Der Mann, der starb wie ein Lachs

Erschienen: Januar 2008

Bibliographische Angaben

  • Stockholm: Norstedt, 2007, Titel: 'Mannen som dog som en lax', Originalsprache
  • Köln: Random House Audio, 2008, Seiten: 6, Übersetzt: Köster, Gerd, Bemerkung: gekürzt
  • München: btb, 2009, Seiten: 351

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Eva Bergschneider
Ein Blick in die Tornedaler Seele

Buch-Rezension von Eva Bergschneider Apr 2008

Der Schwede Mikael Niemi wurde mit dem Jugendbuch Populärmusik aus Vittula, das 2002 auch in Deutschland erschien, in ganz Europa bekannt. Mit Der Mann, der starb wie ein Lachs publiziert der Autor seinen ersten Kriminalroman, aus dem allerdings keine Serie wie die Wallander-Romane des Kollegen Henning Mankell entstehen wird. Warum das so ist und welche historischen und sozialen Gegebenheiten die Grundlagen für seinen ersten Krimi liefern, erzählt der Autor im Krimi-Couch Interview.

Mit dem Lachsspeer aufgespießt

Zuerst fällt der Gemeindepflegerin Rauha Jauhojätvi der furchtbare Gestank und die Hitze im Haus des 89 jährigen Martin Udde auf. Eine Herdplatte ist voll aufgedreht und ein bis zur Unkenntlichkeit verkohltes Etwas liegt darauf. Im Schlafzimmer erwartet sie ein noch grauenvollerer Anblick; der alte Herr liegt mit aufgeschlitztem Bauch auf dem mit Blut und Körperinnereien übersätem Bettlaken. Die Polizei hat, was den Tathergang angeht, folgende Theorie:

 

"´Ein Lachsspeer´ murmelte Sonny, ´das ist ja krank. Der Alte ist wie ein Lachs umgebracht worden´".

 

Führte der kulturelle Konflikt Tornedalens zu Mord?

Die Stockholmer Polizistin Therese Fossnes kommt nach Pajala, um die Ermittlungen im Mordfall Udde zu leiten. Ihre Gespräche mit den Bürgern der Kleinstadt offenbaren, dass der Ermordete nicht gerade beliebt war. Der pensionierte Zöllner griff häufig diejenigen, die sich für den Erhalt des Meänkieli, der finnischen Sprache Tornedalens einsetzen, mit Leserbriefen an. Darüber hinaus drangsalierte der ehemalige Lehrer oft Jugendliche, die ihm irgendwie in die Quere kamen.

Schließlich wird Esaias Vanhakoski als Mordverdächtiger verhaftet. Der Rundfunkreporter hat nicht nur eine blutbefleckte Axt im Auto deponiert, sondern auch den Titel in seiner Tageszeitung "Mord an Zollbeamten" mit "Hecht endlich aufgeschlitzt" überschrieben. Trotz der Indizien, zweifelt Therese den Verdacht an. Stattdessen lässt sie sich auf eine Liaison mit Esaias und der konflikthaltigen Geschichte des idyllischen Landstrichs ein.

Geradlinig und authentisch

Der eigenwillige Stil Mikael Niemis, der die Leser und Kritiker in Populärmusik aus Vittula gleichermaßen begeistert hat, prägt auch seinen ersten Kriminalroman. Der Autor erzählt in ausdrucksstarken Bildern und mit viel hintergründigem Humor. Niemis direkte Wortwahl, mit der er Land und Leute beschreibt, klingt emotionsgeladen und teilweise recht schroff, ist aber auch voller Zärtlichkeit und Sympathie. Einen stringenten Spannungsbogen lässt der Autor vermissen, vielerlei Geschichten umgeben die Kernhandlung um den Mord und die Ermittlungen. Es ist nicht immer auf Anhieb erkennbar, wie der erzählte Ausschnitt einer Tornedalener Lebensgeschichte die Handlung weiter bringt. Dadurch bleibt der Lesefluss manchmal auf der Strecke.

