Im Namen des Schweins

Erschienen: Januar 2008

Bibliographische Angaben

  • Barcelona: Destino, 2006, Titel: 'En el nombre del cerdo', Originalsprache
  • Frankfurt: Frankfurter Verlagsanstalt, 2008, Seiten: 565, Übersetzt: Ralph Amann
  • München: Heyne, 2009, Seiten: 565

Couch-Wertung:

81°

Leser-Wertung

-
Zum Bewerten, einfach Säule klicken.
 50° 100°

Zum Bewerten, einfach Säule klicken.

Bitte bestätige - als Deine Wertung.

Gebe bitte nur eine Bewertung pro Buch ab, um die Ergebnisse nicht zu verfälschen. Danke!

0 x 91°-100°
1 x 81°-90°
0 x 71°-80°
0 x 61°-70°
0 x 51°-60°
0 x 41°-50°
0 x 31°-40°
0 x 21°-30°
0 x 11°-20°
0 x 1°-10°
B:89
V:0
W:{"1":0,"2":0,"3":0,"4":0,"5":0,"6":0,"7":0,"8":0,"9":0,"10":0,"11":0,"12":0,"13":0,"14":0,"15":0,"16":0,"17":0,"18":0,"19":0,"20":0,"21":0,"22":0,"23":0,"24":0,"25":0,"26":0,"27":0,"28":0,"29":0,"30":0,"31":0,"32":0,"33":0,"34":0,"35":0,"36":0,"37":0,"38":0,"39":0,"40":0,"41":0,"42":0,"43":0,"44":0,"45":0,"46":0,"47":0,"48":0,"49":0,"50":0,"51":0,"52":0,"53":0,"54":0,"55":0,"56":0,"57":0,"58":0,"59":0,"60":0,"61":0,"62":0,"63":0,"64":0,"65":0,"66":0,"67":0,"68":0,"69":0,"70":0,"71":0,"72":0,"73":0,"74":0,"75":0,"76":0,"77":0,"78":0,"79":0,"80":0,"81":0,"82":0,"83":0,"84":0,"85":0,"86":0,"87":0,"88":0,"89":1,"90":0,"91":0,"92":0,"93":0,"94":0,"95":0,"96":0,"97":0,"98":0,"99":0,"100":0}
Lars Schafft
Arte por el arte

Buch-Rezension von Lars Schafft Feb 2008

Genau so stellt man sich einen Literaten vor: Halbglatze, Vollbart, offenes Hemd, dampfende Tasse Kaffee und qualmende Kippe in einer Hand. So hat die Frankfurter Verlagsanstalt Pablo Tusset auf der Rückseite des Umschlags von Im Namen des Schweins abgebildet. Da fügt es sich passend ins Bild, dass der Katalane nach dem riesigen Erfolg seines zweiten Romans in Spanien wie vom Erdboden verschwunden sein soll. Vielleicht arbeite er ein einer Bar in seiner Heimat Barcelona, orakelt es auf der Website des Verlags. Komischer Kauz? Ganz bestimmt. So wie alle seine Figuren in Im Namen des Schweins.

San Juan del Horlá, Spanien: Es ist wahrlich nicht angenehm, was Kommissar José Maria Pujol an diesem Morgen sich erklären lassen muss - den Mord an einer alten, übergewichtigen Frau. Nicht abgestochen wie ein Schwein, dennoch wie eines in einem Viehtransporter zur Schlachtfabrik transportiert und ebenso in handliche Stücke wie für die Metzgerei geschaffen zerteilt - was den Pathologen vor eine knifflige Puzzlearbeit stellt und den Polizisten einen strapazierbaren Magen abverlangt. Zu allem Überdruss hat der Mörder eine Botschaft hinterlassen: "Im Namen des Schweins" hat er auf einen Zettel gekritzelt und diesen im Mund des Opfers drapiert. Kommissar Pujol, eigentlich gar nicht für diesen Mord zuständig und eh kurz vor seiner Pensionierung, kommt nach einem Gespräch mit dem Polizeipsychologen auf eine Idee, die nicht nur in Verbindung mit einem Gemälde von Hieronymus Bosch, sondern auch den Gedichten des Dorfpatricharchen steht. Und schon bald wird die Sache sehr, sehr ungemütlich ...

Pablo Tusset führt in Im Namen des Schweins den Kriminalfall an sich recht schnörkellos ein, um dann aber ganz weit auszuholen. In zwei Erzählsträngen lässt er sich nun viel Zeit, seine Charaktere mit vielen Pinselstrichen zu zeichnen: Auf der einen Seite, "in der Welt", wie es über den Kapitel steht, ermittelt Kommissar Pujol und krempelt dabei nebenbei sein Leben komplett um. Auf die bevorstehende Pensionierung scheint er plötzlich wenig Lust zu haben, schwärmt wie aus heiterem Himmel für gelbe Audi A3s - und dabei gehört er eher zu den Fahrern, die das Tempolimit unterschreiten -, kauft sich nicht nur erstmals einen CD-Player, sondern auch Alben von Manu Chao, und sorgt sich darüber, dass er für einen Notar anstatt eines Kommissars gehalten wird.

