Portugiesische Eröffnung

Erschienen: Januar 2008

Bibliographische Angaben

  • London: Orion, 2007, Titel: 'An Accidental American', Originalsprache
  • Frankfurt am Main: Fischer Taschenbuch Verlag, 2008, Seiten: 267, Übersetzt: Susanne Goga-Klinkenberg

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Thomas Kürten
Agentenschach

Buch-Rezension von Thomas Kürten Mai 2008

 

Die Portugiesische Eröffnung ist eine selten gespielte Eröffnung des Schachspiels. [...] Allerdings übt Weiß hier keinen Druck auf das schwarze Zentrum aus, was Schwarz viele Möglichkeiten offen lässt. In der Turnierpraxis erzielte Weiß mit dieser Eröffnung nur 49 Prozent der Punkte, was wegen seines Anzugsvorteils kein guter Wert ist. (aus wikipedia.de)

 

Kompliment! Den Originaltitel An Accidental American (soviel wie "unfreiwillig Amerikaner") nicht wortwörtlich ins Deutsche zu übertragen, war bestimmt eine gute Idee. Doch Portugiesische Eröffnung als Titel zu wählen ist ein überaus gelungener Schachzug - im wahrsten Sinne des Wortes. Der Titel stellt unmittelbaren Bezug zum Spielort der ersten Romanhälfte her. Er beschreibt treffend das Taktieren des Geheimagenten Valsamis, der versucht, mit seinen Gegnern Katz und Maus zu spielen. Aber ebenso steht der Titel für das Unverständnis der Leser, warum Valsamis ausgerechnet die Dienste von Nicole Blake benötigt, um den Terroristen Rahim Ali in Lissabon zu finden, wo Valsamis doch nur zu gut zu wissen scheint, wo sich der Gesuchte aufhält.

Die US-Nahostpolitik - ein heißes Eisen

Jenny Siler wagt sich an ein brisantes Thema: die Rolle der USA im Nahostkonflikt. Mit ihrem Roman schlägt sie die Brücke zwischen zwei Ereignissen, die für die außenpolitischen Entscheidungen der USA markant sind. Auf der einen Seite der Anschlag auf die amerikanische Botschaft in Beirut im Jahre 1983, auf der anderen Seite die Rede eines Colin Powell vor dem UN-Sicherheitsrat, die mit fragwürdigen Fakten die Existenz eines nuklearen Waffenprogramms im Irak untermauern sollte und so Grundstein für die Invasion amerikanischer Truppen und den Sturz Saddam Husseins bildete.

Nicole Blake verlor ihre Mutter in den Wirren um den Anschlag auf die amerikanische Botschaft in Beirut. Hintergründe hat sie nie dazu erfahren. Doch genau damit lockt sie der CIA-Agent Valsamis, um für ihn die Spur ihres Ex-Freundes Rahim Ali in Lissabon aufzunehmen. Doch kaum in Portugals Hauptstadt angekommen merkt sie, wie Rahim und ihr selbst eine tödliche Falle gestellt werden soll. Nicole und Rahim waren damals als Fälscher aktiv und deshalb weiß sie noch, wie man in den Gassen Lissabons untertauchen kann. Mit Rahims letzter Auftragsarbeit, einer merkwürdigen Rechnung, entkommt sie einem frühmorgendlichen Kugelhagel und begreift nach und nach, dass das gefälschte Dokument in ihren Händen Zündstoff für einen Krieg bietet.

Verrat

Siler wagt sich in die Region und auch in das Metier, welche von einem Eric Ambler immer wieder meisterhaft zu Papier gebracht wurde: ein Agentenroman im Nahen Osten. Ein Glück, dass sie dabei nicht versucht, den Meister zu kopieren. Nach Ticket nach Tanger trägt auch Portugiesische Eröffnung eine sehr eigene Handschrift. Siler bedient sich des Typus "Held wider Willen", um ihre Geschichten zu erzählen. Der Kampf ihrer Protagonisten ist stringent aufgebaut, wenngleich gerade die Eröffnung beinahe bis zum Finale immer wieder Fragen aufwirft. Warum soll ausgerechnet Nicole Blake einen Mann suchen, der seit Wochen beschattet wird?

Letztendlich liefert Jenny Siler Wasser auf die Mühlen der Verschwörungstheoretiker: Die Nahostpolitik der USA ist Ergebnis von Verrat und Betrug. Doch wie so etwas laut Siler zustande kommt, das wird in Portugiesische Eröffnung intelligent und unterhaltsam präsentiert.

