Das Erbe des Bösen

Erschienen: Januar 2008

Bibliographische Angaben

  • Helsinki: WSOY, 2007, Titel: 'Pahan perimä', Originalsprache
  • Hamburg: Hoffmann & Campe, 2008, Seiten: 4, Übersetzt: Johannson, Ulrike
  • München: dtv, 2010, Seiten: 528

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Jörg Kijanski
Der finnische Top-Autor liefert einen packenden Thriller ab!

Buch-Rezension von Jörg Kijanski Mär 2008

Der finnische Genforscher Erik Narva steht mit seiner Firma kurz vor dem Abschluss eines großen Geschäftes mit China als er seinen Vater Rolf, der für ein paar Tage nach Berlin fahren wollte, nicht mehr per Handy erreichen kann. Dieses für seinen Vater untypische Verhalten irritiert Erik, so dass er in Rolfs Wohnung nach der Adresse des Hotels in Berlin sucht. Dabei findet er drei Briefe aus Deutschland, zwei davon von einer Frau namens Katharina Kleve. Doch soweit Erik weiß, war sein Vater noch nie in Deutschland. Rolf Narva wurde in Finnland geboren, zog 1937 zum Studium als Physiker in die USA und nach seiner Pensionierung wieder zurück nach Finnland. Auch seine Mutter Ingrid, die von Rolf seit vielen Jahren getrennt lebt, kann sich die Briefe nicht erklären, will den Namen Katharina Kleve nie gehört haben.

Da Rolf weiterhin nicht auffindbar ist, fliegt Erik spontan nach Berlin. Eine Spur führt dabei in ein Pflegeheim, wo Erik auf die geistig in der Vergangenheit lebende Katharina Kleve trifft. Diese erzählt etwas von "Wunderbomben" und erwähnt auch Ingrids Namen. Als Erik nachfragt, erfährt er, dass seine Mutter am Institut für Eugenik, dem berüchtigten Institut für Rassenhygiene, gearbeitet haben soll. Und auch bei seinem Vater verdichten sich die Anzeichen, dass er eine zweifelhafte Vergangenheit gehabt hat, denn offensichtlich hat er von 1937 bis Kriegsende nicht in Amerika studiert, sondern für die Nazis gearbeitet.

Was Erik (noch) nicht weiß ist, dass Rolf ab 1937 im Bereich der Kernenergieforschung tätig war. Uran sollte angereichert werden, um doch noch die Wende im Zweiten Weltkrieg zu ermöglichen. Rolf arbeitete als finnischer Experte in einem unterirdischen Versuchslabor an der Entwicklung der V2-Bombe mit, aber kurz vor Kriegsende geht es plötzlich nur noch darum, das angereicherte Uran vor dem Feind zu verstecken.

Jetzt holt Rolf seine Vergangenheit wieder ein, denn er wurde in Berlin entführt. Er kennt zwar nicht die Identität und Ziele seiner Entführer, nur eines ist klar: Die beiden Männer wollen das Uran in ihren Besitz bekommen. Da die Entführer damit drohen, Eriks Kinder umzubringen, führt Rolf sie zu dem alten Versteck, doch dieses ist leer. Nur wenig später schlägt eine aus Finnland gestartete Rakete in St. Petersburg ein...

"Wie verhalten sich Kinder, deren Eltern als Wissenschaftler für die Nazis gearbeitet haben?"

Diese Frage muss sich Eric Narva plötzlich selber stellen und kommt dabei zu einer erschütternden Antwort. Seine eigenen Eltern lebten zur Zeit des Zweiten Weltkrieges nicht, wie ihm immer erzählt wurde, als Studenten in Amerika, sondern arbeiteten als Wissenschaftler in Nazi-Deutschland. Fassungslos erfährt Eric mehr und mehr schmerzhafte Details. Sein Vater arbeitete im Atomforschungsprogramm unter von Braun und Heisenberg, seine Mutter als Assistenzärztin des Genforschers von Verschuer, der einige seiner "Versuchsobjekte" direkt vom KZ-Arzt Mengele bekam.

Von der Eugenik, der Rassenhygiene, zur Genetik. Und (fast) alle Länder machen mit...

