Die Schwester

Erschienen: Januar 2008

Bibliographische Angaben

  • London: Headline, 2005, Titel: 'The take', Seiten: 505, Originalsprache
  • München: Heyne, 2008, Seiten: 621, Übersetzt: Bea Reiter

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Eva Bergschneider
Soap-Opera aus der Unterwelt

Buch-Rezension von Eva Bergschneider Jun 2008

Martina Cole, die derzeit erfolgreichste britische Krimi-Autorin, schrieb bereits 2005 den Thriller The Take, der nun als ihr fünfter Roman in deutscher Erstveröffentlichung vorliegt. Die Schwester spielt, wie die meisten Erzählungen der Britin, im Londoner East-End, im Kriminellenmilieu. Drogenhandel, Prostitution, Raub und Mord gehören zum Alltag. Die Gangster-Bosse regeln die Geschäfte, während die Ehefrauen versuchen, ein Familienleben aufrecht zu erhalten.

Wieder auf der Jagd

Als Freddie Jackson nach sechs Jahren Haft entlassen wird, knüpft er nahtlos an sein bisheriges Leben an; er rächt sich an seinen Ex-Partnern und vertreibt sich die Freizeit mit schnellem Sex. Zu Hause, wo Ehefrau Jackie mit der Familie auf ihn wartet, fällt ihm auf, was für ein hübscher Teenager aus Jackies jüngere Schwester Maggie geworden ist. Es scheint nur eine Frage der Zeit zu sein, wann Freddie seine neu ins Visier genommene Beute erlegen wird.

Sechs Jahre verändern die Unterwelt

Im Knast wurde Freddie zu Ozzies rechter Hand und glaubt nun in der Hierarchie der Gang an die zweite Stelle getreten zu sein. Doch der Gangsterchef nutzt lediglich Freddies Qualitäten als brutaler Schläger und baut stattdessen seinen Cousin Jimmy Jackson zum Nachfolger auf. Der besonnenere Jimmy schafft es so aus der Sozialbausiedlung auf die Sonnenseite des Lebens. Er betreibt die schmutzigen Geschäfte mit Köpfchen und legt Wert auf ein unbescholtenes Privatleben. Jimmy heiratet die beruflich erfolgreiche Maggie und lebt mit ihr in einem der Nobelvororte.

Eine lange Zeit arbeiten Jimmy und Freddie als gleichberechtigte Partner. Doch der egozentrische Cousin hat seinen Neid auf Jimmies Erfolg und die Wut auf sein Looser-Dasein immer weniger unter Kontrolle und entwickelt sich zur tickenden Zeitbombe.

Die Jackson-Saga...

Im Mittelpunkt des Romans Die Schwester steht die Chronologie der Gangsterfamilie Jackson im Zeitraum von 1984-2000. Entsprechend erinnert sein Aufbau eher an den einer Familiensaga, als an einen Kriminalroman.

Es mangelt zwar nicht an Morden, doch die bilden nur die Begleitumstände zu dem sich aufbauenden Familiendrama. Spannungsarm und langatmig entwickelt sich das Geschehen auf die wenigen Höhepunkte zu. Pathetisch werden die gleichen Szenen wieder und wieder aus den verschiedenen Perspektiven der handelnden Personen geschildert. Bis zur Hälfte des Buches muss sich der Leser schon gedulden, um endlich auf das Verbrechen zu stossen, dass die Geschichte bis zum Ende prägen wird.

Es lag sicherlich in der Absicht der Autorin, die Entwicklung der sich anbahnenden Eskalation der Gewalt vorhersehbar zu gestalten, denn das Zusammenspiel und die Reaktionen der Protagonisten stehen im Vordergrund. Daher hofft man auf überraschende Aktionen von unerwarteter Seite, die der Handlung spannende Akzente und Wendepunkte verleihen könnten. Leider gelingt es der Autorin erst ganz zum Schluss, den Leser zumindest ein wenig zu schockieren.

... im typischen Cole-Stil

Martina Cole schrieb auch Die Schwester in dem für sie typischen Unterweltjargon. Ihre Wortwahl wirkt trotz der Härte angemessen, denn sie unterstützt die Charakterzeichnung der Personen. Der Gebrauch von Kraftausdrücken beschränkt sich auf diejenigen, die mit einer vulgären Sprache Eindruck schinden oder ihre Wut zum Ausdruck bringen wollen. Die Autorin beweist auch in diesem Roman Milieukenntnis, da sie eine genau passende, durch Hass und Gewalt geprägte Atmosphäre zeichnet und diese mit beißender Sozialkritik würzt.

 

Er war süchtig, und das bedeutete, das jede staatliche Behörde, die von der Labour-Regierung finanziert wurde, ausdrücklich dafür da war, ihm zu helfen. [..] Seine Sucht hatte ihm auch geholfen, nicht ins Gefängnis zu kommen, hatte ihm auf Staatskosten eine Wohnung verschafft [..] und sie hatte dafür gesorgt, dass er seine Drogen bekam, wann immer und wo er wollte, denn schließlich - einen Tusch bitte - war er ja süchtig.

 

Insgesamt kann Die Schwester in Bezug auf Spannung trotz brutaler Szenen wie aus einem Gangster-Rap Video allerdings nicht überzeugen, denn der Roman zieht sich zu zähflüssig über die 620 Seiten. Ohne die unnötigen Längen, hätte aus dem Roman eine interessante Variante einer Familiensaga werden können. Ein Kriminalroman lässt sich hingegen hinter dem Blut getränkten Vorhang dieser schicksalsträchtigen Tragödie kaum ausmachen.

Die Schwester

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Letzte Kommentare:
13.07.2008 09:10:42
Frank

Zum Inhalt ist in der Rezension der Krimicouch alles richtig wiedergegeben worden. Wie in eigentlich allen ihren Romanen erzählt M.Cole die Geschichte einer Familie die mit und durch die Kriminalität lebt. Und doch ist diesmal etwas "anders". Ich persönlich konnte keine der ansonsten immer sehr präsenten "starken" Frauenpersönlichkeiten ausmachen. Auch Maggie oder deren Nichten sind zu problembeladen und zu unkritisch den/ihren Männern gegenüber bzw deren Verhalten. Im Endeffekt bedienen auch sie wieder nur das Klischeé der Gangsterbraut.
Bei den Männerfiguren hingegen wird Freddie etwas arg dämonisiert, während sein Cousin Jimmy gelegentlich wie eine Londoner Version von Robin Hood daherkommt. Den später hinzukommenden "Freddie jr" hätte es meiner Meinung nach überhaupt nicht gebraucht.
Allerdings kann ich nicht bestätigen, daß die Geschichte sich ziehen würde, ich fand sie trotz aller anderen Kritikpunkte extrem flüssig zu lesen, wobei Coles routinierter Schreibstil natürlich hilfreich ist. Das Ende deutet sich aufgrund der Geschehnisse allerdings an - und kann nicht wirklich überraschen. Sicher fällt die "Schwester" im Gegensatz zu etwa "Das Gesicht" ab, ist als kurzweilige Unterhaltung aber durchaus zu empfehlen.
Da M.Cole ähnlich wie Harlan Coben in seinen "Kein..." Büchern immer wieder die
gleiche Geschichte variiert, läuft sie mittlerweile Gefahr, sich zu wiederholen.
Nicht der stärkste Cole - aber dennoch solide 70 Grad.