Besen- und Sprachbarrieren

Es ist nicht zu übersehen, dass Der Mann, der starb wie ein Lachs eine Hommage Mikael Niemis an seine Heimat und ihre einzigartige Kultur darstellt. Die Konflikte des in schwedisches und finnisches Staatsgebiet geteilten Landes stehen klar im Mittelpunkt. Dennoch, oder gerade deswegen, hat der Autor einen unterhaltsamen Krimi geschrieben, der sowohl für die Polizistin aus der Stadt, als auch für den Leser besondere Pointen bereit hält. Gemeinsam mit Therese taucht man in eine abgelegene, ein wenig seltsame Welt ein. Wer kann denn ahnen, das Thereses Kollegen aus Pajala einen Durchsuchungsbefehl benötigen, um ein Haus zu betreten, vor dessen Tür ein Besen steht? Und warum benötigt man für die Zeugenbefragungen Einheimischer einen Übersetzer?

Einblicke in die Kultur

Nicht nur die Hauptpersonen Therese und Esaias hat der Autor sorgfältig entwickelt. Viele liebevoll gezeichnete Nebenfiguren, wie der Halb-Afrikaner Jan Evert Herdepalm und seine Mutter Alice oder die Polizisten Sonny und Eino, verleihen dem Roman seine besondere, nordische Atmosphäre. Ihre Schicksale erlauben einen Blick in die Seele Tornedalens. Mikael Niemi schreibt über Menschen, die sich über Jahre von ihren Wurzeln entfernt haben und nun um ihre kulturelle Identität kämpfen.

Aus Bildern und Geschichten, kreiert der schwedische Autor ein facettenreiches und tiefgründiges Gesamtwerk. Der Mann, der starb wie ein Lachs endet mit einer überraschendem Auflösung und einer Vision.

 

"Mir ist etwas in den Kopf gekommen, als ich in Pajala war, Mama.. Ich möchte gern Finnisch lernen."
"Ach was."
"Das sind schließlich Deine Wurzeln, Mama. Ich bin dann bestimmt der einzige halbe Neger, der Meänkieli kann."

 

Der Mann, der starb wie ein Lachs

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Letzte Kommentare:
14.03.2011 18:24:24
dr_lupus

Ich habe mich über die grottenschlechte Übersetzung ins Deutsche geärgert und darüber, dass ich nicht gleich das Original gelesen habe. Da werden derart dilettantische Fehler gemacht, dass man nur den Kopf schütteln kann. Beispiel gefällig? 1808 nimmt die russische Armee Helsingsfors ein, ihr fallen u.a. 110 Fahrzeuge in die Hände. 1808 und Fahrzeuge (also 80 Jahre vor der Erfindung des Automobils). Da wurde fartyg (Schiff) mit Fahrzeug übersetzt. Und solche Stilblüten finden sich auf jeder Seite. Die Übersetzering wurde damit keinesfalls das erste Semester an einer Uni überstehen.

Niemis Roman selbst ist wie immer super und ganz klar eine Empfehlung wert. Wer kann, sollte aber auf die deutsche Übersetzung verzichten, weil sie unterirdisch schlecht ist.

21.06.2010 12:18:48
koepper

Nachdem Populärmusik aus Vittula zu meinen absoluten Lieblingsbüchern gehört, war ich natürlich sehr gespannt auf den ersten Krimi von Mikael Niemi. Umso größer ist meine Enttäuschung über „Der Mann der starb wie ein Lachs“. Ich habe das Buch nicht zu Ende gelesen.
Niemi schildert sehr ausführlich - zu ausführlich - die Konflikte des in schwedisches und finnisches Staatsgebiet geteilten Landes. Er läßt sich in einer Breite über das Problem der verschiedenen Sprachen und Dialekte dort aus. Das mag für Finnen/Schweden interessant sein, mich hat das weniger interessiert.
Die Handlung des Krimis ist nicht stringent. Sehr oft schweift Niemi ab, was kein Schaden wäre, würde er seinen Sprachwitz und seinen grandiosen Humor, den er in Populärmusik unter Beweis gestellt hat, wirken lassen. Leider ist dies in diesem Buch nicht der Fall. Er schildert zwar Kurioses und Unterhaltsames, aber das ist einfach zu wenig um aus dem „Krimi“ ein gutes Buch zu machen. Schade.

