Das Mädchen im Schnee

Erschienen: Januar 2000

Bibliographische Angaben

  • New York: St. Martin’s Press, 1997, Titel: 'Except the Dying ', Seiten: 255, Originalsprache
  • München: Heyne, 2000, Seiten: 316, Übersetzt: Evelin Sudakowa-Blasberg

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Jörg Kijanski
Empfehlenswerte Alternative zu Anne Perry

Buch-Rezension von Jörg Kijanski Apr 2008

Toronto, Februar 1895.
Constable Oliver Wicken hat einen ruhigen Arbeitstag hinter sich und freut sich auf das Ende seiner Schicht. Noch ein letzter Rundgang durch die einsam und verlassen wirkenden Straßen auf der Suche nach dem vielleicht ein oder anderen Obdachlosen, der sich ein illegales Nachtquartier gesucht hat, dann hat er es für heute mal wieder geschafft. Doch als er sich in einer dunklen Gasse erleichtern möchte, bemerkt er gerade noch im letzten Moment, dass vor ihm eine Leiche im Schnee liegt.

Detective William Murdoch übernimmt die Ermittlungen, die sich zunächst recht schwierig gestalten. Dem Opfer, einem jungen Mädchen, wurden offensichtlich nach Eintreten des Todes die Kleider entfernt. Zudem sind keine äußeren Verletzungen erkennbar. Erste Zeugenbefragungen führen Murdoch zu einem nahe gelegenen Haus, in dem die Prostituierten Alice und Ettie leben. Doch beide wollen von dem schrecklichen Vorfall nichts mitbekommen haben. Erst als ein Foto der Toten in der Zeitung veröffentlicht wird, gelingt der Durchbruch. Dr. Cyril Rhodes, ein bekannter Nervenarzt, identifiziert das Mädchen als seine Dienstmagd Therese Laporte, die vor zwei Tagen Dr. Rhodes Haus fluchtartig verlassen hatte.

Nach der Obduktion wird der Vorfall immer klarer. Offenbar wurde Therese mit Opium betäubt, dessen Wirkung sich aber erst nach einer gewissen Zeit einstellte. Das Mädchen war vermutlich vor jemanden geflohen und suchte angesichts der Kälte Schutz in der abgelegenen Straße, bevor die verheerende Wirkung der Droge einsetzte und das Mädchen einschlief und erfror. Somit muss Murdoch in einer Strafhandlung mit Todesfolge ermitteln und stürzt dabei in ein Wespennest. Nicht nur, dass die erst sechzehnjährige Therese in der sechsten Woche schwanger war, sondern auch die Verhältnisse im Haus von Dr. Rhodes sind nicht so wie sie oberflächlich erscheinen. Schon bald jedoch führen die Ermittlungen Murdoch in die höheren Kreise, nämlich zu dem einflussreichen Ratsherrn und Zeitungsherausgeber Godfrey Shepcote, dessen Tochter Harriet sich mit Owen Rhodes alsbald verloben soll. Kaum kommen die Ermittlungen voran, geschieht ein zweiter Mord...

Gelungener Mix zwischen Kriminal- und Historienroman

Die "Inspektor-Murdoch-Reihe" von Maureen Jennings ist eine sehr interessante Alternative für Leser/innen von Anne Perry. Jennings gelingt der Spagat zwischen Krimi und Historienroman, denn beide Genres werden reichhaltig bedient.

In der Familie des Dr. Rhodes mitsamt seinem Personal werden einige Verdächtige aufgebaut, so dass es für Liebhaber klassisch gestrickter Krimiplots genug Gelegenheit zum Mitraten gibt. Was hat es mit den späten, außerhäuslichen Arbeitszeiten des Dr. Rhodes auf sich? Warum kam Rhodes Sohn Owen am Abend des Todes von Therese erst mitten in der Nacht nach Hause und wieso benötigt er ein Alibi von seiner Freundin Harriet? Welche Rolle spielt der dem Alkohol zugeneigte Haushälter Foy und welche der scheinbar geistig zurück gebliebene Stalljunge Joe? Von wem wurde Therese geschwängert und noch wichtiger, vor wem flüchtete sie?

"Herrgott noch mal, Murdoch, Sie greifen wohl nach jedem Strohhalm? Wenn man Ihnen so zuhört, sagt keiner auch nur annähernd die Wahrheit."