Auf der anderen Seite - fast wörtlich: in den USA - führt Tusset mit dem Ermittler T. (Tomas, ein Ziehsohn Pujols), die zweite Hauptfigur des Romans ein. Was T., Testosteron-geschwängert auf Frauen- wie Prügeljagd am Big Apple, mit der Geschichte zu tun hat, bleibt lange unklar. Eigentlich fühlt er sich pudelwohl in der Anonymität der Metropole (diese Kapitel hat Tusset mit "Im Paradies" überschrieben), macht dann aber wie Pujol urplötzlich eine Wende - und dann befinden sich beide im selben Fall.

So komplex der Roman strukturiert ist, so wenig nimmt er sich ernst und spielt selbstreflexiv mit dem Genre. Besonders deutlich wird dies, als Tusset den Schriftsteller Quique Aribau einführt:

 

"Vermutlich müsste man nur einen Roman schreiben, in dem steht, dass Jesus Christus schwarz, schwul und außerirdisch war [...] Aber noch während ich darüber nachdenke, wie man das alles dokumentiert, möchte ich lieber vom Erdboden verschwinden und etwas Einfaches schreiben. Lange Rede, kurzer Sinn: Mir schwebt vor, einen Krimi zu schreiben."
"Aha..."
"Na ja, ich denke nicht, dass es ein echter Krimi wird, weil mir Detektivhandlungen nicht liegen."

 

Das, was Tusset hier seinem Schriftsteller im Buch in den Mund legt, kann so durchaus autobiographisch verstanden werden. Dazu ähnelt dieser Quique Aribau auf frappierende Weise dem Foto des Autors. Ein Schalk, der Böses dabei denkt, soll dieser Aribau doch auch noch eine bedeutende Rolle zur der Lösung des Mords beitragen...

Im Namen des Schweins ist sicherlich kein Kriminalroman für Puristen. Vielmehr einer für literarische Schlemmer, die sich daran begeistern können, wie Pablo Tusset seine Geschichte spinnt, fabuliert und schräg wie pointenreich erzählt. Nicht genre-typisch, vielmehr Kunst um der Kunst willen, l'art pour l'art bzw. arte por el arte. Ein Roman, den man nicht verschlingt, sondern mit Ruhe genießt.

Im Namen des Schweins

Im Namen des Schweins

Deine Meinung zu »Im Namen des Schweins«

Hier kannst Du einen Kommentar zu diesem Buch schreiben. Wir freuen uns auf Deine Meinungen. Ein fairer, respektvoller Umgang sollte selbstverständlich sein. Danke!

Letzte Kommentare:
10.08.2013 22:50:48
Judith

Es fängt recht spannend an: eine Frau wird brutal ermordet und grausam verstümmelt. Die Ermittler tun ihr Bestes, um den Täter zu finden. Dann kommt der zweite Handlungsstrang ins Spiel: ein Typ schlägert sich durch New York. Im ersten Handlungsstrang gibt es immer mehr Theorien - und immer weniger Logik. Die Fehler werden immer plumper: so endet die Handlung zwar im November 2001, die Leute bezahlen aber schon in Euro, oops.

Nebenbei erfahren wir etwas über den privaten Hintergrund der einzelnen Handlungsträger; so kommt ein bisschen Farbe ins Spiel, das ist wenigstens den einen Stern wert. Schade, dass Tusset den Comisario Pujol auf so banale Art ums Leben kommen lässt. Zwischendurch kommt noch eine Frau ums Leben, zumindest verschwindet sie, und man findet eine Leiche, aber es muss ja wohl eine andere gewesen sein, denn die Verschwundene taucht ja am Ende wieder auf.

Ich habe nur bis zum Ende durchgehalten, weil ich wissen wollte, wer nun tatsächlich der Täter war und wie es zu dem Mord gekommen ist. Am Schluss wird wohl tatsächlich jemand verhaftet, aber wie die Polizei auf seine Spur gekommen ist, verschweigt uns Tusset. Ebenso wie sein Motiv. Aber ansonsten labert er viel - 500 Seiten lang über dieses und jenes, bloß nichts Konkretes, deutet hier eine schwere Kindheit und dort eine harte Jugend an, das alles hat mit der Geschichte aber auch nur am Rande zu tun.

Schade um die Zeit. Wenn ich mir stattdessen die Fußnägel abgekaut hätte, wäre die Zeit besser genutzt gewesen.