09.02.2010 22:16:44
CRI

Ich bin von diesem Buch begeistert. Gekauft habe ich es als Krimi, die kulturelle/sprachliche Komponente hat mich überrascht und gefällt mir sehr gut.
Auch ein kleiner historischer Exkurs, den man benötigt, um die kulturelle/sprachliche Situation verstehen zu können, ist geschickt eingebaut, denn sicher wissen auch nicht alle Schweden so detailliert über die Landesgeschichte Bescheid.

Man muss übrigens kein Finnisch oder Meänkieli/Tornedalsfinska können, um dieses Buch zu verstehen.
Gerade dadurch, dass die meisten Leser diese Sprache nicht verstehen, spüren sie, wie es der Kommissarin ergeht. Geschickt erfährt man trotzdem, was gesagt wird, denn es wird für die Kommissarin bspw. von ihren Kollegen verdolmetscht.

Ähnlich ist es übrigens an einigen Stellen in den Büchern von Åsa Larsson, wo in vergleichbarer Weise auch ein wenig Nordsamisch als weitere in Nordschweden präsente Sprache eingestreut wird.

Mich hat Mikael Niemis Buch sehr neugierig auf Meänkieli und Finnisch gemacht.

Und ein spannender Krimi ist es obendrein.

29.12.2009 16:01:42
Salome Pockerl

Überaus lesenswert, wenn man ein offenes Herz und ein wenig Neugier auf das Fremde und das Unbekannte hat. Auch das langsame Versinken einer Kultur und das Aussterben einer Sprache kann spannend sein. Und diese Liebesgeschichte ist für mich auch spannend gewesen. Außerdem ist dieser Roman (Krimi darf er vielleicht wirklich nur heißen weil ein Mord und eine Polizistin vorkommen) in einer großartigen, plastischen, lebendigen Sprache geschrieben, die von der Übersetzerin Christel Hildebrandt bestens nachempfunden wird.
Absolut lesenswert.

18.07.2008 14:24:43
kayumanis

Na ja, war schon ein guter und interessanter Krimi mit wirklich fein gezeichneten Figuren. ABER: der Kern des Buches ist der kulturelle/sprachliche Konflikt zwischen den finnisch sprechenden Schweden und den "echten" Schweden. Die Gegend heißt Tornedal, in Nordschweden. Auch die aus Stockholm angereiste Kommissarin braucht einen Übersetzer, wenn sie auf finnisch befragt.
Was sich der Verlag dabei dachte reihenweise Sätze auf finnisch beizubehalten, bleibt ein Rätsel und stört den Lesefluss erheblich. Ich meine, dass ich kein Finnisch kann, war mir vorher auch schon klar.
Wahrscheinlich ist dieser Krimi für zweisprachige Tornedaler, voller wunderbarer Anspielungen und überaus lesenswert.
Leider schränkt das aber den Kreis der potentiellen Leser erheblich ein. Denen bleibt nur ein Halb- oder Viertel-Vergnügen.

07.05.2008 09:11:51
Panda

Leider finde ich auch, dass das Buch nicht wirklich lesenswert ist. Der Plot ist verworren und undurchschaubar, die Charaktere verwaschen und nicht ausgereift. Irgendwas fehlt. Vielleicht die Spur eines Lektorats?

12.04.2008 20:50:02
vargas

"Populärmusik aus Vittula" ist wirklich ein Spitzenbuch.
Das 2. von Mikael Niemi "Das Loch in der Schwarte" war schon ein Eckhaus schwächer.
Und jetzt hat er diesen Trend leider fortgesetzt: dieser "Krimi" (eigentlich ist es ja kein richtiger) ist weder spannend noch lustig. Gerade mal die kulturellen und historischen Hintergründe der Region sind recht interessant, aber das kannte man ja schon alles aus dem 1. Buch.

Absolut nicht lesenswert, leider!