Die Mörder von Sanleonardo

Erschienen: Januar 2009

Bibliographische Angaben

  • Mailand: Garzanti, 1976, Titel: 'Ombre sotto i portici', Seiten: 152, Originalsprache
  • München: Piper, 2009, Seiten: 217, Übersetzt: Sylvia Höfer
  • München; Zürich: Piper, 2011, Seiten: 217

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Wolfgang Franßen
Ottoecinquanta

Buch-Rezension von Wolfgang Franßen Nov 2008

Wenn ein Autor seinem Kommissar rät, doch einmal in Urlaub zu gehen, um seine Kolitis zu beruhigen, müssen die beiden ein inniges Verhältnis zueinander haben. Dem 1934 in Bologna geborenen Loriano Macchiavelli ist Strenge, gar Kälte seinen Figuren gegenüber nicht anzukreiden. Eher verbindet sie in ein persönliches Verhältnis, das nicht davor zurückschreckt, sich an sie zu wenden, sich gar als Mordverdächtiger vernehmen zu lassen.

Ein typisch italienischer Opernstaatsstreich droht. Die revolutionäre Seele Bolognas brodelt und versammelt sich im Theater Sanleonardo, um den Sturz der Regierung vorzubereiten. Was bei Staatsdienern wie Cesare Raimondi, Antonio Sartis Vorgesetzten, Empörung hervorruft. Wie kann es in seiner Stadt passieren, dass überall schöne, bunte von oben bis unten vollgeschriebene Plakate auftauchen, die sich an die Studenten, Arbeiter und Bürger richten, sie zum Ungehorsam anstiften sollen. Vor allem wie kann es geschehen, das offenbar niemand beobachtet hat, wer sie an die Wände gekleistert hat.

Wer Kommissar Antonio Sarti aus anderen Roman Macchiavellis kennt, weiß, dass Sarti nichts so leicht aus der Ruhe bringt. Selbst als der Mord an der alten, ehemaligen Vorbesitzerin eines Bordells entdeckt wird, scheint die Zubereitung eines Espressos weltbewegender zu sein, als das Senken der Kriminalitätsrate, obwohl ausgerechnet vier der Aufrührer der Umstürzler in den Mittelpunkt der Ermittlungen gerate, teils der besseren Gesellschaft zuzurechnen sind. Macchiavellis Serienheld Sarti denkt jedoch lieber an den Feierabend, hofft auf die Liebe. Es sind äußert beliebte Topoi, derer Macchiavelli sich bedient und mit Leichtigkeit spielt, als käme es ihm vor allem auf das Schmunzeln seiner Leserschaft an.

Doppeltes Spiel

Zwar ist dem Autor ein gewisser Charme im Umgang mit seinen Figuren nicht abzusprechen, allzu gerne bringt er sich selbst ein, ergreift der Erzähler das Wort und behandelt Sarti wie einen guten Freund, doch es hat etwas Betuliches, wie er die Handlung vorantreibt. Er geht sogar soweit Sarti zur zentralen Aktenhaltung zu schicken, um ihn erst einmal die eigene Akte durchforsten zu lassen:

 

So neige ich zum Beispiel zur Lüsternheit, verkehre mit gefährlichen Personen und in gefährlichen Kreisen, lese wenig qualifizierte Presseprodukte, schreibe unorthodoxe Texte, und vor allem muss man mich im Auge behalten wegen meiner Thesen zur nationalen und internationalen Lage.

 

Ein wirklicher Sog kommt nicht auf.

Einem Plätschern gleich folgt der Leser Sartis Roman Die Mörder von Sanleonardo. Die Geschichte bedrängt einen nicht, eher passt man sich Antonio Sarti an und denkt: Es wird nicht alles so heiß gegessen, wie es gekocht wird.

Auf der Piazza

Sarti ist der typische Flaneur, wäre als Streifenpolizist glücklicher. Niemand wird ihm verdenken wollen, dass er sich aus dem grellen Scheinwerferlicht des Verbrechens in den Schatten freier Tage zurückziehen will. Das Leben kann so hart zu einem sein. Und so spricht Macciavelli die Seele seiner Leser an: Mensch bleiben. Am Unglück dieser Welt sind andere Schuld.

Und wenn es einmal hart wird, wenn selbst ein Sarti dazu verdonnert wird, mit Helm und Schlagstock bewaffnet in einem Transporter auszuharren und auf einen Einsatz zu hoffen, um den aufgestauten Frust abzureagieren, dann kann man sich plötzlich vorstellen, wie unsägliches das Leben als Kommissar in Italien sein muss, wenn man sich keine Freiräume verschafft.

Macchiavelli nimmt sie sich, indem er mit dem Genre spielt und in Kauf nimmt, dass er im Seichten seine Geschichte ansiedelt. Am Ende werden wie bei Agatha Christie die Verdächtigen versammelt, und eigentlich ist alles ganz logisch. Ein kleiner Hinweis hier, eine korrupte Behörde da und ein Kommissar, der weiß, dass die Lösung schon zu ihm kommen wird.

Wenn auch nicht ganz im Schlaf.

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