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Letzte Kommentare:
02.11.2010 19:25:40
Stefan83

Eine neue Autorin im Genre des Agenten-Thrillers, welche dann auch noch gleich auf der KrimiWelt-Bestenliste geführt und mit Größen wie John Le Carré und Robert Ludlum verglichen wird. Jenny Siler hat im Feuilleton mit ihren bisher fünf auf Deutsch erschienenen Kriminalromanen einen äußerst positiven Eindruck hinterlassen, spätestens mit „Ticket nach Tanger“ ihren Durchbruch hierzulande geschafft. Grund genug einen näheren Blick auf ihre Werke zu werfen, wobei mich in Titelwahl und Klappentext besonders „Portugiesische Eröffnung“ angesprochen hat. Im Jahre 2007 im Original in den USA unter dem Pseudonym Alex Carr (wohl aus gutem Grund) veröffentlicht, greift Siler in diesem Buch den Kampf der Kulturen und die Terrorismus-Hysterie der Jetztzeit auf und damit ein, nicht nur für ihre Landsleute, äußerst brisantes Thema. Und der Ansatz, mal äußerst unpatriotisch den Finger in die Wunde zu legen und die Außenpolitik ihres Heimatlands kritisch zu beleuchten, verdient Lob und Beachtung. In Punkto Unterhaltung und Spannung bietet sie jedoch letztlich weniger, als ich mir anfangs erhofft hatte. Zur Geschichte:

Nicole Blake hat ihre langjährige Freiheitsstrafe wegen Dokumentenfälschung im Gefängnis von Marseille abgesessen und sich in die Abgeschiedenheit eines alten Bauernhauses in den Pyrenäen zurückgezogen, um ihre kriminelle Vergangenheit hinter sich zu lassen. Ihre Fähigkeiten setzt sie nun als freie Mitarbeiterin einer britischen Sicherheitsfirma ein, während sie sich in ihrer Freizeit der Gartenarbeit und ihrem Hund widmet. Eine ungetrübte Idylle, mit er es jedoch eines Tages vorbei ist, als der CIA-Agent John Valsamis an ihre Tür klopft und sie zur Mitarbeit „überredet“. Valsamis ist auf der Suche nach Rahim Ali, einen ehemaligen Geliebten Nicoles, der nun mit Terroristen gemeinsame Sache macht und einen neuen großen Anschlag plant. Sie soll Rahim Ali aufspüren und zu diesem Zweck nach Lissabon reisen, wo dessen Spur verloren ging. Als Dank verspricht Valsamis ihr Hintergrundinformationen zu dem Bombenattentat in Beirut im Jahre 1983 zu liefern, bei der ihre Mutter einst ums Leben gekommen ist. Da der Agent zwischen den Zeilen zudem mit der Bekanntmachung ihrer kriminellen Laufbahn droht, willigt Nicole schließlich widerwillig ein.

In Lissabon angekommen, kann Nicole relativ schnell die verlorene Fährte aufnehmen und Rahim Ali ausfindig machen. Als es jedoch zu einem Treffen der beiden ehemaligen Fälscherkollegen und Geliebten kommt, wird Ali von einem Scharfschützen erschossen. Nicole, die selbst ins Zielvisier gerät, kann nur in letzter Sekunde und dank Alis Mithilfe entkommen. Von nun an wird sie von Unbekannten gejagt, während sie gleichzeitig herauszufinden versucht, was es mit Rahims letzter Auftragsarbeit, der Manipulation einer dubiosen Rechnung, auf sich hat. Die Suche nach Antworten konfrontiert sie mit einem Geheimnis in ihrer Familie, das bis in die Tage des ersten Golfkriegs und der gewaltsamen Konflikte im Libanon zurückreicht. Als sie schließlich die Wahrheit ans Licht bringt, wird ihr klar, dass ihr Wissen für den jetzigen Irak-Krieg von weltpolitischer Bedeutung sein könnte …

