Zentrale ruft Wagen 28

Erschienen: Januar 1961

Bibliographische Angaben

- 164 Seiten, HC [Goldmanns Taschen-Krimi 1034]

- aus dem Englischen von Paul Baudisch

- Vorausgaben:

  • New York: M. S. Mill & William Morrow, 1955, Titel: 'Broken Shield ', Seiten: 191, Originalsprache
  • München: Goldmann, 1959, Seiten: 189

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Michael Drewniok
Trifft es einen, kommen sie alle

Buch-Rezension von Michael Drewniok Jan 2021

Ralph Lindsey ist jung und muss noch viel lernen als frischgebackenes Mitglied der Staatspolizei des US-Staates Massachusetts. Der erfahrene Kollege Paul Corey hat ihn unter seine Fittiche genommen. Gemeinsam fahren die beiden Beamten Streife durch ein weitläufiges Revier, das durch Kleinstädte, dichte Wälder und einsame Nebenstraßen geprägt wird.

In der Regel sind es Verstöße gegen Verkehrsregeln, Diebstähle oder Prügeleien, um die sich Corey und Lindsey kümmern müssen. Aktuell sorgt jedoch eine Räuberbande für Aufregung: Sie überfällt mit wertvoller Alkoholfracht beladene Lastwagen und geht dabei überaus brutal vor. Wer herausfindet, wie diese Raubzüge organisiert werden, darf mit Beförderung rechnen - ein Gedanke, der dem ehrgeizigen Lindsey nicht aus dem Kopf gehen will.

Als er eine Verkehrsüberwachung übernehmen soll, bittet Lindsey Corey um einen Diensttausch; der Jungpolizist möchte in der Räuber-Sache Nachforschungen anstellen. Gutmütig geht Corey darauf ein. Kurz darauf ist er tot - erschossen während einer Kontrolle von einem Mann, der offensichtlich Grund hatte, sich nicht überprüfen zu lassen.

Ein Polizist wurde ermordet! Das Revier verwandelt sich in ein Nest zorniger Wespen, die in alle Richtungen ausschwärmen und den Täter suchen. Ralph Lindsey ist besonders motiviert: Dass Corey während eines Dienstes starb, den eigentlich der jüngere Kollege hätte leisten sollen, lassen die Kameraden ihn deutlich spüren. Dabei macht sich Lindsey selbst die meisten Vorwürfe. Gegen alle Widerstände gelingt es ihm, Teil des Ermittlungsteams zu werden. Lindsey will den Täter stellen - auch wenn es ihn selbst das Leben kosten sollte!

Dienst als Mission, Polizisten als Ritter

Ben Benson (1915-1959) ist ein vergessener, aber interessanter Autor - ein früher Vertreter des Subgenres „police procedural“ oder „police crime drama“, das im Milieu der Ordnungshüter spielt und neben der Fahndung nach Kriminellen die speziellen Alltagsprobleme jener thematisiert, die sich die Verteidigung von Recht & Ordnung auf die Fahnen geschrieben haben.

Was hier absichtlich ein wenig pompös ausgedrückt ist, weil Polizisten für Benson darüber hinaus einer Mission verpflichtet sind: Zwar sind sie beinahe menschlich = hin und wieder im Zwiespalt mit sich und ihrem Job, der jedoch gleichzeitig eine Berufung ist und beinahe wie eine Religion zelebriert wird. Ralph Lindsey ist nicht einfach ein junger Polizist - er ist Knappe in einem Orden blau gewandeter Ritter, die das Königreich gegen das Böse verteidigen! Dies inszeniert Benson mit einer Inbrunst, die heute sowohl amüsiert als auch peinlich berührt, weil er parallel dazu einen ‚Erziehungsauftrag‘ erfüllt: Wenn die Polizei Fehler macht, sind dafür unerfahrene Jungspunde wie Lindsey verantwortlich, die (noch) nicht begreifen wollen, dass sie den älteren = erfahrenen Kollegen und Vorgesetzten blind zu vertrauen und zu gehorchen haben.

Tanzen sie aus der Reihe, bricht die Weltordnung umgehend zusammen. Lindsey hat mit dem Blick auf raschen beruflichen Fortschritt den Dienst getauscht, wodurch ein Kollege umkam. Dieser war unvorsichtig, aber die ‚Schuld‘ trägt trotzdem der ‚Neue‘, der bald wünscht, es hätte ihn erwischt - zumal besagter Kollege ein ‚guter Polizist‘ sowie verheiratet und Vater war. Solche absurden Ansichten sind jedoch normal in einem Umfeld, das mehr Kaserne als Polizeirevier ist: Die Staatspolizei von Massachusetts ist paramilitärisch organisiert. Die Beamten haben im Dienst Präsenzpflicht und warten wie Roboter in ihrer Ecke auf den nächsten Einsatzbefehl.