Neben dem Krimiplot werden die Lebensverhältnisse der damaligen Zeit eindringlich dargestellt. Die meisten Menschen verfügen bestenfalls über ein Außenklosett, einen Abtritt bestehend aus einer Holzplanke. Nur in den vornehmen Häusern gibt es bereits vereinzelt Toiletten mit Wasserspülung. Auch die polizeiliche Arbeitsweise steckt noch vielfach in ihren Kinderschuhen. Während in Amerika erste Ermittlungsmethoden getestet werden denen Fingerabdrücke zugrunde liegen, versucht man es in Toronto noch mit einer sog. Bertillonage.

Nur wenige Kritikpunkte trüben den positiven Gesamteindruck

Krimiplot und Historie werden wie schon erwähnt gelungen miteinander verbunden, ohne dabei den eigentlichen Plot aus den Augen zu verlieren. Zwischendurch gibt es immer wieder ausführlichere Einblicke in das Leben im Haus von Dr. Rhodes. Dies alles ist kurzweilig geschrieben, so dass es kaum Kritikpunkte gibt. Der ein oder andere Tatverdächtige wird zu stark in den Fokus gerückt, so dass er gleich von vornherein ausgeschlossen werden darf und dass am Ende "Kommissar Zufall" in die Ermittlungen eingreift soll hier ebenfalls nicht verschwiegen werden. Zudem werden einige "Side-Storys" lediglich angerissen (z. B. Murdochs Probleme mit seinem Vorgesetzten) bevor sie plötzlich wieder aus der Story verschwinden.

"Das Mädchen im Schnee" ist solider, angenehm zu lesender Mainstream mit einer Auflösung, die einen nicht zwingend überraschen muss (aber kann).

Das Mädchen im Schnee

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Letzte Kommentare:
26.12.2013 13:35:16
Nikki

Beim stöbern auf Buchflohmärkten findet man doch die eine oder andere Perle - so ist es auch mit dem Buch von Maureen Jennings "Das Mädchen im Schnee". Ich habe nie von der Autorin gehört. Doch das Cover hat mich angezogen und beim Lesen des Klappentextes wusste ich, dies kann ein Buch für mich sein.

Die Geschichte spielt in Toronto im Jahr 1895 - das finde ich eine äußerst interessante Epoche. Die Zeit, der schon fortgeschritten Industriealisierung.

Den Prolog fand ich als Einstieg ganz klasse und ein guter Spannungsbogen. Zwei Perspektiven - in einer werden die letzten Lebensstunden von dem Hausmädchen Therese erzählt. In der anderen weiß der Leser/die Leserin nun, dass das Mädchen tot im Schnee liegt und von zwei Frauen schnell entkleidet wird, um die guten Stoffe, Schuhe zu ergattern.

Die Leiche bleibt nicht unentdeckt - das ruft Detectiv William Murdoch auf den Plan. Ein mir sympathischer Polizist, keine schöne Vergangenheit, nimmt Tanzstunden, lebt zur Untermiete bei einem älteren Ehepaar und gläubiger Katholik.

Die Ermittlungen führen in das Haus der wohlhabenden Familie Rhodes. Hier hat die arme Therese gearbeitet. Ist der Mörder hier zu finden? Die Untersuchung ergab, dass Therese schwanger war und ihr Opium verabreicht wurde. Cyril Rhodes ist Arzt...
Die "ach, so gute" Bürgerlichkeit - alles nur Fassade? Konventionen, die keinesfalls gebrochen werden dürfen.
Auch eine Spur führt Murdoch zu den Protistuierten Ettie und Alice... was wissen die Frauen?

Die Autorin hat wirklich die Atmosphäre der damaligen Zeit aufbauen können. Kanada - ein Einwandererland - viele Nationen. Auch leben Protestanten und Katholiken nebeneinander. Doch ich spürte teileweise das es zwischen den beiden Religionen Sticheleien und Konflikte gibt. Ein Rosenkranz zu beten... das sei unschicklich und nicht wahr. Und auch klar hervor geht, zwischen Arm und Reich ist eine riesige Kluft. Es wird hier nicht das ärmliche Leben geschönt. Auch nicht das Leben von Ettie und Alice, die zwei Dirnen, schlechte gesundheitliche Verfassung, Spucknäpfe, Alkohol. Die Ermittlungen gehen einher mit "modernen" Errungenschaften - Fernmeldekasten/Telefon. Es gibt kurzen Einblicke in die Medizin: neue medizinische Behandlungen, wobei mir diese zweifelhalft erschienen - "Mesmerismus".

Es gibt noch drei weitere Bücher um Detectiv Murdoch, doch anscheiend nur noch gebraucht zu ergattern.

Mir hat das Buch gut gefallen. Es war spannend, doch keine extrem überschlagenden Ereignisse, doch gemütliche Lesestunden.