Jagdrevier

Erschienen: Januar 2008

Bibliographische Angaben

  • New York: Delacorte Press, 2003, Titel: 'Mission flats', Seiten: 369, Originalsprache
  • München: Heyne, 2008, Seiten: 526, Übersetzt: Wolfgang Müller

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Thorsten Sauer
Das meint Krimi-Couch.de: Landjunge wildert im Großstadtrevier

Buch-Rezension von Thorsten Sauer Mär 2008

Zugegeben, als Rezensent beschleicht mich immer so etwas wie Abneigung, wenn ich das Werk eines neuen amerikanischen Thriller-Autors in den Händen halte und bereits das Cover den großspurigen Hinweis auf einen der ganz Großen des Genres ziert: "Die Frage um die Nachfolge von John Grisham ist hiermit geklärt."

Nur zu häufig entpuppt sich das reißerisch angekündigte Werk als platte Story, mit allzu deutlichen Anleihen bei den großen Vorbildern. Selten gelingt es solchen Newcomern mit völlig neuen Ideen zu überraschen und - noch seltener - bei an sich bekannten Story-Zutaten, so etwas wie einen eigenen Stil zu entwickeln. Selten bedeutet aber auch, dass die freudige Überraschung umso größer ist, wenn es tatsächlich einem gelingt.

Eine Troika aus Hinterwäldler, Ex-Cop und Großstadtbulle

Ben Truman hatte sich sein Leben eigentlich anders vorgestellt. Er wollte raus aus dem verschlafenen Versailles im Bundesstaat Maine und eine akademische Karriere einschlagen. Private Gründe zwangen ihn aber zurück zu kehren und den Lebensweg seines Vaters, der Polizeichef des kleinen Ortes war, einzuschlagen. Folgerichtig beerbt er seinen alten Herrn, als dieser, nach dem frühen Tod der Mutter, in den Ruhestand geht. Obwohl der jüngste Polizeichef der USA, ist er in dem verschlafenen Nest ausschließlich mit Routinearbeit beschäftigt und zu einem wenig ereignisreichen Leben verdammt. Doch das ändert sich schlagartig, als er über eine Leiche stolpert. Nicht irgendeine Leiche, sondern der erstochene Bundesstaatsanwalt aus Boston, der in einer verlassenen Hütte liegt.

Das ist natürlich eine Nummer zu groß für den unerfahrenen Provinzbullen, der nicht einmal eine solide Polizeiausbildung vorweisen kann. Das FBI taucht auf und übernimmt die Regie. Doch Truman will sich nicht aufs Abstellgleis schieben lassen. Seine Leiche, sein Fall und den will er lösen. Die Spur führt nach Mission Flats, dem übelsten Viertel von Boston und weit zurück in ein dunkles Kapitel der Bostoner Polizei, in das niemand und erst recht kein Grünschnabel seine Nase stecken soll. Glück für Truman, dass er mit Kelly einen pensionierten Cop an seiner Seite hat, der sich in Versailles eigentlich zu Ruhe setzen wollte, aber aus ganz persönlichen Gründen bereitwillig seiner Reaktivierung zustimmt. In Boston gesellt sich zu dem Duo der undurchsichtige Drogenfahnder Gittens, der seine ganz eigene Auffassung von Gerechtigkeit und erfolgreicher Polizeiarbeit hat.

Souverän bediente Klischees

Landay bedient mit seiner Geschichte ganz bewusst - und deshalb souverän - Klischees. Der Grünschnabel macht Fehler, vermasselt Befragungen und ist impulsiv. Der erfahrene Ex-Cop agiert als stiller Lehrmeister und der Großstadtbulle scheint nur vordergründig kooperativ, trägt aber offensichtlich ein Geheimnis mit sich.

