Der Rebenwolf

Erschienen: Januar 2007

Bibliographische Angaben

  • Neustadt: Agiro Verlag, 2007, Seiten: 256, Originalsprache

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Peter Kümmel
Grandiose Ideen, wunderbar erzählt, herrliche Charaktere

Buch-Rezension von Peter Kümmel Mai 2008

Tillmann Grosch und Frank Passfeller, die beiden etwas anderen Kommissare, sind wieder im Einsatz. Die beiden Spezialisten für die Aufklärung von mysteriösen Begebenheiten werden gebraucht, nachdem in einem kleinen Weindorf in der Pfalz zwischen den Weinstöcken eine grausam zugerichtete Frauenleiche entdeckt wird, deren Verletzungen von einem wilden Tier zu stammen scheinen. Doch nicht nur das - zwei verstörte Jungen, die in der Vollmondnacht über die Leiche gestolpert waren, berichten von einem Wesen mit leuchtenden Augen, das gurgelnde Laute ausgestoßen hat. Auch in der folgenden Nacht beobachtet ein Weinbauer eine wolfartige Kreatur mit dämonisch glühenden Augen.

Für Grosch kommt der Fall gerade recht, hatte er doch sowieso nichts besseres zu tun, als die in seiner Lieblingsbäckerei erworbenen Glömsche zu verspeisen. Köllege Passfeller dagegen wollte während seines Urlaubs auf der Dachterrasse eines Hauses in El Arenal mit freiem Blick auf das Treiben am Ballermann auf keinen Fall gestört werden, doch die menschliche Neugier als fabelhaftes Lockmittel treibt auch Passfeller in ein kleines Saukaff in der Pfalz...

Man quartiert sich dort in eine kleine Pension ein und hört sich ein wenig um, was die verschrobenen Bewohner so zu erzählen haben. Ende des 19. Jahrhunderts gab es bereits einmal eine ungeklärte Mordserie, die einige Parallelen zu den aktuellen Geschehnissen aufweist. Die Opfer waren "zerfleischt wie von mächtigen Tatzenhieben oder scharfen Reißzähnen" und so entstand die Legende vom Rebenwolf, der inmitten der Weinberge sein Unwesen treibt.

Werwölfe sind natürlich für unsere beiden Protagonisten eine Erfindung ohne wissenschaftlichen Hintergrund, und so suchen sie nach einer natürlichen Erklärung für die Vorkommnisse. Ihr Einsatz scheint schneller beendet als vermutet, als die örtlichen Polizisten einen Weinbauern verhaften, dessen Familie seit langem im Clinch liegt mit der Familie des Mordopfers. Erst kürzlich hatte der alte Winzer eine Morddrohung gegen das Opfer, die Freundin seines Sohnes, ausgestoßen. Denn eine Verbindung zwischen den beiden verfeindeten Familien, das kommt ja überhaupt nicht in Frage. Und als die Mordwaffe - eine Gartenkralle - in seinem Schuppen gefunden wird, schein alles klar...

Ermittler abseits der Kriminorm

Die Krimireihe vom Autorenduo Lossau/Schumacher bietet alles andere als Einheitskost. Verständlich, dass man bei "Sonderkommissaren" und dem "geheimen SK 66" etwas anderes erwarten kann als einen üblichen Whodunit-Krimi. Zugegeben - die Krimihandlung ist beim Rebenwolf recht mau, dafür aber lebt die Handlung von den humorvollen Dialogen, den wortgewaltigen Beschreibungen der Autoren sowie deren recht ungewöhnlichen Protagonisten. Während Tillmann Grosch sich selber als lakonischen Phlegmatiker bezeichnet, der nebenbei auch ein Hedonist ist, zeigt sich dessen Pendant Frank Passfeller eher genervt und etwas hektisch.

Einen ersten Höhepunkt in Sachen Sprachgewalt und Wortwitz darf der Leser erwarten, als unseren fülligen Kommissar Grosch während seines Bäckereibesuchs ein menschliches Bedürfnis überkommt. Die fünfseitige Beschreibung seines Toilettenbesuchs ist keinesfalls seitenschindende Nebenhandlung, die ausschließlich dem Klamauk dient, nein - dieses eigentlich alltägliche Ereignis spielt schließlich im abschließenden Showdown eine wichtige Rolle.

Auch die Beobachtungen von Frank Passfeller vom Dach seiner Ferienwohnung auf einen "sich in einer einzigen amöbenhaften saufenden, singenden oder speienden Bewegung befindlichen Pulk" in El Arenal gehören vom Wortwitz her zu den Höhepunkten des Romans.

Der Rebenwolf ist ebenso wie die bisherigen Romane der Reihe ein Buch, das die Leser polarisiert. Für mich ist es ein Werk mit grandiosen Ideen, wunderbar erzählt, mit herrlichen Charakteren und einem Kriminalfall, der von unseren beiden Helden zu guter letzt mit mehr Glück als Verstand gelöst wird. Für andere mag es vielleicht ein Pseudo-Krimi sein, in dem zwei nervende Polizisten mehr mit ihren Vergnügungen als mit ihrer Arbeit zu tun haben und den Fall schließlich irgendwie zu einem Abschluß bringen. Wie auch immer - macht weiter so! Solche Ermittler abseits der Norm kann die Krimilandschaft immer gebrauchen.

Der Rebenwolf

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Letzte Kommentare:
03.01.2009 04:10:14
Mindy

Ganz meine Meinung!
Obwohl ich zugegebenermaßen auf die sehr ausführliche Beschreibung von Groschs Notdurft am Anfang hätte verzichten können (;-)), finde ich das Buch dennoch großartig geschrieben und spannend.
Es ist nicht einer dieser sinnlosen Krimis, bei denen am Anfang ein Mord geschieht und der Held am Ende alles aufklärt- es geht um viel mehr.
Darüber hinaus hab ich selten so oft lachen müssen, wie bei den witzigen Dialogen unserer beiden Protagonisten.
Also, Lese- Spaß ist garantiert!

07.05.2008 16:14:36
Timothy McNeal

Ich kann der Peter-Kümmel-Rezi nur zustimmen, besonders seiner Aufforderung an die beiden Autoren : Macht weiter so!
Ein Krimi-Highlight aus der Region (Pfalz) und doch alles andere als ein Feld-Wald-Und-Wiesen-Regio-Krimi!
Ich freue mich schon auf den nächsten
Grosch-Passfeller-Fall!