Dantes Geige

Erschienen: Januar 2008

Bibliographische Angaben

  • Madrid: Ollero & Ramos, 1999, Titel: 'Stradivarius penitente', Originalsprache
  • München: Deutsche Verlags-Anstalt, 2008, Seiten: 409, Übersetzt: Sabine Giersberg

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Eva Bergschneider
In den Fußstapfen der großen südamerikanischen Literaten

Buch-Rezension von Eva Bergschneider Nov 2008

Dantes Geige (im Original Stradivarius penitente, die reuige Stradivari) ist das erste Buch der Chilenin das in Deutsch veröffentlicht wurde. Vier krimiähnliche Romane und eine Salvador-Allende-Fotobiographie veröffentlichte die Autorin bereits in ihrer Heimat, die Literaturliebhaber vor allem mit Isabel Allendes populärem Werk Das Geisterhaus verbinden.

Diebstahl einer berühmten Geige

Tejas Rojas, ein Dorf im Norden Chiles, wird Schauplatz eines spektakulären Raubes: Die berühmte Conde Fosca, eine Geige des großen italienischen Geigenbauers Stradivari, wird aus dem Museum gestohlen. In der Nacht des Raubes bezahlt der schwer kranke Antiquitätenhändler Muencke einhundertfünfzig tausend Peso für eine Geige (ob es sich um das Diebesgut handelt, bleibt offen) und lässt sie unauffindbar in seinem Sortiment verschwinden. Weder die Polizei, noch seine im Haus lebende Krankenschwester Mireya werden auf der Suche nach dem Streichinstrument fündig.

Ein Fremder in der Stadt

Der Privatschnüffler Emilio Rastelli forscht akribisch nach dem Verbleib der Conde Fosca und versucht alles, um an Insiderinformationen zu kommen. Der Detektiv befreundet sich mit den zwei Dorfbewohnern, die ebenfalls ein massives Interesse an dem Instrument haben. Die Pflegerin des Antiquitätenhändlers wünscht sich eine Zukunft als geachtete Dame und plant für ihr neues Leben, wenn Don Agustin sie nicht mehr braucht. Amador Román schreibt einen dokumentarischen Roman über den Geigenbauer Stradivari, den er über sich selbst im Purgatorium erzählen lässt. Der Apotheker beschreibt den Weg einer Geige durch die Geschichte, deren verhängnisvolle Aura in die Gegenwart auszustrahlen scheint.

Eingängige Worte und Emotionen

Kurios sind die zahlreichen Fußnoten in Überlänge, die gefühlt mindestens ein Drittel des Romans ausmachen und manches nicht wesentliche, aber pikante Detail enthüllen. Darüber hinaus besticht Alejandra Rojas, wie viele ihrer südamerikanischen Autorenkollegen, durch einen lakonischen, direkten Stil.

 

In seinen Invalidenarmen war die Geige ein so absurder, übertriebener Luxus, wie ein Cabrio für eine Hausfrau, oder eine bildschöne Frau für einen impotenten alten Mann. Die Erhabenheit der Geige ließ seine eigene Unfähigkeit umso deutlicher hervor treten"

 

Schnörkellos und schroff schreibt sie über die großen und kleinen Schwächen der Menschen, die in Dantes Geige im Mittelpunkt stehen.

Muencke ist homosexuell und hat nach einer fatalen Beziehung zu einem Meistervirtuosen den Traum aufgegeben, selbst ein großer Geiger zu werden. So schlägt er sich mit Täuschungen durch, um das zu erledigen, was ihm noch wichtig ist. Hinter seinen rauhen Worten verbirgt Muencke eine zärtliche Verbundenheit zu Mireya, der er mehr als nur Pflege abverlangt. Für ihre Treue und Fürsorge möchte er sie mit einem glücklichen Leben belohnen. Ein Hauch von Leidenschaft und die Gewissheit, sich nicht unterkriegen zu lassen, versüßt dem Don Agustino seine letzten Tage. Auch hinter Rastellis und Románs Handeln stecken tiefgründigere Motive, als es zunächst den Anschein hat. Dennoch treten sie hinter der Präsenz des zweiten Hauptprotagonisten Antonio Stradivari zurück.

Der Weg der Conde Fosca

 

Es erschien mir gerecht, dass ich die Last meiner Instrumente während eines langen Lebens tragen musste, aber muss ich sie auch noch nach meinem Tod tragen? Tausendeinhundertzehn Streichinstrumente, habt Mitleid!

 

Der Apotheker des Ortes lässt den berühmten Geigenbauer das Schicksal der Conde Fosca im Fegefeuer Revue passieren. Stradivari reflektiert humorvoll und selbstironisch die Zeitgeschichte seines Instruments bis in die Moderne. So rahmen faszinierende Geschichten um gescheiterte Musiker z.b. während der Inquisition, der Zeit Karl IV von Spanien oder des frühen 20. Jahrhunderts in Wien die Haupthandlung dieses Romans ein.

Kein spannender Krimi, dafür solide südamerikanische Prosa

Ist Dantes Geige ein Krimi? In der Kernhandlung hat der Leser es mit dem Raub einer außergewöhnlichen Geige zu tun, dessen Ausübung und Hintergründe von einem Detektiv ermittelt werden. Im Mittelpunkt stehen allerdings die Sehnsüchte und Leidenschaften der Protagonisten, die Liebe, die Einsamkeit und der Tod.

Spannung, wie man sie in einem Krimi erwartet, bietet der Roman nicht. Vielmehr präsentiert die Autorin mit liebevollem Augenzwinkern und staubtrockenem Humor Charakterstudien und chilenisches Lebensgefühl. Dantes Geige könnte man in die Schublade Historien- oder Gesellschaftroman stecken, oder einfach als ein inspiriertes Werk lateinamerikanischer Belletristik betrachten.

Den Biss und die Leidenschaft, den der Leser von anderen Autoren aus ihrem Kulturkreis kennt, erreicht die Autorin nicht ganz. Man darf gespannt sein, wie sich Alejandra Rojas in dem stark besetzten Feld der südamerikanischen Literaten behaupten wird.

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