Ein verschneites Bergdorf. Ein altes Bauernhaus. Die kühle Abgeschiedenheit der Pyrenäen. Siler brilliert mit einem sehr stimmungsvollen Beginn, der einem Eric Ambler zu Ehre gereichen würde und sofort das Interesse an der Geschichte weckt. Ein Interesse, das allerdings nicht allzu lange bestehen bleibt, da die Autorin auf den gerade mal knapp 270 Seiten inhaltlich wie stilistisch einfach zu viel will. Seitenweise mischt sie Rückblenden mit der Gegenwart ohne Ort und Zeit näher zu definieren, was es dem Leser bereits zu Anfang ziemlich schwer macht, die einzelnen Vorgänge und Entwicklungen nachzuvollziehen. Dabei würde der äußerst intelligente Plot Potenzial für soviel mehr bieten, hätte, ja, hätte Siler in das Ganze an irgendeiner Stelle mal so etwas wie Struktur reingebracht. Stattdessen wirkt die Handlung trotz ihre Kürze überfrachtet, hebeln sich die Beschreibungen von persönlichen Beziehungen, politischen Verhältnissen und mediterranen Schauplätzen gegenseitig aus.

Die Figuren, alle voran Nicole Blake selbst, bleiben bis auf wenige Ausnahmen, wo Siler ihre Tiefe andeutet, erstaunlich blass, was wiederum zur Folge hat, dass man an ihrem Schicksal nur wenig Anteil nimmt und die Geschehnisse mit emotionaler Distanz betrachtet. Obwohl die Autorin ihre Charaktere mit einem biographischem Hintergrund unterfüttert, ergibt sich dem Leser daraus kein Bild, was noch dadurch verstärkt wird, dass sie sich in ihren Handlungen nicht treu bleiben. Eben noch der eiskalte Profi wird da plötzlich jemand zum reuigen Sünder. Aus der geläuterten, leicht naiven Kriminellen eine würdige, zielsichere Gegenspielerin. Das alles wird uns mit kühler Art sehr distanziert geschildert. Nein, das Zeichnen der Protagonisten scheint Silers Stärke nicht zu sein. Dafür weiß sie allerdings an anderer Stelle zu punkten.

Hat man erstmal die komplexen Zusammenhänge im Roman einigermaßen ergründet (die Kenntnis der politischen Geschehnisse im Nahen Osten seit den frühen 80er Jahren vorausgesetzt), erschließt sich einem das ganze Ausmaß der US-amerikanischen Verwicklungen. Jenny Siler verknüpft den Bombenanschlag im Beirut des Jahres 1983 mit der Vorbereitung des Irakkriegs und den fragwürdigen Legitimierungsversuchen eines Colin Powell vor dem UN-Sicherheitsrat, und zeichnet so ein düsteres Bild der immer noch aktuellen Nahostpolitik. Hier werden Beweise gefälscht, Fakten getürkt und entzerrt, um einen militärischen Schlag den Boden zu bereiten. Siler reiht sich damit zwar in die Reihe der Verschwörungstheoretiker ein, gibt allerdings auch damit gleichzeitig Anlass zum Nachdenken. So weit entfernt von der Wahrheit sind die in diesem Buch geschilderten Ereignisse sicherlich nicht.

All das hat mich als Leser dann aber doch ziemlich kalt gelassen, da die vielen Wendungen letztlich sehr lieblos zusammengeklöppelt werden und der Ausgang schon ab der Mitte für den erfahreneren Krimi-Kenner ersichtlich ist. Wer Valsamis wahre Beweggründe bis zum Ende noch nicht erraten hat, zählt zu den Glücklichen und hat mit Lügen, Verrat und Falschheit in seinem Leben bisher wohl noch keine Bekanntschaft gemacht.

Insgesamt ist „Portugiesische Eröffnung“ ein gefälliger Agententhriller mit interessanter Thematik, dem leider die inhaltliche Tiefe abgeht und dessen Figuren keinen nachhaltigen Eindruck hinterlassen. Silers kühle, unaufgeregte Sprache beißt sich mit dem hier geschilderten politischen Sprengstoff und nimmt einer eigentlich intelligenten Idee jegliches Tempo. Eine nette Lektüre für die Bahnfahrt oder den Wartezimmeraufenthalt. Mehr aber dann auch nicht.

07.09.2008 18:03:50
Hannah36

Portugiesische Eröffnung ist nicht nur ein spannender Agententhriller über den Nahen Osten, sondern auch neben der Krimihandlung ein guter Roman. Neben dem Wettlauf mit einem pensionierten CIA-Agenten wird auch die Geschichte der Protagonistin erzählt und dabei ein Teil der Geschichte des libanesischen Bürgerkriegs. Siler zeigt dabei erstaunliches Detailwissen über die politischen Verwicklungen in der Region. Ein überaus realistische Darstellung der Geschehnisse im Nahen Osten!

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