Immortalis

Erschienen: Januar 2008

Bibliographische Angaben

  • London: Orion, 2007, Titel: 'Sanctuary', Originalsprache
  • Berlin: Der Audio Verlag, 2008, Seiten: 5, Übersetzt: Koch, Wolfram
  • Reinbek bei Hamburg: Rowohlt, 2009, Seiten: 586

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Wolfgang Weninger
Ein Märchen ohne Rücksicht auf Verluste

Buch-Rezension von Wolfgang Weninger Mär 2008

Als R. A. Salvatore 2003 den siebten Teil seiner DemonWars-Saga mit dem Titel Immortalis veröffentlichte, ahnte wohl keiner, dass fünf Jahre später bei Wunderlich der neue Thriller von Raymond Khoury unter dem selben Titel auf den deutschen Buchmarkt geworfen wird, obwohl der Originaltitel Sanctuary (in etwa "Zuflucht" oder "Heiligtum") zum Stoff des Nachfolgers von Scriptum deutlich besser gepasst hätte.

Die Jagd nach dem Elixier der ewigen Jugend hat die Phantasie der Menschen seit je her beschäftigt, ohne dabei die Konsequenzen zu erkennen, die eine Verhinderung des Altersprozesses mit sich brächte. Wenn man sich vorstellt, dass bei einer gegenwärtigen Weltbevölkerung von über dreißig Milliarden Menschen kein Mensch mehr altert und immer weitere Nachkommen in die Welt gesetzt werden, ergibt dies nicht nur ein ethisches, sondern auch ein wirtschaftliches und lebensbedrohendes Debakel. Und mit diesem Grundthema hat der libanesische Autor seine von Rainer Schmidt übersetzte Geschichte um ein geheimnisvolles Buch geschrieben, auf dessen Buchrücken ein Uroboros drohnt. Die Kreisschlange, die sich selbst vom Schwanz her auffrisst und gleichzeitig wiedergeboren wird, kommt in einer Vielzahl von Religionen und Glaubensrichtungen als Stilmittel zum Einsatz.

In der vorliegenden Geschichte, die im November 1749 in Neapel beginnt und im Südlibanon im Oktober 2006 ihre Fortsetzung findet, versucht ein irakischer Antiquitätenhändler der Archäologin Evelyn Bishop oben angesprochenes Buch zu veräußern, das sie bereits Jahre zuvor bei einer Ausgrabung zu sehen bekam. Nach dem Ende des Irak-Krieges herrscht ein illegaler Ausverkauf von Antiquitäten. Aber Faruk, der Evelyn dieses Kleinod anbietet, weiß, dass noch andere Interessenten hinter dem geheimnisvollen Werk her sind, die keinerlei Skrupel kennen, die Seiten zu bekommen, auf denen die Formel für ewige Jugend beschrieben sein soll.

Evelyn und Faruk werden entführt. Evelyns Tochter Mia, die Zeugin der Entführung ist, wendet sich an die amerikanische Botschaft. Und dort wird die CIA eingeschaltet. Agent Jim Corben, ein beinharter Einzelgänger, nimmt die Verfolgung auf. Sein Gegenspieler ist bald lokalisiert. Sie nennen ihn Hakim, der Arzt, eine nahöstliche Ausgabe von Mengele & Co, der seine Experimente an lebenden Personen in unterirdischen Verließen durchführt, immer auf der Suche nach der Formel, die Macht und ewiges Leben verspricht.

Doch es gibt noch eine dritte Kraft, die mit allen Mitteln hinter dem Buch her ist. Die Nachkommen desjenigen, der vor drei Jahrhunderten die Formel am eigenen Leib erprobt hat und einsehen musste, welche ethischen und menschlichen Probleme entstehen, wenn man nicht mehr altert, versuchen ihr Erbe zurück zu bekommen, vielleicht zum Wohle der Menschheit ...?

Raymond Khoury hat auf über 500 Seiten ein Märchen geschaffen, in dem Gut und Böse im Ambiente des kriegsgebeutelten Nahen Ostens auf die Jagd gehen und dabei ohne Rücksicht auf Verluste wild durch die Gegend ballern, Menschen entführen, foltern und töten. Dabei versucht er im Stile eines Dan Brown populärwissenschaftliche Studien mit einer Fiktion zu verbinden, ohne allerdings mit dem Zeigefinger darauf hinzuweisen, dass irgend Etwas an dieser Geschichte wahr sein könnte und ohne dabei irgendeiner Religion zu nahe zu treten.

Bei so einer Räubermär steht grundlegend nicht die Handlung im Vordergrund, sondern die Action und der Erzählstil. Khoury schreibt handwerklich sehr gut, lässt die Geschichte flüssig und in kurzen Sequenzen laufen, wobei vor allem die Abschweifungen in den notwendigen geschichtlichen Background am Anfang ein wenig unverständlich sind, sich aber im Weiteren durchwegs für die Plausibilität als notwendig erweisen. Generell hat das Buch vom Beginn weg keinen Durchhänger in Sachen Spannung. Es liest sich zügig, kommt kontinuierlich zum Höhepunkt und erfüllt die Erwartungen des Lesers, so dieser sie nicht zu hoch geschraubt hat.

Immortalis ist einfache Spannungslektüre, die auch ein wenig Denkanstöße liefert, aber niemals weltverbesserisch oder aufgesetzt wirkt und auf Grund des Themas auch mit einigen phantastischen Elementen aufwarten kann. Urlaubslektüre aus einem Guss, ohne großes Wenn und Aber, von der besseren und unterhaltsamen Sorte.

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