Von all dem erzählt Landay in einer lakonischen Sprache, mit der er den Leser durch eine gut konstruierte Geschichte führt. Ausgiebig widmet er sich Mission Flat, dem bösartigen Geschwür Bostons, und lässt Trumann, der in Boston studierte, die gänzlich unbekannte Seite der Heimatstadt seiner Mutter kennen lernen. Im Hintergrund entwickelt sich für den Leser - und hier ist tatsächlich eine Parallele zu Grisham - die große Verschwörung: Je weiter Truman in dem Fall voran kommt, desto schwerer wiegen die Steine, die ihm von offizieller Seite in den Weg gerollt werden. Die Bostoner Polizei und Mission Flat scheinen zu einer Koexistenz gefunden zu haben, bei der die Straßengangs ihre täglichen Drogengeschäfte erfolgreich abwickeln können, und gleichzeitig die Drogenfahnder ihre "Fangquoten" erfüllen. Dass dieses Gleichgewicht nicht ohne Korruption und Beugen der Dienstvorschriften aufrecht zu erhalten ist, liegt auf der Hand.

Eine größere Verdichtung hätte gut getan

Landay zeigt geschickt den Konflikt eines Polizeiapparats, der sich täglich dem Gewissenskonflikt ausgesetzt sieht, wie weit ein legaler Weg bei der Ermittlung einzuhalten ist. Welche Freiheiten dürfen einem Drogenfahnder gegeben werden, der an die großen Hintermänner kommen will? Doch nicht nur die Bostoner Polizei hat sich irgendwann für eine Seite entschieden, auch Truman - der von seinem ärgsten Widersacher nur mit "True-Man" angesprochen wird - stand vor einer ähnlichen Entscheidung. Landay treibt diese beiden Konflikte, die Bostoner Polizei mit ihren illegalen Methoden und das düstere Geheimnis des Protagonisten gekonnt auf die Spitze und überrascht kurz vor Schluss mit einer unerwarteten Wendung.

Interessante Ausgangssituation, zentraler Konflikt, stetiger Spannungsbogen und eine unerwartete Wendung zum Schluss; Landay hat fast alles richtig gemacht. Aber eben nur fast. Hätte er nicht den Ehrgeiz entwickelt, sein Erstlingswerk auf stolze 520 Seiten zu treiben, sondern die Story auf 400 Seiten verdichtet, könnte man eine uneingeschränkte Empfehlung aussprechen. So sind im zweiten Drittel des Romans einige Längen zu überwinden, in denen die Geschichte nicht richtig voran geht und besagter Spannungsbogen der langweiligen Waagerechten gefährlich nahe kommt. Er rettet sich aber mit dem interessanten Schluss und Jagdrevier eine Empfehlung mit kleinen Einschränkungen. Was bleibt ist die Erkenntnis, dass Grishams Nachfolge zwar weiter offen, aber ein viel versprechender Thrillerautor entdeckt ist.

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Letzte Kommentare:
01.07.2011 15:52:03
herr-herbert

Die Rezensentin Michelle liegt eigentlich schon richtig mit ihrer Ansicht.Es sollte aber nicht unterschlagen werden,daß der Autor einen ähnlichen Dreh auf Lager hat wie die gute alte Agatha in ihrem ersten Krimi (der Ich-Erzähler ist der Täter).Je mehr sich das Buch dem Ende nähert,um so mehr Dreck hat der Ich-Erzähler am Stecken.Als Leser fühle ich mich da schon sehr verarscht.Man sollte den Autor zwar nicht gleich erschießen,ihn aber auf jeden Fall dazu verdonnern eine Runde auszugeben.

23.03.2008 10:51:30
Michelle

Ein überraschend vielschichtiger Roman. Glaubt man, dass bestimmte Ereignisse nur dazu benutzt werden, um Seiten zu schinden, so sieht man sich am Ende getäuscht. Wenn man denkt, man ist der Lösung wieder ein Stückchen näher gerückt. so narrt uns der Autor mit neuen Wendungen. Was vorranging erscheint, wird nebensächlich und umgekehrt. Er bringt es sogar fertig, dass die Charakterzeichnungen nicht oberflächlich wirken. Lediglich im Mittelteil hat eine Straffung gutgetan. Ein kleiner Tipp ohne die Auflösung zu verraten, denn die hat es in sich: möglichst auf Details achten, denn die sind äusserst wichtig.