Doch Bestsellerautor Ilkka Remes zeigt nicht nur glänzend auf, wie das Leben Eric Narvas vergleichbar einem Kartenhaus zusammen fällt. Wie üblich hat Remes umfangreich recherchiert und so trifft den Leser/die Leserin die Thematik mit voller Wucht. Von der sogenannten "Rassenhygiene" der Nazis hin zur heute aktuellen Genetik ist es nur ein schmaler Grad und dass der bedauernswerte Protagonist Eric Narva selber als Genforscher arbeitet, ist angesichts der Biographie seiner Mutter natürlich besonders prekär. Aber, und hier legt Remes den Finger in die offene Wunde, es waren nicht die Nazis, die die Eugenik erfunden haben (und indirekt nach Kriegsende weiterführten). Vielmehr entstand die Idee, die von den Nazis mit brutalsten Methoden umgesetzt wurde, schon wesentlich früher in Amerika und dass nach Kriegsende in einigen europäischen Ländern weiterhin in gigantischer Größenordnung beispielsweise Zwangssterilisationen vorgenommen wurden, wird ebenfalls nicht verschwiegen.

Dass führende Nazi-Forscher unmittelbar nach Kriegsende in den Dienst der Amerikaner aufgenommen wurden, ist verständlich. Zum einen sollte deren Fachwissen nicht in die Hände der Russen fallen, zum anderen wäre ohne die deutschen Forscher um Wernher von Braun die Apollo-Mission nicht möglich gewesen. Die diesbezüglichen Hintergründe (vor allem die in diesem Zusammenhang durchgeführten Versuche mit sogenannten "Freiwilligen") und Zusammenhänge, der Kalte Krieg läst grüßen, erschaudern einen bei der Lektüre und auch die Forschungsarbeiten von Erics Mutter lassen die Leser/innen sehr nachdenklich werden.

"Leicht" zu lesen, aber mitunter sehr schwere Kost

Das Buch ist nicht immer einfach zu lesen, kurzweilige Unterhaltung schon gar nicht, aber wer sich mit den genannten dunklen Kapiteln beschäftigen möchte, findet hier einen ganz hervorragenden Lesestoff, wobei das Wort "hervorragend" nicht nur politisch absolut unkorrekt ist. Mea culpa.

Neben den ehemaligen Forschungsarbeiten und deren Folgen gibt es aber natürlich auch noch eine aktuelle Handlung, denn das damals versteckte Uran fällt Terroristen in die Hände, die es den Amerikanern einmal so richtig zeigen wollen und am Ende dieses faszinierenden Buches ist der Schuldige plötzlich ganz woanders zu finden.

Bleibt abschließend festzuhalten, dass es nur wenige Schwachstellen gibt, allen voran die in diesem Fall penetranten Cliffhanger. Sonst bei Remes eine sichere Bank, übertreibt der Finne hier maßlos. Das Wort "Entsetzen" wird in seinen zahlreichen Schattierungen in geradezu inflationärer Weise eingesetzt und nervt insbesondere gegen Ende des Romans. Dieser kleine Wermutstropfen kann aber ebenso wenig wie das Finale (James Bond und Co. lassen grüßen), nicht darüber hinwegtäuschen, dass Ilkka Remes hier sein bislang bestes Werk gelungen ist.

Das Erbe des Bösen

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Letzte Kommentare:
26.01.2012 13:05:25
Herry Klein

Ich kann mich nur voll und ganz der positiven Kritik von Jörg Kijanski anschließen.

Das Buch ist anfangs sicherlich nicht leicht zu lesen. die Thematik ist aber so gut dargestellt, dass man es nicht weglegt, sondern intensiv weiterliest.

Im letzten Drittel baut sich dann aber eine Spannung auf, die einen das Buch nicht mehr aus der Hand legen lässt.

28.07.2010 15:12:44
annetine62

Die Geschichte an sich sehr spannend, gute Idee, die Charaktere vom Ansatz her interessant gedacht, aber sie bleiben leider dann doch sehr sehr oberflächlich. Die Sprache dagegen finde ich absolut daneben. So was von stilistischer Schlichtheit ist mir lange nicht begegnet. Ich denke, meine 13jährige Tochter hätte das besser hinbekommen. Schade, aber vielleicht liegt es ja auch an der Übersetzung.

18.12.2009 09:57:36
detno

Rezi zum Hörbuch "Das Erbe des Bösen", gelesen von Ulrike Johannson.

Kann man die Forschungen von Wissenschaftlern im Dritten Reich auf dem Gebiet der Raketentechnik, der Atomforschung und der Eugenik mit einem Terroranschlag in London verbinden und daraus dann einen spannenden Thriller basteln?

Ilkka Remes schafft das hervorragend.

Ständig zwischen Vergangenheit und Gegenwart wechseld wird dem Hörer vor Augen (besser in die Ohren) geführt, welche Verbrechen im Namen der Wissenschaft und Forschung damals in Deutschland begangen wurden und - was sehr starke Beklemmungen hinterlässt - auch nach dem Krieg weitergeführt wurde.

