Die Erfinder des Todes

Erschienen: Januar 2001

Bibliographische Angaben

  • London: HarperCollins, 2000, Titel: 'Killing the Shadows', Seiten: 422, Originalsprache
  • New York: St. Martin´s Minotaur, 2001, Originalsprache
  • Augsburg: Weltbild, 2003, Seiten: 542
  • München: Süddeutsche Zeitung, 2006, Seiten: 479, Bemerkung: SZ-Kriminalbibliothek; Band 32
  • München: Droemer Audio, 2002, Seiten: 5, Übersetzt: Judy Winter, Bemerkung: Regie: Sven Stricker
  • Bergisch Gladbach: Lübbe Audio, 2004, Seiten: 5, Übersetzt: Judy Winter, Bemerkung: Gekürzte Romanlesung. Regie: Sven Stricker
  • München: Knaur, 2005, Seiten: 540
  • München: Knaur, 2007, Seiten: 540

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Sabine Reiß
Absolut durchschaubar, aber nicht ohne Knalleffekt

Buch-Rezension von Sabine Reiß Mai 2003

Die Profilerin Dr. Fiona Cameron wurde schon in einigen Fällen von der Londoner Polizei zu Rate gezogen, das letzte Mal bei einem Fall von Vergewaltigung und Mord an einer jungen Frau. Mit Hilfe des von ihr entwickelten Programms zur geographischen Eingrenzung von möglichen Wohnorten der Täter unterstützt sie die Entwicklung von Täterprofilen. Im letzten Fall ist sie sich mit dem ermittelnden Polizeibeamten - ihrem guten Freund Steve - einig: Steves Vorgesetzte haben sich auf den falschen Mann eingeschossen. Der Prozess naht und ein Freispruch rückt in Reichweite. Die notwendigen Ermittlungen in andere Richtungen wurden natürlich gestoppt. Fiona schwört, sie wird nicht mehr mit der Londoner Polizei zusammenarbeiten. Um so lieber nimmt sie eine Einladung nach Toledo wahr, wo ebenfalls der Verdacht nahe liegt, dass ein Serienmörder sein Unwesen treibt.

Noch ist also wenigstens privat alles in Ordnung, als die kleine Gemeinde der Thriller-Autoren durch eine Nachricht erschüttert wird: Drew Shand, ein junger aufstrebender Autor wird ermordet. Fionas Lebensgefährte Kit Martin - Bestsellerautor von Horrorkrimis - ist schockiert. Drew Shand soll vor seinem Tod Drohbriefe erhalten haben. Als das zweite Opfer gefunden wird, glaubt die Polizei noch an einen Zufall und sieht keine Gefahr für andere Autoren. Doch dann verschwindet eine gute Freundin von Kit und Fiona erkennt: die Morde sind fast genau so vollzogen worden, wie in den jeweiligen Büchern der Schriftsteller beschrieben - grausam und brutal gefoltert und getötet nach einer Vorlage des Opfers. Durch ihren Hinweis kann sie die Polizei zur Leiche der verschwundenen Frau führen. Nun ist es offensichtlich: auch Kit ist in Gefahr...

Ach, was schreiben manche Kritiker über dieses Buch: billige Effekthascherei, das Motiv ist unglaubwürdig, ebenso die Auflösung etc. Wer will denn bitte bei einem Profiler-Roman realistische Beschreibungen? Wir alle können uns doch hoffentlich nicht in die Psyche eines Serienmörders hineinversetzen. Man weiß doch, worauf man sich einlässt, wenn man zu so einem Krimi greift. Meine Kritikpunkte sind ganz andere und von geringer Bedeutung für meine Bewertung.

Val McDermid zieht den Plot ein bisschen in die Länge, was allerdings der Spannung nicht schadet, sondern sie fast noch fördert. Es dauert sehr lange, bis die Figuren merken, wohin der Hase läuft, eben ein wenig zu lange für meinen Geschmack. Es müssen erst drei Schriftsteller umgebracht werden, bis die Drohbriefe ernst genommen werden. Dass einer der Handlungsstränge ins Leere läuft finde ich verständlich (eine Auflösung gibt es ja doch), dennoch hätte sich die Autorin in diesem Punkt ebenfalls ein wenig kürzer fassen können. Aber sicherlich will sie den Leser damit auf eine falsche Fährte locken, was ihr schlussendlich gelungen ist. Und last but least hält sie sich mal wieder nicht zurück, wenn es um die Beschreibungen der "Schlachtszenen" geht, anders kann man diese Grausamkeiten kaum titulieren, die sehr detailliert von ihr in Szene gesetzt werden, aber auch das ist nicht neu (ähnlich wie in "Das Lied der Sirenen").

Trotz der kleinen Längen war das Buch einfach spannend. Das Ende ist typisch, ein unrealistischer Showdown im Stil von David gegen Goliath, absolut durchschaubar im Ablauf, aber dennoch nicht ohne Knalleffekt. Ohne diesen hätte man vielleicht Anlass zu Kritik gehabt, aber Val McDermid schlägt einen gekonnten Bogen, der selbst mich als passionierten Krimileser überraschen konnte. Großes Lob dafür. Auch die Geschichte selbst kann mich begeistern. Endlich mal ein Serienmörder, dessen Motiv nicht sexueller Natur ist. Ich fand es recht einfallsreich von der Autorin, mal die eigene Zunft schriftlich zu ermorden. Und Fiona Cameron als Charakter hat eindeutig das Zeug zur Serienfigur.

Wer Spannung, Thrill, Grausamkeit und solide Unterhaltung erwartet, der ist mit "Die Erfinder des Todes" bestens bedient. In meiner Val McDermid-Hitliste steht das Buch recht weit oben, rangiert aber auf jeden Fall nach "Ein Ort für die Ewigkeit", was für mich noch unübertroffen ist.

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