Duell im Dunkel

Erschienen: Januar 1957

Bibliographische Angaben

  • Frankfurt: Ullstein, 1957, Seiten: 133, Originalsprache
  • Köln: Edition Köln, 2008, Seiten: 170, Originalsprache, Bemerkung: Kriminelle Sittengeschichte Deutschlands; Bd. 1. Mit einem Nachwort von Michael Töteberg
  • München; Wien: Desch, 1971, Seiten: 271, Originalsprache

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Bernd Neumann
Deutschland nach Hitler - alles war möglich

Buch-Rezension von Bernd Neumann Jun 2008

Was treibt einen anerkannten und über Jahrzehnte erfolgreich-aktiven Krimischriftsteller wie Frank Göhre (1987 Deutscher Krimipreis für Der Schrei des Schmetterlings, 2006 mit Zappas letzter Hit ein Rezensionstreffer auf der Krimi-Couch!) dazu, sich im Faecke-Verlag unter dem Titel "Kriminelle Sittengeschichte Deutschlands" zukünftig als Herausgeber verantworten zu müssen?

Darüber zu spekulieren wäre unsinnig, aber laut Editionsplan erwarten den neugierigen Krimileser u.a. Nachauflagen von Krimipreisträgern längst vergangener Jahre (M. Molsners "Rote Messe" aus 1973, Helga Riedels "Einer muss tot" aus 1983 und Peter Zeindlers "Feuerprobe" aus 1992). Neben den Erwähnten erscheinen zur Freude für den Jäger & Sammler längst verschollener Krimiperlen H. Martin, F. Werremeier, H. Bosetzky (alias -ky), I. Rodrian, P. Schmidt und Robert Brack, allesamt hoch dekoriert und eingegangen in den deutschen Krimi-Olymp. Allesamt im Faecke-Verlag neu erschienen und versehen mit einem Fach kundigem Nachwort, was ja bei Krimis nun wahrlich nicht die Regel ist.

Die neugierig machende Reihe hat den Untertitel "Kriminelle Sittengeschichte Deutschlands". Augen und Kopf werden in die Vergangenheit gedreht, noch dazu in eine kriminelle. Das ist spannend, weil kaum mehr bekannt.

Das Wirtschaftswunder Deutschland

Duell im Dunkel führt uns ins Hamburg nach dem Zweiten Weltkrieg. Am 8. Mai war alles vorbei, Deutschland in Schutt und Asche. Zugleich entwickelte sich ein ertragsreicher Nährboden für einen Neuanfang. Man konnte sich im Kuddelmuddel der Nachkriegswehen, mitten zwischen Trümmern und Lebensmittelkarten, aber auch zwischen Champagner und Kaviarschnittchen, für die moralische oder unmoralische Variante entscheiden.

Hamburg ist wieder eine bedeutende Handelsmetropole und bietet durch Hafen und Reeperbahn gewaltige Möglichkeiten zur Selbstentfaltung. Der Schwarzmarkt blüht und gedeiht, mittendrin stehen Voß und Holzknecht

Hauptmann Dr. Voß und Obergefreiter Bruno Holzknecht sind Kriegkameraden, aber was bedeutungsvoller ist: jeder hat dem anderen in brenzligen Situationen beim Fronteinsatz das Leben gerettet. Das verbindet, schweißt zusammen. Für immer. Noch dazu, wenn es beide nach dem Überleben in Rommels Afrikakorps in die pulsierende Hansestadt verschlägt.

Sollte man meinen, aber die Wege trennen sich gewaltig:  Voß wird zum einem der ungekrönte Könige der Reeperbahn, der Cheforganisator des Hamburger Schwarzmarktes. In Begleitung seiner schlanken, jungen Geliebten Asta und seiner fetten Dackelhündin zeigt dieser einflussreiche Mann, dessen Körper durch tägliche Massagen und eifriges Tennisspiel bestens gestählt ist, skrupellos seinen neureichen Wohlstand:

"Seine Finger waren sorgfältig gepflegt; die Nägel wiesen eine Spur von Lack auf. Er trug einen dunkelgrauen, zweireihigen Anzug; in seiner taubengrauen Krawatte steckte eine kleine Perle."

Max ist der Chauffeur seines schwarzen Mercedes, sein rapportierender Informant und Amateurbodyguard. Auch er versucht im Kielwasser seines Flaggschiffes B. Voß (B. wie Balduin; diesen lächerlichen Vornamen darf jedoch keiner in seiner Anwesenheit erwähnen, sonst würde Voß ernstlich missgelaunt!) ein wenig vom Glamour und Reichtum seines Chefs abzusahnen, aber dieser mahnt an: "Es ist die Geldgier, die die meisten Männer zu Fall bringt" (S.19m).

