Der Fahrer

Erschienen: Januar 2008

Bibliographische Angaben

  • New York: Vintage, 2003, Titel: 'The Getaway Man', Originalsprache
  • Reinbek bei Hamburg: Rowohlt, 2008, Seiten: 224, Übersetzt: Georg Schmidt

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Jochen König
(K)ein Vergleich mit Sallis´ <cite>Driver</cite>!

Buch-Rezension von Jochen König Jul 2008

Eddie ist Fahrer. Mit Leib und Seele. Autos interessieren ihn nur als Mittel zum Zweck; sein Sein, sein Wesen ist die Bewegung, fahren, unterwegs sein. Pendelnd zwischen Jugendknast und Pflegefamilie bestimmt sich sein Schicksal vor: er wird Fluchtfahrer. Erst von Amateuren, Kleingangstern, die selbst einfachste Coups versauen, dann eine Nummer größer, und als auch das mit einem Gefängnisaufenthalt zu Ende geht, befördert er endlich richtige Profis des Verbrechens, die einen Plan haben und ihn auch auszuführen wissen. Loyalität ist Eddies größte Schwäche, was der coole Gangster J.C. und sein Kumpel Gus wohl zu schätzen wissen. Sie nehmen Eddie unter ihre Fittiche und machen mit dem ein oder anderen Coup gutes Geld. Alles könnte super laufen für Eddie, wäre da nicht Vonda, die Freundin seines Bosses, die ihr eigenes Süppchen kocht und den mental mehr als leicht defizitären Fahrer in ihre Belange mit hineinzieht. Armer Eddie...

Wenn James Sallis´ Driver die Stadt ist, steht Andrew Vachss´ Fahrer für die tiefste Provinz. Denn sein Eddie ist ein Simpel reinster Provenienz, ein Einfaltspinsel mit einer besonderen Begabung, die ihn für gewisse Kreise interessant werden lässt. Wäre der "Rainman" Dustin Hoffman nicht ein paar Tage zu alt, würde er sich geradezu für eine mögliche Verfilmung anbieten. Das der Rowohlt-Verlag dank der deutschen Titelgebung einen Vergleich mit dem James Sallis-Roman provoziert, ist kein glücklicher Schachzug (und ungerecht Vachss gegenüber, dessen The Getaway Man bereits zwei Jahre vor Sallis´ Drive erschien). Denn dabei kann Der Fahrer nur verlieren.

Vachss hat nämlich ein Riesenproblem durch die Gestaltung seines Protagonisten. Während der als reiner Tor durch die Handlung stolpert, weiß der gewiefte Leser alsbald wie der Hase laufen wird. Und das es keinerlei Abweichung vom einmal eingeschlagenen Weg gibt, kann man positiv als Zwangsläufigkeit definieren, ist aber andererseits in seiner Vorhersehbarkeit ziemlich langweilig. Vor allem da Vachss nicht mit ausgefeilten Charakteren arbeitet, sondern mit Typen und Situationen, die teilweise so alt sind wie das Genre selbst. Von der Schilderung der Gefängnisaufenthalte, über die durchgeführten Verbrechen, den kleinen Gaunern mit dem großen Maul und dem noch größeren Herzen, bis zum coolen Gangster und seinem brutalen Kompagnon - alles riecht nach verbrauchtem Motorenöl der Fünfziger.

Dazu passt auch die exponierte Stellung des Robert Mitchums Films Kilometerstein 375 (Thunder Road) - der interessanterweise auch im Driver hervorgehobene Erwähnung findet - und natürlich des James Dean-Klassikers "Denn sie wissen nicht, was sie tun". Nicht zuletzt verweist die Femme Fatale Vonda natürlich, wie der Originaltitel The Getaway Man schon andeutet, in Richtung Jim Thompson. Und als Hommage an Thompson ist der kurze Roman auch halbwegs goutierbar. Mit der Einschränkung, dass Thompson vor über fünfzig Jahren Konstellationen wie sie sich im Fahrer finden lassen, wesentlich prägnanter, mitreißender und logischerweise originärer umgesetzt hat (bspw. in "After Dark My Sweet" oder A Hell Of A Woman). So bleibt Der Fahrer ein einigermaßen kurzweiliges Intermezzo, bevor man sich wieder wichtigeren Dingen und Büchern zuwendet.

