Whisky ist auch in Ordnung

Erschienen: Januar 2005

Bibliographische Angaben

  • Tel Aviv: Hakibbutz Hameuchad, 2005, Titel: 'Viski ze be-seder ', Seiten: 239, Originalsprache
  • München: btb, 2008, Seiten: 317

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Jochen König
Lauwarm, aber so präsentiert, als wäre es ein Feuersturm

Buch-Rezension von Jochen König Mär 2008

Hanina, bzw. Chanina Regev, ehemaliges Mitglied einer israelischen Sonderheit, spezialisiert darauf Terroristen aufzuspüren und zu liquidieren, stößt zufällig im winterlichen Manhattan auf einen Mann, den er für den Mörder seines Kameraden Jonas hält. Regev, mittlerweile erfolgreiche Werbemanager, verfolgt den möglichen Killer in einen Pub, verwickelt ihn in ein Gespräch, bei dem er rausfindet, dass der früher "Adonas" genannte Mann mittlerweile eine Art Zuhälter geworden ist, der die Verkäuferin eines Herrenausstatters namens Winnie für sich anschaffen lässt. Regev sucht und findet Winnie, bleibt bei ihr, verwickelt sie in endlose Gespräche, provoziert ihren Zuhälter am Telefon und versucht verzweifelt herauszufinden, ob der tatsächlich jener Killer ist, der seinen Teamkollegen auf dem Gewissen hat; und der ihm nach einem Kampf in der Wüste entkam. Offiziell gilt Adonas als tot, gestorben an den Verletzungen, die er sich auf der Flucht zugezogen hatte. Doch Regev zweifelt. In beiden Richtungen. An diesem Zwiespalt ändert sich nichts bis zum Finale, das ihn und den möglichen Adonas wieder in einer Wüste, diesmal in New Mexico zusammenbringt. Zu einem langen Showdown mit ungewissem Ausgang.

Was sich hier noch einigermaßen stringent anhört, ist lediglich das grobe Handlungsgerüst eines Romans, der alles Mögliche ist, nur eins nicht: stringent.

Als erstes: "Whisky ist auch in Ordnung" ist kein Kriminalroman, ganz im Gegenteil, er benutzt Motive der Spannungsliteratur nur für ein Vexierspiel, ein überbordendes Hantieren mit Identitäten. Die teilweise während eines Kapitels mehrfach wechseln. So ist Regev nicht nur der gefährliche Auftragskiller, der aalglatte Werbemagnat, sondern auch der große jüdische Dichter, der von seinen Freunden und sich selbst Shakespeare genannt wird, manchmal auch Bill, Shylock oder Tino. Ähnlich ist es mit den Menschen, die ihm begegnen: da ist zunächst und vor allem die Verkäuferin Winnie, die eigentlich Melissa heißt oder Timberlake und die auch schon mal Polizistin sein darf, oder Kellnerin oder Teilzeit Philosophin (Freizeit-Psychologen sind sowieso sämtliche Beteiligte). Doch Sobol lässt seine Protagonisten nicht nur die Identität wechseln wie ein Mannequin seine Garderobe, er springt auch erbarmungslos durch Zeit und Raum, wechselt Lokalitäten und Persönlichkeiten teilweise mitten im Satz.

Denn er hat Großes vor: nichts weniger als die Geschichte Israels an ausgewählten Beispielen soll erzählt werden. Deshalb geht's über New York nach Sobibor, in britische Gefangenschaft oder in den Kampf mit Palästinensern. "Whisky ist auch in Ordnung" ist kein Roman, der eine oder mehrere Geschichten erzählen will, er ist ein Projekt, über dem in großen Lettern geschrieben steht: Ambition, nein, riesiger: Überambition! Und dieser hochtrabende Gestus bricht dem Buch letztlich das Genick. Denn anstatt die Dinge auf irgendeinen Punkt zu bringen, verlieren sich die zahlreichen Episoden in Beliebigkeit. Sobol gelingen zwar spannende Momente, kluge Einsichten und Betrachtungen. Aber in seinem Konzept der Irrungen und Verwirrungen - wenn es denn ein Konzept ist - verlieren sich nicht nur die Protagonisten, sondern auch das Wissen, um die tiefere Bedeutung des Erzählten und des Erzählens.

Natürlich ist Unsicherheit eines der Hauptmotive des Buches. Bis zum Ende wird nicht klar, ob der Verfolgte wirklich der Mörder des Freundes ist; eigentlich wird nie deutlich, ob überhaupt irgendetwas geschehen ist, oder ob Chanina sich selbst erfindet, alles nur phantasiert oder träumt. Dafür spräche, dass er als Figur ständig überhöht wird - er ist der tödlichste Killer der Welt, hat das Zeug zum größten Literaten der Menschheitsgeschichte und ist vermutlich der ausdauerndste Langstreckenläufer und beste Liebhaber aller Zeiten. Gleichzeitig betont Sobol, dass seine Hauptfigur nicht fassbar ist, eine leere Hülle, an der sich alles um sie herum bricht. Dabei erliegt er seiner Großmannssucht, denn in seinem Hang jedes Detail zu hinterfragen, und gleichzeitig nichts erklären zu wollen, ähnelt Sobols Erzählweise seiner Hauptfigur. Der Leser kann sich zwar herauspicken, was für ihn von Interesse ist, aber dafür muss man den Leerlauf und die Plattitüden dazwischen ertragen.

So ist "Whisky ist auch in Ordnung" eher ein selbstgefälliges Thesenpapier als ein Roman. Dass Sobol den gleichen Fehler begeht, wie viele Vertreter der sogenannten Hochliteratur vor ihm, ist da nur ein Mangel von vielen. Er erliegt nämlich dem Irrglauben, Genre-Topoi durchschaut zu haben, und will sie in seinem Sinne brechen, anstatt mit ihnen zu arbeiten. Und so benutzt er seine kleine Rachegeschichte nicht, um etwas Größeres dahinter zu entdecken, sondern erschlägt die arme Story mit volltönenden, aber letztlich hohlen Worten. Alles ist ungewiss, Dialoge kommen ohne Anführungszeichen aus, es existieren kaum nachvollziehbare Figuren, geschweige denn Menschen mit literarischem Antlitz, sondern Schablonen. Und wer am Ende stirbt oder lebt - wen kümmert's? Natürlich gibt es keine Auf- bzw. Erlösung am Schluss, keine erfüllte oder unerfüllte Liebe, darin zumindest ist Sobol konsequent. Das Ende steht am Anfang. Oder auch nicht.

"Whisky ist auch in Ordnung" ist kein Krimi. Deshalb fällt der Bewertungsgrad aus. Wenn es doch einen gäbe: lauwarm, aber so präsentiert, als wäre es ein Feuersturm.

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