der junge australische Polizist Greg Raine samt seiner Partnerin Nikki zu einem Einbruch ins Kloster St. Michael gerufen wird, ahnt er nicht, dass dieser scheinbar alltägliche Fall zum wichtigsten seines bisherigen Lebens werden wird. Zum einen wird er zurückgeworfen in seine Zeit als leidgeprüfter und traumatisierter Schüler der Klosterschule, zum anderen stoßen er und seine Kollegen auf eine Spur, die augenscheinlich auf eine spektakuläre Entführung hinweist, der einundzwanzig Jahre zurückliegt. Damals verschwand die dreijährige Anne Brennan in einem unbeobachteten Moment während der Christmette spurlos. Die Eltern der Kleinen sind der aufstrebende Politiker Adrian Brennan und seine Frau Judy, deren Popularität das Kidnapping zu einem Fall des öffentlichen Interesses werden lässt. Trotz intensiver Ermittlungen der Polizei, unter der Leitung von Gregs Vater Frank, wird Anne Brennan nicht gefunden.

Bis zu jenem Tag, einundzwanzig Jahre später, als Fingerabdrücke die junge Nonne Martha als das mögliche Entführungsopfer ausweisen. Überraschenderweise gibt es nur wenig Beifall, im Gegenteil, Nikki und Greg wird vehement davon abgeraten ihren begründeten Verdacht den Eltern mitzuteilen. Denn Adrian Brennan steht kurz davor Polizeiminister zu werden, und kein höher gestellter Beamter möchte ihm gegenübertreten, falls sich die neue Fährte als falsch erweist. Doch nahezu automatisch setzen sich Mechanismen in Gang, die Greg immer tiefer hinter die Kulissen dieses Vermisstenfalls führen. Dort erwarten ihn Schmerz, Tod und die wenig freudige Erkenntnis, dass kaum etwas so ist, wie es den Anschein hat.

Wenn man Des Teufels Stimme am Ende aus den Händen legt, kann man eigentlich nur indigniert die Augen verdrehen, aufgrund der abstrusen Wendungen und Enthüllungen, die das Buch bis zum Finale genommen hat. Andererseits wird man auch konstatieren können, dass man sich selbst bei dem unglaubwürdigen Humbug, den die zweiten Hälfte auffährt, spannend unterhalten hat. In Anbetracht des nachdenklichen, eigenwilligen Beginns ist dieses Ergebnis etwas mager und enttäuschend.

Besitzt der Roman mit dem gleichzeitig verunsicherten und zielstrebigen Greg Raine, sowie seiner Partnerin und Geliebten Nikki, ein unorthodoxes und entwicklungsfähiges Paar im Fokus der Geschichte. Beide sind mit Mitte zwanzig noch recht jung für gestandene Ermittler, was Misto vor allem bezüglich des männlichen Parts deutlich betont. Nikki ist die weitaus härtere und gefestigtere Bastion des dynamischen Duos. Aber genau das macht die Stärke des ersten Teils aus: jenen tiefen Graben aus Unsicherheit und anerzogenen Schuldgefühlen, in den sich Greg geworfen sieht, sobald er sich seiner ehemaligen Lehrerin Mutter Dominic gegenüber sieht. Fast macht er sich in die Hose, ein Fakt, auf den die Ordensschwester mit Blick auf Gregs Vergangenheit unbarmherzig eingeht. Hier erweist sich Misto als effektiver und stilsicherer Erzähler, dem es mit wenigen Skizzen gelingt, das Grauen einer repressiven Erziehung darzustellen.

Anstatt sich auf dieses Geschick zu verlassen, verlässt er aber die Pfade jenes Erzählstrangs und widmet sich immer mehr der Entführungsgeschichte. Gregs zeitweilige Inkontinenz spielt jedoch weiterhin eine Rolle, und dem geübten Leser wird schnell klar, dass er das auslösende traumatische Erlebnis zum Schluss hin offenbart bekommen wird. Mit etwas gutem Willen kann man all die Drehungen und Wendungen schlucken, die Des Teufels Stimme auffährt, innerhalb der Erzählung sind sie tatsächlich angelegt und bis auf wenige Details irgendwann zu erahnen. Hinterfragen darf man allerdings wenig. Nur ein Punkt - ohne allzu viel Inhaltliches zu verraten: Wieso hat bei einem derart spektakulären Fall, kein einziger Journalist seine Hausaufgaben erledigt und es mit Hintergrundrecherche versucht?. Die Aufdeckung eines Skandals wäre selbst dem Laufburschen des lokalen Tageblatts ein leichtes gewesen.

Um der Gerechtigkeit genüge zu tun, auch im hanebüchenen Ausklang des Buches ist bei weitem nicht alles schlecht. Misto gelingen in Ansätzen scharfsinnige Beobachtungen über die Fragilität von Beziehungen, in denen im Zweifelsfalle die Machtfrage entscheidender ist, als die der Liebe und Zuneigung. So befindet sich hinter einem Aufbau, der augenscheinlich einer simplifizierten Spannungsdramaturgie dient, einigermaßen ernsthafte Reflexionen über das Wesen des Menschen, und was Menschlichkeit ausmacht. Leider wird der bemerkenswerte Aspekt, der sich mit der negativen Pädagogik eines autoritär-klerikalen Erziehungssystems auseinandersetzt, ohne Konsequenzen fallen gelassen und das Schlussdrittel durch halbgaren Hokuspokus verunstaltet, der seine Leser leichtfertig unterschätzt. So ist Des Teufels Stimme eine vertane Chance, die Spielereien mit oberflächlichem Tand den Vorzug vor einem Tanz auf den scharfkantigen Klippen der bitteren Erkenntnis gibt.

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