Der Wettlauf zwischen Hase und Igel

Bruno Holzknecht wird Polizist aus Leidenschaft, ein Idealist im Kampf gegen das organisierte Verbrechen. Die Erfolge seiner Ermittlungsarbeiten lassen ihn bei der Hamburger Kripo zum Inspektor aufsteigen, sein unermüdlicher Einsatz für Recht und Ordnung werden respektiert und verspricht eine Bilderbuchkarriere.

Aber Holzknecht hat nur ein Lebensziel: er will dem ehemaligen Kriegskameraden Voß und seinen kriminellen Machenschaften ein Ende bereiten. Jedoch was er auch anstellt, Voß ist ihm immer einen Schritt voraus. Er hat seine Informanten, so dass jede geplante Razzia zu spät kommt und das Beweismaterial längst vernichtet, Beutegut in Sicherheit gebracht und skrupellose Mordspuren verwischt worden ist. Darunter leidet nicht nur das Selbstbewusstsein des Inspektors, sondern auch sein bisheriger guter Ruf als Gesetzeshüter.

Als nach einer wieder einmal misslungenen Ermittlungsaktion Bruno Holzknecht seinen ehemaligen Hauptmann und Vorgesetzten zur Rede stellt, bietet dieser ihm in schier bodenloser Frechheit sogar an, zukünftig partnerschaftlich mit ihm zusammenzuarbeiten:

"Auf die Kameradschaft, die aus gemeinsam bestandener Gefahr erwächst." (S. 64m).

Er nutzt die von Entbehrungen geprägte Ehe bei Bruno und Inge Voß aus, um ihn zur Kooperation zu überreden: "Es gibt nichts Gefährlicheres als eine unzufriedene Frau." (S. 69).

Holzknecht gerät in moralischen Zwiespalt. Er liebt seine Frau, auch wenn es ihm in seiner Ungeschicktheit immer wieder schwer fällt, das auch körperlich zu unterstreichen. Im Laufe der finanziell kargen Ehejahre hatten blindes Verständnis und Vertrauen beide zusammen geschweißt. Ohne Inge wäre das Leben für ihn sinnlos.

Holzknecht quittiert den Dienst bei der Hamburger Polizei und eröffnet mit dem Geld einer unerwarteten Erbschaft aus Übersee ein eigenes Büro als Privatdetektiv. Er will seine Frau glücklich machen, aber die Ereignisse laufen durch blöde Umstände völlig aus dem Ruder. Da bleibt für Bruno Holzknecht nur noch eine einzige, letzte und alles entscheidende Möglichkeit.

Der Pyrrhussieg des David gegen den Goliath

"Duell im Dunkel" ruft Erinnerungen wach an Falladas "Kleiner Mann - was nun?"
Da versucht ein einfacher Mann - ähnlich wie J. Pinneberg - seine Frau (unter schwierigen Verhältnissen!) glücklich zu machen.
Bruno Holzknecht scheitert nicht an der Liebe, sondern an den Wirren der Nachkriegszeit, am geringen Verdienst und Misstrauen der Kollegen als Inspektor bei der Hamburger Kripo und letztendlich an einem ungleichen Kampf gegen das organisierte Verbrechen.

Wie es Egon Eis gelingt, die Nachkriegswirren bildlich darzustellen, ist schon beeindruckend und trotz aller Überspitzung sehr glaubhaft und nachvollziehbar. Das Buch wäre zu seiner Zeit durchaus tauglich für eine filmische Grundlage gewesen. Das Egon Eis, der mit seinem Bruder unter unzähligen Pseudonymen im Inland und später als Emigrant in Amerika tätig war, dieses Handwerk beherrscht beweist die Geschichte. Sein Bühnenstück "Wasser für Canitoga" (hier als Autor Georg Turner-Krebs auftretend), wurde erfolgreich verfilmt und mit Hans Albers in der Hautrolle am 10.03.1939 im Münchener Ufa-Palast uraufgeführt. Albers "Good bye, Johnny" von Peter Keuder ist noch heute eines der Highlights des deutschen Tonfilms.

Übrigens: Wie verschlungen der Weg, wie kompliziert die Spurensuche nach Egon Eis zu sein scheint, belegt die Copyright-Bemerkung des Verlages Peter Faecke, der "Duell im Dunkel" jetzt wieder aufgelegt hat:

 

© Rechtsnachfolger Egon Eis: Es ist uns nicht gelungen, den Rechtsnachfolger ausfindig zu machen. Wir bitten darum, dass er sich meldet. - Ersterscheinung: Hamburg, 1957.

 

Egon Eis als Kriminalschriftsteller zu erlesen ist zugleich die spannende Vermittlung eines Stücks Zeitgeschichte. Für diese Bemühungen ist der neuen Serie "Kriminelle Sittengeschichte Deutschlands" unter Federführung von Frank Göhre nur ein langlebiger Erfolg zu wünschen.

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