Tagebuch eines sentimentalen Killers

Erschienen: Januar 1999

Bibliographische Angaben

  • Barcelona: Tusquets, 1998, Titel: 'Diario de un killer sentimental', Originalsprache
  • München: Hanser, 1999, Seiten: 82, Übersetzt: Willi Zurbrüggen
  • München: dtv, 2001, Seiten: 80
  • Berlin: Solo, 2000, Seiten: 1, Übersetzt: Christian Brückner

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Jörg Kijanski
Hervorragender Lesespaß für eine Stunde

Rezension von Jörg Kijanski Mai 2003

In seinem Hotel in Madrid angekommen erhält ein Auftragskiller einen Umschlag, welches ein Foto seines nächsten Opfers enthält. Gedanklich ist der Killer jedoch ganz woanders, denn er erwartet die Ankunft seiner Freundin, der er zuvor einen Urlaub in Mexiko geschenkt hat, um seiner Arbeit ungestört nachgehen zu können. Doch stattdessen erhält er ein Schreiben von seiner Geliebten mit der er, entgegen der Grundregel für Profikiller alleine zu leben und Kontakte auf das absolute Minimum zu beschränken, seit drei Jahren zusammen ist. Sie hat in Mexiko einen Mann kennen gelernt und will bei diesem bleiben.

Umso besser, bleibt somit Ruhe den Auftrag auszuführen. Allerdings nur für kurze Zeit, denn gedanklich kann er sich nicht von seiner Freundin lösen. Als er in Istanbul auf sein vermeintliches Opfer stößt, begeht der Killer auch prompt den ersten Fehler. So will er beispielsweise mehr über das Opfer wissen und quält sich vor allem mit der Frage, warum er den Mann überhaupt umbringen soll. Deshalb entscheidet sich der Killer für eine kurze Durchsuchung des Hotelzimmers, trifft dort jedoch auf einen Wachposten, der sich als DEA-Agent, als Mitarbeiter der amerikanischen Anti-Drogen-Einheit, entpuppt. Kurzerhand ergreift der Killer die Flucht und versucht in einem Basar unterzutauchen. Dort wird er von zwei Männern bedroht, die kurz darauf von einem Fremden erschossen werden. Der Fremde ist, wie es der Zufall so will, das vermeintliche Opfer des Killers, dem dieser nun sein Leben zu verdanken hat...

Ironisch-süffisanter "Thriller"

Der in Chile geborene Autor hat mit dem vorliegenden Buch, Büchlein wäre wohl passender, eine ebenso eigenwillige wie unterhaltsame Story geschrieben. Ein in die Jahre gekommener, namenloser Auftragsmörder nimmt einen neuen Auftrag an, welcher ihm eine siebenstellige Summe einbringen soll.

 

"Du willst nur herausfinden, warum du ihn töten sollst. Ich kann dir sagen, warum."
"Und sagst du es mir?"
"Sicher: Weil man dir dafür einen Scheck über eine siebenstellige Zahl gibt, und zwar steuerfrei. Das ist der einzige Grund, du Idiot."

 

Doch ganz so einfach ist es dann eben doch nicht, denn der Killer verstößt schon seit Jahren gegen ein eisernes Grundgesetz in seinem Job: Lebe allein. Seit drei Jahren hat er bereits eine Freundin und schmiedet insgeheim schon erst Pläne, sich mit ihr gemeinsam in den Ruhestand zu begeben. Kein Wunder also, dass ihr Schreiben mit dem Verweis auf einen neuen Mann in ihrem Leben, seine Gedankenwelt durcheinander wirbelt und er anfängt, sich weitere Fehler zu erlauben. Verstärkter Einsatz von alkoholischen Getränken sowie käuflicher Liebe tun ihr Übriges.

 

"Hast du was für mich?"
"Probleme. Schwere Probleme. Zu viele Probleme", seufzte er.
"Mein Koffer wird soviel Übergewicht kaum verkraften."

 

Der in Ich-Form erzählte Roman kommt dabei weitgehend ohne Namen aus. Weder erfährt man den Namen des Killers oder den seines Auftraggebers. Die französische Freundin ist meist die Kleine, lediglich die Identität des Opfers wird gelüftet. Eine nicht unwichtige Rolle spielt das "Double" des Killers, welches ihm immer wieder beim Blick in den Spiegel oder ähnlichen Gelegenheiten begegnet.

Als ich mich über den Brunnen beugte, sah ich einen Typ, der die gleiche Jacke trug wie ich.

 

"Du hältst den Weltrekord, so tief, wie du in der Scheiße steckst.", sagte er anstelle einer Begrüßung.
"Ich weiß. Hilf mir, einen klaren Gedanken zu fassen."

 

Ein rasanter, ein ironischer Thriller über einen Killer, der seinen Job zunehmend aus den Augen verliert und somit geradewegs in sein Verderben rennt. Diesen Short-Cut des preisgekrönten Luis Sepulveda sollte man gelesen haben.

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