Es wird überaus deutlich, dass die Täter von einst entweder von den Alliierten bestraft wurden (Stichwort Nürnberger Prozesse) oder - wenn es dem eigenen Vorteil diente - in neuer Umgebung und im Auftrag der Demokratie und der Werte der westlichen Welt weiterarbeiten durften.

Selten habe ich meinen MP3-Player so oft auf "Pause" schalten müssen, um das Gehörte zu verdauen. Das Hörbuch beinhaltet harte Kost, aber die wird sehr verständlich und interessant dargeboten.

Ein Top-Hörbuch mit einem kleinen technischen Mangel. Manche Kapitelübergänge (und davon gibt es wegen der Zeit- und Ortssprünge viele) sind einfach nicht herauszuhören. Eine kleine, kurze Sprechpause von Ulrike Johannson wäre angebracht.

94° gebe ich gerne für dieses Werk.

26.04.2009 13:38:04
Anja S.

Das hier ist ein ausgesprochen spannender Thriller, gut zu lesen, jedoch mit etwas zu vielen Verwicklungen, so dass der Leser leicht den Ueberblick verlieren kann. Der Autor hat sehr ausfuehrlich ueber die medizinischen Verbrechen und das Raketenprogramm der Nazis recherchiert (und gibt auf seiner homepage weitere Informationen dazu) und beleuchtet einen graesslichen Aspekt der Naziverbrechen, der nur wenig bekannt ist. Auch die Rolle der Amerikaner waehrend des Kalten Krieges wird gut recherchiert dargestellt.
Weiter so, Herr Remes!!!

17.10.2008 12:13:13
Herr Lazaro

Ich stimme der KC Rezension zu: Dies ist der bisher beste Remes!

Es ist beindruckend, wie es Remes gelingt, den weiten Bogen zu zeichnen von der Frage nach der persönlichen Schuld eines Menschen, der mit seiner oder ihrer Arbeit als Wissenschaftler ein totalitäres Regime stützt bis hin zu den Implikationen, die dieses Verhalten auf die Nachkommen dieser Menschen in der Gegenwart hat.
Remes thematisiert den Zusammenhang zwischen der Eugenik der Nazis und aktuellen genetischen Forschungen, die, wie er zeigt, in ununterbrochener Tradition auf ersterer aufbaut. "Das Erbe des Bösen" wirft moralische und ethische Fragen auf, indem der Autor historische Personen und Tatsachen (z.B. die Operation Paperclip) geschickt in die Handlung des Romans einbettet und dabei zeigt, wie noch heute nahezu jeder Nutzen zieht von den unmenschlichen Forschungen und Menschenversuchen im Dritten Reich und anschliessend in den USA und anderswo. Insofern ist "Das Erbe des Bösen" ungewöhnlich, weil ein ernsthaftes moralisches Werk. Aber ebenso oder besser vorwiegend ein spannender Thriller, der den Vergleich mit den Besten dieses Genres nicht zu scheuen braucht.
Die in der KC Rezension bemängelten Cliffhanger habe ich persönlich nicht als störend empfunden, da haben andere Autoren wie z.B. Dan Brown ganz anders vorgemacht, wie man Cliffhanger als einziges Spannung erzeugendes Mittel verwendet, weil die Geschicht ansonsten einfach zu dünn und zu unglaubwürdig ist.
Bei Remes trifft das überhaupt nicht zu, die Geschichte ist fesselnd und stimmig, gut konsturiert und ebeso gut erzählt. Insofern ist der Einsatz des einen oder anderen Cliffhangers durchaus in Ordnung.

07.08.2008 21:07:19
Federfrau

Der Anfang ist recht zäh - es dauert, bis die Handlung in Schwung kommt und und erste Zusammenhänge zu ahnen sind.
Zu langatmig fand ich zum Teil die Rechtfertigungen Ingrids, hier wäre weniger mehr gewesen.
Die Tätigkeit von Wissenschaftlern in Nazideutschland, ihre Verstrickung und Mitwisserschaft in verbrecherische Methoden und die Auswirkungen bis heute werden nachvollziehbar und detailliert beschrieben, für mich der spannendste Teil des Buches.
Am Ende wird es dramatisch, aber es sind der Schlenker ein bisschen viele.
Alles in allem : ein spannendes und lesenswertes Buch, das mich dazu gebracht hat, zu einigen angesprochenen Themen weiter nachzulesen.

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