Weißer Schatten

  • Hodder & Stoughton
  • Erschienen: Januar 2008
  • Berlin: Aufbau, 2014, Seiten: 431, Bemerkung: Übersetzung aus dem Englischen
  • Kapstadt: Human & Rousseau, 2007, Titel: 'Onsigbaar', Originalsprache
  • London: Hodder & Stoughton, 2008, Titel: 'Blood Safari', Originalsprache
  • Berlin: Aufbau, 2010, Seiten: 421, Bemerkung: Übersetzung aus dem Englischen
Weißer Schatten
Weißer Schatten
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Lars Schafft
87°

Krimi-Couch Rezension vonJun 2008

Geier-Freaks, Wilderer und ein Bodyguard

Traumhafte Landschaften, ein Land in wirtschaftlichem Aufschwung. Allerdings auch ein Land, das die Apartheid zwar formal hinter sich gebracht hat, von Normalität aber noch nicht reden darf. Bis die Fußballweltmeisterschaft 2010 ans Kap der guten Hoffnung kommen wird, ist der Name des südlichsten Zipfels des Kontinents sicherlich kein schlechtes Programm. Ufert die Kriminalität gerade in den Townships doch immer noch aus. So gesehen: gar kein schlechtes Pflaster für einen Kriminalroman, was der Brite James McClure vor einigen Jährchen bereits unter Beweis gestellt hat.

Tatort und Kulisse

Nun entdecken immer mehr Autorinnen und Autoren Südafrika als Tatort. Beziehungsweise als Kulisse. Denn vielmehr als mit Orts- und Figurennamen haben diese Thrillerchen mit Südafrika nicht gemein. Ganz im Gegensatz zum neuen Roman von Deon Meyer. Denn Weißer Schatten kann nicht nur in Südafrika spielen - er muss es gar. Und dadurch wird er zu einem großen Leseereignis.

Emma le Roux, selbständige Markenberaterin, wird überfallen, kann mit etwas Glück den rücksichtslosen Einbrechern aber entkommen. Hat das etwas mit ihrem seit zwanzig Jahren verschollenen Bruder Jacobus zu tun? Das vermutet sie, denn Emma ist fest davon überzeugt, ihn im Fernsehen in Zusammenhang mit einem Mord im Kruger-Nationalpark gesehen zu haben. Langsam bekommt sie es mit der Angst zu tun, ist aufgewühlt - und schrecklich neugierig. Sie geht auf Nummer Sicher und beauftragt Lemmer als ihren Bodyguard.

Lemmer kann den Job gut gebrauchen. Er ist nicht mehr der gefragteste Angestellte in seiner Firma, ein schweigsamer Einzelgänger mit Knast-Erfahrung, der dazu nichtmals eine Waffe tragen darf. Wer ihn beauftragt, kann also eigentlich gar nicht in so großer Gefahr schweben. Denkt er sich. Und liegt damit grundsätzlich falsch.

Bereits in der ersten Nacht als Emmas Bodyguard, recht idyllisch in einer schicken Touristen-Anlage inmitten südafrikanischer Naturschönheit, bekommt er es mit einer Giftschlange zu tun. Je weiter Lemmer und Emma den Spuren Jacobus´ folgen, desto brenzliger wird es: Wilde Verfolgungsjagden und Schießereien halten die beiden andauernd in Atem. Und als ein Zeuge nach dem anderen ums Leben kommt, ahnt auch Lemmer, dass seine zierliche Markenberaterin vielleicht doch nicht so falsch lag. Was ihren Bruder betrifft - und vor allem die Sorge um ihre eigene Sicherheit...

Ein in jeder Hinsicht schlagfähiges Duo

Weißer Schatten - damit ist wörtlich Lemmer gemeint - hat mehr, als man derzeit von vielen Spannungsromanen, die sich Thriller schimpfen, erwarten darf. Die Figur des testosterongeschwängerten Lemmer ist zwar kein Sympathieträger, aber glaubhaft. Emma le Roux dazu der perfekte, schlagfertige Konterpart. Er mit den Fäusten, sie verbal. Bei dieser Protagonistenkonstellation kein Wunder, dass neben all der Action, die Deon Meyer seinen Charakteren zumutet, auch eine kleine Romanze dazugehört. Und selbst Humor ist kein Fremdwort für den Südafrikaner, wenn er Emma beispielsweise einen belehrenden Minivortrag über das Markenbewusstsein von Geier-Liebhabern halten lässt.

Was Weißer Schatten aber so bemerkenswert macht, ist nicht, dass Meyer sein Handwerk aus dem Eff-Eff beherrscht und gekonnt mit allen Zutaten hantiert, die aus einem spannenden Thriller einen sehr guten machen. Denn Weißer Schatten ist mit dem Themenbogen, den der Autor spannt, herausragend originell: Neben besagten Geier-Freaks geht es um Wilderer, um Ausgleichszahlungen für die schwarze Bevölkerung, um Korruption und um einen handfesten Skandal, der auch Südafrikas Nachbarländer betrifft.

Weil Deon Meyer dies in eine zeitkritische, streckenweise berauschende Erzählung verpackt, die dazu noch vor atemberaubender Kulisse spielt, wird selbige zu weitaus mehr als das: Südafrika ist Meyers dritter Protagonist. Und vielleicht sogar der spannendste.

Weißer Schatten

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