PS.: Ich weiß nicht, ob es zu Lasten Andrew Vachss´, oder seines eigentlich fähigen Übersetzers Georg Schmidt geht: Sorgten früher die altertümlichen Ausdrücke "droben" und "drunten" für nicht immer freudige Aufmerksamkeit bei der deutschen Lektüre seiner Bücher, darf sich im Fahrer die Präposition "dadrin" einer überflüssigen Renaissance erfreuen. Was dazu führt, das man sich teilweise eher ins östliche Münsterland versetzt fühlt, als in die amerikanische Provinz.

Der Fahrer

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Letzte Kommentare:
08.02.2012 18:48:15
micha5

Nach der Rezension und den Kommentaren habe ich eigentlich ziemlichen Schrott erwartet, nachdem ich das Buch im Ramsch erstand. Kann ich aber im Nachhinein nicht bestätigen (vielleicht aber auch, weil ich nichts erwartet habe und Vachss natürlich, NIEMALS, ein NICHTS fabriziert. Maues jedoch ab und an schon).
Klar liegen Universen zwischen dem Sallis-Roman und diesem hier. Aber als Reminiszenz an die schwarze Serie taugt die Geschichte sehr wohl. Der beschränkte Protagonist ist in seinem Fachidiotentum und seiner moralischen Antiquiertheit, die Gutmenschsein problemlos mit Verbrechertum kombiniert, eine nette Alternative zu den im Genre sonst verbreiteten obercoolen Gestalten, bei denen letztendlich doch alles Entscheidende nach Plan verläuft (egal ob Cop oder Gauner). Und, bei aller Liebe zur schwarzen Serie und dem dazugehörigen Training: Ich wusste nicht gleich, worauf das hinausläuft. Ich war überrascht. Vielleicht macht das aus mir aber auch 'so einen hindlerwäldlerischen Vollhorst...:-l

07.04.2009 22:53:02
Wolfgang Welland

Im Vergleich zu seinen anderen Büchern kann ich das Buch nur als sehr schwach bezeichnen. Ich hab es auch nur zuende gelesen, weil ich seine "Burke" Bücher völlig faszinierend finde. Die Enttäuschung am vorhersehbaren Ende war schon ziemlich gross und so viel triviales hätte ich dann nun doch nicht erwartet.

29.08.2008 13:22:34
MackBolan

Selbst als ausgesprochener Vachss-Fan
haut mich das Buch nicht unbedingt von
den Socken,hab es nur gekauft,um möglichen Veröffentlichungen der Burke-
Reihe den Weg zu ebnen.Außerdem hat
jeder Romanheld von Vachss einen Hund als Begleiter(ok,außer Ghost),wo ist hier
der Hund?
Eddie ist so naiv,daß ihn die deutsche Politik mit offenen Armen empfangen
würde.

11.08.2008 13:54:10
Schrodo

Er will fahren...nur fahren. Egal welche Autos, darauf kommt es ihm gar nicht an, Hauptsache er darf fahren. Das ist Eddie, ein liebenswerter Gauner, geistig eher einfach strukturiert, seinen Gangsterkumpels gegenüber 100% loyal. Das Büchlein (223 Seiten) erzählt seine Geschichte. Herr Vachss bedient sich einer einfachen Sprache, kommt mit kurzen Abschnitten aus und hat einen überraschenden Schluss hinbekommen. Kein richtiger Krimi, sondern eher eine Erzählung aus der Sicht des guten Eddie.