Die Sehnsucht der Atome

Erschienen: Januar 2008

Bibliographische Angaben

  • Frankfurt am Main: Eichborn, 2008, Seiten: 368, Originalsprache

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Thomas Kürten
Zufall, Schicksal oder ein physikalisches Gesetz?

Buch-Rezension von Thomas Kürten Mär 2008

Hannes Jensen zählt seine Tage. Fünf sind es noch. Dann darf sich der reiche Witwer mit erst fünfzig Jahren in den Vorruhestand verabschieden und sich hinkünftig voll und ganz seinem Hobby, der Quantenphysik, widmen. Doch sein allerletzter Fall scheint eine einzige Fehlleistung gewesen zu sein. Denn der bedrohte Amerikaner ist am nächsten Tag tatsächlich tot. Hinzu kommt, dass die beiden zehnjährigen Söhne des Touristen eigenmächtig abgereist sind. Hat das mexikanische Kindermädchen, von dem die Kinder erzählt haben, es könne durch Gebete heilen, etwas mit den merkwürdigen Vorfällen zu tun?

Bevor noch Jensen die Spuren aufnehmen kann, die ihn schnurstracks nach Arizona führen, klingelt an seiner Tür die erblindete Witwe Annik O'Hara, die vom Tod des Amerikaners erfahren hat und selber auf der Suche nach dem Kindermädchen ist. Sie verfügt genau wie Jensen über Zeit und Geld, um einen spontanen Kurzurlaub im Land der unbegrenzten Möglichkeiten anzutreten. Und da sich der Frühpensionär dem überbordenden Charme der jungen Witwe nicht widersetzen kann, treffen sich die beiden schon bald an Bord des nächsten Flugzeugs.

Konflikte und Gemeinsamkeiten

Die Sehnsucht der Atome ist der erste Kriminalroman aus der Feder des Schweizers Linus Reichlin. Aus ungewöhnlichen Einfällen und originellen Zutaten hat er ein wirklich bemerkenswertes Werk entwickelt. Wer glaubt schon, dass sich Regeln der Quantenphysik für flüssig-flockige Unterhaltungsliteratur eignen könnte? Reichlin tritt den Beweis an und er schafft es sogar, nicht nur das Doppelspaltexperiment oder das Verhalten von Elektronen und Protonen anschaulich zu erklären, nein, er entwickelt darüber hinaus bald schon philosophische Ansätze, mit denen sich der stetig schwelende Streit zwischen Naturwissenschaft und Religion auf einen Nenner bringen ließe. Zwar hört es sich bei diesen Zutaten so an, als sei das Werk Intellektuellen vorbehalten, aber das Gegenteil ist der Fall. Reichlin kann tatsächlich trotz solcher Inhalte breit unterhalten.

Besondere Würdigung muss dabei die Figur Hannes Jensen finden. Nicht nur, dass er ein ungewöhnliches Hobby hat. In dessen Kindheit schon begründet der Autor sein ganz besonderes Interesse an der Aufklärung dieses letzten Falles: als kleiner Junge hat er für den Tod seiner Mutter gebetet und tags darauf starb sie bei einem Unfall im Haushalt. Jensen weigert sich seitdem, an die Kraft der Gebete zu glauben, um weiterhin von seiner eigenen Unschuld überzeugt zu sein. Nun sieht er sich erstmals in seinem Leben mit diesem Vorfall wieder konfrontiert. Darüber hinaus ist er der klassische, einsame Wolf: als Deutscher der Liebe wegen nach Belgien ausgewandert und hier auch nach über fünfzehn Jahren nicht Fuß gefasst. Und außerdem hat er auch nach über zwölf Jahren den Tod seiner Frau noch nicht verwunden. Er ist auf dem besten Wege, ein exzentrischer Sonderling zu werden, als ausgerechnet sein letzter Fall für ihn zu einer Lektion besonderen Ausmaßes wird.

Dass ein Kriminalroman zu begeistern vermag, weil er immer wieder auf Grundmotive der physikalischen Lehre zurückgreift, ist bemerkenswert. Verblüffend, wie der Autor es fertig bringt, seine Leser vom Abschalten sämtlicher Logik zu überzeugen und übersinnliche Kräfte, Gebete, Gottes Wille zumindest in die engere Wahl der Erklärungsansätze zu ziehen. Beruhigend, aber auch ernüchternd das Finale, das Dank einer Schlange doch eine irdische Interpretation der Geschehnisse anbietet.

Die Sehnsucht der Atome

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Letzte Kommentare:
22.05.2016 20:16:37
vifu

Dieses Buch hat mich sehr überrascht!
Der Anfang: schon wieder ein Polizist mit Psycho-Macken!
Aber diese physikalische Besessenheit von ihm und den daraus folgenden menschlichen Feedbacks, einfach und sehr fesselnd. Ob´s die medizinischen Begründungen gibt ist völlig egal. Es hat mich immer mehr eingewickelt und gepackt bis auf die letzten Seite. Von mir gibt´s 85° und eine warme Leseempfehlung!