Lehrjahre sind bitterernste Jahre

Die Stimmung ist düster und melodramatisch, schon bevor der tapfere Corey fällt. Benson vertritt als Autor ausgesprochen konservative Werte. Immer wieder gibt es Passagen, in denen exemplarisch deren Verfall und die Folgen geschildert werden. Gern stellt Benson dem ‚alternative‘ Szenen entgegen, in denen er ein traditionelles, mittelständisches, gleichzeitig zuckersüß-moralinsaures, spießiges US-Amerika à la Norman Rockwell feiert.

Dreiste Verbrecher, sittenlose Bürger und vor allem eine verlottert-bösartige Jugend: Benson entwirft ein schauriges Bild, dessen Manipulationszweck heute offensichtlich ist. Seinerzeit dürfte der Autor vor allem Beifall gehört haben, denn er thematisiert die Ängste jenes Teils der US-Gesellschaft, der nach dem Zweiten Weltkrieg feststellen musste, dass sich die nachwachsende Generation nicht mehr nachfragefrei lenken lassen wollte.

Ralph Lindsey wird als Gegenentwurf präsentiert: Er ist erst 23 Jahre ‚alt‘, wirkt sogar noch jünger, war aber schon in Korea, wo er in einem (nie offiziellen) Krieg vorbildlich seinem Land gedient = Kommunisten gezüchtigt hat. Falls er jemals eigene Zukunftspläne gehabt haben sollte, musste er sie ad acta legen, sobald sein Polizisten-Vater verletzungsbedingt aus dem Dienst scheiden musste - denn Sohn Ralph wurde zum Stellvertreter, der eine Polizeilaufbahn zu absolvieren hat, die dem Senior verwehrt blieb.

Undank als Ansporn

Die Serie um Ralph Lindsey (Zentrale ruft Wagen 28 ist ihr vierter Band) ist auch die „Coming-of-Age“-Story eines Mannes, der zum Rädchen einer Benson-konformen Gesellschaft geschliffen wird; dazu gehören private, aber lehrreiche Enttäuschungen. Also Mal trifft Lindsey, der doch ein idealer Ehemann und Vater wäre, auf Frauen, die seinen Wert nicht begreifen, weil sie entweder töricht nach vermeintlich Höherem - Geld, Ruf, Sicherheit - streben oder ‚richtige‘ Männer nicht neben bzw. über sich dulden.

Solche Magenbitterkeit bleibt erträglich, weil sie als solche wie gesagt erkannt und ignoriert werden kann. Außerdem ist Benson ein ‚ökonomischer‘ Erzähler, der einen stabilen Plot nie originell, aber plausibel und zügig entwickelt und vorantreibt, statt ihn über viele hundert Seiten breitzutreten. Wie zu erwarten stellt Benson das Verbrechen als zutiefst verwerfliches, geradezu sündhaftes Verhalten dar, das darüber hinaus zur moralischen Herausforderung wird: Wieso solchen Abschaum nicht einfach abknallen, wenn man ihn in der Falle hat? Ganz in diesem Sinn spielt der „zerbrochene Schild“ des Originaltitels auf das von einer Gauner-Kugel durchbohrte Dienstabzeichen des Beamten Corey an. Es wird zum Symbol eines Systems, das nicht nur angegriffen, sondern auch ‚beschmutzt‘ wurde und restauriert werden muss.

Für Lindsey - und damit für die Leser - gilt nach Benson dies: Über dem Menschen steht DAS GESETZ. Ihm dient man bedingungslos, auch wenn man dabei manchmal auf der Strecke bleibt, weil es - leider - die Vorwegnahme eines gerichtlichen (Todes-)Urteils verbietet. Dies ist eine Lektion, die Lindsey lernen muss. Eventuell weiterhin vorhandenen Widerspruchsgeist wird man noch austreiben: Zwar ist er nicht juristisch, aber gemäß Polizei-Korpsgeist moralisch mitverantwortlich für den Tod des Kollegen. Deshalb versetzt man ihn an eine Art Straffront und in die Berge des Staates, wo er in Tiefschnee, Einsamkeit und mieser Unterkunft darüber nachdenken kann, was einen ‚guten‘ Polizisten ausmacht. (Daddy ist ebenfalls sehr dafür.)

Fazit

Die zwar routinierte, aber spannend und schnell erzählte Kriminalgeschichte wird ‚ergänzt‘ durch den Lernprozess eines jungen, übereifrigen Polizisten, der auf die harte Tour lernen muss, dass Systemunterordnung den Weg zum beruflichen und privaten Heil darstellt: Autor Ben Benson ist grobmotorisch konservativ, ohne darüber seine Unterhaltungsqualitäten einzubüßen - eine seltene Kombination!

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