Blaue Augen

  • DuMont
  • Erschienen: Januar 2008
  • Oslo: Piratförlaget, 2006, Titel: 'Øyne blå', Originalsprache
  • Köln: DuMont, 2008, Seiten: 254, Übersetzt: Hanne Hammer
Blaue Augen
Blaue Augen
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Ines Dietzsch
87°

Krimi-Couch Rezension vonMai 2008

Ein neues Ermittler-Duo betritt die Bühne, von dem wir mehr lesen wollen

Mit spielerischer Selbstverständlichkeit bewegen sich heute unsere Kinder in der Welt der modernen Medien. Nur wenige Mausklicks und schon unterhalten sie sich mit Gleichgesinnten, die möglicherweise abertausende Kilometer entfernt leben. Nicht nur unter Teenagern ist Chatten eine beliebte und alltägliche Form der Kommunikation, so auch für Tonje und ihre Freundinnen Lena, Marte und Aina im norwegischen Ski.

In einer kleinen Stadt

nur 30 Autominuten von Oslo entfernt, wird ein Mädchen als vermisst gemeldet. Ist die vierzehnjährige Tonje Kvamme einfach von zu Hause ausgebüchst? Wertvolle Zeit verstreicht bis die Polizei den Ernst der Lage erkennt und mit den Ermittlungen beginnt. Die Kommissarin Lisa Lunde holt kurzerhand den Schulpsychologen Sander Mørk aus Tonjes Schule mit ins Team, um den sozialen Hintergrund des Mädchens zu beleuchten. Es tauchen Fotos von Tonje im Internet auf und ein anderes Mädchen wird ermordet aufgefunden. Der Fall gewinnt an Brisanz, als die Ermittler Zusammenhänge zwischen der Mädchenleiche und der vermissten Tonje aufdecken und dahinter kommen, in welch tödliche Gefahr sich die Freundinnen in naivem Glauben gebracht haben. Ab jetzt zählt jede Minute.

Die Polizistin und der Snob

Sander Mørk - gesegnet mit einem geerbten Vermögen, hat sich in seinem neuen Leben im umgestylten Elternhaus eingerichtet. Auf seiner Terrasse liest er Val McDermid und philosophiert darüber, ob eine Mahlzeit, die in weniger als fünf Minuten verzehrt ist, eine einstündige Autofahrt und eine Zubereitungszeit von dreißig Minuten wert ist. Für Lisa Lunde bedeutet Essen hauptsächlich eins, Nahrungsaufnahme.

So ungleich Sander Mørk und Lisa Lunde nicht nur in ihren Essgewohnheiten sind, verbindet sie auch eine Gemeinsamkeit - beide sind nach Ski gekommen, um ihrer Vergangenheit aus unterschiedlichen Beweggründen zu entfliehen. Der Wunsch, diesem Geheimnis aus der Lebensgeschichte der beiden auf die Spur zu kommen, steigert die Spannung des ohnehin ab der ersten Seite fesselnden Romans noch zusätzlich.

Reale Gefahren aus der virtuellen Welt

In seinem Debüt nimmt sich Jan-Sverre Syvertsen eines der abscheulichsten Verbrechen an, Pädophilie - ein internationales Geschäft bei dem Kinderschänder laut Angaben der Vereinten Nationen jährlich 5.5 Millionen Euro Umsatz machen. Fahndungserfolgen gehen zeitintensive Operationen voran und sind nicht selten Produkte des Zufalles. Auch hat der technische Fortschritt das Kräfteverhältnis zu ungunsten der Fahnder verschoben.

Syvertsen beschreibt einen nachvollziehbaren Handlungsablauf und schätzt die Möglichkeiten der Ermittler realistisch ein. Dabei beschränkt er sich erfreulicherweise auf eine klare, sachliche Schilderung der Aufklärungsarbeit aus den recht unterschiedlichen Perspektiven der professionellen Ermittlerin und der des Psychologen und erspart dem Leser fast ausnahmslos die bildhafte Darstellung der grauenhaften Verbrechen. Das Ende, an dem die Polizei nur einen Teilerfolg verbuchen kann, gelingt viel ehrlicher als ein Friede-Freude-Eierkuchen-Schluss.

Außerdem besticht Blaue Augen durch seine überzeugenden Charakterstudien. Punktgenau zeichnet der Autor die provozierenden, pubertierenden Mädchen, den smarten Psychologen, der sich derer immer wieder erwehren muss, die Eltern von Tonje und die übrigen Protagonisten.

Augen auf beim Verkehr auf der Datenautobahn

Unterschwellig klingt in Jan-Sverre Syvertsens Roman eine Mahnung an uns Eltern an, genauer hinzusehen, wenn die Lenas, Lisas und Maries unserer Kinderzimmer im Netz unterwegs sind.

Fazit: Ein absolut gelungenes Debüt und man kann mit Spannung den nächsten Fall für das neue skandinavische Ermittler-Duo erwarten, der Stillste Wasser heißen wird.

Blaue Augen

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