15.09.2015 00:00:55
Christian Rangnick

Das Buch hat mich über weite Strecken sehr gefesselt. Besonders spannen wurde es als Jensen und O'Hara in Mexiko waren.
Die naturwissenschaftlichen Details haben haben sich mir selten erschlossen. Leider habe ich auch nicht mitbekommen, wie die mysteriöse Krankheit der Ritters mit deren Ermordung durch Botella und dem anfänglich erwähnten Drohbrief zusammenhängt!

21.06.2013 11:12:47
Emmbe

In meinen Augen gehört Linus Reichlin zu jenen deutschsprachigen Autoren, die noch viel zuwenig bekannt sind. Obwohl Vielleserin, habe ich vor Solothurn 2013 kaum etwas von ihm gehört. Doch nun bin ich begeistert. "Die Sehnsucht der Atome" finde ich genial und werde nun versuchen, auch alle übrigen Werke von Reichlin zu lesen.

31.05.2010 21:08:24
Togo

Beide Bücher haben mich gefesselt. Das ist mir das letzte Mal bei der Triologie von Stieg Larsson passiert Linus Reichlin zählt für mich zu den Top Autoren im deutschsprachigen Raum der Gegenwarts Literatur. Ich freue mich auf ein Fortsetzung.
Kann mir jemand sagen, ob es sich um den selben Linus Reichlin handelt, welcher früher für die Weltwoche geschrieben hat?

05.03.2010 09:21:45
sirod53

Ich habe beide Bücher von Linus
Reichlin mit großer Spannung gelesen.
Aber ich glaube, ich habe noch nie
einen Protagonisten dermaßen
gehaßt, wie O`Hara eine Hauptfigur
in diesen Büchern. Manchmal wollte ich
ihr beim lesen an den Hals springen
und sie schütteln wegen ihrer
kaltschnäuzigkeitund ihrer
Herrschsucht und Lieblosigkeit.

19.02.2010 10:24:44
top28

Eine interessante Konstellation bei dieser "Versuchsanordnung". Was ist Materie? Oder die alte Frage der Wissenschaft, gibt es eine Existenz jenseits des Messbaren?
Das ist teilweise sehr schön und interessant erzählt. Ohne auf den auch lesenswerten Plot der in Belgien und Mexiko spielenden Geschichte einzugehen will ich auf das Personal um den wenig sympathischen Ermittler Jensen kurz eingehen. Eine geheimnisvolle Blinde, ein gestörter Alkoholiker, weissagende Mexikanerin und ein gruseliges Zwillingspaar.
Die Aufzählung einiger wichtiger Figuren soll das Problem des Buches andeuten. Der Autor will zu viel! Neben der Erklärung eines komplizierten physikalischen Problems auch noch eine Geschichte jenseits der Versuchsanordnung zu erzählen, erweist sich für den Leser als Hindernis. Es bleibt etwas sehr ausgedacht und keine Figur kann eine emotionale Glaubwürdigkeit erzeugen, dennoch lesenswert auf Grund der klugen "Anordnung."

06.04.2008 12:29:51
Hannes Geyer

Das Genre des Kriminalromans eignet sich vorzüglich dazu, Bereiche unserer Wirklichkeit zum Thema zu nehmen, die mit den Rätseln unserer Erfahrung zu tun haben. Die moderne Physik zählt zweifellos zu diesen Grenzthemen.
Linus Reichlin hat es wunderbar verstanden, die spröden und oft schwer verständlichen phänomenologischen Ansätze des physikalischen Denkens mit einer flüssig erzählten Story zu verbinden. Mögen auch inhaltlich Fragen offen bleiben, so manches zufällig sein und nicht ganz so realitätsbezogen - als Parabel für das Modell unserer physikalischen Wirklichkeit hat es mich sehr beeindruckt. Ich bin sehr gespannt auf das weitere Schaffen des Autors.
Freunden der Naturwissenschaft empfehle ich auch den Krimi "Die Pythagoras-Morde" von Guillermo Martinez.

04.03.2008 16:24:53
Franz Meers

Ich kann der Rezension von Linus Reichlins "Die Sehnsucht der Atome" nur zustimmen. Selten habe ich einen Krimi gelesen, in dem eine spannende Story und ein durchaus philosophischer Anspruch so geschickt miteinander verworben wurden. Ausserdem ist es einfach wunderbar geschrieben, es lässt einen nicht mehr los. Die Figur der O'Hara ist vielleicht stellenweise etwas zu blass geraten, aber sonst stimmt hier wirklich alles. Kann ich nur empfehlen.

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