Die schwarzen Minuten

Erschienen: Januar 2008

Bibliographische Angaben

  • Mexiko, Barcelona: Mondadori, 2006, Titel: 'Los minutos negros', Originalsprache
  • Bergisch Gladbach: BLT, 2008, Seiten: 493, Übersetzt: Barbara Mesquita

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Thorsten Sauer
Ein bemerkenswertes Debüt für geduldige Leser

Buch-Rezension von Thorsten Sauer Aug 2008

Mexikanische Krimiautoren gehören hierzulande nicht gerade zu den Dauergästen in den Bestsellerlisten. Einzig Paco Ignacio Taibo II dürfte einem breiteren Publikum bekannt sein. Völlig zu unrecht, wie insbesondere der eben erwähnte mit mehreren Büchern bewiesen hat, die neben einer spannenden Geschichte auch immer mit neuen Erzählweisen und frischen Ideen glänzen. Umso erfreulicher ist es, dass es mit Martin Solares ein junger mexikanischer Autor (Dank der Übersetzung von Barbara Mesquita) mit seinem Debütwerk in die deutschen Buchläden geschafft hat.

Ein mexikanischer Cold-Case

Der Polizist Ramon Cabrera, auch bekannt als El Maceton (der Dickschädel), ist nicht gerade begeistert davon, dass ihm sein Polizeichef Ermittlungen im Mordfall an einem Journalisten überträgt. Eigentlich ein einfacher Job, da es nur um ergänzende Ermittlungen geht, schließlich konnte in einer Blitzaktion bereits ein Verdächtiger festgenommen werden, der alle Voraussetzungen erfüllt, um für lange Zeit hinter Gitter zu wandern.

Doch bereits nach kurzer Zeit beginnt Cabrera die Frage umzutreiben, was ein aufstrebender Journalist in einem verlassenen Nest wie Paracuan zu suchen hatte und er entdeckt, dass der Tote an einer Story arbeitete, die jahrzehntelang von genauso einflussreichen wie korrupten Männern vertuscht wurde. Nichts ungewöhnliches für Mexiko und erst recht nicht für den erfahrenen Cabrera, wenn es dabei nicht um eine der grausamsten Mordserien Mexikos ginge.

Zwei durch Korruption verknüpfte Fälle

Ein Krimi mit ausführlichem Inhaltsverzeichnis und sogar noch umfangreicherem Personenverzeichnis zu Beginn, verheisst normalerweise nichts Gutes. Vor allem dann, wenn es eine verworren geratene Geschichte kitten und für blasse Charaktere als Nachschlagehilfe herhalten soll. Beides trifft auf Solares´ Debütwerk jedoch glücklicherweise nicht zu, auch wenn seine Geschichte dank verschiedener Zeitebenen und Erzähltechniken nicht gerade einfach aufgebaut ist. Im ersten Teil verfolgt der Leser zunächst El Maceton, der mit zunehmendem Interesse den Tod des Journalisten klären will. Er findet Hinweise auf eine zwanzig Jahre zurückliegende Mordserie und - als Höhepunkt - die Aufzeichnungen des Journalisten. Im zweiten Teil erfolgt ein Zeitsprung und der Leser kann die Ermittlungsarbeit des Polizisten Rangel zwanzig Jahre zuvor verfolgen. Hier lässt Solares immer wieder Abschnitte einfliessen, die den Aufzeichnungen des Journalisten entstammen, wodurch sich ein interessanter Blick und häufig erst im Nachhinein die Erklärung einiger Zusammenhänge ergibt.

Es gibt viele Parallelen zwischen den Ermittlungen Rangels und Cabreras und das liegt nicht nur an den Verbindungen zwischen den Mordfällen. Beide Ermittler sind nicht besonders beliebt und kämpfen auf ihre ganz eigene Art einen aussichtslosen Kampf gegen die allgegenwärtige Korruption, die nicht nur in Paracuan zur Selbstverständlichkeit geworden zu sein scheint, sondern bis in die höchsten Kreise von Mexiko City reicht. Offensichtlich interessierte sich Solares auch hauptsächlich für diesen Teil seines Romans. "Actionreich" und "vor Spannung vibrierend" - wie es der Klappentext verspricht - wird die Erzählung erst auf den letzten einhundert der rund 550 Seiten.

Dennoch sind auch die vorangegangenen Seiten höchst lesenswert und weit davon entfernt langweilig zu sein, gelingt es Solares doch, mit vielen kleinen Episoden aus dem Polizeialltag der beiden Ermittler ein ungeheuer vielschichtiges und lebendiges Bild von Mexiko zu zeichnen.

Der Bogen vom kleinen (und fiktiven) Paracuan hin zur großen Politik in Mexiko City gerät Solares zwar ein wenig abrupt und es wäre schön gewesen, hätte er seinem Roman eine Straffung - und damit die Vermeidung einiger Längen - verordnet, aber sein Schlaglicht auf das vergangene und gegenwärtige Mexiko enthält genügend spannende Lesemomente und mit Rangel und Cabrera lässt er zwei Ermittler agieren, die erfrischend anders sind, als das was man von durchschnittlichen Polizeikrimis gewohnt ist.

Damit ist Die schwarzen Minuten eine klare Empfehlung für jene, die sich von einem Krimi mehr erhoffen, als gehetzte Ermittlungen und Wendungen im Minutentakt. Alle anderen werden auf den letzten einhundert Seiten für ihre Geduld belohnt, so dass auch hier eine bedingte Empfehlung ausgesprochen werden kann, allerdings sollte man sich dennoch keinen Pageturner erwarten.

Hoffentlich hat Solares noch viel zu erzählen von den eher weniger bekannten Seiten Mexikos und hoffentlich schaffen es seine zukünftigen Bücher wieder auf den Schreibtisch von Barbara Mesquita.

Die schwarzen Minuten

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Letzte Kommentare:
05.10.2013 23:39:35
uknig

Das erste Lob verdient der Autor, dass er auf den ersten Seiten eine Übersicht über alle Charaktere gibt. Denn bei den ganzen El Macedons, El Travoltas oder El Evangelistas verliert der Leser schnell die Übersicht. Es ist ein packendes Buch, unheimlich vital, mit interessanten Charakteren und fast nie langweilig, ein interessanter Einblick in die mexikanische Gesellschaft.
Die Geschichte ist manchmal etwas vertrackt, der Zeitensprung in die 70er ist etwas erklärungsbedürftig. Und auch die Auflösung der Mädchenmorde ist ein wenig enttäuschend. Aber das sind nur Marginalien – der kraftvolle Schreibstil kompensiert die kleinen Schwächen.