Walküren

Erschienen: Januar 2008

Bibliographische Angaben

  • Reykjavík: JPV, 2005, Titel: 'Valkyrjur', Originalsprache
  • München: dtv, 2008, Seiten: 368, Übersetzt: Tina Flecken

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Sabine Reiß
Sprengstoff im Buch

Buch-Rezension von Sabine Reiß Mai 2008

Islands Krimiszene ist schon aufgrund der Größe des Landes etwas weniger bedeutend als die anderer skandinavischer Länder. Zur Verdeutlichung: Die Einwohnerzahl des ganzen Landes entspricht in etwa der von Bonn oder Bielefeld. Gemessen an dieser Zahl ist der Bekanntheitsgrad isländischer Krimiautoren hierzulande wiederum als recht hoch anzusehen, allen voran zu nennen wäre da natürlich Arnaldur Indridason, gefolgt von seinen Landsleuten Viktor Arnar Ingólfsson, Yrsa Sigurdardóttir und Stella Blómkvist. Knapp vierzig Prozent der Einwohner der kleinen Insel leben in der Hauptstadt Reykjavík, wo auch der Krimi Walküren von Thráinn Bertelsson spielt.

Ein Reiter findet bei seinem morgendlichen Ausflug zu Pferde eine tote Frau in einem Auto, bei dem mit Hilfe eines Schlauchs die Abgase ins Wageninnere geleitet wurden. Klarer Fall von Selbstmord, so die erste Diagnose von Terje Joensen von der Kriminalpolizei und Gudrún Hallsdóttir von der Technischen Abteilung, die als erste zum Fundort gerufen wurden. Bei der Verblichenen handelt es sich um die Schriftstellerin und Journalistin Freyja Hilmarsdóttir, die sich einen Ruf als radikale Feministin machte und für kurze Zeit als Abgeordnete im Parlament saß. Doch Gudrún kommt es komisch vor, dass vom Manuskript des Buches, an dem Freyja gerade schrieb und das schon für viel Aufruhr in der Presse sorgte, keine Spur in Ihrer Wohnung zu finden ist. Auch beim Verleger ist kein Exemplar vorhanden.

Das Buch mit dem Titel Walküren handelt von Frauen mittleren Alters, die von ihren Ehemännern verlassen wurden, um sich sogleich ein jüngeres Exemplar ins Bett zu holen. Insbesondere zwei bekannte Persönlichkeiten Islands sollten aufs Korn genommen werden: Magnús Magnússon, genannt Magnús Mínus, Supermarktmagnat, und Kjartan A. Hansen, ehemaliger Finanzminister und nun von seiner Partei kaltgestellt als isländischer Botschafter in Kanada. Wie der Leser erfährt, erhalten beide E-Mails mit dem Angebot, mittels Zahlung einer großzügig bemessenen Summe die Veröffentlichung des Buches stoppen zu können.

Gudrúns These, dass es sich bei Freyjas Tod doch um Mord handeln könnte, wird dadurch untermauert, dass die Gerichtsmedizinerin bei der Obduktion feststellt, dass sich die Schriftstellerin am Tag ihres Todes einer Augenoperation unterzogen hatte. Ihre Sehfähigkeit war dadurch beeinträchtigt und sie konnte gar nicht alleine zu dem Ort gelangen, an dem der Wagen abgestellt war. Gudrún wird daher von Ihrem Chef Víkingur Gunnarsson ermutigt, die Ermittlungen voranzutreiben.

Von der sonstigen Schwermütigkeit, die andere skandinavische Krimis zuweilen an den Tag legen, ist hier nur wenig zu spüren. Natürlich hat jeder mit den Alltagssorgen zu kämpfen, so wird Gudrún z.B. von ihrem Mann betrogen, den sie kurzerhand aus der gemeinsamen Wohnung wirft. Ihr Chef Víkingur hält seine Depressionen mit der Einnahme von Psychopharmaka im Zaum, was vom Justizminister wiederum zum Vorwand genommen wird, dass er nicht wie vorgesehen Leiter der neu zu gründenden Sicherheitsabteilung werden könnte.

Bertelssons Thema ist nicht etwa, wie zu vermuten wäre, die reine Aufklärung eines Mordes nach skandinavischer Manier, gepaart mit einem Schuss Sozialkritik, sondern er nimmt die politische Szene mit ihrer ganzen Verlogenheit, den Machtspielchen und der Machtgier aufs Korn. Er rechnet zudem ab mit der Amerikapolitik seines Landes und thematisiert darüber hinaus die Beeinträchtigung der Bürgerrechte durch die jederzeit mögliche Bespitzelung des Einzelnen ohne Rechtsgrundlage. Die Gründung einer Art geheimem Geheimdienst im Land beschäftigt dabei seine Protagonisten ebenso wie die Einflussnahme der Politiker auf die Polizeiarbeit. Trotz all dieser Themen wirkt ´Walküren’ keineswegs überfrachtet, sondern stimmig und konsequent im Handlungsaufbau.

Abgesehen von den gewöhnungsbedürftigen Namen ist Thráinn Bertelssons Krimi gut lesbar. Dazu trägt auch die Aufteilung in immerhin 54 recht kurze Kapitel bei. Zwar verwirren zunächst die vielen Personen, die nicht alle mit dem eigentlichen Fall in Verbindung stehen, doch bald kann man sie in ein Gefüge von Nebendarsteller und Hauptdarsteller einordnen. Der Erzählstil ist äußerst flüssig und locker und der Autor würzt seine Dialoge mit einer guten Prise Humor, ohne ins Witzige abzudriften. Einige Szenen wirken fast schon satirisch und überzeichnet, insbesondere wenn es um die Darstellung der Politiker geht.

Insgesamt ist Walküren ein beachtenswerter isländischer Krimi, der durch seine Themenvielfalt, seinen Humor und seine Lockerheit überzeugt.

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