08.12.2009 13:21:48
Taennsche

Wie manch ein Vor-Kommentator war ich nach dem Vorgänger von Tusset sehr gespannt auf sein neues Buch. Die Charaktere sind unglaublich detailliert beschrieben, Tusset glänzt mit seinen sprachlichen Fertigkeiten ...und doch... dieses Buch ist wiederum ganz anders als "das Croissant". Erwartungen werden zu Nichte gemacht! Meine "romantische" Ader wurde am Ende des Romans - und hier kann ich nur zustimmen: es handelt sich nicht um einen Krimi - herbe enttäuscht. ;-) Trotz allem, sehr zu empfehlen und hoffentlich bleibt der Autor nicht weiterhin in der Versenkung, sondern schreibt noch viele, (vermutlich sehr unterschiedliche) Bücher!

02.10.2009 10:42:54
Lilly

Viel mehr, als langweilig kann ich gar nicht zu dem Buch sagen. Auf dem Umschlag steht, der Leser würde mehrmals auf die falsche Fährte gebracht werden. Wleche Fährte? Der, der hinter dem Mord steht ist doch schon ungefähr nach einem Drittel des Buches gefunden. Und die Verhaftungen am Ende kommen aus heiterem Himmel und werden überhaupt nicht begründet. Es heißt nur der Ermittler habe genug Beweise gefunden. Welche Beweise denn? Hab dich da was überlesen? Ich habe mich bis zum Ende durchgequält, in der Hoffnung, dass doch noch IRGENDETWAS passiert. Aber dem ist nicht so. Deswegen: langweilig ist die einzig passende Beschreibung!

31.08.2009 16:06:04
Detlef Müller

Nach "Das Beste was einem Croissant passieren kann" (Das Beste was einem Leser passieren kann) ist "Im Namen des Schweins" (Im Namen der Langeweile) mehr als enttäuschend.
Während das erste Kapitel noch interessant ist, ergibt der Rest nur pure Langeweile mit detailtreuem Gesülze des Autors.
Das ist schwer zu ertragen und zu schaffen.
Ich hatte mich schon so sehr auf dieses neue Buch von Pablo Tusset gefreut, aber es ist mit das schlechteste Buch, das ich je gelesen habe.
Auch wenn man keinen Krimi erwartet, ist der Inhalt (auf über 500 Seiten!!!) nur einschläfernd und hätte auch auf ein paar Seiten das gleiche Ergebnis erbracht: Nichts interessantes. Da wird wieder mal deutlich, wie falsch Süddeutsche Zeitung, FAZ und Co mit Ihren Meinung liegen.

09.10.2008 20:10:01
Michael E.

Finale furioso! Die drei Erzählräume ("Hölle", "Erde", "Paradies") sind brilliant in Szene gesetzt. Triviales, Komisches, Tragisches - hier wird ein Feuerwerk inszeniert voller Anspielungen an Literatur, Filme, Gemälde und Rockmusik. Allerdings ist das keine Bildungsverliebtheit, mit der der Autor hier kokettiert - er schafft dadurch einfach weitere Assoziationsebenen, die er - lustvoll - in seine Geschichte einbaut. Die FAZ hält es für ein "Meisterwerk". Diesem Wort ist allgemein zu misstrauen, "ein "kleines Meisterwerk" ist Tusset aber schon gelungen.

24.06.2008 22:11:05
JaneM.

Ein wirklich beachtliches literarisches Werk! Aber eigentlich sind es drei Stränge, wobei jeder seinen Reiz hat: die fast romantisch anmutenden Szenen in New York (wenn bloß die aufblitzende Gewalt nicht wäre); die beinah liebevollen Schilderungen des alt gewordenen Kommissars und die Sozialstudien der skurillen Einwohnerschaft im verrohten Bergdorf. Einzigartig im letzteren Strang sind die widersprüchlichen Charaktere- von sympathisch, über tragikomisch bis abstoßend. Ein wunderbar schillerndes, spannendes und verstörendes Buch- bei dem das Lachen zum Teil im Hals stecken bleibt. Das der Mordfall zu Beginn im Laufe der Geschichte relativ bedeutungslos wird (und irgendwie bis zum Ende auch bleibt) ist völlig egal.
Einzige Kritik: ein etwas zu plötzlicher Wechsel ins Kafkaeske zum Schluß. Für meinen Geschmack zu viel Jekyll und Hyde- das erklärt sich nicht allein durch den Stechapfel.

02.04.2008 18:02:01
Tom2005

Ist das wirklich ein Krimi? Klar, es gibt einen Mord. Aber was dann den Hauptteil des Buches ausmacht, sind zwei - zugegeben wunderbar geschriebene - Erzählstränge, die mit Ermittlerarbeit und Aufklärung ziemlich wenig zu tun haben. Nochmal: ein toll geschriebenes Buch. Aber eigentlich kein Krimi.